Ausgabe 
3.1.1914
 
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Uub diese Person läßt du in deinem Sause verkehren, die wird noch besonder« hofiert und geehrt?" ^,

Ihre Kusine errötete leicht und juckte die Achseln.

War willst du offiziell weiß ich doch nichts von ihrem Privatleben! Sie ist Künstlerin, gciitvoll, originell und verkehrt liberall in vorurteilslosen, freidenkenden Kreisen. Ihre alten sind ihr natürlich verschlossen, und sie hat auch gar nrckst erst versucht, hineinzukommen. Und wo sie verkehrt, spricht man natürlich nicht über ihre Ehe, aber jeder bewundert insgeheim ihren Mut und ihre Liebcskraft und"

Jetzt war es an Frau Lore, spöttisch zu lachen:Llebeskraft! Müt! Ist das Mut, wenn man sich fürchtet, für den geliebten Mann zu arbeiten und sich Beschränkungen aufznerlcgen? Ist das Liebeskrast, wenn man unbequeme Fesseln scheut, trenn man in der heiligen Verbindung zwischen Mann und Weib nur den Geinih sucht, ohne auch die daraus erivachseudcn Pflichten und Sorgen aus sich nehmen zu wollen? Nein, feige und egoistisch nenne

ich das."

Die kleine Frau hatte sich ordentlich in Sitze geredet, und Frau Seinemann und Frau Konsul Straub ivechselten einen säst verlegenen Blick miteinander.

'Braves, kleines Ehetveib," sagte ihre Kusine dann, aber der spöttische Ton klang nicht ganz natürlich.Du bist noch zu fest in die alten, überlebten, philisterhaften Anschauungen ver­strickt. Bei dir und deineni Mann mag es ja eine Ausnahme sein, aber sonst bei Not und Sorgen fliegt die Liebe zum Fenster hinaus, und wenn dann noch Kinder standesgemäß erzogen werden sollen, dann haben die Eltern überhaupt nichts mehr vom Leben."

Was heißt das: nichts vom Leben haben? Geben nicht ge­rade Kinder erst die reinsten schönsten Freuden? Mit ihnen lebt man eine zweite Jugend, lind die Liebe, die nur bei äußere- Sorglosigkeit standhält, die ist überhaupt .niemals echt gewesen, »ein, ich behaupte, genieinsame Sorgen, gemeinsame Arbeit bindet ein Ehepaar erst recht fest zusammen, da zeigt sich erst, ob einer dem andern Opfer bringen kann. Nenne mich altmodisch und rückständig, ich bin froh, daß ich es bin. Mer dieneue" Frau, deine Marie Luise Arnold, ist sie denn wirklich ein Fort­schritt?"

Frau Lore ist bald darauf abgereist. Ein leiser Mißton, eine peinliche Bcrlcgenheit hatte sich seit jener Unterredung zwischen den beiden Frauen eingeschlichen. Das mahnte zum Ausbruch. Und dann >oar sie nun ja auch genügend erholt, gestärkt. Oder hatte sic dessen überhaupt bedurft? War sie nicht von allem Anfang hier die Stärkere gewesen. . .?

vermischte».

* Saarsarbe und Gesundheit. Saarfarbe und Tem­perament, Saarfarbe und Seelenleben, Saarfarbe und Beruf usw , sind bereits in ihren inneren Zusammenhängen geprüft und der neugierigen Menschheit mitgeteilt worden. Nunmehr hat der ärzt­liche Inspektor der Schulen in der Grafschaft Worccstershire auch die Beziehungen zwischen Saarfarbe und Gesundheit aus Grund langjähriger Beobachtungen an Schulkindern untersucht, und ist dabei zu folgenden Ergebnissen gekommen: am nervösesten sind die Kinder mft rotem Saar: sie sind am leichtesten erregbar, den größten Stimmungsschivanknngen ausgesetzt Aber sic sind auch die tüchtigsten, fleißigsten und aufmerksamsten Schüler, wenn auch der gute Wille oft ihre Kräfte übersteigt. Sonderbarerlveise neigen die rothaarigen Kinder zu gewissen Krankheiten: so litten z B von 74 rothaarigen Knaben 17 an Rheumatismus und 16 an Tuberkulose: aus 81 rothaarige Mädchen kamen 27, die an Rheu­matismus und 10, die an Tuberkulose litten Doch waren die Landkinder mehr mit Rheumatismus, die Stadtkinder dagegen mehr mit Tuberkulose behaftet. Am widerstandsfähigsten gegen- .Über Krankheiten haben sich die blonden Kinder gezeigt, ihiren nahe kommen die brünetten, während die schwarzhaarigen mit den rothaarigen den größten GksundheilSschwankungen ausgesetzt waren.

