. Pioman aus Sibirien. Von I. Oxenham.
Autorisiert — Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Doch Jline wollte nichts davon hören. . Er hatte mehr Veld, als er brauchte; er verdiente sogar täglich mehr a^ genug, um seine bescheidenen Bedürfnisse zu decken, ^ne Zukunft war ihm» gleichgültig. Von ihr wußte er,nur so viel, daß er ullein bleiben mußte — denn irgwidwv m dieser Zukunft lag die Glorie. Die wilde Wut. Der flammende Aus-, bruch langglimmender Zornesgluten, der den Mann, vernichten mußte, den er haßte mit jeder Faser semes L>erns. Und wenn die Glorie endlich kam, dann wollte er mit dem Hatz und den Leiden von vielen Jahren jenem Mann an dre Kehle springen und einmal noch glückselig sein in dem großen Moment der Rache.
Der allmächtige Paschkin! Auf den Knien sollte er liegen vor ihm und um Gnade winseln, und laut lachen wollte er über den blassen Schrecken in seinein Gesicht —- m Puschkins Gesicht-Paschkins-vor dem alle Welt er
zitterte und den man fürchtete wie einen Teufel.
Ah! Einen ersten Schlag für den kleinen Stepan. Und 'einen zweiten Schlag für Katinka! Und den letzten, den Todesschlag für Katia!!! Welche Glorie der Rache, wenn man nur davon träumte! Diese Lust, dieses Erzittern in Beinen und Schenkeln und Armen; dieses Dröhnen der Glückseligkeit im Hirn. Tief sollte der durstige Stahl beißen, durch Fleisch ilnd Knochen hindurch, tief hinein in den Lebensquell. Und niemals wieder würde Paschkin der Allmächtige ein Menschenleben vernichten. , , . r r _ nrr
U'nd er? Was würde mit ihm geschehen? Aber wie gleichgültig war das! Tausendmal würde er sterben unrer der Knute und lachen über sein zerfetztes Fleisch, wenn er nur jene gewaltige Minute erleben konnte, in der seine Axt den Teufel Paschkin tötete. . f ..
Niemand jedoch sollte mit chm oder durch ihn leiden. Er allein hatte den Fliich von Paschkins Tyrannei ertragen müssen Seiil auch sollte die Rache sein. Sein nur dre Strafe. Und deshalb wollte er von Peter Krops Angeboten nichts hören.
So gingen er und Peter beide allem ihren einsamen Weg, und hundertmal fragte sich Peter Krop: Wie lange noch wird es dauern . . .
15 .
Gouverneur Paschkin reist nach St. Petersburg, von der Kaiserin berufen, und der Mann mit dem Teufelspaß macht sich auf, seiner Fährte zu folgen.
Die Monate vergingen.' Wieder war ein Winter mit seiner Eiseskälte und seinen Stürmen über Sibirien hin
gezogen, und immer noch durchwanderte Stepan Zline m seinem .Haus auf Rädern die Provinz JenisseM, ein still« Wanderer, ein harmloser Händler, allem Anschein nach. Kein Weib gab es in all den Dörfern am endlosen Weg, das sich nicht freute, lveun er kam, obgleich er immer traurig und wortkarg war. Kein Kind fürchtete sich vor, ihm; nicht einmal die ungezogenen Dorfjungen, die heimlich m das Haus auf Rädern kletterten und Bruder Eule gar zu. gern von seinem Sitz hoch droben auf dem Querbalken herabgelockt hätten. Stepan beachtete Kinder, gar Nicht., Nur wenn sie ihm in den Weg kanien, preßten sich ferne Lippen zusammen und sein Gesicht nahm einen schmerzhaften Ausdruck an.
Ein harmloser Wanderer. Ein ehrlicher Händler. Grn Mann, der der Polizei nicht die geringsten Schwierigkeiten niachte und sich strikt an die Vorschriften seines Passes hielt...
Innen im Haus auf Rädern' jedoch lag, handgerecht, stets bereit, eine lange Flinte, immer blank geputzt, wohl geölt, stets scharf geladen. Und ein Speer, der bösartig glitzerte im Lampenlicht. Und eine Axt mit einer Schneide, so scharf wie das schärfste Messer. Ost in den langen Winter- nächten saß Stepan stundenlang da, sie immer von neuem schärfend am Wetzstein, und erzitterte, wenn er ihr Gewicht in seinen starken Händen fühlte. Dann schwang er sie wohl auch hoch über dem .Haupt gegen einen eingebildeten Feind und der kleine weiße Bruder droben auf seinem Querbalken beim Heiligenbild flatterte ängstlich mit den Flügeln, seinen Herrn mißtrauisch,anglotzend, denn die blinkende Axt kam ihm sehr unheimlich vor.
Die Flinte war gut. So auch der Speer. Aber am meisten liebte Stepan die Axt. Sie war so schwer und sie biß so tief. Man hielt den Tod in den Händen, wenn man um sich hieb mit ihr, und fühlen konnte man, wie sie hinern- knirschte in den Feind, als sei sie ein Stück des Menschen selbst, der sie schwang . . .* Diese Axt sollte den kleinen Stepan und Katinka und Katiu rächen. Ihre Hiebe sollten die lange Lebensrechnung bezahlen. Und mit diesem Gedanken schliff er sie immer wieder so liebevoll, bis sie so scharf war, wie eine geschickte Hand und bitterer Haß sie nur machen konnten-
Die Zeit verrann. Die Sommersonne brannte auf das 5mus aus Rädern nieder, bis sein Farbenanstrich sprang und sich in großen Fetzen ablöste; die Herbstregen und die Winterwinde und die Schneeftürme bohrten Risse und Locher in seine Hol^wände; es war über und über von Staub und
Schlamm bedeckt. ,
„Warum reinigst bu denn dein Haus mchr, S.epan Jwanowitsch, und streichst es neu an?" fragte man ihn oft, aber er antwortete nur: ., „ ,
„Aber weshalb soll ich es denn anstrerchen? Es ist ja nicht der Mühe wert." ,
Es schien ihm auch nicht der Mühe wert, wenn auch die Leute sich wunderten. Denn jeden Tag konnte das große


