Der endlose Weg.

Roman aus Sibirien. Von I. O x e n h a nt.

Autorisiert Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.) *

(Draußen in der Nacht aber rannte ein Mann den- !geln izn. Und wählend er rannte um sein Leben, schluchzte er vor Mut und verfluchte den verräterischen Schurken mit den zwinkernden Augen, bis die Stimme ihm erstickte, denn er ümßtie Nur zu Mt, daß Tvtsin ihn verraten hatte um des Geldes willen, das Katia besaß.

Der Kund!" schrie er vor sich hin.Der Kund . . ."

Wie durch ein Wmrder war er entkiminen. Als das Licht Erlosch, hatte er in seltener Geistesgegenwart gesehen, daß jes nur eine xinzige Möglichkeit des Entkommens für ihn gab. Er huschte zur Türe hin. Und in dem Augenblicks als Wassili Totsin öffnete und die Gendarmen hereinstürm- ten, schlüpfte er wie ein Schatten an ihnen vorbei ins Freie.

Von jenem Augenblick an fraß sich ein unauslöschlicher Haß gegen seinen Schwiegervater Wassili Totsin in Stepan Ilines Herz.

. . . Die ganze Nacht hindurch rannte Stepan Jline vorwärts, der Grenze zu, ohne sich auch nur einen Augen­blick ouszuruhen, denn die Wut, die in ihm tobte, verlieh ihm Riesenkräfte. Wäre er einem Mann mit zwinkernden Augen begegnet und hätte dieser Mann auch nur die geringste Aehnlichkeit mit Wassili Totsin besessen, so wäre es diesem Mann Kbel ergangen. In ihm tobte es furchtbar. Er sah Katias klare Augen vor sich und Härte das lustige Lachen der kleinen Katinka und dachte mit Sehnsucht an das kleine neu­geborene rosige Wunder. Er schluchzte vor sich hin hin und hergeschleudert zwischen Freude und Enttäuschung, zwischen Dankgebeten und Flüchen auf Wassili Totsin.

Schnurgerade wunderte er weiter den ganzen nächsten Tag lang. Dann und wann löschte er seinen Durst aus Berg- strönwn. Zu essen hatte er nichts. In der zweiten Nacht er­reichte ,er Gnuts Hütte und fiel auf Gnuts Bett, ohne ein Wort izn sprechen. Vierundzwanzig Stunden lang schlief er. Dann wachte er auf, mit. einem gewaltigen Hunger, und stürzte sich wie ein Wolf auf die gebratenen Fische, die das einzige waren, was Gnut ihm vorsetzen konnte.

Er beschenkte den überglücklichen Gnut mit einer neuen Axt und einem Messer und machte sich dann auf den Weg, Peter Kkrop zu finden, Minusinsk zu.

Am vierten Tag traf er ,ihn, denn Peter war in Sov- gen und hatte sich sehr beeilt. Er atmete erleichtert auf, als er Stepan sah.

Ich hatte Angst um dich> Stepan Jwarrowitsch," sagte er und spähte nach dem Haus auf Rädern hinüber, ob Katia drinnen sei.Ich bin froh/daß du da bist. Me ist es dir er­gangen?" !

Stepan .erzählte es ihm.

Ich. habe Wassili Tvtsin nie getraut!"

. Das war Peters einzige Antwort. Und dann steckten sie die Mpfe zusammen und berieten, was sie tun mußten, um Katia und die Kinder zu befreien, denn gutwillig ließ Toh- sin sie gewiß nicht fort aus seinem Hause.

Drei Tage später erhielt Wassili Totsin früh am Mov- gen eine Botschaft von einem Mann, mit dem er schon lange urn ein Darlehen unterhandelt hatte und der in Tertsal wohnte, acht Meilen etwa entfernt auf der großen Stra nach Irkutsk. Wassili Tvtsin nwge ihr schäftliche Dinge mit ihm zu besprechen.

.Der.Narr leiht mir das Geld also doch!"

unigst auf den Weg.L_

erstaunt, sehr ärgerlich, und ohne

p -----.-- Tvtsin

erfreut und machte sich schleunigst auf den Weg. Gegen abend sehr erstau

erst kehrte er zurück Geld. . .

Er war kaum eine Stunde fort, als Peter Krop mit seinem Kärren ankam, den er aller Waren entleert und statt dessen mit heugefüllten Säcken ausgepolstert hatte, auf denen es sich weich sitzen ließ. Statt des müden alten Pferdes mit den wackelnden Ohren war ein Dreigespann von flotten Braunen vorgespannt. So fuhr er vor Totsins Haus vor und fragte nach Wassili. Als Marya Feodowwna mit verwein­ten Augen und bekümmertem Gesicht, denn im Hause herrschte Unfrieden, antwortete, Wassili sei nicht da, grinste Peter.

Das weiß ich ganz genau, .Marya Feodowwna," lächelte jer.Er wäre nrir heute entschieden im Weg gewesen. Ich war es, der ihn auf eine Narrenfahrt schickte. Denn Marya Feodowwna, ich komme von Stepan Jwanowitsch und soll Katia Wassiliewna und die Kinder holen."

Ah!"

Und in Marya Feodowwnas Gesicht leuchtete es auf wie mütterliche Freude.

Run lhöre zu!" sagte Peter.In zwei Stunden werde ich hier wieder vorbeikommen. Solltest du dann einige Eeine Bündel oder Pakete haben, die ich dir irgendwohin mitneh- men könnte ,so will ich es gerne tun. Und sollten Katia und die /Kinder irgendwo weit draußen auf der Straße recht weit weg vom Dorf auf mich warten und ein bißchen fah­ren «wollen, so habe ich auch dagegen nichts. Verstehst du mich, Marya Feodowwna?"

Ich verstehe. Gott segne dich«, Peter Kwp! Du hast ein gutes Herz und nimmst Mm re Sorge von mir. Ich will auch wie wieder mit dir feilschen über deine Preise oder! wenigstens <-"

In zwei Stunden also!"

Und Peter fuhr weiter durch das Dorf zum Polizei- ches zuerst, zu einer kleinen freundschaftlichen Unterhaltung, genug hatten, unangenehm zu werden, und praktischen Sinn denn Peter Kwp stellte süh immer gut mit Leuten, die Macht genug, für kleine Gefälligkeiten in der Währung des Reichs gelegentlich «ein Auge zuzudrücken. Dann fuhr er zum Dorf hinaus, bis er in weiter Ferne aus der Steppe Wassili Tot- ftns Gestalt sehen konnte, wie er eifrig und hoffnungsvoll em Hause eftres Mannes zustrebte, der ihm niemals auch