Ausgabe 
18.9.1918
 
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Kamen such nicht m viel Ander, etliche aBzt, die bat ecu unter Sen Fingern wegUewischt waren, fanden den Weg Tie hinten bis Männer an, drehten ft« nm und sagten 2 *i heim, Mutter Hübner Varn euch nicht brauchen, heute nicht etliche Tage lang nicht." Da schlichen dis Klanen betrübt

"Brigitte Hübner aber saß am Tische, -Latte die Hände ae^ kccktet, iveinte W für sich'hm, legte den SM auf d« Hände,

weinte lauter und Nagte:Ach Gott, mein Junge, man Junge,

WM herbe ich dich auch hergeben müssen!" <

Tie Uhr schlug, der Kncknck rief nemrrnal, sie schlug wieder, der NrüUingskünder rief zehnmal. Ta sah Brigitte sich fremd rn der Stube um.Sie lassen mich heute allein?"

Ta war das Weh tiefer, mb das Einsamsein stand schier, Wrverlich var ihr \mt ein alter Mann mtt eingefallenem Gelacht pnd leeren, taten Augen. Sie trat ans Fenster. Nun bemerkte ne die Hüter, verstand mb ging hinaus. Der LckMlze kam ihr eiti* gegen, rächte ihr die Hand mb sagte:Das tut uns so leid,

Fvau, wo Sie so gut sind mit den Kindern. Ja, mdb- ich, habe

gedacht, sie dürfen iM nicht koinmen, md wir haben sie heim­geschickt, uitb ich will heute den Boten herum gehen lassen, baß die Mütter die Mädels md Buden in den Häusern halten, obsihon das schwer fein wird." , Ä ^

Brigitte Hübner aber sah ihn an:IN, Herr -Schulze, schickt den Boten, aber laßt sagen, tue Ander nrächchen morgen wieder kommen."

Aber . . ." wollte der Schulze abwehven. ,

Mein Junge hat sie so gern gehabt," .unterbrach ihn Brv, gitte Hübner, ,Mid trenn die Kleinen um mich sind, dann wird es mir leichter werden. Ich kann nicht mehr allein sein. Dut mir das nicht an, ich bitte euch-" -

So ging denn her Geincindebote und kündete den Frauen, daß sie sine Ander' morgen toieder zu Brigitte Hübner schicken dürften. Tie Mütter aber nahmen dre Kleinen vor:Daß Ihr föl&u still seid und nicht lacht. Wo doch Brigittes Rudolf gs-> fallen ist und ist tot!", . . ...

Sv gingen die Ander mtt einem Unbehagen zu Brigitte, traten scheu ans und erwarteten, daß die Frau weine, und es mmz traurig bei ihr sei. Das war aber hernach ganz, ganz anders., Man sonnte reicht sagen, ioie. Sie sangen und sie spielten, und Frau Brigitte erzählte, aber es war doch anders, so, als ob draußen ein kalter .Wind <g-che, und che ficki im DtMeirr wG aneinander kacheln müßten. ^

So blieb das etliche Tage, bann schien der Wmd draußen ein-uschlafen, langsam kam die Sonne wieder, und ssibern perlte das Anderlacheir ivieder. Nut Evele Beier, die immer innerlicher war als die anderen, ging, verstohlen oft zu Brigitte hin, nahm ihre Hand, legte ihre weiche Kinderwange darauf, koste über die Hand, sah Brigitte auf einen husch ttef in die Augen und sprang dann wieder davon.

Tie Frauen und Männer im Dorfe schüttelten dce Köpfe. Daß sie das ferttg bringt. Wer was ist das gut. Jetzt, wo wist die Felder Herrichten müssen Md .gar keine Zett haben für die Ander."

Eva Beier aber wartete darauf, daß Brigitte emmal eine Ge­schichte besonderer Art erzähle. Sie wußte nicht, daß sie wartete, wußte auch nicht, lvie die Geschichte sein md aus g ehen und tvas

ß > dazu zu sagen haben werde, aber es Mr doch ganz tief drin ihrer Seele ein Warten.

