Ausgabe 
5.10.1918
 
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SSO

Ms das Melodische LöffelgeUaPp« gerade b-yvnnen hatte, trat Herr Frederik Jensen ein. Förmlich und gsv-sssanhaft stellte er sich jedem vor. Ms er zur Geuevalswittve Sördrnp kam, die eine etwas rechthaberische Dame ist, erhielt er die von einem scharfen Mick über den LöMvand begleitete Antwort >:Wir kennen uns schon." ' ^ >

Sie irren," sagte er höflich.

Ich irre mich niemals," erwiderte die Genevalin böse.Mer­ken Sie sich das, Herr Jensen!" und sie schlürft« die Suppe mit hörbar unwilligem Schnauben.

Verzeihung, aber diesmal irren Sie trotzdem. Ich bin nämlich Fvederkk."

Tie Genevalswitwe Sördrup ließ den Löffel in den Teller fallen, daß die Suppe hochspritzte.Ich-verbitte mir Ihre In­timitäten," rief sie erbost.Andernfalls inüßte ich 'Die einen Flegel nennen, Herr Jensen!" -

Ta sprang Erik Jensen gm anderen Ende der Tafel auf: Was .haben Sie gesagt?"

Tie Generalswitwe. Zwinkerte mit den Augen, denn sie war etwas kurzsichtig.Irr Ihnen habe ich gar nicht gesprochen," murrte sie.

Doch," beharrte Herr Erik Jensen. ,Fch fem die ganze ver- Ehrliche Gesellschaft hier Mi Zeugen dafür aufrufen, daß sie sagten: l: :Audernfalls müßte ich Sie einen Flegel nennen, Herr Jensen. Und ich bin Jensen."

Nein."

Na, erlauben Sie 'mal, ich Muß doch am besten wissen, wer W bin!"

Er setzte sich ivieder, und sein Bruder setzte sich neben ihn.

Tie Genmalswitwe beugte sich verblüfft vor und sagte: ^Ent­schuldigen Sie, aber auch ich wußte nicht, daß sie doppelt leben."

Tie, Debatte war beendet. Die restliche Mahlzeit verlief ohne Zwischenfall.-

Nachmittags, als ich den einsamen Stvandweg entlang' ging, sah ich Fräulein Agda Linden, die Schiwester des Assessors Carl Linden, in Begleitung eines der Herren Jensen dahinschreiten. Einmal blieben sie stehen, und er faßte ihre Hand und streichelte sie. Ich schlug mich in die Büsche oder vielmehr in eine Sandmulde. Tenn ich bin ein diskretes Individuum.

Aber meine Diskretion wäre gar nicht nötig gewesen. Tenn am nächsten Tage ging Fräulein Agda Linden rn Begleitung eines der Herren Jensen auf ihren Bruder, den Assessor Carl Linden, zu und sagte strahlend:Lieber Carl, ich habe mich mit Herrn Erik Jensen verlobt."

Und da gratulierten wir alle. Und Assessor Carl Linden Zeigte sich äußerst erfreut. Tenn seine Schwester war nicht be­sonders hübsch. Aber dafür war sie auch nicht mehr jung.

AM nächsten Tage ging ich mit Assessor Carl Linden in den Wald. Ta erblickten wir einen Herrn und eine Dame Arm in Arm. Wir Zogen uns nicht diskret zurück, denn Assessor Carl Linden ist kein diskretes Individuum.

Aber diesmal wäre die Diskretion sehr am Platze gewesen. Tenn der Herr küßte die Dame. Und die Dame ließ sich küssen. Ter Herr war Jensen. Die Dame aber war das hübsche Fräulein Sörensen.

Assessor Carl Linden machte einen 'Sprung, packte Herrn Jensen am Rockkragen und gab ihm eine Backpfeife.Verräter," rief er.gestern verloben Sie sich mit meiner i m glücklichen Schwe­ster, und heute küssen Sie eine andere."

