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„Wie kommst du KU diesem Sattel?" fragte streug ? Kapitän Danosf, der ein Verbrechen witterte.
Stepan erklärte ss.
„Hm. Die Sache muß untersucht werden, _ entschied Danosf. „Bis das geschehen ift, muß, ich drch chrer behalten.
Stepan lächelte innerlich. „Wie Exzellenz! befehlen, sagte er. „Die Sache mit dem Sattel verhält sich genau
' Aber^es sthwante „Seiner ExFeltenz" plötzlich, daß er ia selbst gegen Paschkins Vorschriften verstoßen wurde, wenn er Stepan Jline in Hast behielt. Er fluchte innerlich und Liß sich ärgerlich aus die Lippen. Er dachte nicht daran, sich dieser Gefahr austzüsetzeü: der Polizeimensch rn ihm empörte sich jedoch gegen den Gedanken, einen Mann lausen m lassen, der möglicherweise ein Verbrechen begangen haben kormte. Nach langem Nachdenken fand er eredlich den salomonischen Ausweg, Stepan zwar in Haft zu n^rnen, ihn aber nicht in Tschernsk sondern in einem fünf Meilen entfernten Dorfe einzusperren!
Katia wollte unter allen Urnständen mitgehen und Stepan wehrte sich energisch dagegen. Schließlich erlaubte aber Danosf, daß Stepan einen Schlitten mieten durste, und so machten sie sich alle zusammen auf den Weg, eskortiert von dem alten Kosakensergeant. Die Bauern hatten den Schlitten mit Nahrungsmitteln bepackt, ohne eine Kopeke Bezahlung dafür armehmen zu wollen, und ' ich gerne bereit erklärt, nicht nur für sein Pferd zu sorgen,
! ändern auch das Haus auf Rädern nach Tschernsk zu 'Hassen, sobald es die Witterung erlauben würde.
Schlief Stepan auch in jener Nacht hinter Schloß und Riegel, so schlief er doch besser als seit langer Zeit. Denn Katta und die Kinder waren gut aufgehoben, ttr einem Hause ganz in der Nähe und verfügten über Geld genug, um an nichts Mangel zu leiden. Er selbst hatte so viel gegessen, daß er das Gefühl hatte, sich für den ausgestandenen Hunger schon einigermaßen entschädigt zu haben. Die Geschichte mit dem Sattel machte ihm nicht das geringste Kopfzerbrechen, denn er war ja unschuldig und dre Sache mußte sich bald genug aufN'ären.
Der Kosak, der als Gefängniswärter fungierte, erlaubte, als er ihm klüglich einige Rubelscheine in die Hand gedrückt hatte, daß Katia und die Kinder ihn täglich beuchen durften, urrd gestattete auch, daß ihm das Essen ns Gefängnis gebracht wurde. ^ ^
So ging es ihnen allen gut und fte reuten sich der Ruhetage, wenn diese Ruhe auch unfreiwillig war.
Nach Ablauf von zehn Tagen jedoch „sandte Kapitän Danosf, dessen gewissenhafte Seele sich Sünden gefürchtet hätte, einen Befehl nicht buchstäblich zu vollziehen, zwei. Kosaken, die Stepan Jline nach einem andern Dorf transportieren mußteii. Wieder gingen Katta und die Kinder mit Und als weitere zehn Tage verstrichen waren, wurde er auf gleiche Weise nach eineni dritten Dorfe gebracht. So fürchtete in Sibirien selbst ein Polizeikapitän den allmachttgen' Paschttn!
Nachdem auch diese zehn Tage vergangen waren, kam ein Kosak geritten, der den Befehl Danofss uberbrachte, Stepan in Freiheit zu setzen. Gouverneur Tatukoff hatte sich dahin entschieden. Außerdem war die Affäre mit dem Sattel im Sande verlaufen, beim Iwan Tsilka von Drem war lebendig und befand sich wohl, obgleich mmus eines Grauschimmels. Die Geschichte mit den Wölfen konnte ja stimmen, denn die Bauern von Tschernsk hatten „Seiner Exzellenz" die Köpfe von elf Wölfen gebracht. (Die Prämie von sünsundsünfzig Rubeln erhielt Stepan übrigens niemals ) Stepan war also wieder ein freier Mmrn. Danosf ließ ihil jedoch in aller Forni daran erinnern, daß er zehn Tage im Gefängnis dieses Dorfes gewesen und daß es deshalb höchste Zeit für ihn sei, sich aus dem Staube zu machen — eine Mahnung, der Stepan mit frohem Harzen sofort folgte. Er legte kein besonderes Gewicht darauf, länger als notwendig war, in Kapitän Dcmosss Machtbereich zu bleiben... , . ,
Sie hatten Geld, übrig genug Geld. In einigen Wochen kam der Frühling, und damr konnten sie ihr Haus wieder ans Räder setzen statt der Schlittenkufen und froh dahin-
Von Katta hatte er erfahren, daß es den guten Menschen von Tschernsk gelungen war, ihren Wagen von der Paßhöhe herab ins Städtchen zu schaffen und daß er nur
von seinem Eiaeistum Besitz zu nehmen brauchte. Er machte sich sofort auf den Weg! nach Tschernsk.
