Ausgabe 
9.10.1918
 
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Vüchertisch.

Der Spiegel. An-ekdotert. ZeitgenKssiWer deutscher Gv- Mhl-er. Preis bvosch. 2 Mk., gebunden 3 Mk. Verlag Gustav Kiepenheuer, Weimar. Ter Herausgeber der Sanvmltmg Karl Lerbs wurde zur ZusamnMrstellung dieses Buches durch die Fest­stellung veranlagt, dass die vür« Anekdote seit ihrem letzten oeut- schen Meister, dem Alemannen Hebel, an ihrer klaren Ausformung verlöret: hat, und beabsichtigt, mit diesem Buche von neuern bas WesentlulL dieser schätzenÄoerten KtNlstlsorm an Beispielsn aufzuweisen und ihr neue AnWnger zu "werben. Nach seiner Llus- sthrung ist die Anekdote, die gedrängte, unbedingt in ftch gerundete Tarstellung eines Vorganges von irgendwie kennzeichinender Be­deutung, Aeichgültig, ob ^uMichnend für eine bekarmte Persön- lickDüt, für einen Cunzelmeuscheir, einen EinzeltWus oder nur als Vorgang an sich. Sie ist ein unbestechlicher Spiegel des Lebeichigen. Eine moralische Nutzanwendung oder eur EinsäKag des Komischen sind keine no-twerchigen Bestandteile. Tie AneEwte soll aber eine einfach erzählende Mittülung sein, die zwar^ scharf pointiert, aber sich jeder subjektiven Einmischung ^ des Erzählers emhält. Tie zufälligen Vorgänge müssen aber m ihrer Tinzigrrtrgkeit dennoch eure Mgcmünbedeutung für gewisse LebeiEzusammeu- hmrge oder für bekannte PersönlirÜkeiten haben. ^ Nicht immer ist in den aus gewählten Anüdoten dieses Buches die reine Form der Anekdote getroffen, was aber keinestoegs verstimmen tom, da diese Anthologie ja erst einen Versuch inrch dieser Richtung hin dar stellt mrd durch die wertvollen, größtenteils sonst noch nickI veröfsenstlichten Beiträge zeitgenössischer Schriftsteller eine Fund­grube literarischer Kleinodien bildet. zz.

Stefan Georg«. Ein deutscher Lyriker von Will

gewordenen deutschen Trägers Stefan George, zu weisen, mül)t sich dieses Buch Vielen wird es zum Verständnis notwendig und auch den mit dem Tichcher Vertrauten wertvoll sein. Stefan George ist von Anbqgirrn seines dichterischen Sck>affens unbeirrt seinen

Neuprägung abgegriffenen SpvachzuteK, zog dem Dichter oft das Mpvechmde Urteil zu, seine Verse seien mannvrkalt. Seme G-e- schlossenhüt sei Manier bloßen Aesthetentums, seine ganze Kunst diene twigkch dem l'art pvur l'art. Tas Irrige dieser Ansicht darzntun, ist die Ausgabe, die sich Scheller stellte. Er wüst den tief-menschlichen Zilg der Dichtungen nach den sittlichen Zwang, unter dem sich George in süner Lyrik zürn Ueberpersönlichen hinauf-- Vdrtert, der ihn vom äschetistlmr Erfühlen des Kosmos zum Eschen Richter der Menschhüt, zürn Priester eirrer tieferen Reli­giosität rverder: läßt, zu jener trotz mairnigfachem Mythos fest umrissenen PvrsönliclsZüt, die einen Vergleich rnit Tante nahe­legt. Sllr-ellers Tarstellurrg wird vom PulsschLag begeisterter Ver- Üwun.g getragen, bleibt aber stets sachlich rurd hält sich iünger- hafter Beweihräucherung fern. Zur Einführung in das Lebens-- werk des Fünszigjährigerr besonders wertvoll, sind die trefflich gewählten Proben süner Tichchmg. Das Buch wird die überragende Bederchmg Georges weiteren Kreisen offenbar machen. z.

