Ausgabe 
21.9.1918
 
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Heimat.

Von Hildegard Gemnttecke».

W war schon dämnrerig, als der Eulerhcnrues in die Grrten- WirtschaftZur Krone"' trat und am Sbanuntisch Platz nahm. Sie sprachen vom Wetter. Seit einigen Tagen herrschte eure Hitze, daß man glaubte, di« Huuds-tage tvEten nimmer endenu Tie Ernte war heveingedvacht, man sehnte sich nach Regen. .Ter Eulerhannes aber hatte bald von dem Thenm genug! und gab dem Gespräch eine andere Wendung:

Scheißt, es g>äb' wieder eine neue Kriegsanleih'/" hob er an, HM Ihr schon etwas gehört?"

Er ja, der Ortsdiener hat's heut nachmittag adsgeschellt, auf der Bürgermeisterei liegen Listen Mm Einschreiben," sagte der Dachbalser.

S'steht heut im Blättche::, aber ich Hab :üx mehr dafür übrig!"

Ich auch net, ich Hab niei' zwei Bube gebe."

Sie wollen nur den Krieg verlängern, diesmal bin ich auch net dafür zu haben."

^©i« Großindustrielle, die möge zeichnen, die verdienen Mil­lionen."

No, sie tverde uns doch drankriege," versetzte der Tütscher, der gern zeichnete, um nachher mit seinem Geld zu prahlen.

Tetz;. Bürgermeister kam mit dein Lehrer Müller aus der Wirtsstube. Aller Äugen richteten sich nach ihnen. Ter lange Seibertsheinrich sprang aus und begrüßte den Lehrer mit den Worten:

Guck an, der Herr Lehrer ist aus Urlaub da? Wie geht's Ihnen dann, Herr Lehrer?""

Tanke, brs jetzt noch gut," erwiderte dieser.

Das freut mich! Wollen die Herren nicht ein bißchen Platz nehmen/" jagte der Seibertsheinrich :md rückte seinen Stuhl zur Serie.

Wir werden daheim erwartet," eutgsguete der Bürgermeister und wandte sich zum Gehen.

Ter Eulerhaii nes aber hatte den Lehrer ins Gespräch gezogen:

Herr Lehrer, was haltert Sie dann von der Kriegsanleih' ?"

Natürlich muß wieder ordentlich gezeichnet ivevden. Wenn

Ihr, wie ich, wüßtet, wie notwendig es ist, würdet Ihr sofort 44

Ter Wirt trat hinzu, die Gläser neu zu füllen, indes ver­abschiedeten sich Bürgermeister und Lehrer von den Zechgenvssen. Die tauschten Nur ihre Ansichten über den Lehrer aus. Seit Anfang an war er draußen, 'hatte viel 'heiße Käiupse mitgemacht und war ein Draufgänger.

Das Herz hat er ans dem rechten Fleck und gilt im garrzen Torf etwas," gab der Dätscher sein« Meinung kund.Und die Kinder haben einen barbarische«. Respeikt vor ihm."

Tem Dachbalser sein Karl ist ja mit ihm! in der Kont- panie und lobt ihn wie ksmen."

Tie neuesten Kriegsereignisse ivurder: besprochen und es gab noch viel Mieinungsverschiedonheiten. Ms es neun Uhr schlug,

brach einer nach dem anderen aus und schritt seiner Behausung zu.

*

Zwei Tage später um dieselbe Stunde war's, daß die Tors­kinder sich in Jxy großen Schulstube versammelt hatten. Ter Lehrer Müller zeigte Lichtbilder vom westlichen Kriegsschauplatz und den eroberten Gebieten. Es war erwünscht, daß auch die Eltern mitkamen. Tie Mtttter aber waren zumeist daheim geblieben, die Gäter hatten sich eingefunderr. Tie Kinder erlebten ihr blaues Wunder, als die Stube auf einmal ganz dunkel tvurde und auf einer großen Leinwand bunte Bilder erschienen Ter Lehrer stand am Katheder und erklärte sie.

