Ausgabe 
28.9.1918
 
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beschiedeu worden. Segi, mein teurer Dohm was Du von meinem Besitze jetzt schon Huben möchtest, und dein Wunsch soll erfüllt werden."

Kaum war die Stimme des alten Khans verklungen, als Tolaik Algalla sich! erhob 'und' mit den: hetßen Blick seiner Äugen., die schwarz warm, wie das nächtliche Meer, nach dem Vater schau­end, ansri.es:Gib mir die russisch? Gefangene, mein Herr und Gebieter." Ter Khan verstummte solange, bis er das Beben jemeä Herzens bemeistiern konnte, dann sprach er laut und ent-

Nimm sie, wenn das Fest vorüber ist."

J'nbelnd erwiderte Mgalla, sich in seiner ganzen, stolzen Größe aufrichtend:Ich weiß, mein väterlicher Herrscher, was du mir schenkst, ich weiß es, und daher bin ich dein Sklave, dein treu ergebener Sohn. Irr jeder Stunde sollst du mein Blut -aber: und zwanzig Tode will ich für dich sterben!"

Ich brauche nichts mehr!" sprach der' Khan und sein graues Haupt senkte sich auf feine Brust,

Er und fein Sohn gingen aus denr Schlosse nach dem Harem, nachdem die Festlichkeit beendet war. Tie Nacht war dunkel, und weder der Mond noch ein Stern war zu sehen. Lange schritten beide in der Dunkelheit, bis el Astvad anhnb:Der Tag niemes Lebens erlischt und mein altes Herz vermindert seine Schläge. Licht und Wärme brachten mir die Zärtlichkeit der Kosakin. . . sage, To- laik, ist sie dir wirklich unentbehrlich? Nimm hundert, nimm alle meine Frauen, bis auf diese eine! . . . Wieviele Tage habe ich denn noch auf der Welt zu sein? Urid dieses russische Mädchen ist meine letzte Freude! Für die Frauen sind wir alle nur Männer... es wird mir schmerzlicher sein, ohne sie weiter tzu leben, als alle Wunden an meinem Körper bluten zu fühlen."

Ter Sohn erwiderte nichts. Sie kamen beide an die Tür des Harems und blieben sichern Endlich sprach Mgalla leise: Ich liebe sie längst, mein Vater."

Und ich weiß, daß sie dich nicht liebt, aber der Weise hatte recht, der einst sagte:Dem Manne wird das Weib immer gefähr­lich. Ist sie schön, so reizt sie andere zum Besitz und bereitet dem Gatten die Qual der Eifersucht; und ist sie häßlich, so leidet der Mann unter denr Neid gegen andere, die schöne Frauen haben."

Vater, wollen wir.n^s gegenseitig trösten?^,

Tas Haupt stolz erhebend/ blickte der Khan tiestranrig seinen Sohn an, ohne etwas zu sagen.

Aber Tolaik sprach finster:Wir müssen sie töten!"

Tu liebst dich nrehr als sie und mich!" dachte der Alte und fügte innerlich hinzu:Und dich selbst auch!"

Seine Augen füllten sich mit Tränen und er flüsterte:Ich kann sie dir nicht überlassen!"

Mit wilder Gebärde forderte der Sohn:Werfen wir sie vom Berge ins Meer!"

Sie traten beide irr den Harem ein, wo .die Kosakin ans eirrem weicherr Teppiche schlief. Sie schauten sich an und die Tränen des Alten flössen in seinen silbernen Bart. Tas Mädchen erwachte. Wie Rosen schimmerten ihre Wangen, und wie Kornblumen leuch teten ihre Äugen. Ohne Mgalla zu beachten, sagte sie: Küsse mich, mein älter Adler!"

Komm mit uns," sagte er traurig und das kluge Kind verstand plötzlich alles. Sie erhob sich und folgte ihnen. Beim Besteigen der Felsen im Tnrrkeln verletzte sie sich den Fuß, der zu bluten arrfing.Komm, ich trage dich!" sprach Mgalla und streckte ihr seine starken Hände entgegen. Sie aber umfaßte den Hals ihres alterr Adlers, der sie wie eine Feder anfhnb. Während sie aus seinein Arm saß, schob sie die Zweige vorsichtig auseinander, damit sie dem Khan nicht in die Mngen kamen. Das Rauschen des Meeres wurde vernehmbar.

