Ausgabe 
5.1.1914
 
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Ein Frühlingstraum.

Roman von Fr. Lehne.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Ja," seufzte die alte Frau,ja. nwr hätte das gedacht, solch' junges Blut, daß sie beide schon tot sind!" Endlich kam sie dazu, inir die Geschichte zu erzählen; ihr Mann hals ei», wen» ihr der Fade» einmal abhanden kam oder! weuu sie gar zu weitschweifig wurde, und so erfuhr ich alles. Aufmerksam horte ich zu und Prägte meinem Ge­dächtnis alles genau ein. Ich stand aus und bedankte inich. Bei», Abschied sagte ich zun, alten Berger:Sie köiiii- ten getviß noch manches erzählen"

Ja," sagte er,manches, wenn ich reden wollte! Ach, was ist das Leben!"

Es ist schon spät, lieber Berger; ich muß eilen! Aber ich komme wieder, und dann müsse» Sie mir auch von den anderen Gräbern erzählen! Nochnials meinen Tank; leben Sie wohl!" Ich reichte den freundlichen Leuten die Hand und ging.

Das Gehörte beschäftigte mich sehr, um so mehr, da ich de» Leutnant Wolssburg so gut gekannt hatte. Zu Lebzeiten tneines Mannes war er ein gernaesehener Gast, ein lieber Freund unseres Hauses, und ich hatte viel für ihn übrig, da er ein goldtreuer, über alles streng ehrenhafter Charakter war. Da Hab' ich sei» Wesen gekannt ernst und tüchtig; doch wenn er aus sich herausging, von herzbetörendey Liebenswürdigkeit. Zum Begräbnis meines kleinen Alfred habe ich ihn zuletzt gesehen dann verließ ich meine Vaterstadt auf lange Zeit, da mir der Aufenthalt dort vor­läufig unmöglich war ich mußte Abwechselung, Zer­streuung haben. >oe»n ich geistig nicht zu Grunde gehen wollte. Nach ungefähr einem Jahre bekam ich nach Jsola bella die Anzeige seiner Verlobung mit einem Fräulein Ulrich nachgeschickt. Ich gratulierte; für mich hatte damals nichts Interesse, so daß mir sogar diese Verlobung gleick)- güllig war, wenn ich mich auch darüber wunderte, da ihm, tvie ich niich noch genau erinnerte, Fräulein Ulrich früher sehr unspmpathisch war; wenigstens hatte er sich mehr als einmal in diesem Sinne gegen mich geäußert Jedoch Shmpathie» und Antipathien können sich ändern, und wer weiß, was ihn zu jenem Schritt gebracht hatte

er hatte vielleicht Schulden und sie war eine reiche

Erbin--!

Daun kam ich wieder hierher. Einmal besuchte er mich

nicht lange. Er hatte etwas Zerfahrenes an sich, was ich früher nie a» ihm bemerkt doch setzen Jahre sind eine lauge Zeit; sie können viel ändern! Er wäre nach seiner Verheiratung einige Jahre in M. i» Garnison ge­wesen, so erzählte er mrr, wäre dann lvicder nach hrer versetzt worden und hätte Anssicht, bald Major zu werden. Sein Söhnchen wäre ihm auch genommen. Von seiner Frau

sprach er nicht; ich stellte auch nur die unumgänglich nötigen Fragen nach ihr, da ich gleich nierkte, daß d» etwas nicht ,m klaren war. Nachher hörte ich denn auch, daß er in sehr nnglücklicher Ehe lebte und einige Wochen nach seinem Besuche bei mir trug sich denn das Schrecklich» zu, das die ganze Welt in Aufregung brachte der Selbst­mord Wolf von Wvlssburgö der in einem Anfall von Geistesgestörtheit geschehen sein sollt«!

Heute abend nun fange ich an, das, >vas ich von den alten Leuten gehört habe, sowie das, was mir die glt« Linde zngeslüstcrt hat, zusammenzuftellen und dir, liebe Freundin, in Form einer Erzählung zu widmen, in der Hoffnung, daß du sie nicht ungünstig aufnehmen >virst! Es ist ja nur eine einfache, schlichte Begebenheit, wie sie sich so oft im Leben zuträgt vielleicht ist sie für inich nurs varum so erareisend, iveil ich den Leutnant Wolssburg so gut gekannt habe; aber ich hasse, daß auch du mit deinem guten Herzen Teilnahme für jene beiden haben ivirst!

2 .

Du bist wie eine Blume,

So hold und schön und rein;

Ich säum dich an und Wehmut Schleicht mir ins Herz hinein.

Mir ist, als ob ich die Hände Aufs Haupt dir legen sollt,

Betend, daß Gott dich erhalte So rein und schön und hold.

Herne.

tzasso Wols von Wolssburg war einer der beliebtesten Offiziere in Z. Sein nie ermüdender Fleiß, seine ungewöhn­lichen Kenntnisse, seine Tüchtigkeit im Dienst und die Lie­benswürdigkeit, die er iin Umgang entfaltete, hatten ihn dazu gemacht. Dabei rvar er von einer rvahrhast rührendeil Beschcrdeuhcit; er machte sich gar nichts aus dem gesell­schaftlichen Leben, das er. seiner Stellung wegen doch nicht ganz ausgeben konnte. Sein Ehrgeiz ging höher als nur dahin, ein geseierter Salonbeid zu sei» Unermüdlich ar­beitete und strebte er, ohne doch jenem saden Strebertum, das so uuangeiichm berührt, zu verfalle». Sein Wunsch Ivar, etrvas Großes in seinem Berufe zu leisten, dem er mit Leib und Seele anhing. Am liebsten verkehrte er in dem Hause des Stabsarztes Dr. Schöne, den er sich zum Freunde erkoren hatte; dort fühlte er sich wahrhaftzu Hause"; so sagte er wenigstens. Leider wurde ihm dieseszu Hause" nicht lauge vergönnt, da dieser seltene Mann ganz plötzlich an den Folgen einer Erkältung starb Wolssburg war ein schöner Mann und übte auf alle, die ihn kannten, besonders aus die Frauen, einen unwiderstehlichen Zauber aus. Der Kopf mit dein leichtgelockten dunklen Haar >oar ein echter Autinvuskopf; die Züge ivarcn wie gemeißelt und trugen das Gepräge großen Ernstes aber wenri er lächelte, flog cs wie Sonueiischeiri über sein Gesicht, und das verlieh ihm einen hinreißenden Ausdruck. Das Schönste an ihm waren seine großen, dunklem Augen mit dem durch-