H. E. Tzschirner: Das Tagebuch Heinrichs XXXII. Die Beichte «eines Fürsten. Verlag W. Dorn- aräber. Berlin W 30. Preis gab. 6,50 Mk. 1 Eine eigentümlich tznondäue, ja tnan kann sagen, überkultivierte Wett spiegelt sich in diesenTagebuchblättern, die dock getragen sind von einem tiefen Kesühl für Bäenschentum mrd Schönheit. Ter herttige Leser wird pst verwundert den Kopf schütteln, haute im 5. Kriegsjahr. Denni der Hauch der ihm aus diesem Buche entgegenattnet, ist so fremd, liegt so rveit zurück, daß er oft kaum Verständnis dafür findenl Samt. Deshalb ist es aber keineswegs nicht ratsam, das Buch zu lesen, sondern im Gegenteil; dieseBeichte eines Fürsten", die stei vom Dichter erftmden, has Spiegelbild einer Gesettslhafts- Rasse vor 1014 zeigt, die bei allem Ueber-Aesthetenturn nnd Kosmo­politismus noch eiu rvarmes Herz zügt, das allerdings etwas anders pulsiert als das der Durchschnittsmenschhüt, dieseBüchte" ist kulturhistorisch zweifellos von Wert, für heute und für später. Dazu kommt dre flüssige Sprache, die anschauliche packende Hand­lung, die der Verfasser durch die Blätter hindurch spinnt und die bii Buche sicher Freunde tverben werden. Dr. M

* Der Babylonische Turm. Geschichte der Sprach­verwirrung einer Familie. Roman von Joses Ponten. Geh. 6, Mt. .geb. 8, Mk. (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstalt.) Ms ein Talent von ftarÜer Eigenart, das sich hohe Ziele steckt und ihnen mit leidenschaftlichem Ernst znstrebt, ist Josef Ponten feit seinem ErstlingswerkJungfräulichkeit" bekannt. Üno als ün solches Talent, gereist im Läuse der Jahre durch innere Entwicklung und äußere Erfahrung, bewährt er sich auch jetzt wieder tu seinem soeben erschienenen WerkDer Babylonische Turin". Die Schicksale ünes Bauunternehmers und seiner Familie ^ das ist, äußerlich getrommen, der Jtthalt des Buches. Aber was für ün kühner Träumer und phantaswerfüllter Held der

Aroüt dieser Mmimtenrehmer Großjohann ist, welch starke, abct allmäMch verbitterte und in sich vereinsamte Lebensgefährtin er an süirer Frau gesunden hat, wie sein Encporkomnten und sein Niedergang als typisches Schicksal eines garrz-err Standes, alZ Teil einer modernen Stadtentwicklung gesehen und dargestellt ist, wie 'neben der Verusstragsrtzie die Fam ilicntrag öoie, hervorgerufest durch den Fllich des Schwügetrs, des Emanserrnchtversdehenkön-« nenS. dieSprachverwirrung", arrfsteigt, init jerter sich verflech­tend 'und das ganje zuerst kräftig emporblühetrüe Geschlecht Groß- johann fast vernichtend damit wäre der eigentliche Inhalt^ Büches sck^on näher, al^er noch lange nickst in seinem ganzen Um­kreis bezetchnet. Demi in diesen UmkrüS ist auch unlösbar mrd nicht als bloßer Hintergrund, sondern als tragender Erdbode» und umgebertde Wmospyäve, Landschaft- uird Menschentum des Niederrheins ernl-ezog.'n; älteste Volksart und --weishüt prallt aus neueste Enttvicklurrgen im Sozialen und Güstigen; mit hallen* dem Rhythmus klingt das gesunde Arbütsr des guten ältest Handwerks in das bald großartige, bald schwindelhafte Treiben des neuesten GvoßunternchmertumZ. Eine Fülle vo-n Gestalten, ins Vordorgnmd und am ruttdesteu hervortretetid die älteren Kinder deS Hauses Grvßjohamr, jedes für sich Typus mrd Individualität^ imb Die Personen, die unmittelbar in das Schicksal der FamiliA hine'ngrüfen und -verwoben sind: Patrizier mrd schlichte Hand* werker, Ehrenmänner und Schurken, Wüst und Toren, alle irt Beivegung und Leben, alle zusammen ün Bild von so viel Farbq und Lebendiglüt, daß nran staunen muß, wie übersichtlich dock diese Massen bleLett, wie Tar und solgerich.üg und ergreifen« der große Grrng der Hmtpthandlimg sich herausarbeitet.

