Ausgabe 
2.10.1918
 
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ausführte. An die Alte dachte er gar nicht mehr. Er blickte vor sich hin, ans den Boden des Schilfes, auf , seine Hände, d:e d,e Ruder umÄam merken. Einmal blntte -er aus. Mtt euren; Ausruf freudigen..Erschreckens lieh, er die Riemen h)s.Madonna!" uno stl^n rvar er aufgesprungen: rurd hatte sich ans die Kme geworfen vor der fremden, schönen Jrrngfran, die ihm gegenüber aut der Bank saß und ihm zulächckte.

Mit zitternden Fingern hielt er ihre Hände umspannt und sein Mund drängte gierig dem ihrigen zu. Ec küßte sie, ehe sie ihm nmh abivehren konnte.Kehre zurück mit nur!" bettelte er.Es wird ein Glück sondergleichen sein! Wir Herde allem in der Stadt, aus der Jnsett im Paradies der Seligen!" Stumm schüttelte sie den Kopf.Wer bist du?" fragte Gkm> hastig und angstvoll und hatte ihre Hände noch immer nicht losgelanen.Ich bin die Pest!" hauch!« das Wcib,die deine Stadt zertreten hat: entvölkert für ein Jahrhundert!" Und Mthxcnd es noch sprach, schrumpfte es wieder zur Gestalt der häßlichen Wen zusammen und verzog den zahn losen Mund zu einem Grinsen. Gina war es. als raube ihm ein übler Geruch den Atem. Er taumelte zurück rmd fühlte, wie ihn; die Sinne schoanden. Ta ergrifs dre Alte mit ihren knochigen Händen;die Ruder und trieb das Boot der nahen ste z u. ____

Die unsichtbare Urone.

Bon Otto F. Niemand (Bukarest).

(Nachdruck verboten.)

Ter Tag ist im Verscheiden, die letzten Somrenstrahlen golden noch das Gelände. Es ist ganz still. Tie Hitze des Svmmertages lastet schwer ans Menschen und Tic-ren. Langsam nur kriecht der Wagerr di« starrbige Straße entlang.

Nun sind wir am Ziel. ^ . _ .... c<r .

Bor rms liegt der Ehvenfriedhof von Bukarest, eme smle Welt für ffefji, abgeschiederr vom lauten Getriebe der Großstadt.

Wir cw'hen den Haupkweg entlang. Schnurgerade zieht er sich zwischen den Gräberreihen hindilrch, wird nur einmal nnter- broclsen drrrch das Grabnrai des Obersten Hentsch und, mündet an der breiten Terrasse, die von eurem schlickten und rn seiner EinfachH-nt erhabenen Tenknral gekrönt wird. Auf der Vorderseite des hohen Sockels trägt es das Relief eines betenden, nackter: Kriegers hoch zu Roß. Darunter die Worte:Heimat, ehre dem« Helden". Tie Wappen der verbündeten Mächte schmücken die Leiteu-

Hinter dem Tenkttnrl sckMnft der Blick frei über die Felder und sieht in der Fern« die Türme, Kuppeln pnd weißen Häuser von Bukarest v-erschwinrnren. , , ,

Essist -ein Bild, so schön, so friedlrch. wie arrs eurem Märchen­buch heransgesckjnitten. Alan glaubt zu träumen.

' J.ch wende inich zurück. ^ ^ ,

Wieder fällt nreirr Blick auf das Denkmal, und m brennen­der, Lettern gaukelt es vor mir her:Heimat, ehre deine Helden".

.Heinrat, hier grüßt mich ein Stück Hermat, und all dre Vielen, es mögen -cm ztveitausend sein, die hier auf, fremdem Boden ihrer Aüserstehung entgegerrträmnen. haben hier erne Ruhe­statt gefunderr, die ihres Heldentumes, ihres Sterbens nriittis ist.