und eines Tages, da war -GvÄes Stunde gekommen. Brigitte saß sin Lehnstuhle, die Ander hockten auf-Fußbänkchen, Sttrhl-m und auf dem Sofa, md Evele Beier saß der .Wohltäterin zu Füßen Md hatte ihr Köpfchen mr ihre Knie gelegt. Ta erzählte Brigitte:, .M war einmal ein guter, guter Junge. Ter Hatto seine Mutter schr lieb Eines Tages sagte er M ihr: ^Mutter, es sind böse Menschen gekommen. Tie wollen dir deiir Häuslein nehm-err., Ta muß ich hinaus prnd muß sie davoniagen." Bit erzählter langeTer Junge aber sagte zu einer Taube: Du sollst mich tragen. Tie Taube sagte: Steige auf meinen Rücken. Sie flog mtt chm davon, hoch hinauf, mb er sah alles von oben her. Wie sie tu« Kanonen ausgestellt hatten, und wie sie marschierten, und wie die Eisenbahnen gingen, md immer mehr kamen, die herein wollten.in das Land, hundertmal trug ihn die Taube aus dem Rücken und brachte ihn glücklich wieder heim. Eines Tages aber *--1 ein großer, böser Stoßvogel. Ter verfolgte die Taube. Die zl ftocEfl flog sie und -niedrig! mb hin und her. Ter Stoßvogel aber ftp auf sie ein. Er riß ihr da -eine Feder aus und da eine.. Die Taube geriet in große Not . . .

Ta fiel Eva Beier.ein:Ist, aber der liebe Gott sah das alles. Er tat Türe auf am Himmel imb rief herab: Komm zu mir, Kerne Taube. Ta flog die Taube gleich hinauf, ganz hoch, immer Kühn Der liebe Gott sah es, lache und sagte: So ist das recht, Mn bist du gleich oben. Und dünn war sie oben, und der liebe Evtt reichte dem Jungen, den die Taube auf dem Iiücken trug, die Hand und sprach: Sei willkommen bei mir. Und er gab ihm essen, und dann sagte «2 Du wirst müde fein. Jetzt schlafe ein wenig. Da schlief der Jirngp ehr beim lieben Gott.. Dort MLft er noch und . . . ." __

Ta hielt Brigitte Mmer dev EstzSPeritt den Myck tu, LuS, Evele, es ist cM. DorL MW er noch."-

Sie hatte ganz weite, ,tiefe Lütgen, sagte den Andern, sie sollten heute heimgehen, nahm Evele rasch in die Atme und gab Gr einen Kuß.

Tann setzte sie sich im stillen. Stübliein au t bat Tisch und sprach leise vor sich hin:O, du weiser Andermund! Da sckstM W noch Md träumt VM feinem Mssiterlein ....."

tzerW.

Wenn nach eingebrachter Ernte Zer Wind über die Stvpprllt wcht, wenn in unseren Gärten die Sonnenblume in goldene« Macht ihr Haupt erhebt über die im schönsten Blüte uschm uck stehenden Georginen und Astern, dann hält der herbst seinen Einzug und bringt und seine Hellen Tage mtt der klaren Atmosphäre, welche dem Mge eiu-en fast unbegrenzten Blick in die Weit« gestattet. Tie Tage babeit schon bedeutend abgenommtn; dichtest, feuchter Nebel lagert am frühen Morgen über Feld und Flur? alles Blatttverk ist infolge der Hellen, klaren Nächte mit frischem! Tau bedeckt, der sich mit der fortschreitenden Jahreszeit ball» in Reff v-ertvandelt. Nachdem das Grummet der Wiesels erngebraW ist, bildet di-', blattlose .Herbstzeitlose den einzigen schmuck best Wiesen. Das ganze .Heer der lieblichen Sänger aus- Feld und Wald- und Garten schickt sich- zur Abreise nach dem Süden anZ auf -den Dächern und auf den Telegraphendrähten versammeln sich in großen Scharen die Schwalben und zwitschern ihr traulich^ schmerzliches Wschiedslicd. Tie Obstbäum'e, Pie, Dorf und SM mit einem- grünen .Kranze ,umgeben, zeittgen ihre Früchte. Di« Pflaume bedeckt sich mit blauem. Tust, Birnen und Aepsel rötest ihre Wangen, und der -Weinstock läßt sein vollen Trauben rn verx goldenden Strahle der Herbstsonne ^erglänzen. Emsig erntet bet Mensch die Früchte, welche ider Sommer entwickelt und der herbst hun zur Reife gebracht hat. In v^oller Pracht orschernt dev herbstliche Wald-: Aeste und Wipfel der Bäume sind in die ver* schiedenften glänzendsten Farben gekleidet. .Auch die! Baume. nnA Sttäncher des Gartens erfreuen das Auge durch ihre herbstliche Farbenpracht. Im Felde zieht der Pflug Wieda ferne Furchem über welche kleine Spinnen Mit ihren zarten Seidenfaden seine Netze spanilen, in welche die Tautropfen des herbstlichen Morgens gleich glitzernden Tianranten eüigeroebt erscheinen. Der scharfe Wind führt dann diese -zarten Gespinste des MtweibersommerÄ chch in der Luft mit sich- fort, und nicht selten lMgen sre sich an- dem Hute und an den Kleidern des Wanderers fest. Mau ist erst seit verhältnismäßig.kurzer Zeit über die Herkunft dresest Son'mersäden mterrichtet, ivährend man früher die unglaublichsteu Vernrntungen anstettte, mn diese ruerkwlirdige Naturerschernunä zu erklären. Ter Bolksaberglaube.beschäftigt sich noch heute vvck mit dem fliegenden Sommer, den man in den verlckimdenen Gegew, den bald als unheilverkündend, bald als glückverheißend fnr btt* festigen deutet, die er berührt. Jetzt ist die beste Zett gekomiuest zu Fußwanderungen. Tie Tageslvärme imrkt nicht mehr beschwer, lichj die Luft ist frisch und rein, die Aussicht von den höhen zumetst vorzüglich. Mrnteve Amb-en im Torf lassen ihre Drachen shch, gen, oder vergnügen sich an Spiel und Sport im Frerert.