Laß mich voran, sonst stoße ich! dir den Tvlch in den Rücken!" rief der Sohn leidenschaftlich aus.

Geh' voran, ich dein. Vater, verzeihe dir, denn ich weiß, was Lieben heißt!" Schiwarz wälzten sich die Wogen ans Ufer und brandeten mit mifsprchndcm Gischt.

Fahr hin, mein Liebling!" sprach der Alte, das Mädchen zärtlich küssend.

Leb wohl!" sprach Algalla und nickte ihr zu.

In die Tiefe schauend, dann mit geschlossenen Augen zurück­wanlend, drückte sie die Hände an die Brust und bat:Werfet mich hinab!"

Schön glriss Mgalla stöhnend nach ihrem Gewände, als der Alte sie an sich preßte, dann ans seinen Kopf setzte und sie von, der Höhe der Felsen hinunterwarf. Er siel dann auf die Steine nieder und heftete den stieren Blick auf hie dunkle Ferne, lvv das Meer sich mit den Wellen vereinigte.

Komm, Vater," sprach nach! einer peinvollen Weile. Mgalla.

Warte . . flüsterte der Khan, als lauschte er auf etwas in weiter Ferne. Noch einmal forderte Mgalla ihn auf:

Komm!"

Müde erhob sich der Mte, machte ein Paar Schritte, kehrte um und sagte:Wohin soll ich gehen? Wozu noch leben, da mein Leben hin ist! Wenn mich niemand mehr liebt, hat die Welt keinen Sinn nichr für mich ..."

Tu hast Ruhm Md Reichtum, mein Water. . warf der Sohn ein.

Kaum vernehmbar mjUrmÄte der Mte :Tas alles ist! tot.

Mendig aber bleibt die Liebe der Frau. Leb' wohl, mein Sohn, und laß mich ziehen!"

Seine Schritte beschleunigend, ging der Khan, an den steilen Felsenabhang heran und stürzte sich herunter, ehe der Sohn es verhindern konnte.

Wiederum war es still, lein Schrei, fein Geräusch. Lange sah Mgalla den Wogen nach, die seinen Vater verschlungen hatten, und dann betete er laut:

Gib' auch mir, o Allah, ein so starkes Herz . .

Die Wüchse der Göttin Incari.

Eine japanische Legende.

Von F. E. Rosenthal von Gahlen.

Tie Lieblingsdiener der Göttin Inari sind die Füchse. Sie sind verzauberte Geister nnd lhaben viele Fähigkeiten von ihr ver> liehen bekommen, denn sie sollen die Menschen än die Göttin mahnen. So ist ihnen auch die Möglichkeit gegeben, zwischen Abend und Morgen die menschliche Gestalt anzunehmen, um schlechte Menschen ans 'den Pfad der Tugend zu führen, oder sie für das Böse zu bestrafen.

Im Garten des Kw-a-non-Tempels lebten einst! zwei Tiener der Inari, Vater und Sohn, in ihrem Frech bau. und wenn sie abends ihre Nahrung suchten, so sprangen sie wohl auch zu einem benachbarten Grundstück, um sich an den Trauben, die dort im Uebersluß wuchsen, -zu sättigen.

Tiefes Land gehörte Barm Sinto, einem reichen, aber mifo günstigen und böse gesirrnten Kaufherrn. Eines Abends, kurz! vor Sonnenuntergang, wandelte dieser in seinem Garten und sah die beiden Füchse an einem Rebstock ihre Mahlzeit halten.. Ta bv». schoß er, eine Falle anfznstellen, denn er neidete den Tieren die Trauben.

As er am nächsten Morgen nach dem .Fangeisen sah, trium­phierte er, derrn eine zerschmetterte Fuchspsote klemmte zwischen den eisernen Zähnen.Tenen ist das Wiederkommen verleidet!" lachte er nnd rieb sich die Hände.