Zu beiden Seiten des Weges reihen sich die Gräber anein- andctt, von schlichten Holzkvenzen bei den Christen oder breiten, buntbemalten Brettern mit dem Zeichen des Halbmondes der den Muselmanen: leuchten in dunkler: Färber: die Nanren der Ber- ftiöV&CHCn

UeberaN Mrt man die sorgende Hand, die über diesen Gräbem waltet. ^ _ ,

Ich sckreite weiter. Zypressen hmdurch.

Tuvch die Luft schwebt ein Klingen. Mgerrsfene Laute formen sich zu vollen Akkorden.

Trüben, auf dem Friedhof der ariden:, trägt man femand zu

Grabe. _ .

Tie Welt scheint den Atem anzuhalten, so still ist eS. Kern Bogellcmt, kein noch so leiser Windeshauch, und doch ist der Abend erfüllt von geheimnisvollen Klängen, die wie das Läuten ferner Aeolsharfen tönen.

Tie junge Frau an rneiner Seite schput nrich aus großer: Angen <m. Tie Mnmen in ihrer Hand zittekrw

Sie ist eine der Wenigen, die das Grab ihrer Liebe mrt Kränzen schmücken können. Ich sehe ihre Tränen nicht, aber ich fühle sie. Fühl« sie tief irr mir brennen. Nur ihre Lippen heben, wie fte sich über das Grab ihrkS Mannes neigt.

Auf das tiefft« ergriffe,: wende ich mich ab. - -

Meine Augen schauen hinüber nach der fernen Stadt, die von glühendstem Leben durchpulst ist.

Schon flamnren die ersten Lichter auf. Tas Tier reckt sich, dehnt sich, wetzt sein« giftigen Fänge. Und wie im Traume höre ich Gläser klirren. In funkelnden Kelchen schäumt der Sekt, rote Kovallenlippen jarrchzen ihr perlendes Lachen hr die Nacht, junge Herzen .schlagen, Walzerklänge schweben dahin, brünstige, sehnsüchtige Weise,: ...

Und hier, hier von dem Gischt der Brandung kaum bespült, die Stätte des Friedens, des Tahmdämmerrrs in ein besseres

Leben.

Segnend breiten die rveißen Kreuze ihre Arme aus, als wollt«: sie di« Schlummernden schützen vor der lauten Welt.

Tie lau« Sommernacht ist hereingebrochen. Zahllose Sterne leuchten im tiefen Blau. Eine Nachtigall singt in der Ferne rhr sehnsüchtiges Lied. Tas Lied des Lebens.

Wir schreiten heimwärts durch das nächtlich« Dunkel, die junge Witwe und ich und auf ihrem dunklen Haupte leuchtet mi sichtbare Krone.

Süchertisch.

