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JStetXm! Min MMnl Mein MannII" imd. sie lag tz feinen Mrmen, lachend und weinend zu glecher Zeit, und sch San ihn klammernd, als wolle sie ihn in alle -Eongkert niM Mehr Äslassen, iwährend Wassili Tatsin dabei stand und mit zwinkernden Eulenaugen seinen Schwiegersohn beguckte. Marya Food-orowna und Varia weinten vor Freude. Und dann sahen sich die beiden Menschen an, sich wundernd, ob sie sch verändert hätten in den elf Monaten, und sanken sch Mieder in die Arme .. .
„Sie ist noch viel schöner geworden," dachte Stepan und verschlang sie mit hungrigen Äugen. ,
„Er hat sich krank gesehnt nach, mir/ dachte sch Katta. „Aber «jetzt sind wir wieder peisannnen und wollen uns nre Wieder trennen." . „ ^ ^
Dann lachte sie ein wenig, entwand sich fernen Armen, und lief in das Hinterzimmer, während Marya Feodorowna Und Varia hastig eine Mahlzeit bereiteten.
In einem Augenblick war sie wieder zurück, lachend, jrvt vor Freude. Auf dem einen Arm trug sie ein blondlockiges kleines Mädel, das sich mit beiden Fäustchen den Schlaf aus Herr erstaunten Augen rieb, und auf dem andern Arm Wunder Mer Wunder! und kern Wunder, daß, Stepan nach Lust schnappte vor Erstaunen und Freude — rm Wickelkissen einen dicken kerngesunden Buben von drei Monaten, der fest schlief. _
Mas ist unser kleiner Stepan!" sagte Katra nrrt gewaltigem Mutterstolz. ^
>,Jch hin reicher als ich dachte/" murmelte Stepan m seinem ungeheuren Erstaunen.
Die kleine Katinka streckte die Händchen nch ihm aus ünd wollte auf feinen Arm gehoben sein und sch in seinen großen Bart festklammern, da . . .
Es klopfte an die Türe. Zweimal. Dreimal. Ein energisches Pochen, das weithin durch die stille Nacht hallte. Sie sahen sich erstarrt an und es legte sch über sie wie eisige Furcht. Aus dem Klopfen wurden donnernde Schläge an die Türe.
„Oessnet! Im Namen des Gesetzes!!"
Die Augen der Frauen wurden glanzlos vor Entsetzen Mtd .ihre Gesichter schmal und iveih. Wassili Totsin zwinkerte Wftig und ging langsam auf die Türe zu. Stepan Jline legte Katinka rasch in den Arm ihrer Mutter, küßte Katia, flüsterte ihr ein Wort ins Ohr und blies das Licht ans, wählend draußen ein Säbelknauf donnernd gegen die Türe häm- Merte.
Totsin, der brave Mann, mit seinem gewaltigen Respekt vor der Majestät des Gesetzes, war schon dabei, die Riegel «zurückzuschieben und öffnete die Hanstüre. Ein Polizei- vffizier und ein halbes Dutzend Gendarmen sprangen herein und machten die Türe hinter sch zu.
„Licht!" befahl der Offizier. ,,
„Sofort!" ontwortete Totsin.
„Beeile dich! Was soll das heißen, Wassili Wassilie- tvilsch? Weshalb branntest du Licht in deinem Haus zu einer Zeit, wo ehrliche Leute schlafend in ihren Betten liegen, und weshalb hast du dieses Licht ausgelöscht soeben? Was geht hier vor, Wassili Wassiliewitsch!"
Eine Lampe flammte auf und goß ihr Licht über die
f rauen und Totsin, der mit den Augen zwinkerte wie eine ule, die eben aus dem Schlaf erwacht. Der Polizeiches warf einen »raschen Blick um sch und riß dann die Türen zu den beiden andern Räumen aus. Dunkle Ecken untersuchte er mit her Spitze seines Säbels und fürchte grimmig. Aber er fand niemand.
^Antworte!" schrie er. ,s,Haft du nicht gehört, was ich hch fragte? Bist du taub?"
„Es wären die Kinder, Exzellenz," antwortete Marya Feodorowna statt seiner unterwürfig, denn sie hatte sich von Grem Schrecken erholt und ihre fünf Sinne wieder beisanr- men. „Die Kinder,, Exzellenz. Ich fürchtete, sie seien krank geworden, so weinten sie. Gerade wollte ich Milch aufs Feuer setzen und-"
„Durchsicht das Haus!" befahl der Polizeichef seinen Leuten. ^
Die sechs Gendarmen sichten in allen Ecken und Winkeln, Kästen aufreißend, Betten durchwühlend, während die Frauen zitternd dastanden und die Kinder schrien. Der Osfi- üer machte ein wütendes Gescht und sab Totsin nachdenklich« Mi. «Er konnte sch nicht ganz darüber klar werden, ob dieser fotfin nun mehr Schurke oder mehr Narr war! Beides, na
türlich. Mehr Schurke wahrscheinlich als Narr! Und WässW zwinkerte ihn an, als wolle er um Entschuldigung bitten, und trat verlegen von einem Fuß aus den ändern und hiM
den Mund. „ v
(Fortsetzung folgt.)
Kindermund.
Von Gustav Schröer.
Brigitte Hübner, des früh verstorbenen Lehrers Wittve, M nach dem Tode ihres Mannes in Feldheim wohnen geblieben. hat ihr Witwengeld, war von Haus aus nicht ganz arm, sie und Gr Mann haben dazu gespart, und so kann sie jetzt soweit ganz Mt leben. „ ,, t .