^,^crM°-ger Musikkritiker Kam da in «me kleine Stadt des südlichen Frankreichs eine Operettentruppe Darüber große Erregung unter den ehrwürdigen Stadtvätern Man durfte dock, diese gefährlichen Gesellen nicht ohne Aussicht lassen! Aber wer soll die llebenvachung übernehmen? Der Bürgermeister lehnt es schlankweg ab: der Stadlschreiber nicht minder: zuletzt bleibt nur noch der kräftigste von allen, der Bei­sitzer. ein Schlächtermeister von riesigem Leibesumfang, übrig der sich nach einigem Zureden zu der Aufgabe bereit erklärt. Acht Tage später ist wiederum Sitzung des löbliche» Gemeinde- rotes, rmd der Schlächternieister erstattet Bericht über seine Tätig­keit:Ich habe mich," versicherte er.nur über ein Mitglied der Theatertruppe zu beklagen.Es erhob sich jeweils beim Be­ginn der Vorstellung vor den ioackercn und fleißigen Musikanten, nahm eilten kleinen stock in die Sand und hampelte damit und §0 Armen in der Lust herum ein richtiger Sampelmann JA) habe acht Taac lang aufincrksani seine Bewegungen verfolgt, aber tch muß gestehen, daß der Kerl ein Faulpelz ist: er bat

keinen einzigen Ton gespielt." Uird die Serren vom hohen Rat steckten die Köpfe zusammen, und der Bürgermeister begann; Beobachten Sie den Kerl noch einige Tage weiter. Wenn er dann nichts tut, als was Sie uns erzählt haben, nnn denn, dann schmeißen wir ihn einfach hinaus."

* Ein willkommener G a st. Der Appetit de? Gastes war äußerst rege, und er ließ dem ausgezeichneten Essen, das ihm vorgesetzt wurde, volle Gerechtigkeit widerfahren Die kleine Tochter de) Sauses sah ihm mit ofseuem Munde eine Astile zu Schließlich lächelte sie ihm freundlich zu und sagte:Ach, loenn Sie doch jede» Tag zu »ns zum Essen kämen!" ah' Gast war sehr geschmeichelt. Möchtest du das, mein Kind? Warum denn?"Ja, wenn Sie so viel essen, dann würden wir »ie am andern Tag was Kaltes

kriegen!" -

Sprachecke der "Allgemeinen Deutschen Sprachverein».

"Ei» e r » st e v Nachteil des F r e in d iv ö r t e r u » k u g». In vielen Dingen ivaren ivir Deutschen tatsächlich lange Zeit von Frankreich abhängig, »nseie westliche» Nochbnrn bestiininteii, ivie breit die Krempe oes Hules sein inüsse, ivie «in Ziveikanipl n»4» zulechten sei, ivie die Specken aaieinanderiol ie» müsste»: viel« unserer Fürsten und Vornehme» redeten und fchrleben Französisch. Diefc Uebermacht des FraiizosenlnmS ist gedrock:«n. Es ist aber «ine Nachwirkung jener Verhältnisse, daß auch Heine noch dort, ivo unser Deutsch in, Sprachgrenzqel iet mit dein Französischen zu- laimiienstötzt, die Sprache unseres Nachbarvolkes ö'lers als die vor­nehmere angesebeii wird. Französisch ist da die Röni Slochter, Tcntich dagegen in der dienenden Stellung Aschenbrödel»^ In Liireniblirg, einem fall cinsvrachlge», deutschen Lande, ist Fran­zösisch die Umgangssprache der vornehnic» Krrtfe der Hauptstadt; der Wanderer, der nach Bern kommt, ivinidert sich über die an- gelehene Stellung des Französisct eu in der alte» denlschlprachiaen Zähringerstndt: in Mülhausen im deutschen Oberellaß sucht mancher z» Wohlstand em> orqckommene Dentiche seinenAnisitcg den andern dadurch llaiziiinachen. da» er Französifch fvricht. Es komme» ja hier auch östers politische Gründe »>,t in Frage aber di« Haupt- fache ist doch: Französisch gilt als hie voriiehmere Sprache Mit Recht klagen wir diese Volksgenossen de» Verrates an »niereni Volkst»»! an Was sollen nur ihnen aber sagen, ivenn sie daraus Hinweisen, da» Taufende, die mitten im geschlossene» deutschen Sprachgebiete ivohncn, durch reichlichen Gebrauch leicht z» ver­meidender lraiijösischer Wörter die Vornehmheit des Französilchen bekunde» I Wir sind es dein Ansehc» »nierer Miitteriprache gerade in de» Grenzgedicte» schuldig, sie rei» zu halte». Wer aber bei uns verivelfchte Speisekarte» aulleqt, ivec jungen Mädchen Ta»z- karten mit dein Aufdruck Vatse, Tjrolieimc in die Sand gibt, >oer seine Höflichkeit durch merci und pardou bezeigt, wer im Vereins- lebeii heute noch von Akklamation, Decharge, Legitimation, Zirkular spricht, gibt jenen recht, die im Gebrauch der tranzüsischen Sprache etwas besonders Boi» hines sinken. Wir haben »»r dann das sittlich« Recht, von Miseren Volksgenossen an der Soraebgrenze deulsche Rede zu sinder», ivcnn ivir f.lbst un>eie Mutterfvrach« heilighallen. Nützlicher als derbe Schcltivorte gegen die Franzos» lmge ist ih>e Bekä»ipk»»a durch die Tat, durch e>» von «nibebr- licben Fremdwörter» sich frei haltendes Teutfch, das der Welt zeigt, daß i»,iere Muttersprache uns wirklich ei» Heiligt»», ilt, daß unlerer Meinung »ach gerade reines, »»verfälschtes Teuifch em Zeichen wahrer Vornehmheit ist. _ Ra» (Zwickau).

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Aus ösliiig ,n HuajiV.» Nummer.

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer'

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Redaktiou: K. N e v r a I h. - Rotationsdruck »nd Verlag der «rühl'sck>«n U»«versitäl»-Buch- und Steivdruckerei. R. Lang», Gteß«»