Hvffmann von Fallersleben, Das Parla^ ment zu Schnappel. Nen-Ausgabe, besorgt und mit einend Nachwort versehen von Univ.-Prof. Tr. A. Kutscher. 342 S. 8°. Mir Titelbild und 7 Abbild, im Text von Hubert Wilnri (Verlag Franz Hanfftaengl, Münch«: 1918). Die von Prof. Tr. A. KutsäZer besorgte und mit einem längeren Nachwort versehen« Neu- ansgabe dieses ursprünglich zu Bingerbrück 1850 im Selbstverläge des Verfassers erschienen Buch-es ist ein durchaus zeitgeniäßer und außerordentlich glücklicher Griff des Verlegers. Ter Dichter stellt die Unterhaltung eines kleinen Kreises deutscher Bürger zusammen, die'sieben Sitzungen einer Wock-e. tvelch der Stamm- tisch beim Kronentoirt Wiedrrwilt zu Schnappe: abhält. DasParias ment", das in der WeinkneipeAm Rhein" abendschöppelt, besteht aus lauter guten Kerlen, Lernen von verschiedenen Ansichten, Mieiimngen und Richtungen, v« c schiede n eu Talenten und ver­schiedener Bildung, aber einig in einem Punkte: einige stunden des Tages beim Schoppen Wein heiter zu verleben. Im.Parlament zu Schrappet" ist die gutbürgcrliche Komik in allen Stärkegraden! und Farben vertreten. Der Verfasser hat die vielen Gejchchten, Schnurren und Witze, womit er sich 'und andre zu ergötzen pflegte, in eine literarisch wertvolle 'Form gebracht. Aber nicht nur Schnurren uno witzige Geschichte,: erzählt sich, sine Gesellschaft von Stammgästen, auch über Polisik uird öffentliches Leben unter­hält sie sich. Reizend sind auch- die sieben Zeichnungen des be­kannten Graphikers Hubert Wilm zu den sieben Kapiteln des Buckies. Die Kleinmalerei ist das ureigen« Gebiet dieses Küuirlers, und in diesen sieben Zeichnungen hat er sich selbst übertroffen^ Das Titelbild ist stimmungsvoll wtb führt vortrefflich in beit Geist des Buck-es ein. So wird denn imParlament zu Schnappel" äußerlich ein glänzendes Stück Buchausstattung zum Beginne! des fünften Weltknegsjahres, innerlich ein staatsbürgerlich und volkserzieherisch beachte, isivertes Buch geboten, das von Anfang bis znm Schluß gesättigt ist mit dem. was uns allen notwendig ist in dieser schrveren Zeit, mit dem goldenen, befreienden Humor.

Deutschland über alles. (Gedräche ans großer Zeit) von Hugo Köster. Schwabinger Ei-.e.^Verlag, München. Gedichte, die von starkem Gefühl und tiefer Liebe für die Größe uwd Stärke des Vaterlandes zeugen. Markig in,Sprache und Gebärde, tragen diese Gedickte den Stempel einer kraftvollen Eigenart.

König Ludwigs galante Chronik«. Geb. 10 Mk. Verlag Wilhelm Bori:gräb«r, Berlin W 30. Es ist dies eine Sammlung galanter Erzäl-lungen. die König Ludwig XI. von Frankreich in, Jahre 1456' während seiner Zufluß ans der Feste Genappe mttoeit Brüssel im Kreise lustiger Freunde nach be­währten Vorbildern veranstaltete. Tiefe Novellen befassen sich! zumeist mit erlebten -oder vielbesprochenen lvahven Vorfällen, die zwar aus geschmückt und nach dem Zeitgeschnmck zurechtgemacht such, alier Hoch in einem getreuen Spiegelbild die Sitten ihrer Zeit wiedergeben mid daher einen wertvollen Beitrag zur Sitten- ge schichte des französisch?:: LZolkes bilden.

Die letzt« Zarin Alexandra Feodorowna« Geschichtlicher Roman von Gerttud v. Bvockdvrff. Verlag Pvn Rich. Bong, Berlin W 57 (Preis 5,50 Mark.)

Handbuch des guten Tones und der feinen Sitte von Kon stanze von Franken. 26. verbesserte Auf­lage. 304 Seiten. Preis vornehm gebunden 4,75 Mark., Max Hesse- Verlag, Berlin W15.

Arithmogriph.

18 4 5 2 hält Hund und Pferd

2 3 3 4 6 als Getränk nicht begehrt

3 4 2 6 2 1 wahrt das Geheimnis gut

3 3 4 1 zum Binden Dienste tut

4 6 3 1 ein Tier, das sticht

533331 berühre nicht

6 2 5 4 2 Gabe der Natur,

Doch leider ist sie selten nur.

Die Anfangszeichen zeigen dir an

Einen liter"rlsch bedeutenden Mann.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Rösselsprungs in voriger Numlnttt

Mer mit Neid btickl über sich,

Stnnmt nur um so trüber sich.

Leicht hält froh und munter sich,

Wer hinab schaut unter sich.

Daniel Sanders.

SchrWeitung: vr. Reinhold Zenz. Zwillingsrunddrnck der Brüh l'fchen Univ.-Bnch- und Steindrnckerri. R. Lange, Gießen.