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Ebenbild fetrpsS VaterS. beerdigL Und rings rattern und tosen die Maschinen mrd Hämmer fallen hart und schallend aus glühendes Eisen. Und sinMn ein sonderbar Lied: „Werde hart. . .werde
*“**.7 .'liegt ein Häuflein Schutztruppler weit auseirranderge- m im Busch und feuert wie vasend ans ^den nberrnachttgen ad. Wie lange kann's noch dauern — stunden — euren ».ag — ? Wenn man nur Wasser hätte! Munrtton . . . Erne hohe Gestalt schreitet hinter den Liegeriden her durch das Gestrüpp. „Anshalten, Leute — anshalten!" Ter Major. Bon ^ettow-B-or- beck
. . kreist ein Geschjwader feirrdlichier Fluglzeuüe —-
mächjtige Toppeld>ecker — über der Stadt M. Me ^dwehrbatterreN sMeudern ihre Geschosse ptu Nachchrmmel empor, und dre^nMrn- Werf er smlM mit grellem Leu ästen .rrach dvm Fenrd. L.a^ unddortz pfeist es jäh durch die Lust wre ern Pertschenhreb und dröhnt krachend und ber-stend auf: Donrüen. Wahllos geworfen. Frauen Und unschuldige Kinder sind dve Opfer. . . Ber erner Batt^ bricht plötzlich stürmischer Jubel los: „Ta — —
er brennt-er rst getroffen — man steht rhu thron mäst
mehr — — Hurra!" Tas Feuer der Wwehr laßt tmch. Eine deutsche Känrpfstaffel ist anfgestiegen iqrd verfolgt den abzrehenden
liegt weit draußen im flandrischen Land vor den ersten Gräben ein blutjnrrger Soldat. L.re Patronrlle nnnpe zuru die Kameraden fanden ihn mckst mehr. Matt stnkt dre tzand dre er aus die klafseirde Wunde gepreßt, zur Erde. Lickerrrdev Irrzbiut färbt d«r grauen Wafserrrock seltsam bunt. Und so leM mrd chm jetzt, gar Le Schnerzen At er mehr . . . U^der Hnnmel'st fl
Blumen. Tie duften so schwer und suß. Md tue Lome lackst so warm. Tie Welt ist ja so schön . . . Dm Atttern läuft durch den schilastken, jungen Leib. Lerse bewegen srch dre blutleeren Lchpen
ein bauch^rnr^. Turmuhr der Fabrik ein Ulst.
Nachts ' Tr Berns, der junge Chemiker der Lprengstoffwerke legt das Reagensglas aus der Hand und stterft derr werßm Lernen- litte! ab. Sein Gesicht ist bleich und abgefMnnt. Tw Sauren und giftigen Gase, die ihn täglrch umgeben bis m dre Nacht hm- ein haben seinen Wangen das frische Rot nird fernen ^stgen das ftobe Leuchten genommen. Lcurgsam,wendet ^^Uchzuflmem Kollegen um: „Kommen Sie, Winter, ,mr wollen Euß mackM. Ich habe seit heilte mittag um ^oolf nichts ^Sr gegessen ^e Haupt sacke ist jetzt geschafft- Morgen Ab'.rch dre Loflmg gefunden Und leicht lächelnd fugt .er hinzu,: „Dre Mrsthung st m Ordnung. Wenn sie falsch gewesen wäre, danii waren wrr vor fünf Minuten in die Luft geflogen, samt dem ganzen ^orator.nm . ..
neigt sich rn ernenr kleinen Feldlazarett dvr waachaoende Ar; t über das Bett eines Sterbenden. Eine Sekunde nur. ^ann Nt er sich mit denr seidenen Tascherttnch über dre schweißfeuchte Stirn ,Es ist vorbei, Schwester. Unsere K'imst kam zu spat. Ten' ganzen Tag über hat er mit einem Kollegen zusammen Operation auf Operation ausgest'chrt, vom frühen Morgeiigranen an als inan die ersten Schververivlmdeten brachch. brs ,pat m £ Abend lstnein. Tie kleine, Ms.se Schwester druckt dem Toten mit sanfter Hand die Augen zu. Wieder emer ... - Und störst zum Umfallen müde und nratt. So geht es nun seit Tagen. Lailgflm geht sie hinaus. KopffchüttÄrrd blickt der Ltabsarzt ihr nach.
