Ausgabe 
7.1.1914
 
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Ein Frühlingstraum.

Roman von Fr. Lehne.

(RaäHruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Aber, lieber Freund, was habe ich denn verbrochen, daß Die mich so strafend ansehen, als ob ich ganz etwas Ungeheuerliches begangen hätte? Es ist doch nun cinnial so, daß "

,.Ja, es ist einmal so leider " unterbrach ihn Wolf, es liegt mir fern, niich als Sittenrichter ansspielen zu wollen mag jeder treiben, was er will niir ist's gleich. Aber wenn mir zugemutet wird, solch eine holde junge Mäd- chenblnme zu knicken, nein, nein! Das Hab' ich niemals ver­zeihen können, wenn einer dazu gewissenlos genug ist! Eine Zeitlang mag solch Verhältnis wohl dauern aber wenn die Ernüchterung eiiitritt, was dann? Meistens ist doch ein solches Wesen dann nivralisch verderbt, daß es lein Zuriick mehr für es gibt und es der anständigen Gesellschaft ver­loren ist!"

Ach, Sie sehen ja viel zu schwarz! So ganz unrecht kann ich Ihnen indes nicht geben, wenn ich bedenke" enlgegnete Strachwitz sinnend,ich glaube, lvenn man über das. >vas man zu tun vor hat, mehr nachdächte und sich die Folgert vorstellte, würde manches llnrecht unterbleiben! Aber wozu grübeln! Das ist das Vorrecht des lAters warum sich dadurch seine schöne Jugendzeit verbittern! Wir können es doch nicht ändern! Leben und leben lassen, das ist meine Devise! Gehen Sie, Eato Sie sind ein rechter Grillenfänger." Das sagte er wieder in seinem früheren Lbcrmütigen Tone

Rein, Strachwlp, da? bin ich durchaus nicht! Früher war ich sogar ein ziemlich toller Junge aber die Ver­hältnisse haben es so mit sich gebracht, daß ich ernst wilrdc! Ein solches llnrecht wie das, tvvvon wir vorhin sprachen, habe ich mir aber niemals zu schulden kommen lassen! Viel­leicht kennen Sie auch das Heinesche Gedicht: Hab eine Jung­frau nie verführt mit Schmeichelwort und Rederei uslv. Heine ist sonst gar nicht ment Geschmack na kurzum, Strachwitz, Sie sollen mich nicht für einen Griesgram hal­ten, wenn ich auch jetzt etwas ernster denke als Sie! Damals hei den 12. Husaren hätte» Sie niich sehen sollen"

Mensch, Sie waren bei den 12. Husaren? Das weiß ich ja gar nicht! Sagen Sie mir nur um alles in der Welt, was Sie dann hierher verschlagen hat?"

Strachwitz hielt plötzlich inne, da er fühlte, daß er etwas taktlos mit dieser. Frage gewesen war. Wolssbürg sah ihn groß und ruhig an, als er mit wehmütigem Lächeln sagte: Die Verhältnisse, lieber Freund, die ich vorhin schon be­rührte Vielleicht ein andermal darüber! Und dann mit dem kleinen Mädel nicht wahr?" Er stockte, suchte offenbar nach Worten, doch Strachwitz kam ihm zuvor. Er drückte ihm tvarm die Hand,ich verstehe, Wolfsbnrg," sagte

er herzlich,es wäre auch schade um so etwas Süßes, Holdes!"

Am anderen Tage, gerade in der Mittagsstunde, ging Wolfsbnrg über den Rvlandsplatz. Wie zufällig blieb er vor dem geschmackvoll dekorierten Schaufenster von Frau Gün- del stehen und bemühte sich einen Mick in den Laden zu lverfcn. Hantierten dort nicht ein Paar weiße, zarte Hände? i Sah er nicht ein süßes Mädchengesicht sich eifrig über einen Karton, gefüllt mit bunten Bändern, neigen? Das Ivar aber alles so flüchtig vielleicht gar nur ein Spiel seiner Einbildungskraft. .Hastig ging er weiter; doch nach ein paar Minuten konnte er es sich nicht versagen, in der Hoffnung umzukehren, das holde Geschöpf zu sehen. Er hatte auch Glück; nicht weit vom Gündelschen Geschäft begegnete, sie ihm. Schon von weitem hatte er ihre gazellenschlanke, reizende Gestalt erspäht: er bemerkte, lvie das junge Mäd­chen bei seinem Anblick etlvas stutzte und wie sich eine dunkle Blntwelle über ihr Antlitz ergoß, als sic einander vorüber­gingen. Rach einer kleinen Weile wandte er sich um und sah sic an einem Schaufenster stehen und ihm ebenfalls nach- bllcken. f

Am nächsten Tä,r begegneten sie sich wieder, ebenso an den daranfsolgenden Tagen. Es war kein Zufall mehr, sondern er suchte dieses Zusammentreffen, und an ihrem jedesmaligen Erröten sah er, daß auch sie Interesse für ihn hatte. Er suhlte, daß er von diesem Mädchen, noch «he er cs recht kannte, nicht mehr los kommen konnte! Wohin sollte das aber führen ivie enden? Mit einer Heirat? ttnmög- lich < er, dev Träger eines alten angesehenen Namens, Offizier und sie eine kleine Putzmacherin, die nichts als beit allerdings ungewöhnlichen Liebreiz ihrer Person in die Wagschale zu lverfen hatte! Tagelang grübelte und sann er, was tun wenn er das Mädchen nur erst einmal gesprochen hätte! Wie sollte er sich aber nähern? Und wenn dann mußte er sich doch auch klar sein, was er eigentlich wollte! Er konnte ihr doch nicht gleich einen Heiratsantrag machen

--- da stand zu viel für ihn au; dem Spiel; mußte er doch

dann dem geliebten Soldatenstande Batet sage», er, der mit Leib und Seele seinem Könige diente. Und würde schließ­lich der Gewinn dieses Opser lohnen?

Strachwitz beobachtete ihn unausgesetzt; ihm siel der Wechsel in Wolfs Wesen ans früher von vornehmer siche­rer Ruhe jetzt eine unstetige .Hast: es mußte etwas Zwingendes, Mächtige» sein, das den geliebten Freund sa bewegte. Nicht länger vermochte er die Rolle eines stillen Beobachters zu spielen, und so suäite er den Freund denn eines Abends in der Wohnung auf. Wolfsbnrg lag grübelnd auf dem Divan, als ihm Strachwitz gemeldet wurde.Ah, willkommen," rief er aufspringend,welcher gute Geist führt Sie bei dem Hundewetter zu mir?"

Ihr guter Geist, Mölschen." entgegncte er bedeutungs­voll,na, ich will mich aber erst mal verpusten die zwei Treppeu hier herauf Puh lvie kau» mau überhaupt zwei Treppen hoch wahnen! 'neu Kognak? Ja, den nehme