Ta gab es viel zu schauen. Ein Bild zeigte unsere Truppen beim Hormarsch. In dichten Reihen eilten sie voran. Feindliche Kugeln um schnurrten ihre Häupter. Manche duckten sich vor den dahinsausenden Geschossen. Andere stolperten über Granatlöcher, wieder andere sanken tödlich getroffen zu Boden. Pferd« bäumten sich hach auf, warfen ihre Retter ab. Pulverdamps erfültte die Luft. Traute Dörfer in Brand und Trümmer grschossen. Blühender Städte schimmernd« Pracht glich Ruinen. Kahl« Mauerveste, wohin man schaute. Das Leben war erstorben, der Tod hatte geerntet. Obdachlos irrte die Bevölkerung umher.

Und wenn :nan dann,"" sprach der Lchrer,von draußen in die Heimat kommt, gehen einem Herzi und Augen aus an der Schönheit der deutschen Lande, wo ltoch keine Feinde zerstörend gewirkt haben. Man gewinnt seine Heiinat immer wieder von Neuem lieb und schützt sie gegen der Feinde Macht doppelt gern."

Unter den Kindern, die aufmerksam lauschten, tvar ein Wispern zmd Flüstern wach geworden, so daß der Lehrer öfter zur Ruhe ermahnen mußte. Tie Alten aber rissen Mund und Ohren auf und stießen zuweilen einander an. So zerstörend hatten sie sich das Wüten des Krieges doch nicht vorgestellt.

Tie Stube wurde wieder erhellt. Der Herr Lehrer stand mit blitzenden Augen vor ihnen und sprach mit fester Stimm«:-

Und nun, liebe Zuhörer, frage ich such, wollt Ihr, daß auch iunser Vaterland so zugrunde gerichtet wird, oder wollt ihr dazu! beitragen, daß «s von unseren Truppen fernerhin verteidigt lver- den kann dann zeichnet Kriegsanleihe!""

SttrmM schritten sie hinckts, sie waven älke eines 'Sinns» worden. Der Eulerharrn-es stieß an der Türe ans den Herrn Lewer! und sagte zu ihm, im Namen seiner Zechgenossen vom Stammtisch, die auch anwesend 'waren!:

,-Hitrr Lehrer, wir snrd übeveinsgekonrnren, wir wollerr all' wieder Kriegsanlerh' zeichnerr, morgen wollen nur auf die Bürge» meistere: gehn."" sein Jüngster, der: er an der Hand hielt, häkA die Worbe gehört und rwf:

Gelle, Papa, und wir dürfen in der Schul' auch MchnLn?"

Und wir dürfen auch!"" schrien androe Kinder.

Ei, gewiß, gewiß!"" beschwichtigten sie die Uten.

vüchertisch.

.Karl Hans Strobl, Seide Bvrowitz. Romat^ Verlag von L. Staackmann in Leipzig. Geheftet 4.50 M-k. M seinem galizischen RomanSeide BvrvNntz"" schildert Sttobl d« tragische Geschichte eines Häßlichen, der seit seiner Geburt ein Spielball dämonischer Getvalten zu sein scheint. Bon seinem' Bader als Sterbender auf geheimnisvolle Weise dem! DM abgerungen, bleibt er sein ganzes Leben lang unter dem Bann eines L>chicksalsr der um sein Opfer betrogene Mod begabt ihn mit seherisches Kraft, läßt ihn Dinge, Begebnisse und Menschen durchoringen aber nur auf Kosten des eigenen LebensglütR, das ihn, den afik schreckend Häßlichen, flieht. Dieser Gegensatz zwischen der äußere« Häßlichkeit und dem inneren Ringen nach Licht, Schönheit und Glück macht die ttagische Wrrcht des Buches aus.

