Ifters und stutz!c gedaukeuvoll, als grüble sie über schweren Problemen, den blonden Kopf in die Hand. Endlich atmete sie erleichtert auf, und rin freudiges Lächeln kam auf ihr liebes, etwas inüdes Gesicht, Sic ging hinüber in das Herrenzimmer, wo ein junger Offizier arbeitend am Schreibtisch saß.

Sie setzte sich sacht auf die Lehne seines Schreibtischstuhles, legte den Arm um seinen Nacken und küßte ihn auf das Ohr, Nun, Liebling?" fragte er zärtlich,

Denke dir, Rolf, ich bekomme doch wirklich die Schulkleidchen kür die Zloillinge ans meinem alten dunkelblauen Kostüm heraus, da spare ich eine Menge Geld, und wenn ich mein blauseidenes Kleid etwas verändere und mit den Spitzen von Tante Frida garniere, geht es auch noch Gott sei Tank, mir fällt ein Stein vom Herzen, ich hätte sonst auch nicht aus noch ein geioußt!"

Der Mann zog sie auf seinen Schoß,Das ist ja samos, du bist nnrklich eine Künstlerin, Am Ende findest du auch noch ein Zaubermittel, das uns ermöglicht, diesen Monat noch die beiden Häuptlinge mit ihren Frauen einzuladen,"

Sie nickte lebhaft,

Ja. es wird gehen, Rolf, ich habe mir das eben auch noch berechnet'. Ich Hab» doch iwch eine kleine Sparkasse," sie errötete, als sie seinen erstaunte» Blick bemerkte,darin sind ganze 6 Mark das nehme ich dazu, und daim die beiden Hasen, die Mama mir Sonnabend schickt, die geben den Braten wir müssen nur auf jeden Fall zu Montag oder Dienstag einladen. Fritz nnrd dann allerdings noch etwas ar,f den neuen Wintermantel warten müssen, dazu wollte ich nämlich das Geld anssammeln," Schrecklich, dieses Sparen und Knapsen," Rolf von Bornin seufzte ungeduldigund, daß du, mein armer Liebling, es so schwer hast, daß du verwöhntes Prinzcßchen dich mm als meine Frau so abquälen mußt, das ist mir furchtbar,"

Die junge Frau schlug stürmisch ihre Arme um den Hals des Gatten.Aber, Rolf, das tue ich dockt so gerne, das ist mir keine Quälerei, Ich denke nur immer, wie sehr viel besser du es haben loürdest, wenn du ein reiches Mädchen geheiratet hättest."

Dummchen," er lachte frohbesser wie ich es habe kann es kein König haben- aber du, du mühst und sorgst dich ab für mich und die Kinder, und ich kann dir so gar nichts bieten und schenken, was andere junge Frauen von ihren Männern

bekommen. hübsche Kleider, Schmucksachen, Reisen--"

Sie schloß seinen Mund mit Küssen:Nichts brauche ich nichts wenn du mich nur immer lieb behältst,"

Er hielt einen Augenblick sein zartes junges tapferes Weib fest an sein Herz gepreßt, seine Hand fuhr zärtlich über ihre schmale blasse Wange.Aber du überanstrengst dich, du zehrst dich auf, mein Lieb, du bist blaß und schmal geworden. Heule erst ivieder sagte die Frau Oberst zu mir: Ihr Frauchen sieht überzart aus. lieber Bornin, die müßte nial für ein paar Wochen ganz heraus aus Kinder- und Wirischaflssorgen und damit hat sie recht, Lärchen, ob du willst oder nicht: wenn mein« Schwester Grete kommen kann, nimmst du die Einladung votr Heincmanns »ach Grimewald an und erholst dich mal gründlich, sonst Kappst du eines schönen Tages zusammen. Daß Grete uns gut versorgt, >veißt du, also zu ängstigen brauchst du dich nicht," Aber die Kleinen werden sich bangen,"

Das ist bei Kindern nicht so schlimm, und Tante Grete haben sic auch lieb, und wenn sie ihr Mütterchen mal eine Zeit- lang entbehrt haben, sind sie nachher desto artiger,"

Ja, ich habe ja selbst daran gedacht, daß es am Ende ganz aut wäre, ich sammelte neue Kräfte und Heinemanns schrieben

so herzlich--" sagte Frau Lore zögernd,

Es wird überhaupt nicht gefackelt, du fährst bestimmt," sagte Leutnant von Bornin energisch.

