Ausgabe 
16.10.1918
 
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iai einem gomtorhrnt Heilmrg Au suchen, du hast doch den Rat des Aezdes vernommen?" ^ . .

Liebe Ddutt-er," sagte der Kranke,ÄlZ weiß es, daß es deme letzte Summe des ersparten Geldes ist, das mir die Genes irng brrn- en. soll; Hunderttausende im Felde sinken dahin, ihrer Pflicht ge- horchettd, folge ich nicht einem nur höheren Psliästgebüt, wenn «h die mir zur Bersügiung stehenden Mittel auf dem Altäre des Vaterlandes niederlege?" .. ^

Mit einem durchdringenden Blick schaut tue Mrttter ihren Liebling» an, in ihr wogt mid wallt es: und von Mckertd-rn Lippen Lomnrt es:Auch er ist ein Held, einer deutschen Witter würdiger Lohn, er tut nur seine höhere Pflicht."

Jim pumttnr Abenteuer.

Skizze vor: Alfred Man n S (Bremen).

Jim Pumkin stammte aus der Grafschaft Northumberland. Bon Haus aus war er Schiffszimtnermann. Ist Govan bm Glasgow passierte ihm das Unglück, daß er einem Kameraden in her Trun­kenheit die Geldbörse ans der Tasche zog. Aber em, Unglück kommt nie allein. Das zweite bestand darin, daß zufällig mcht J:m Pnmkin. sondern der Kamerad der Betrunkene Evesen war, und das dritte endlich in dem Umstande, daß die Lache herarrs^am.

Aergerlich über so viel Mißgeschick, schüttelte Inn den Ltaub Alt^Englands von sich und nmnderte in verschwiegener Mit nach Aniercka aus. tvar drei Jahve Bartender in Texas, bestahl serrwn Boß enorm, wurde nicht entdeckt und 'Äcicste sich eine Farm; zeugte Kinder, bekam Enkel und benahm sich auch sonst sehr

Vierzig Jahre Zrach seinem Auszug ans Engstnrd Jim plötzlich Heimweh. Kurz entschlossen packte , er lernen Koffer und landete schließlich nach der üblichen Torpedrerung, alletÄmgS vhue Koffer, in Plymouth; man.schrieb nämlich das vierte Jahr

des großen Krieges. .

Nachdem er ein paar Wochen xn rangen bcruerltd&eit Lchenden No rt hum berlands gegen die Entrechtung von Wucheepreisen die Liebe zu seiner engeren Heimat gepflegt hatte, zog es ihn zu den Stätten, wo er einst als Jüngling "wirkte.

Au > merksam betrachtet er die Werstanlagen, die setther riesen­hafte Ausmessungen ang-enomtnen hatten.

Das alles hatte er sich riach den Berichten seiner Zeitungen, wenn auch nicht ganz, doch ähnlich so ansgemalt, ^.er ganze Betrieb war ihin trotz seiner ungeheuren Vergrößerung geläufig, und dennoch war etwas da, was ihm so rätselhaft schien, daß er manchmal zu träumen glaubte. Tie Werft, mit ihrerr ungezählten, hinter- und ncb-meinanderliegenden Helgen ließ sich nicht le«M überblicken; es war nicht so eiirfach für den der .Uebnng ent­wöhnten Jim. ft* die Einzelheiten einznprägsn nnd rar GedachitnG zu behalten Wenn man 35 Jahre nur Maulesel und Banmwoltt sieht, dann findet man sich nicht gleich wieder ans einer Grotzwerft

Mehrere Tage suchte Jim sich genau die Lage der Helfen einzuprägeu. Er zählte die ablanfbereiten und die benetts sch mur­renden Schiffe. Immer, wenn er abends glaubte. ün Bilde zu sein, sah er sich am nächsten Däorgm getäuscht. Die Helgen schienen zu stimnren, .aber die Schiffe stimmten ganz und gar

^Znerst sckspb er das «ff Rechnung des guten, allerdings enorm teuren Whiskys, den er pietätvoll abends m derselben Kneipe genoß, in der er vor 40 Jahren den Grundstock seines Vermögens legte diirch die Verwechslung der vollen Börse fernes Kameraden nrit der eigenen leeren, denn wie man weiß, hatte ihn diese Verwechslung gezwungen, n.ack) Amerika anszuwanderii.