Herr Jensen erhob sich aus dem Moos, in das er gefallen war.Herr," brüllte er, ,chas ist eine Unverschämtheit! Ich kenne Ihre Schwester gar nicht!"

Das hübsche Fräulein Sörensen aber schrie: ,Oh, Sie Schivrnd- ler! Und da wagen Sie es, vor 5 Minuten um meine Jpanfc mtzuhalten?"

Das war Mein Bruder," ächtzte Herr Jensen.

Was?" ...

,^Jch meine: das war Mein Bruder, der sich gestern Mit Fräulein Linden verlobt hat. Ich bin nämlich Frederik . .

Entschuldigen Sie." sagte Assessor Carl Linden.

Verzeih meine Heftigkeit," sagte das hübsche Fräulein- «nsen.

Ich empfehle nüch," sägte ich

Und ich ging zur Post uM> gab ein Telegramm ans: Erik Md Frederik Jensen. Bitte sofort nach KolLnhagen kommen. Haupttreffer gemacht. Firma Jensen.

Tann ging ich an den Strand, legte mich in die Sonne und Wies.

Ms ich zum Abendessen ins Hotel feit, waren Erik und Frederik Jensen, Assessor Carl Linden, Fräulein Agda Linden und das hübsche Fräulein Sörensen abgereist.

dkm nächsten Morgen zog wieder tiefer Friede in unsere kleine Gesellschaft ein, An der Türe des Hotels aber lag eine Tafel Mit der Ausschrift:

Zwillingsbrüdern ist der Eintritt verboten!"

Niemand wußte^ 'wer die Tafel verfertigt Und hittgehangt hatte. Tenn ich bin em diskretes Jndividimm.

VMrttsG

LtzoniV Andrejew, Das Joch des KriegßS^ Europäische Bücher, Max Rascher, Verlag. Zürich?. Der gleiche. Verlag, in dem Henri Barbusse: Das Feuer erschien, bringt in diesem Buche das 'Kriegserleben Mn russischer Seite gesehen. LeonW Andvejew, dessen Name guten Klang hat, zeigt in dem Kriegstag«« buch eines kleinen Petersburger Bankbeamten, das am 23. August 1914 beginnt und mit dem 1. Oktober 1916 schließt, also tag Ereignisse der großen .russischen Revolutiomnoch nicht umfaßt, wir die Kriegspsychose einen stillen strebsamen Mormalmenschen völl^ aus der Bahn wirft und ihn beinahe zum Selbstmord führte lTiefe ^lNormckünensch ist ikein großer Geist und kein aufrechter heroischer Charakter, er ist ein wenig Pedant, aber ein liebevolles Familienvater, dessen ganzer A'chkult den Gemeinmteressen ab* lehnend gegenüber steht, um die Familieninteressen um so mehr zu pflegen. Gerade von diesem Standprmkte ans gewinnt dass Erlebnis Krieg, das sich für ihn nicht aus den Zeitungen spiegelt, sondern nur aus Reflexen, die sein eigenes Dasein überschatten, eintz besonders tragische Gestalt uno muß den Vertteter dieses Stand­punkts um so mehr entwurzeln und haltlos machen. Es geschieht? nichts Großes in diesem Buche. Ein geordnetes Fa- inilienlebeir zersetzt sich langsam und unerbittlich unter de« rätselhaften Ausstrahlungen des .Kriegsbrandes, der sich weit, weit von Petersburg entfernt, austobt, und doch ist dieses Buch, das sos gar nicht in die großen Ereignisse hiueinführt, eines der erschüb« terndsten Dokumente menschlicher Ohnmacht und Hilflosigkeit einem Erleben gegenüber, dessen Unfaßlichkeit die Nervenkraft jedes denkenden Menschen zerfrißt, i zz.