Wenn Nisi dem Wetter forsichireitenden herbste die lebendige Natur allmählich zur Ruhe gebt, dann hat sie gleich.erner gntot, sorgenden Hausmutter alles für den Mnfttgen Lenz vorbereitet, damit er sie nicht überrasche. Tie Bäume haben L-tärkemehlUM Eiweißstoffe als Wintervorrat tni Stamm und rn der Rmd« ausgespeichert: die Stmrden haben uitter der Erde Magazme an-, gelegt, wo sie die Borratsstoffe in deri unterirdisichen Wurzelstocken, in den Klivllen und Zwiebeln ansammeln. Auch die Lanbrnospest für das nächste Jahr sind bereits angelegt und durch Pie von! harz durchtränkten hüllen der IKnospmschuppen sorgfältig verwahtt; in den Blütenknospen sind fchoii Kelch, Blumenkvone, staube Mäße und Stengel vor'handeri, selbst der Blütenstaub ist beretts itt dm Staubbeuteln ansgebildet. 'So ist es nicht die abnehniende Wärme allein, die allem Waichsttim ein Ziel setzt, sondern bit Natur hat sich erschöpft, sie hat all ihre Schätze, die sie untev unserem hiMmel hervo-rbringen kamr, ansgegeben und vermag, nun! nichts Neues m-chr zu schaffen. Wenn einmal ein ivarmer, hetteraü Himmel die Tauer des SomnierS ungewöhnlich! verlängert, so kommt e« vor, daß die Bäume sich noch einmal neu belauben und zum zw-esien Male blühen: aber bald sindet dieser zlveite, kvandi hafte Frühling sein Grab in den Frösten des zur herrs-chpft g», langenden Winters, der mit den. vow und ünzeitig ausgebvochtnetz Blätterii und Blüten ztigleich auch die hoffiiungen fürs nächste Jahr zerstört.

Wenn beim Eintritt des Wsitters die Blätter von Mnw und Strauch dem Tode anhemifallen, so sind die Stoffe, aus, denen sie aufgebaut worden sind, keineswegs der völligen Bermchtnügl 'preisgegeben. Tie Berwesimg zerlegt das Zellengerüst des ftlat-. tes und die in chm noch verbliebenen Kristalle, Salze und wnstcgen lleberreße. die die Pflanze nicht in sich zu.riickgezv.gen -hat, rn ihr« Grundstoffe, rn Kbhlensärrve, Wasser, Kali- mid Ammonsalze, alles s«hr wichtige Nahrungsstoffe für die Pflanzen. Tieie ruhen dann im Boden oder sie schjwrngen sich auf ins Lufttneer, bis die Fruhtz ringswärme sie wieder dem jungen, keiinenden Leben airf der Erde zuführt. Aus diesen Stoffen sWpfen die Pflanzen dann neues. Leben md neue Kraft. Durch tausend MlrMasem dringen.