Als der Andreas Michael starb, hat fte dessen Häuslern erworben. Es ließ sich schon M seinen Zeiten in dem Häuslern gut! wohnen, aber unter Brigitte Hübner ist es doch noch weck gemüt- sicher und gemütvoller geworden. In denn Hanse hat fte ihren Buben erzogen, der, als der Vater starb, gerade ans dem^Gröbsten heraus war. Von ihm aus hat sie den Jungen in die Stadt zurt Schule gehen lassen, dann auf bk Hochschule, in der me Ingenieure ausgebildct werden, und in das Häuslein ist er noch aus einen Sprung zurückgekehrt, ehe er in den Krieg zog.
Im .Felde haben sie ihm dann einen der stählernen Vogel anvertraut, die sie Tauben nennen, obschpn es Falken sftrd. Nwej Zeitlang ist die Frau .«mit ihren ^Gedanken so stark dra n stack gewesen, daß sie für dahjnm Wer tot war. Tann ist. das an^rs gew>orden. So ganz langsam ist es gekomrnien. War gar nicht Brigittes Absicht, daß das, ivas sie aus gutem Herzen augefangeck,, eine solche Ausdehnung anniehme, aber wie es hernach immer stärkere Wellen scUug, da war sie es auch zufrieden.
Als der Eduard Reistnier gefallen ton:, und eine Witwe mir ftms kleinen Kindern zr.rrückließ, da ist Brigitte zu ihr gegangen Uwd hat gesagt: „Marie, du, mußt deiner Arbeit auf dem^Mde nachgchen, gib inir die Kleinen, die noch nickst in die Lchule gehen, daa Tag über ins Haus, daß sie dich nicht behindern."
Sv sind die drei.Re^stnerlein Mi der Lchrersivitwe gegangech, Ta hat es ihnen so Mt gefallen, daß die Keine Rosa eirvech Tages die Liesel Taßlier, die sie unterwegs traf, an der Hand nahm und sagte: „Komm Mit, Liesil, es ist schön bei Brigitte Hübn«.
Tas Liesele ging stehenden.Faches mit, und die Frarr lachdch als noch eines daMl kanr. Ta ist den Kindern der Mut gewachsen. Es ist ein förmlicher Eifer.über sie gekommen, und so dauerte es gar nicht lange, da hatte Frau Brigitte einen ganzen Blumenstrauß jungen Lebens um sich. Zun reist Kiudcr, deren Väter im Felde lagen.
Tie Mütter waren erst eine Weile vevwrindert, dann begannen sie untereinander dav»on zu red-en, daß es doch etwas Gutes Und Schönes sei, das die Frarr da angesangen. Tie Kinder seren versorgt und brächten so liebes, nettes Zeug mit heim, Verstech und GeWckstcheu, daß es sine wahre Lust sei, es zu hören. Allmählich bekamen anch die Feldgranen aus dem Dörflein ^ em Bild von dem Narren daheim, rmd so klopfte denn der Briefträger des öfteren an Frau Hübners Tür und brachte ihr ein BrieflE das einen. Mlbcholfenen Tank enthielt und Brigitte ihr Wat! immer lieber machte.
Etliche Tage war -es dann ganz besonders lustig. Tas war, als der Witrve «Einziger auf Urlaub kam. 'Der war derselbe Krndeie- 'fraund.wie seine M'utter, und da er ein Flugzeug führte, lehrtio er die Kinder Flug zeuge machen aus Papier'. Tie uw treu spitz- schnäbelig, Westen Taubsir, nnd werm rnan sie in die Höhe warf, daun flogen sie wie Weihe und ftel-en nach rasck)pm Flug ist zierlichen Bogen nieder.
Ms dann der Wärter kanr, da hätten ja die Mütter wieder! Zeck gehabt für ihre Kleinen, aber denen zuckte es ordentlich ist den Füßen, und wenn puich dann und wann eines ansblieb, so wurde es doch nickst leer um Frau Brigitte. T>er Wind sang um das Häuslein, die Schjn-eeftocstn taumelten, vom Himmel, im Ofen knisterte das Feuer, und Brigitte Hübner erzählte. Alle Geschichten begannen: Es ivar einnral.
Unter den Kleineu war eine, der her .Herrgott em gwM besonderes Geschenk mitgegcben Hatte in das Leben. Tas war Evele Beier. Sie konnte d^> Geschichten immer rroch viel weiter erzählest wie Mutter Hübu.er, und oft sagte die mitten im Märlech; „Evele, erzähl' weiter." Tas Evele erzählte. Es wurde simnrav anders, als es eigentlich war, aber es tvar immer schön. So wre es die Kinder gerne haben, denen! es nicht genug ist, daß sich« MveA kriegen, sondern die dann noch viel mehr wissen toollen, svlanE erzählen, bis die Heldin glücklich Großmutter und der Held Großvater ist. Brigitte Hübner war nie müde inmitten der Kinder, war nie Ungeduldig und sah nie nach ariderem Tanke aus, als dem, der ihr in leuchtenden Kinderaugen.geschrieben stand.
Ein Tag aber kam. an dem sich, zwei Männer nicht weijö vom Hübnerhäusicherr als Wachen .aufstellten, einer oben, einer Unten. Oben der Schulze Eberhard Teich, waten, der Schöffe! Anton .Süßengut. Ter Schulze hatte gesagt: „Man sollte zwca! meinen, daß die Leute von selber so vernünftig sein würden^ die Kinder daheim 'Ml halten, aber man kann es nW tvissen. Dcw darf man her guten Frarr nW antun, daß man ihr in der Zsi» die Plagegsister ins .Haus läßt."