Tas Lied vom jungen Sterben." Kriegsroman .aus dem Ban-öe-Sapt von Herrn. Schützinger. Dresden, E. Pier­sons Verlag. Preis 3,50 Mk. Ein Buch, das nicht in die Reih« der anderen von Berusskünsller-Haitd geschaffenen Werke gestellt sün Null nenn, ein Schon sind diese Zeilert, ein Schrei sinn-* losen Schmerzes!, der sich mit eruptiver Gewalt aus dem Innern eines durch den nicht endenwollenden Verlust der besten Käme» raden verstörten H-erzerrS löst. Nur der Weltkrieg mit den mt- fcg'lKiren Opfern, die er an den trotz dtot und Tod an der Front verharrertden Jnfanteüsten stellt^ konnte den rol>en Block bilden, aus dem Kameradert-FreundsHaft und Treue, Heim tu« h und Ju- getrhsehneu nach Frauenliebe dies erschütternde Bild gehauen Mit elementarer Wucht rüßen die Schildert tu gen vott den Seelen* analen tmserer Söhne und Brüder irr der Front an beit Nervest des Lesers und lösen sich aus in den heißen Wunsch:Herrgott, wie lang denn twch gib bald ein Ende in Treue und Ehren!" Mtö§e das Werk ün .Gegenhall fein dieses am ehesten zur Völrer-Versöhnung führenden Schmerzes um erloschene Kamo- radenherzen, wie er durch die Schweiz atrs demJc^mal d'un« escouade" zu uns drang. Dann wild dasLied vvnl jungest Sterben" mit den Boden bereiten helfen, auf dem sich die durch vierjähügen Kampf entfremdü« Völker wiederfinden können in dem gemünsamen, tiefen Weh um das große Sterben.

Hugo Meverhüm, Muster und Erklärung fürs eine einfache Buchführung. Aus ünem Buche die Ein­nahmen, Ausgaben, den Kasfenbestand, die Summe der Forderun­gen und Schulden sowie den umsatzsteuerpflichttgen Betrag sofort zu ersehen. Aus Grund des § 27 bet Ausführiingsbestiminungest zum Umsatzsteuergesetz bearbeitet. Handelspvaktischer Verlag, Ber­lin NO. 43. Preis 60 Pf. .

Nummer 8926 derL«ipziger,,JllustrirtenZeitung" erbringt aufs neue den Beweis für die Universalität, die sich dies« altangesehene Wochenschrift, die in diesem Jahre da« Jubiläum ihres 7öjährigen Bestehens feiern konnte, auch in diesen Krtegs- zklisn beivahrt hat. In ihrer Vielfeitlgkeit geradezu staunenswert ist die Leipziger .Jllustrirte Zeitting" nicht nur eine Kriegschronik von unübertroffener Reichhaltigkeit, sondern sie berücksichiigt auch alle Zweige des modernen Kuttturlebens in eingehender Weise.

Geographisches Schieberätsel.

Llssmionwin, L.sond8ng, Bern, Greifswald, Vlonville, Lausanne.

Vorstehende Namen sind ohne Aenderung der Reihenfolge, also nur durch seitliche Verschiebung, so untereinander zu setzen, baß zwei senkrechte Buchstabenreihen von oben nach unten zwei bekannt« Hauptstädte bezeichnen.

(Mrflösung in nächster Nummer.)

* s ' " f

Auflösung deS Homogramms in voriger Nummer«

TEA Taube Eugen Abend e n d

Schriftleitung: vr. Rünhold Zenz. Zwillirrgsrunddruck der Brühl'sehen Univ.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.