Ausgabe 
2.10.1918
 
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Mann erbittern lassen, und Step ans Herz klopfte ln ihm, als wolle es ihm me Brust zersprengen, in maßlosen: Ent­setzen vor den Bestien, die gierig danach lechzten, ihn» niederznreißen und zu zerfleischen furchtbar, als habe die Hölle selbst sie ausgespien.. Er zitterte an Leib und Gliedern, aber keinen Schritt weit wich er zurück.

Drei, vier Wolfsleiber verstopften bald den engen Schneegang, aber die andern Tiere kletterten furchtlos über sie hinweg, purzelnd und fallend in ihrer Hast. Stepan mußte den Speer kürzer fassen, denn sie duckten sich unter dem Messer weg und sprangen an ihm empor, so nahe> daß ihr beißender, stinkender Atem ihm ins Gesicht schlug. Da wurde ihn: von hinten die Flinte unter den linken Arm geschoben, und er schob sie langsam in der Linken vorwärts, während er mit der Rechten' zu stieß, bis er den Drücker gefunden hatte. Dam: feuerte er in die zottige Masse hinein. Eine Sekunde lang wichen die Bestien entsetzt vor dem Feuerstrahl zurück, und das gab ihm Zeit, Flinte und Speer fallen ziü lassen und die Axt aus dem Gürtel zu reißen. Und da:rn hieb er in blinder Wut auf die ansprin- oen Leiber los und trieb sie zurück auf den Hausen von toten Wölfen.

Ei::e verwundete Bestie zu feilten Füßen biß sich in seinen Knöchel ein. Mit einen: einzigen Hieb der schwerer: Axt spaltete er ihr den Schädel und brüllte auf in Triumph, als. er fühlte, loie der Stahl durch Fleisch urrd Knocher: drang . . . i

Eine Berserkerwut packte ihn. Blinde Gier, zu morden. Er wußte rächt mehr, was Furcht war, urrd schien sich stark wie ein Riese mit,einer Wunderwasse, die durch bloßes Berühren tötete. Er war trunken, wahnsinnig; er lachte gellend auf, wenn der schwere glitzernde Stahl tief in einen entsetzt aufbrüUender: Wolf hineinbiß, und grinste vergnügt, als sich die Wände des Schneegangs rot färbten mit Blut und der Schneeboden naß und schlüpfrig wurde und heulende Bestten mit zerhauener: Gebissen und ge­schwundenen Gliedern sich vor ihm wälzten, die einen mit abgehauenen Pfoten, die anderen mit furchtbaren Wunden im Leib.

Katia hatte sich herbeigeschlichen, die Flinte aufge­hoben, sie geladen und reichte sie ihm rmn him

Laß Katia!" schrie er mit einen: wilden Lachen.Ich brauche keine Flinte es sind ja nur Hunde Köter, die man prügelt. Heran mit euch, ihr verfluchten Hunde!"

Aber diejenigen dieser Hunde, deren Fell und Haut noch ganz war, und deren gab es wenige, lagen keuchend auf der anderen Seite des Haufens von toten Wülfer: und überlegten sich, daß dies h:er doch etwas ganz anderes sei als das Niederreißen eines ermatteten Gauls. Das Ge­schöpf dort mit dem beißenden blanken Ding in der Faust roch zwar sehr gut und würde zweifellos auch gut schmecken, aber es biß bösartig. Ein toter Wolf aber kann nicht mehr riechen und auch nicht ftessen. Nein, sie wollten nichts mehr wissen von dem Geschöpf. Vielleicht war von dem Gaul da drüben noch etwas übriggeblieben, das sie vor­hin übersehen hatten... Und einer nach dem andern schlich langsam davon, während Stepan lachend die schweren Schrote seiner Flinte in die letzte der Bestten hinein- feuerte.

Dann schwang er sich mit einem triumphierenden Brüllen die blutgerötete Axt ums Haupt, stolperte Über den Leichenhausen im Schneegang hinweg, kletterte mühsam in den Wagen, und warf die Türe zu.

Die Flinte stellte er in eine Ecke, die Axt warf er auf den Boden und ließ sich lo schwer auf eine Bank niedere satten, daß der Wagen erzitterte, und Katinka erschrocken zu weinen begann. Der kleine Stepan folgte natürlich ihrem Beispiel.

Seid still, ihr beiden!" bttillte Stepan.Ihr seid so schlimm wie die Wölfe draußen. Still, oder..und er hob die Hand, als wolle er Katinka schlagen; ein Ding, das er noch nie getan hatte.

Katta jedoch regte sich nickt Sie war eine kluge Frau und verstand. Mit der einen Hand zog sie Stepan zu sich, mit der andern streichelte sie tröstend das Mädchen.

Ich habe Wölfe getötet in dieser Nacht/' rief Stepan mit gewalttger Stimme. Denn noch beherrschte die wahn­sinnige Erregung sein Hirn, und vor seinen Augen lag es wie blutrote Schleier.Biele Wölfe habe ich getötet. nein, nicht Wölfe: Hunde, erbärmliche Hunde. Aussresfen

wollten sie uns wie den Gaul, aber sie fanden ihren! Meister. Ich sage dir, Katta, sie sind tot. In Haufen liegen sie draußen. Komm' und sieh sie dir an. Wolfsleichen in Haufen. Und ich habe sie getötet!" und er schickte sich an, aufzustehen.