Aber dann eines Abends machte er sich eine Ltrzze und notierte die Zahlet:, unr am folgenden Morgen maßlos verolüfft zu sehen, daß die Zahl der Mausbereiten Schisst wieder gewachsen

T för wandte sich an diesen Md jeiren. aber die Leute ant­worteten ihni nicht, schüttetten den.Kopf oder grinsten, als Ant­wort aus die Frage, wie es tnöglich sei, daß m acht Tagen mehr Stapelläust stattfänden, als Helgen vorhanden seren. Genau bc* trachtete er sich die Anlagen. Er sah die seit ferner fugend stark vervollkommneten Kräne mid Helgenschlitten, er sah Slpparate, die er nickK kannte, aber deren Zweck er erraten konnte: das wavcm die pneumatischerr Abstoßvorrichttmgen. Aber endlich ge­wahrte er Maschinen, von denen er auch mchttnt entfernteftei ahnte wozu sie dienen mochten. Große, ungewöhnlich starke Ma­schinen warm das, die genau riesigen Winden glichen. Was Mt«r.die Milchen hinter den Helgen? Jim konnte es Mty erMirar

An'dein Tage, ba JiM diese Entdeckung machte, zählte ^ drei Sdapelläufe, Mid er hätte beschUvören mögen,, daß er noch in dieser Woch-e von zweien' dieser Helgen bereits emmal Mäuse beobachtet hatte. r

NEmklick» turnt? er seinen Whisky. Tie Lache gmg chnr mächtig im Kopse herum. Ms er in der Na cht, von der .Kneipe zu seinem Logi-erhanS wunderte, trieb es ihn ime nmgnetrsch zur Werst Fast ohne daß er es wußte, fand er sich ihr Plötzlich gegen­über Es war ziemlich Heller Mondschein. Unverwandt starrte Jim auf Den Riesenbetrieb. Plötzlich imrde er stutzig; denn

eines der Sckstffe, das heilte abgekanstn war, und das im Werft- Hafen lag, fing an, sich wie von unbekannter Krgst getrieben M bewegen, und zwar bent Lande zn. Aber, was war das? Hier machte es nicht halt, langsam -glitt es iveiter utid rutschte< wahrlmstig den Helgen hinaus. .

Eben kam ein Mann vorüber. Es schien ein Llufftchtsbe-- amter der Werft zu sein. Teil packte Jini in großer Erregung am Arnt.

Lagen Sie, seit wann laufen irr England die Schiffe auch die Helgen hinauf?"

Wo, was?" fragte der Mann stveng.

,Na, dort!"

Mensch, Sie haben zu viel Whissi) getrunken! Verlassen Sie sofort den Platz. Es ist verboten, hstr nachts herumzustreichen, rmd für Sie ist's au ch gut, wem: Sie Ihre Phantasien ivegschla.fen."

Jim mußte gehen. Mit denr Whisky mochte der Beamte recht haben, mit den Pharttasien aber bestimmt nicht. Jirn wußte, lvann die ein setzten, beim er kannte sein Maß rmd das stand noch nicht auf Phantasie. ^

Nun gab es Pnm kin au st noch weiter des Rätsels, Lösung nachzugehen. Obschon ihrr die Sache immer noch bis zu einem ge- wifien Grade quälte, reiste er am nächsten Morgen ab nach Southampton.

Hier aber sollte sein Geist auch nicht Mr Ruhe kommert, denn hier hatte er ein Erlebnis, das an Wmiderbarkeit das in Govayr noch übertras.

Er stand auf dnein erhöhten Punkte des Hafens, von wo er die Reede überblickm konrcke. Es war still, sehr still sogar. Abt Horizonte tauchtm drei mittelgroße Dampfer auf, die von fünf bis sechs größeren und Aeüreren Kriegsschifferr geleitet wurden. Einer der Dampfer wurde geschleppt er schst-r schwer havariert.

Ah, da kommeir sie," hörte Jitn eine Stimme neberr.sich lagen:stchE Schiffe waren sin Geleitzuge, drei haben- die Hunnen abges» hoffen. Ter Teufel hott die ganze Schrveinerei."

