Ausgabe 
25.9.1918
 
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der schnellere Mich, und, ehe er an HakÄtschlaizeü denken ton; ist er gefaßt.

Ein einzelner Hund bekmnmt also einen gesundeil Hasen nur ausnahmsweise, aber zwei schaffen es ziemlich leicht. Deshalb spielt die Verabredung Mm Wildern unter den Dorfhunden eine große Rolle.

Tie Erbeutung d>er Käsen, indem einer verfolgt, _ während der andere zurückbleibt, beruht licherlich, auf alten Raubtierinstink­ten. Hier werden sich die Kunde also ohne weiteres verständigen!. Aber wie sie sich über den Zeitpunkt des Aufbruchs einigen, ist schwer zu sagen. v

In der Freiheit brechen Raubtiere mit dem Einbruch der Dämmerung auf. Im Winter können das die Hunde rlicht machen, da dann alles noch M lehr belebt ist unb> ihre Herren noch nicht im Bette liegen.

Au den langen Sommertagen gehen die Raubtiere bereits in den Nachmittagsstunden auf Raub aus. Die Hunde können das zu dieser Zeit aus den eben angeführten, Gründen nicht tun.

Sie müssen sich also über eine Zeit einig lverden. die nicht mit der'aus ihrer früheren Ranbtierzeit übereiustimmt. Sie machen es auch, aber ich habe selbst von den erfahrensten Jägern keine! Aufklärung darüber erhalten können, wie man sich diesen Vorgang borstellen soll. .

Zu sagen haben sich also solche Hunde außerordentlich viel. Das gleiche ist der Fall, wenn Tiere, die sonst einzeln leben, .sich zu einer gemeinsamen Tat verabreden.

So haben Tiger, die in ein von Fischern bewohntes Häuschen einbrechen wollten, andere Tiger zum Beistände geholt, als sie allein dazu nicht imstande waren. Ein Eichelhäher, der einem Grürr- specht die MneisenpuPpen nicht gönnte, die er sicht ans einem Ameisenhaufen zog, wollte den Specht verjagen. Als dieser sich wacker verteidigte, flog der Eichelhäher fort und kam mtt zwer Genossen wieder. Aehnliche Beobachtungen sind bei Füchsen und Raben gemacht worden. ,

In solchen Fällen haben sich die Tiere nicht nur Wichtiges M sagen, sondern man muß auch staunen, wie sie es fertig bekommen, ohne Sprache einem Artgenossen ihre Wünsche mitzuteilen.

Hätten sich die Tiere nichts zu sagen so könnte es keine Art von Parlamenten geben, lote sie doch bei Men und Sperlingen Vorkommen. Tie lärmenden Sperlingsversammlnngen gegen Abend hat wott selbst der Großstädter beobachten können. Noch menschen­ähnlicher sollen die alljährlichen Ufferwersammlungen auf riesigen Bäirmen sein. _ r ,

Aber wir brauchen gar nicht erst in die .Werte zu schwerfen, UNl zu sehen, daß Tiere sich viel zu sagen haben. Ein Blick durchs Fenster zeigt uns zwei Hunde, die sich begegnen. Sind es, was die Regel ist, zwei Männchen, dann erfolgt eine Art von Renonv- misterei, die man nicht gut schildern kann, ohne unästhetisch zu werden Für den Tierkenner aber sind sie eine Quelle immer wiederkehrender Heiterkeit. Siird die Geschlechter verschieden, dann sind die Huldigungen des Männchens ebenfalls sehr spaßhaft. AVer es ist klar, daß alle Bewegungen des Männchens ausdrücken:Ich liebe dich; ist dein Herz noch frei? usw." Er hätte also seinen Angebeteten sehr viel zu sagen. .

v Die Ansicht von Wandt kamr also unmöglich richtig fern.

Weiter heißt es iin neuesten Brehlin:Die gegliederte Wort­sprache ist keine Leistung des menschlichen Kehlkopfes und , der menschlichen Zunge, sondern des menschlichen Gehirns. Es fehlt den Tieren nicht am Kehlkopf, sondern am Gehirn. Das ist der Grund, ioeshalb ihnen die Sprache fehlt."