Ich habe sie gesehen, Stepan," sagte Katta ruhig.

Hoh sie wollten mich umbringen! Mich wollten! sie zerre:ßen, mich, Stepan Jwanowitsch. Mich Stepan

Jwano witsch 1 -" und dann rollte er lallend von

der Bank auf den Boden und schlief wie ein Trunkener bis tief in den Morgen hinein.

Als er erwachte, war er nicht mehr Stepan Jwano- witsch der Berserker, der bluttrunkene Wolfstöter, sondern der alte sttlle Stepan, den sie kannten'und liebten. ^Zuerst jedoch betrachtete ihn die kleine Katinka mit scheuen Augen und fürcht te sich vor ihm, bis er sie an sich zog und küßte und mit dem kleinen Stepan spielte, daß er sich jubelnd! in seinen Händen wand.

Er und ging dann hinaus in den b'ärttrbersttömteu Schneegang. Still schleppte-er die toten Wölfe beiseite und schaufelte Schnee auf die blutigen Stellen. Elf Wölfe hatte er getötet. Zwei der Tiere waren angefressen einer oder der andere hungrige Wolf n:ußte sich oes Nachts noch, einmal herbeigeschlichen haben. Dann watete er zur Paß- sttaße hinüber durch den Schnee, um sich den Pferdekadaver anzusehen.

Von dem Schimmel war nichts übriggeblieben als das Knochenskelett und einzelne Fetzen von Haar und Haut, im Schnee verstteut. Sogar die Lederteile des Sattels hatten die Wölfe verschlungen und das hölzerne Sattelgestett an? genagt. Die zähen Bügelriemen waren zu einer Schnur zerkaut. Stepan schüttelte den Kopf und trug das Holzgestell des Sattels, das noch einigermaßen brauchbar war, nach dem Wagen. Er konnte es dem Pferde aufschnallen, es mit einem Fett bedecken, und so Katia reiten lasse::. Dann! machte er sich an die Arbeit, den schmalen Zugang zum

f serdezelt zu vergrößern und befreite das Tier aus seinem eltgefänanis. Es schwankte, als es in die freie Luft kam, und torkelte hin und her, als habe es den Gebrauch dev Beine verlernt.

Als es die spärlichen Heuüberreste gefressen hatte, die noch da waren, schnallte Stepan ihm das Holzgestell auf, doch das Tier war zu schwach, als daß es Katia hätte tragen können. So hingen sie ihre Bündel an den Sattel! und machten sich zu Fuß auf den Weg. Die kleine Katinka trug Stepan auf seinem Rücken und Katia hatte auf ihren Armen den Buben, in ein Fett gehüllt. Im Arm trug Stepan Flinte und Speer. Die Axt hing an seinem Gürtel So watete:: sie mühevoll durch den tiefen Schnee die lang­gestreckte Hügelstraße hinab nach Tschernsk.

(Fortsetzung folgt.)

In dieser stunde

Bon allerlei Helden und anderen Leuten.

Bon Entt Reinhard Dietz.

In dieser Stunde, da ich schreibe und die Buchstaben unter! niemer Hand sich aneinanderreihen und zu Watten formen, inj dieser Stunde, wo die Feder in meiner Hand leise ächzend über's Papier fährt und das Licht meiner Studierlampe trauliche Kreise um n:tt:ren Schreibtisch zieht

. . . tobt draußen im Westen eine unerbittliche, ungeheure Schilacht. Und tausende und abertausende deutscher Männer und Jünglinge stehen tut eiserner Ausdauer und heiligem Opserntut, um die Heimat zu schützen . . .

. . . preßt sich das Auge eines ll-Boots-KDtrtnuutbttttiett gegen die blanke Lcheibe des Pettskopes. Und plötzlich öffnen sich sein« hart m! fe nm ndergebisse neu Lippen, seine Haird drückt den Knopf der elekttischen Leitung, und ein kurzer Laut entfährt seinem Munde: Los!" Ein Ruck geht durch den: schlanken Leib des Bootes. Wieder preßt der Offizier die Äugen an das Rohr, zitternd vor verhaltenser iErrrKgung. JDiarat atmet er tief auf und ruft ein paar Worte durch das Sprachrohr in den Geschoßranm:Treffer am Heck! Er sinkt bereits!" Und drinnen von: Boot heraus steigt ein jauchzendes, jubelndes Rusen durch die schnorre, laue Lust bis tzu ihm in den Durch:> er sinkt. . .!" Wicker ein Feind weniger! Das UEoot jagt iveiter. . .

. . . fallen zwei schivere Tratten aus die arbeitsharten Hände einer jungen Frach und auf die unförmige Granate, die sie zitternd hält. Bor toenigen Tagen ist int Westen ihr Mann gefallen; sie warm kttegsgettaut ut:d hatten sich seit der Mobilmachnng zweimal erst toiedergesehen in sei item kurzen Urlaub. Und jetzt gestern, hatte man ihr einziges Kind, ein Junge von kaum drei Jahren, das