Die W eltbühne, der Schaubühne XIV. Jahr, Wochen­schrift für Politik, Kunst, Wirtschaft, herausgegeben von Siegfried Jaoobsohn, enthält in der Nummer 37: Der rechte Augenblick, von Gennanicus, Tie Freiheit der Meere, von L. Persius, Am« merkungen, von Klabund, Bolschewisten und andre, von Olh Georg Michaelis, von Johannes Fischart, Freundliche Aufforde­rung, von Theobald Tiger, Jmmermann mid Grabbe. von S. I., Salven von Alfons Goldschmidt, Anttvorten.

^ Tie Weltliteratur Nr. 38, Jagues Cazotte: Det Liebesienfel. Nr. 39, Nikolaus Gogol: Schreckliche Rache. Preis der Nummer 20 Pfennig.' Vierteljährlich 2,50 Mark.. Verlag der Weltliteratur, München.

Gietzener Hausfrauen-Berei«^

Kochanwkisungen.

Grüne Klöße zu Pilzen. Da.gs zuvor in der Schabe gekochte Kartoffeln werden gerieben, sehr viele Petersilie wird in etwas Fett gedämpft, wenn möglich so viel, daß der Teig arää erscheint, zu den Kartoffeln gegeben, gesalzen und soviel Mehi7 zur Hälfte mit Grieß gemischt, dazu getan, daß es einen festen Teig gibt, dem man möglichst 1 Ei oder etwas Backpulver zu setzt. Tan« alles gut durcheinander kneten, runde Klöße formen und in Salz- tvasser kochen. Tie Klöße werden mit gedämpften Pilzen angerichtet.

Kartosfelapfelkuchen. 1 Eigelb und etwas glatt rührtes Eiersparpnlver rührt man mit 175 Gramm Zucker schöav« mig, gibt etwas Zitronensaft, einen gehäuften Suppenteller ganz! feingeschnittene Aepfel, sowie 500 Gramm kalte, geflachte, gerieben^ Kartoffeln dazu. Ter Schnee des Eiweißes und 1 Päckchen Bach« Pulver unter die Masse gerührt, 1 Stunde langsam gebacken.

Kürbispuffer. 500 Gramm rohen geschälten Kürbis reÄß man, drückt ihn möglichst fest aps und vernrischt die Masse nrtz etwas Salz, 1 Ei-Ersatz und etwas Mehl: man bäckt in eisern«! gut gefetteter Pfanne Keine Puffer. Sie lverden mit Zrmtzuck« oder mit anderem gekochten Obst zu Tisch gegeben.

Kürbisgulasch. 1 Kilogramm Keinen, nicht zu vnfen Mrbis schält man, entfernt die Kerne und schneidet den Kürbis in fingerdicke Streifen, vermischt diese mit ettvaS Salz und Essig und läßt sie Vs Stunde durchziehen. In etwas Fett bräunt man 3 feingeschn.it tene Zwiebeln, gibt den abgetropften Kürbis daM und schmort ihn weich. 1 Kilogramm in: der Schale gekochte Kar­toffeln werden abgezogen und in Scheiben geschnitten. Diese werdcmj zuletzt unter den Kürbis gemischt. Sehr gut ist, tvemr man 50 Granint Keinwürfelig geschnittenen SWck ausbrät und beim An­richten aus das Gericht streut. }

HVNwgraluw.

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©,© © © * Vogel © ©' ® ® © 2. Vorname ® ® ® ® @ 3. Zeitbezeichmmg.

Die Buchstaben A A A, B B, D D, E E E E E E, ö, N N N, T T, U ü sind nach dem Muster obiger Figur derart zu ordnen, daß die drei wagerechten Reihen gleichlautend mit den drei senk­rechten sind und Wörter von der beigefügten Bedeutung ergebe«.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nunimer.

Leine, Essig, Siegel, Seil, Igel, Ressel, Genie. --- Lessing.

Schristleitung: vr. Reinhold Zenz. ZwittingSrrmddruck der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.