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Die furchtbaren Zeiten im Schnee rind die Angst, die sie um Stepan hatte ausstehen müssen, hätten Kattas Gesundheit schwer zugesetzt und noch am gleichen Tag, an dem sie nach Tschernsk ausbrachen, wurde sie krank und phantasierte im Fieber. Schon lange hatte sie sich nicht wohl gefühlt, sich aber nichts merken lassen wollen, um Stepan rächt zu beunruhigen. Nun kaur der Zusaunnenbruch mit einem.
^ Ns sie in einer gemieteten Telega nach Tschernsk fuhren und in der Ferne die Häuser des Städtchens aus- tauchten, packte sie Stepans Arrn lsv plötzlich und mit so eisernem Griff, daß er entsetzt auffuhr und beinahe Sitz gefallen wäre.
vom
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„Die Wölfe!" schrie sie mit heiserer Stimme. „Horst du sie nicht, Stepan? Sie kommen! Da sind sie, StePcutt werden uns niederreißen und zerfetzen wie den Schimmel?
Entsetzt starrte er sie an urrd sah, daß ans ihren blassen Wangen hochrote Flecke glühten und ein unheimliches Feuer in den An gen loderte.
„Hier sind keine Wölfe, Dnschenka," sagte er leise und tröstend, aber mit eisiger Furcht inr Herzen, denn er ahnte, daß Katta eine schwerkranke Frau war.
„Ich höre sie!" schrie sie wieder. „Sie kommen, Stepan sie — mein Gott, Stepaii — " und sie sank wie ein
ülsloses Bündel auf den Boden der Telega nieder und /chlang den Arm um Katta und drückte den kleinen Stepan an ihre Brust.
Der Mann aber peitschte aus die Pferde ein, denn mne furchtbare Angst hatte ihn gepackt unb er kam sich hilflos
vor wie ein Kind. , . ., _ , .
„Wenn die Wölfe kommen, tote ich sie wie ich es tat oben aus der Paßstraße," murmelte er, nur sie zii beruhigen, und sagte gen Tschernsk. ^ .
„Schneller, Stepan, schneller!" schrie Katta.
(.Fortsetzung folgt.)
Auf Tod und Leben.
j Von Käpüänleutnant Carl Christiansen*.
Schräg nach Land zu ist die Einfahrt zur Mauscüucht, einig* Kilometer nördlich von Tanga. Indem nur fast das ^.otsenboot ^reicht haben hat sich der feindliche Kreuzer mü leruer weüüüer- legMen Geschlw'indig'keit erheblich gMäheft. Die deutsche Flagge ist sieben aut unseren! Schiff gesetzt, da blitzt beim Kreuzer draußen! L mst^S« 2- Ter Lz b>nnt. DiMipf Mit der Donner durch den sonst so friedlichen Twpennrorgen. Mehrere hmldert Meter Unter uiis der Auffchllag. Es sollte vom Engländer wohl das Zeichen sein, beizudreheu oder unsere Fahtt zu verringern; imr denken aber gar nicht daran. Eine Lalve folgt dem ersten Schutz, alle Auffchläge liegen M kurz.
Ein schneller Entschluß muß.Nun gefaßt werden. Es gibt zwei MögLichVeiten: Enüoeder mü der Fahrt hermüerge.hen, brn Lotsen an Bord nehmen, um den nur noch sechs Leeinmlen ent> sernten Hasen mi Tanga zu erreichpir, oder mü schütter Weudnnjg ohne Fähttverminderung Zuflucht in der nahen Mansabncht suchen.. Tie Aussicht besteht dann, daß der, feindlrck^ Kr«izer Nicht Mi« weiteres folgen kann und unser Schiß durch, Beftenken ans flachem Wasser vor gänzlicher Zerstörung bewahtt wrrd.
Da im ersteren Fall beim Stoppm, um den Lotsen an Bord zu nehmen, der Feind in günstige Feuerentfermmg wmnü, wird der letztere Auslveg gewählt. Ganz dicht braust unser Lchfff am Lotsei^ boot vorbei. In demselben befinden sich Kapitan Lchade von der; Teutsch-Ostafrikalinie und Herr Memel, Vertreter der genannten Schiffsreederei in Tanga.
Qhäe bisher ehteit Treffer erhalten zu haben, paisteren wrr nach einigen Minuten die EinfaUt zur Mansabucht Eine Land- Wnge entzieht uns den Blickeri des s^ndlichm Kreuzers. Er stellt vorläufig das Feuern ein. Unsere AusMeLpiosten in berdett Masten melden lauserw die Bewegungen des Verfolgers. Wir fahren setzt mit Nordkurs und unverminderter Geschwnidigkeü w her langgestreckten MansabuD im Schutze der Landzmrge dahrn. Auf diese Art pässieven wir aus Gegenkurs den mzwrschm als „Hyazinth" erkannten englischen Kreuzer. o ,, a , ..
Was wird der Feind unternehmen? er mrs bis M dre Bucht verfolgen? Man muß es .eigentlich annehmen. Ueber die
* Wir sind in der Lage, aus dem irr Kürze im Verlag für Volkskunst (Rich. Keutel), Stuttgart, erschünenden Buche „Durch! — Mit Kriegsmaterial zu Lettow-Vorbeck" oöcgeu Abschnitt schon heute zu veröffentlichen. Die Probe laßt mü Bestnnnüheü crn Buch von großer Kraft erwarten.