48 Stiiliderr hat sie nicht geichlafen, das arme MNg...
. iitzt im traulichm Wohnznnmer der Rentner Meyer mrt seiner Frau. Er nimmt aus seinem Glase emen Lckchuck Wern und zückst beliaglich deir Tust seiner Zigarre m dre.Rase. Dre Teetasse seiner besseren Hälfte klappert lerse Es ist rroch echter, schwarzer Tee übrigens, den sie trinkt. Gott, wenn man srch £> leiifcrt kann . . .! Befriedigt faltet er seme Zertimg zusammen. „Tas kostet doch einen Hauserr Geld, der Krieg, wa-, 'Ulte , feemi man bedenkt: die Ansrüsllmgen alle . die Mnnrtror., dre U-Boote, Luftschiffe und Flugzeuge und Krregsschffe! Und dre Flieger-Abwehr in der Heimat! Und dre Lazarette und.Geneiuww- heime! Herrgott, ja!" Seine bessere Lälfl^nrckt Mttmmend mrt dem Kopf; reden tut sie nämlich me viel. Fchverwlllg erhebt sich Herr Meyer. „Jetzt gehffr wir ms Nest. Alte Morgen früh um übt Uhr geh' ich auf die Bank — Kriegsanleihe zermchn, d^a will ich ausgeschlafen haben!" Und seine bessere Halste ruckt wremr. Diesmal aber sagt sie doch etwas.: „Du, Hemnch -vennste Mchne gehst, zeichneste für nnch auch fünfhundert Marker, ^-rel ist e-, ja net, aber in der Zeitung steht's ja: jede Mail ift rvechtig . . .
Die Pest auf Arbe.
Dalmatinische Erzählung.
Von Alfred Maderno.
Gino, der Wächter des Hafentors, saß im kühlen Schatten des Torbogens und blinzelte gelangweilt hinaus auf den fonnen- grell beleuchteten Anlegeplatz der Schiffe. Ern altes Wem schlich um die Ecke, kroch auf das Tor zu und begeyrte Einlaß. Gmo hob kaum derr Kopf. „Woher rzud Wohin?" klang lnrz uno barsch
seine Rede. Tie Me komtte sich nicht answeisen. Laß sie in die Stadt hinein müsse, war alles, was sie vorzubringen Mißte. Der Wächter sckiüttelte den Kopf und blickte gleichgültig nach einer anderen Seite hin, auf die Loggia der Mfana, in der du paar gute Freunde bronzebraunen.Zyperwein aus kleinen Bechern trau-, vm. Neben ihrn die Alte .yerzog den häßlichen Mund. zu einem Grinsen. Umvhllig wandte -sich Gino rmch einer Weile Meder dem Weib zu. „Was stehst du noch hier? Packe —" doch, er vollendete den Satz picht, denn vor ihm stand nimmer das wüste ölte Weib, sondern eine Ichlankgervachsene Jungfrau, deren jugendliche Schönheit den Burschen dermaßen bestrickte, daß er verwirrt aussprang. „Wen sucht Ihr in der Stadt, Madonna?" — „Eine Waise bin ich, hnmatlos, und suck-e das Glück bei freinden, guten Menschen." — „Unsere.Frau segne euren Eintritt in diese Stadt!"
Und Gino fragte nicht nach Woher und Wohin, iondern lehnte am Torpseiler und sah der Jungfrau nach, die die Hauptstraße betrat. Toch ehe sie rroch um die Ecke bog, war sie den starrest Blicken des Burschien plötzlich erttschwunden, und Gino sah nur eilt altes Weib gebeugt die Mauern eutlangschleichen. Er erkanute es nicht; eins glich dem anderen; und dem Wächter schwebte ja doch nur das Bild der freinden, schönen Jungfrau vor Augen.
Bon diesem Augenblick an war Gino sein Amt zur O-ual güvorden. Am liebsten hätte er das Tor im Stiche gelaffen mrd die Spur des Mädlcheus gesucht, an das er mit immer größerer Sehnsucht und endlich wnt so glühendem Verlangen denken mußte, daß er fühlte, wie er zu jener Jungfrau in Liebe entbrannt sei. Als sich ani Abend ein paar frohe Gesellen zu ihm unters Tor sichten, hätte er sie ja jo gern gefragt, ob ihnen das schöne Mädchen begegnet sei; doch m auflodernder Eifersucht beUrchtete er, die Freunde über Gebühr aufmerksam zu machen urrd.schvieg, wre groß seine Qual auch war.