Mißer dem Geleitz-ugüberrest war nichts aus dem Meere JU sehen. Gor nichts. Nun warm die Schiffe im Hafen. Pmnkut wollte sch hinunterbegeben, als er stutzte. ^ ^

Bon allen Piers und den Kainmuern lösten sich^Lchffst leitet Größe ab unv suyren dem Hastneingan.ge zu. Tie Schisst trugen die englische Ki-iegsflagge. Es waren meist Torpedoboote, Zerstörer und kleine Kreuzer. Siv^nd und auMäreiid tummelten sie sich auf der Reede. Eine Weile weideteri sich Jims Blicke an dem wun- derlKbschen Bilde, dann fragte er sch erstaunt: Was sollen MeV diese UebunFen? Wo jedes Schiff zu Geleitzwecketr, zu AufklL- rmrgs führten und Mr Bekämpfmig der U-Boote so bitter nötig war, sichren sie hier anscheinend nutzlos umher; denn für die wenigen ein- und auslaufenden Dampfer eine gegen deutsche Mirreir gesiäprte Fahrrüme offen zu haltert, dazu brauchte man doch nicht dieses ungeheure Aufgebot.

Er war noch mit diesen Gedarckerr beschäfttgt, als dre KrcegF- schiffe sch zu sammeln begannen, und zwar in einem halbkrerA- förmigm Bogen, der sich zremlch weit nach außen um.Reede und Hasm legte. ^

Verdamntt," fragte Jim einer: Naheflehertden, ,Mls rst derm das, wollen die Hnns hier ciUbrechen?"

Ter Nahestehende grinste, betrachtete Pumkin von oben bis unten, zuckte die Achseln und trat einen Schritt beiseite.

Nnn wollte Jim wütend werden. Aber er vergaß es vor dem Schauspiel, das sich nun seinen Blicken bot. Plötzlch nämlch schien es, als ob der garM Hafer: in Bewegung gekommen sei. Alles, was sich noch an Schiffen darin befand, begann sich zu rühren. Nicht auf einmal, aber unaufhörlich fuhren Ozeanriescn, Postdampfer, Schlepper, Pinaffen dem Hastnausgange zu, auf, die Reede, und darübn: hinaus, bis zu der Kette der KriegssckKffe.

Tort blieben sie ein« Weile liegen dann-kehrten sie wieder

um und begaben sich an ihren Anlegeplatz im Hafen zurück, von wo aus ein Teil imsselbe Manöver noch einmal wiederholte.

Vergeblich versuchte Jim, nun völlig verwirrt, nochmals eitrige Leute auszuftagen. Schließlich ging er hm, trank Mmäßig viel Allvho! und schuf zu seiner Erleichiterrcirg eine andere Gnmdlage für seine Bcrwirrmtg.

Zwei Tage später schiffte er sich nach- Amerika em, wirrde nach der Michen Torpedierung gerettet', versuchte die lleberfahrt ein zweites Mal und hatte Glück. ^. , . .

Als er in Amerika anlangde, lretz dort dre Regrermrgspresse soebut Extrablätter mit einer hochbedeutsamen Rede des engliUpn Schiffahrtsministers kostenlos verteilen. Jim las: ,

-HEnb so sehen wir denn klarer als le. daß dre uv-

mettschlicke Talttk des Feindes ihre Wirkung vollkommen ver­fehlt hat. Tie U-Boot-Gesahr existiert nA mehr derm -- nnt meinem Ehrenworte verbürge rch mrch für dre Wahrheit: Auf englischen Werften lief gegenüber demfelbm Mvrrat des, Bopiahves die doppelt- Anzahl Schiffe vom Stapel, rnch, merken Sre auf: Dre doppelte Anzahl von Schiffen lief in errgilffchen Hafen em und

^ Mit tiefer Erleichterung ließ Jim das Extrablatt sinken. Die guAenden Zweifel, ob das Alter nicht bereits Wahnvorstellungen bei ihm auszulöseir beginne, waren behoben und an ihre Stelle trat ein rmbündiger Stolz darüber, daß es in seinem alten Vaterland« Männer gab von der unfaßbaren Größe des LckAffahrtsmtnrsters.