Und Frau Lore 'fuhr nach Gninewald, Zuerst aber stieg wirklich die kleine Abendgesellschaft und wurde eine Glanzlei­stung von Frau Lores Wirtschaftskunst, dann nähte sie noch tagelang bis in die Nacht hinein an der Garderobe der Kinder und ihrer eigenen, Tie letztere wäre beinahe der Grund gewor­den, daß sie doch nicht gefahren wäre, denn sie war so überaus bescheiden, daß die junge Frau fürckstcte, zu sehr von den reichen Verwandte» abzustechen, aber schließlich überwand sie auch die­ses Bedenken: ein Konkurrieren mit den Millionären war ja doch ausgeschlossen, da kam cs auf ein bißchen Einfachheit mehr oder weniger nicht an.

Im Grunewald bei Kommerzienrat Heinemanns war alles noch viel großartiger, ><ls es sich Frai, Lore vorgcstellt halte. Man lebte in jeder Beziehunginit höchstem Komfort" und machte sich das Leben so angenehm und bequem wie nur irgend inöglich. Zum erstenmal lernte sie den Begriffgeschäftiger Müßiggang" so recht erschöpfend kenne», denn bis ihre Kusine Paula Hcincman» ftisiert, manikürt, pedikürt und angezogen war, ivar ein Drittel des Täges vorbei, und für die übrigen zwei Drittel lagen so viel Bcrabredungen, Besorgungen, Besuche, Einladungen vor, daß die Dame des Hauses am Abend so müde war, wie nach einem arbeitsreichen Tag, und Lore mit ihr, denn meistens mußte sie, UM nicht unhöftich zu erscheinen, ihre Kusine begleiten. Gegen sie ivar Paula Heinemami von großer, etwas »ach Mitleid schmeckender Freundlichkeit,Braves Hausmütter­chen",arme kleine Faimlienmutter" nannte sie sie wohl mit lächelnder Hergblassimg, wenn Lore einmal von den Ihren da­

heim erzählte, und:die neuster- und ttigcndhaste Saussrau der guten, alten Zeit ist in Ihnen aufcrstanden, Fra» Lore," lachte Frau Konsul Strauß, Paula Heinemanns beste Freundin, spöt­tisch, und Lore nahm sich vor, niemals wieder hier von ihrem Daheim zu erzählen.

Aber cs war doch schön, einmal ganz losgelöst zu sein von den Sorgen und Mühen der Alltäglichkeit daheim, einnial nicht rechnen, nicht sparen zu brauchen, gutes, reichliches, abwechsclungs- reiches Essen vorgesetzt zu bekomnien, über dessen Zubereitung sie sich nicht hatte den Kopf zerbrechen brauchen, und ivenn sic nicht so oft hätte daran denken müssen, wie gut ihrem Rolf diese kräf­tigen Fleischspeisen wären, wie sehr ihm die pikanten Vorspeisen munden würden, wie selig die Kinder über die täglichen süßen Speisen wären, hätte sie noch mehr Gewiß davon gehabt.

Doch trotz des tiefen 'Abstandes, der zwischen diesem reichen Haushalt und ihrer bescheidenen kleinen Leutnantswirtschaft da­heim war, fithlte Frau Lore keinen Neid, denn sie merkte, daß all der äußere Glanz nicht die Wärme eines glücüiche Familien­lebens ersetzen konitte. Das Ehepaar Heincmann ging gleich­gültig nebeneinander her und Kinder waren ihm versagt.

Als Lore von Bornin 14 Tage bei ihre Verwandten war, gaben sie eine größere Abendgesellschaft,

Heute wirst du eine wirklich moderne Frau kennen lernen, eine Frau, die es verstanden hat, allen zopsigen Vorurteilen zum Trotz sich ihr Leben nach eigenem Ermessen .einzurichten. Eine ganz besondere Frau, klug, talentvoll, selbständig und schön," sagte Frau Paula Heincmann zu ihrer Kusine,in Euer spießiges kleines Nest würde sie allerdings nicht passen,"