Einige Tage später kehrte Barm Dirrto von eurem Gang nach Tokio zurück. In der NWe des Kwa-non-Tempels sah er zur rechten Hand tri ,einem Hanse einige Lichter aufblitzen irnd neugierig ging er darauf zu.. Er glaubte sich in der Richtung zu seiner Wohnung geirrt zu haben, denn dieses Haus war ihm gänzlich unbekannt. Ms er den Garten betrat, kam Hin ein vornehmer, weißbärtiger Herr entgegen und bat ihn unter zahlreichen Ver­beugungen, in sein Hans einzutreten und mit seiner ^Familie das Fest der Sakura-hana zu feiern. Barm Sinto erstaunte dar­über, denn das Kirsch,blutenfest war lange vorüber, doch folgte er, um die Achtung vor dem Mter seines Wirtes nicht zu riet* letzen, stillschweigend der 'Einladung.

Zein Führer geleitete ihn in ein prächtiges Zimmer. Ter Boden war mit schölten, gioGgelben Matten bedeckt, die Schiebetüren von unendlich feinem. Schritzwerk. zeigten auf ihrem Seidenüberzugl kostbare Nadelmalereien. Kleine 'schwarze, mit Gold eingelegte Lach tischchen trugen hohe Basen aus köstlichem, dünnem Porzellan» die mit rosigen K'rrschplütenzweigen gefüllt waren, und in der Mitte des Raumes wiegten sich reizende Geishas zum Klange der Samisenen im Tanze.

Ter vornehme Hausherr machte Bana Sinto mit seinem Sohn bekannt, der ans einer erlesenen Matte saß und sich oft und ehrerbietig vor dem Gast verbeugte. Dabei fiel es Bana Sinto auf, daß dem Jüngling, der sehr bleich war, die linke Hand fehlte.

Nach einer vergnügten Nacht verabschiedete sich der Kaufherr von seinen gütigen Wirten mit der Bitte, auch ihm die Ehre einest Besuches zu erweisen. Iw gleichen Augenblicke, wie er das Haus verließ, zerteilte die ausgehende Sonne mit rosigen Fingern den grauen Nebel Vorhang der Nacht und Bana Sinto sah sich inmitten eines Reisfeldes. Gin Schauer überrieselte ihn, denn, er erkannte, daß er der Gast von Geistern gewesen lvar.

Noch vor Ablauf einer Woche statteten Vater und Sohn dem erschrockenen Bana Sinto zur Nachtzeit einen Gegenbesuch ab. Tiefer bewirtete seine Gäste aufs beste, und als ihn tu später Stunde die Zunge von dem reichlich genossenen Sake gelöst! und seine Scheu, vor den Geistern geschwunden war, bat.er die erhabenen Gäste, ihm einige ZauberLmststücke zu zeigen. Ter Aeltere ließ, ihn schwören, vor keinem Menschen seine Kunst auszitüben, und als Bana Sinto den Schwur geleistet hatte, zeigte er ihm vielerlei Zaubereien.

Als letzte aber lehrte er rhu, sich mit einem Schwerte einzelne Glieder abzuschlagen und die Teile wieder Unversehrt dem Körper anzufügen. Vor Tagesanbruch entließ der Gastgeber seine hohen Bekannten unter vielen Tankesbezengungen. .

Abend für Abend erprobte mm Bana Sirrto feilte neue Kunst und freute sich darüber, daß sie ihm airch ohne Anwesenheit der Geister gelang. . t

Doch der Gedanke, sich vor feilten. Freunden mrt dem Erlernten brüsten zu können, ließ ihn seinen Schnur vergessen, und er beschloß, alle Nachbarn zu einem Abendschmause einzuladen.

Nachdem die ft Mich Stimmung aufs höchste gestiegen war, prMte er mit seinen Zanb-erftmststückeit und zeigte den erstaunten Frenndeir seine geheimnisvollen Mnste.

As er sah, daß alle seine Vorführungen gelangen, frohlockte