Tiefe Erklärung des neuesten Brehm ist ostenbar richtig. Tie Tiere haben keine Sprache wegen zil geringer GehrrnentwrS- lung. Dadurch sind wir aber keinen Teilt klüger geworden. Denn waruin ist das Gehirn nicht mehr entwickelt worden?

Darf ich mir eine Ansicht erlauben, so ist sie folgende: Man muß sich darüber klar werden, daß dem Tiere mit der Gabe einer bestimmten Sprache in keiner Weise gedient wäre.

Bereits wir Menschen verstehen uns mit nn,erer Sprache nicht, sobald wir die Grenzen des eigenen Landes übersiHretten. Diesem Uebelstand können >vir durch Dolmetscher. Erlernen der fremden Sprache n. dgl. abhelfen. Was aber sollte das Der inachen? Teiin bei der tierischen Sprache ioürden sich doch die­selben Unterschiede wie bei der menschlichen ergeben, da die Sprache von denr Bau des Körpers und dieser wieder voin Klima, Land und andern Dingen abhängig ist. ,

Sodann darf folgendes nicht überp-hen werden. Tee Sprache entsteht alif Grund von Ueberlegung. Zur Neberlegung gehört in erster Linie Zeit wob Ruhe. Diese besitzt aber ein von Femdest Umringtes Geschöpf lischt. Deshalb kann es keine Sprache bilden.

AiOschlaggebend für das Fehlen der Sprache ist aber folgender Umstand. Alle Vorzüge haben Nachteile in: Gefolge. Dir -an-, glaublichen Lügen, die über Deutschland von unseren Fanden verbreitet sind, haben gewiß auch die gröfttat Verehrer der Buctz- drackerkunst davon überzeugt, daß die Erfindung, Gntenberg-s uns nicht nur Segen gebracht hat. So ist es auch niit denr Telephon, das jeder schön zu gervissen Zeiten verwünscht hat, und anderer!- Kaltursortschcittei:. ^

Auch di« Gabe der Sprache hat ihre SaMea,eiten, wte tnanä-er Ehernamr, der eilte allzu redselige Frau besitzt, zageben wird. Wie könnte sonst Orden geben, die das Gelübde des

Schweigens oblegen ? Für pniämänd aber ist di«, Sprache nach­teiliger als für ein von Gefahren umringtes Geschöpf. Deshalb sind alle Menschen, die gefahrvolle Berufe ausüben, sehr schweig-- sam. so der Soldat, der Seemann, der Jäger usw. Gin Schwätzer ans der Jagd karrn alles verderben.

Besäßen die Tiere eine Sprache, so kämen sie oft ins Plaudern, wild ein plötzlicher Uchersall durch einerr Feind bildete den Schluß des Plauderstündchens.

Ten besten Beweis liefern uns die Haustiere. Diese haben sich Lautäußerimgen angewöhnt, die in der Freiheit ihr Ver­derben wären: So bellen die Hunde, krähen die Hähne, schnattern! die Enten usw. Wildhunde bellen nicht, weil sie sonst alle Beute- tiere verscheuchen würden. Wildhähne und ivilde Enten würden sich ihren Feinden verraten, wenn sie anhaltenden Lärm nmchten wie ihre zahmen Verwandten.

Dein Tiere fehlt also die Sprache, weil es vvn ihr NM Machteile und keine Vorteile hätte, ganz abgesehen, davon, dah eine bestimmte Sprache nur von einem! engen Kreis verstanden werden würde.

Was sich die Tiere zu sagen haben und sre haben sich sehr viel zu sagen können sie, wiew>ir sähen, durch die ihnen! verliehenen Laute und ihre Gebärden in völlig genügender Weis« Mitteilen. . , ..

Weil also die Sprache zwecklos für die Tiere wäre, smd die entsprechenden Stellen des Gehirns auch luemger entwickelt.

Nebrigens habe ich nie begreifen können, weshalb der ernfachie Mann es bedauert, daß der Hund nicht sprechen kann. Würden sich denn noch Menschen einen Hund halten, wenn sie befürchtet müßten, daß er Nachbarn alles mrsplaiiderte, was' ev bei semer Herrschaft erlebt hat?

Linsen, Erbsen, Söhnen.