Frau Lore wollte fragen, warum nicht, aber ihre Kusine wurde sortgerusen, und sie sah sie erst beim Empfang der ersten Gäste wieder, und da dachte Frau Lore nicht eher an diebesonder« Frau", als bis Paula ihr hastig zuflüsterte:Das ist sie," und dann mit einem ganz besonderen, fast hochachtnngsvollen Ansdruck den einfachen NamenFräulein Arnold" nannte,

Frau Lore sah eine mittelgroße, überschlanke Mädckwngcstalt von vielleicht 25 Jahren, in deren schmalem klugem Gesicht ein paar große, graue, kühl blickende Angen das Auffallendste waren, die schmafe Nase, der fl eine vollippige MUnd, das mochte wohl alles schön sein, und Frau Lore wunderte sich, daß sie trotzdem nicht diesen Eindruck hatte. Erst später wußte sie den Grund dafür anzugeben, es fehlte diesem Gesicht der harmonische weib­liche Ausdruck, Und trotzdem sie wohl wußte, daß Unsicherheit des Bcuehmcns unter den jungen Mädchen der Großstadt eine fast imbekannte Eigenschaft ist, so war sie doch erstaunt über diese Art von Sicherheit, die eine überhebende, herausfordernd« Note hatte, und sie ärgerte sich über ihre Kusine, über die Damen und Herren des Kreises, die für eine Dame von dem Schlage dieses Fräulein Arnold eine fast nnterwürsige Bewunderung hatten.

Und sie war nun toirklich gespannt, die Lebensgeschichte die­ses Mädchens zu erfahren.

Als die letzten Gäste gegangen waren und die beiden Kusinen noch mit Frau Konsul Strauß, die zur Nacht blieb, gemütlich bei Tee und Konfekt zusammensaßen, begann Frau Paula Hcinenrann, Ja also Marie-Luise Arnolds Geschichte! Sie ist die Tochter eines Rittergutsbesitzers, da irgendwo aus der polnischen Gegend, war schon als Backfisch gefeiert und umschwännt und soll von ihrem Vater Mutter starb bei ihrer Geburt sehr verwöhnt worden fein. Von ihren Knrmachern batte ein entfernter Ver­wandter, Leutnant bei der Garde in Berlin, die meisten Chancen, Es soll eine wirklich große Liebe zwischen den beiden gewesen sein, wie cs ja auch die Zukunft bestätigte. Die beiden waren schon einig und die Verlobung sollte proklamiert werden, da starb der alte Arnold, na, und nach seinem Tode zeigte sich's, daß die Hinterlassenschaft durchaus nicht seinem großartigen Auftreten entsprach, Man hatte '»e Million erwartet, und nun blieb Marie-Luise gerade noch die knarve Leutnantskaulion, Etwas soll ihr Vetter Jobst ja auch gehabt haben, aber doch nichts ge­messen an den Ansprüchen dieser beiden verwöhnten Menschen, Na, Durchschnittsmenschen hätten sich nun wohl doch geheiratet, unddas glänzende Elend" wäre wieder einmal fertig gewesen- und ich glaube, der Vetter soll ja auch durchaus gewollt haben. Nicht fo Marie-Luise,Ich denke gar nicht daran, Wirtschafterin und Kindcrftan in einer Person darzustcllen," soll sie gesagt haben. Sie machte alles zu Geld bis auf einige hübsche Zimmer­einrichtungen. zog hierher nach Berlin und mietete sich eine nette kleinere Wohnung, Sie hatte immer sehr nett gemalt und ge­zeichnet, originelle Entwürfe zu Tischkarten und so was, auch Silhouetten geschnitten, mm suchte und fand sie hier Erwerbs-- nnd Absatzquellen und hat sogar eine gewisse Berühmtheit für Porträtsilhouetten, Sie hat ihren eigenen selbständige» Haushalt, den ihr irgend so ein altes Faktatum von zu Hause besorgt, und ihr Vetter Jobst hat zwei von ihren Zimmern abgemietet. Sie sollen 'ne richtige glückliche Ehe zusammen fiihren, ohne daß einer an den andern gekettet ist, und ohne all die Beschränkungen, Rück­sichten und Repräsentationsvflickften, die sonst solch

Frau Lore hatte sich straff aufgerichtet,Ist dos dein Ernst?" fragte sie ganz entgeistert,

Aber natürlich, kleines Schäfchen! Denkst du, ich erzähl« dir Märchen?" lachte ihre Kusine, undO, Sie heilige Unschuld", meinte Frau Konful Strauß.