Deutsche Hochschulzeitumg. Deutsch-akadnnischÄ Verlag, Wien 7, Siebensterngasse ,58. Das 2. Heft des 10. Jahr­ganges dieser im andauerndeil Aufstieg begriffenen Hochschul­zei tschrist ist soeben erschienen.

Rtit einer interessanten Schilderung der merkwürdigen Lauf­bahn »mb der bisherigen diplomatischen Leistungen des jetzigen Leiters unserer ausivärtigen Politik, des Staatssekretärs v. Hintze, wartet der ancerikantsche Oberst Edwin Einerson in der neuesten Nummer 3922 derLeipzigerIllustrierten Zeitung" (VerlagJ.J.Weber) anf.^Auch diese Nununer ist rote die früherell reich ausgestattet.

Handel-M azzetti,Le Virailieur an küpi fleuri", H°, XII und 90 Seiten. Einband lind Buchschmuck von Walter Thamm. In Pappband gebunden Mk. 2.80 (ohne den ortsüblichen Teue» rungSzuschlag). Verlag der Jos. Kösel'schen Buchhandlung, Kempten- Münch e»r.

TieWeltbühne, der Schaubühne XIV. Jahr, Wochen­schrift für Politik, Kunst, Wirtschaft, herausgegeben von Siegfried Jäoobsohir, enthält in der NumMer 86: ,Wv stehen wir?, von Germanicus. Fragen und keine Antworten, von Olf. Wilhelm von Waldow, von Johannes Fischart. Der transitive Größer:wahn, voll Julius Bab. Die schöne Bücherei, von Harry Kahn. Neue Parodien, von Hans Heinrich.von Twardoivski. Saisonbeginn von S. I. Denkmalsschmelze, von Theobald Tiger. Macht, von MfonS Goldfchnridt. Anttvorten.

Gietzener Hausfrauen-Berein.

Aochanweisungen.

Kartvfselpudding in der Serviette gekocht. 4 PfwnL Kartoffeln mit der Schal« gekocht und gerieben, 3 Eßlöffel Grieß, 8 geweichte Brötchen, 2 Löffel Fett oder Butter, Muskat, Sal^ und wenn man hat, 2 Eier, das Weiße zu Schnee geschlagen. Ml«» gut gemischt und 1 Stunde in der Servrette in Salzwasser gekocht Tvmaten-Anfstrich. Va Liter Dornatenbvei setzt man Mit Salz, Pfeffer, gehackter Zwiebel oder Porree nick» 5060 Gramm Butter .zusammen aufs Feuer, fügt drei gehackte Zwiebeln oder Porreekuollen hinzu, rührt soviel Mehl daran:, daß es eine dicklich» Masse gibt und rührt so lange, bis di« Masse beginnt, sich vom Töpfe zu lösen. Ermltet ist es ein vorzüglicher Brotaufstrich Verwertung von Snppenta seln. Zu frischem Ge­müse anipmt nmn statt Mehl Haserflocken oder gemahlene Grütze, welche Inan mit verkocht. In Ermangelung von Mehrprodukten sind di« Knorrs oder Maggis Snppentafeln vorzüglich Gut verrührt und mit durchge'kocht, spart nmn Salz und andere G»-. Würze und das Gemüse ist sättigend und nahrhaft.

Kapselrätsel.

krodukt Biene Narrenkappe Anä^ehtasche Küfer Oberförsterei Stundenplan Vorderindien Ohrenschmaus«.

Es ist ein Sprichwort zu suchen, dessen einzelne Silben der

Reihe nach versteckt sind in vorstehendeil Wörtern ohne Rücksicht auf seren Silbenteilnnq.

(Auflösung in näckister Nlrmmer.) ,

Auflösung des Füllrätsels in voriger Nummer.

F R E I S

ADELE B Ü T L I

I L I 0 H

SONNE

Schristleitung: Dr. Reinhold Zenz. Zwillingsrunddruck der Brüh l'schon Univ.-Buch° und Steindrnckerei. R. Lange, Gießen.