An den ersten Anbau der mehlreichen Getreidearten schließt sich der Zeit nach bald der Anbau der Hülserrsrüchte an, dre w den Ländern, wo sie wild wuchsen, frühe unter den Kräutern des Feldes durch ihren eßbaren Samen den Hirten bemerkbar werden mußterr !und dann bald künstlich ausgefweut wurden, als die Not dem herumstreifenden Hirterrleben immer engere Grenzen zog. Wo sie aber wild wuchsen, ist den Naturforschern bis letzt mcht bekannt. .Tie uralten Zeugnisse über diesen Punkt, dre utbert Sprachen niedergelegt sind mrd von den sich folgenden Menschen^ gcMechtern in unbewußtem Tun bis in die Zeiten werter ge­rettet wurden, wo das historische Morgengrauen anbrM, lassen den Sprachsorsch^er erkenrrm, daß die Linse schon eut besitz, der vm'dev-indogermanischM Kultur war mld den europäischen Bölverü von Südosten her zugäkominen ist, daß umgekehrt aber die Erbse dem mitt/eren Asiecr angchörte und sich dort am Schwarzen Meer vorüber nach Europa verbreitet hat. Mtt rein sprachlichen Mitteln ans der vergleichjenden Sprachüvi ssenscha st allein läßt sich indessen nicht unbedingt feststellen, wann und wo diese oder jene, Pflanze zuerst vor'kam; hier müsien die prähistorische Archäologie, sowA historische und geographische Ertvägnngen eingreifen.

Lrnsenfunde ans Pfahlbauten der Schweiz, aus der Bronze und aus der Eisenzeit, beweisen das hohe Alter dieser Pflanze. Tie Funde der linsenförmigen Körper in der Umgebung der Pyramiden hat Strebt) als die versteinten Reste der dort von den Arbeitern gchalteten Mahlzeiten bezeichnet. Mtls der bibli­schen Geschichte wissen lvir, daß den Hebräern die Linsen schon sehr frühe bekannt waren, demr um ebt Linsengerichjt erkaufte sich der Erzvater das Vorrecht der ErstMburt. In Athen ivar um die Mitte des fünften Jahrhwiderts das Linsenessen eine Litte des niederen Volkes, deren sich der Begüterte und her Gebildete eist- hielt. Bei den Römern hat schau der alte Cato in semer Land- wirtschast Linsen gesät, bei den Totenniählern wurden den Ver­storbenen Linsen und Salz vorgestellt. Aus Jtakien gelangte dann, später die Linse über die Mpen nach Deutschland. Es ist wohl ziem­lich sicher, daß die kultivierte Linse von der im Mittelmeergebiet und Orient aus Feldern häufig anzutreffenden Feldlinse abstammt, sowie daß diese ursprünglich in Kleinasien heimisch war, wo eme verwandte Art aus steinigen Plätzen verbreitet ist.

Bon den beiden gegenwärtig in Europa kultivierten Arten der Erbse wurde die gewöhnliche Gartenerbse mit kugligem Sauren in deii Pfahlbauten der Bronzezeit gefunden, sie )wxx aber lleiner als unsere jetzige Erbse. Schliemann und Virchvw haben sie zusammen nnt kleinen Saubohnen in Troja gefunden. Bis jetzt kennt man keinen Ort, wo die Gartenerbse mit Sicherheit wild wächst. Da­gegen ist die graue Erbse. welHe durch! eckige, braun und graugrün gescheckte Kerne ausgezeichnet ist, iveder in Psahlbauten noch rn Gräbern gesunden.'worden. Sie wird im Orient und m Europa kultiviert und sinket sich wildwachsend in Hecken Mid Gebirgs- wäldem Nord- und Mittelasiens; in Griechenland und Lyrreii kommt sie außerhalb der Kulturen nur verwildert vor. Ta vre wenigen, aus Fundstätten der molitischen Bronze- und Ersen per rode stammenden Erbsen eine allmähliche Größenzunahme erkem-en las­sen, je jüngeren Mters>sie sind, so ist es Höchst tvahrschemlrch, daß Gartenerbse Von der Manen Erbse abstammt. In Grrschpnland lvurde die Erbse schon m Horners Zeiten an gebaut, im römpchen Reiche bildete sie die frugale Mahlzeit der ärmeren Bolksklach. Tie Kultur der m der Schlveiz gefundenen Erbse hat lederrfalls 1 im nördlichen Italien begomren.