In der: ersten Morgenstmlden des nächsten Tages klang wutes Wehllagen aus der Hauptstraße bis an die Enden der Stadt. Ter Jammer steigerte sich von Stunde zu Stunde zu Ausrufen wilden Entsetzens, imd Gino bot sich ein furchtbares Bild. Schreiew> stürzten die Leute, ihre Habe in einem Bündel unterm Arm, an ihm vorüber, hinaus anff den Hasen, rissen die Schiffe los und trieben sie mit hastigen Ruderschilägen vom User. Nicht all« erreichten die Boote; viele stürzten im Laufen, begannen. sich in Krämpfen zu winden, und wie besessen rannten die übrigen an diesen vorbei. Einen Bjick warf Gstw Hindu in die Stadt. Und da sah er, wie sie halb OlMmächtige hin zu derr Mrckxen schl-dsten, sie dort auf die Stufen legten, damit sie die Barmherzigkeit Gottes arNoinselten. Mit Sterbenden und Toten tvaven die Gassen bedeckt, noch ehe der Abend sdnen Purpur über die Häuser goß.
Jetzt erst bewiesen einige Männer Besonnenheit und Mut. Sie sä überleit die G assen, und die Toten trugen sie ^hinaus vor .die Stadt, um den Hafen herum, und verbrämllen fie jensdts der Steineichenwälder, aus denen das Schlllchzen und Jauchzen ungezählter Nack.it igallen in den späten Llbend hinausdrang. Ta kam auch in Gino, der mehr betäubt als ersckMvckeu stundenlang um sich gLstarrt hatte, wieder Leben. Ml fdn Tenken aber war nur von der einer: Sorge erfüllt: was geschah mit der fremden Jnrrgfran? Lebte sie rwch oder tvar auchi sie denr großen Sterben pn Opfer gefallen? Wie die errtsetzliche Seuche die Insel überfallen haben konnte, über das Wässer hinweg, das sie von allen Seiten schützte^ darüber grübelte Gino nicht nach. Er ließ nur keine Leiche an sich vorbei durchs Tor tragen, der er nicht prüfend und angstvoll ins verzerrte, drinkle.Antlitz starrte. War sie dabei? Oder hatte sie die Krankheit ebensoweirig überfallen wie ihn selbst? Gino blickte sehnsüchtig nach den Häusern der Stadt. Durch die Gassen eilen, und sie suchpn! Biel leicht bedurfte sie der Hilfe! Wer er wagte seinen Platz nicht zu verlassen, denn immerzu tru.geir sie die Totere an ihn: vorbei, und wähverrd er sie suchte, schaffte man ai.lch sie zu. derr anderen Verstummten hinaus, ohrre daß er sie noch einmal gesehen Hütte.
Und so blieb er Tag mrd Nacht auf seüreur Posten. Was er zur Stillung seines Hungers und Durstes bedurfte, holte er. aus der nahen Kafaua, die er mit drei Sprüngen erreichen kmmte. Tie Loggia lag verdnsamt. still die lange Hauptstraße — es noch jemand zu sterben? Man trug keine Toten, mehr zur Stadt hinaus, die Männer, die das Werk der Barmherzigkeit getan, zeigterr sich nicht nrehr. Keine Stinune rief mehr durch die Gaffer«., kein Schiritt hallte durch die Stille, und nur die Nachttgallen. hörte Gino schlagnr. draußen vor den Mäuern der Stadt, tief drirmerr irr derr Wäldern VW Insel. Urrd tvährend er so vor: sich hin saun und ivartete, wartete auf derr letzter: Toten, kam das
es nicht tbieder. Mrrs glich dem anderen und deirr Wächter schirvebte %a doch rmr'das Bild der fremden, schönen Jungfrarr vor^Augen.
Tie Lllte blieb vor Mrro swherr. „Fahre mich ans Fptland hinirber, Bursche!" Ter Wächter blickte zweifelnd in dre Ltadt hinein. „Du Ast deirr Amt am längsten versehen. Werr wlllst du noch bsvachen? Sie sirrd alle tot." „Alle?" fragte Gmo laut. .Lille!" gab die Alte Art zur Antwort. Sie mußte es rmssen. Ta machte er flirre Barke fertig und ruderte das Wech zum Hase,r hinaus. Tie Türnre und Mauern von Arbe wuchsen vor rym auf derr morgenroten Klippen aus, wie ein Sagerrschtoß entcheg dre Stadt denr Meere, ein Märchrnschloß erst recht in dreier Stunde, da Gi'.w mit seirrem eisenerr Leben das letzte Leben zur Ltadt Un-


