Mittwoch, dm 18. September

Oer endlose Weg.

Roman aus Sibirien. Von I. O x e n h a m. Autorisiert Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Nun sag mir/ was du in Erfahrung gebracht hast," ck Step an und peitschte seine Pferde in flotten Trab. Sem :rz war schon vorausgeeilt nachi Selemsinsk. . .Wes- lb sind sie so lange nicht gekommen?"

Paschkin"

Möge seine Seele in der Hölle brennen! , ,

So Gott will. Es gab zwar noch andere Schwrerrg«- ten. Hauptsächlich! aber war «es Paschkin. Er wollte deiner au die Erlaubnis nicht erteilen, die Stadt Irkutsk zu ver- issen. Außerdem fiel es ihr schwer, deine Geschäfte ab Zw­ickeln."

M eine Schuldner ged achtelt, sich mem Unglück zu Nutzen zu machen, natürlich!"

Natürlich. Und da Simvn Rapin krank war, so konnte U ihr nicht helfen. Aber er ist jetzt auf dem Wege der Besse- irung und hat getan, was er konnte. Immerhin gelang es ihm nur durch einen Zufall, sie aus Irkutsk hinauszubrin­gen und zwar, weil Paschkin die Stadt verließ, um eine Ex­pedition gegen die Tschilka-Mongolen zu leiten. Nun ia. Je­denfalls hat sie Irkutsk schon vor einem Monat verlassen und muß jetzt in Selemsinsk sein."

Gott sei Dank! Ich werde sie holen." .

Es wäre besser/ wenn ich nach, Selemsinsk ginge. Für dich ist die Gefahr zu groß. Aber zuerst muß ich noch nach Minusinsk, denn ich verabredete mich dort nnt einem schäftsfreund, den seine Angelegenheiten nach, Klemrußkand und der ein,ganzes Jahr lang fort sem wird. Diese Verabredung muß ich einhalten."

,^Jch werde meine Frau und mein Kind selbst holen,"

sagte Mepau.^u m handelt sich ja nur um zehn

Nage. Zwölf Tage höchstens, und dann werde ich von Mmu- sinsk zurück sein und sie dir holen."

Ich kann nicht warten^ Peter Krvp. Ich muß sie mir selber holen. Die Gefahr ist mir gleichgültig."

Der alte Mann schüttelte zweifelnd beu Kopf, aber er

E i ein, daß es keinen Zweck haben würde, Stepan Jline urn- nmen zu wollen, wenn nicht etwa er selbst sofort nach lemsinsk eilte. Dann aber hätte er die Verabredung in Minusinsk aufgeben müssen und dagegen sträubte sich sem Geschäftsinstinkt. So schwieg er. Und als die Zeit kam, da sie sich trennen mußten, er nach Westen weiterreisend, Stepan schnurgerade mach Norden, blieb er noch lange auf der Straße Ueben seinem Karren stehen und sah Stepan kopfschüttelnd «nach. Das Haus auf Rädern jedoch polterte vorwärts aus dem Weg nach Selemsinsk, um den Zweck zu erfüllen, zu dem «es erbaut war.

An der Grenze mußte Stepan das Gefährt, das ihr«, nur gehindert «hätte, zurücklassen. Er stellte es bei einem Bauern namens Gnut ein, bei dem er schon oft übernachtet hatte, und dem «er trauen konnte. Girut war viel zu beschränkt, um un­ehrlich zu sein. Er lebte einsam an einem Nebenfluß des Jenissei, beackerte ein paar Felder, fischte und stellte dem Wild «Fallen. Stepan hatte ihn sehr gerne. Sie waren beinahe Freunde ^geworden und saßen oft stundenlang zusammen am flackernden «Herdfeuer, ohne auch nur ein einziges Wort zu sprechen. <

Gnut «nickte nur, als Stepan das Haus auf Rädern ttt seinen Hof fuhr und ihm sagte, dort müsse es stehen bleiben.

Dann machte sich Stepan, über die Hügel hinwandernd, auf den Weg nach Selemsinsk. Auf der langen Wanderung packte ihn die Angst. .Er fürchtete Schwierigkeiten und mußte sich sagen, daß es klüger gewesen wäre, auf Peter Krvps Plan einzugehen. .Der konnte tun, was er wollte in Selenh- sinsftihm selbst waren die Hände gebunden nur in der Nacht konnte er sich zu Totsins Haus schleichen. Aber er hatte nicht warten können.

Er dachte sich alles aus. Wollte Katia sich sofort mit ihnij «auf den Weg machen, dann würde er die kleine Katinka Und ihr bißchen Hab und Gut auf seinem Rücken bis zur Grenze tragen. Auch dann noch würden Katia die fünfzig Meilen Aber Stock und Stein schwer genug fallen. Wehrten sich die Totsins dagegen oder war Katia nicht kräftig genug yu dieser Wanderung, so mußte Peter Krop helfen.

Die geringsten Einzelheiten arbeitete er in Gedan­ken aus. .

Peter Krvp mußte einen Tarantaß und ern schnelles Dreigespann mieten und zweimal nach Selemsinsk fahren. Arni ersten Tag sollte er nur Katia aufsuchen und ihr genug auseinandersetzen, was sie tun wußte. Am zweiten Tag mußte er wieder nach Selemsinsk fahren und draußen auf der Straße, weit weg vom Dorf, Katia und Katinka treffen Katia Würde in den Wagen springen mit ihrem Kind und dahinjagen mußte der Tarantaß in sausender Fahrt nach der Grenze, wo ein sehnsüchtiges Herz und ein Haus auf Rädern ihrer wartete. Und dann würden sie eine lange Han­delsreise nach dem Altai antreten und wenn die Polizei von Jenisfeisk «Schwierigkeiten machte, dann würde Peter Krop mit -feinen praktischen klingenden Gründen sie schon umzu­stimmen wissen. Es mußte ja gehen ...

Er hatte Selemsinsk erreicht.

Er wartete oben in den Hügeln, bis die Lrchter erloschen «und die Dörfler schliefen und schlich sich dann zu dem .Holz­haus hinunter, in dem das Glück seiner harrte

Leise klopfte er an den Fensterladen und wartete. Er hörte erstaunte Stimmen, leises, hastiges Sprechen, urrd dann wurde ein Fensterladen aufgerissen, so daß Lampen­schein voll auf die Straße fiel was Stepan sehr unnötig fandund eine Türe geräuschvoller geöffnet, als vorsichtig war. Wie ein Schatten schlüpfte «er in das Haus.

«Katia!"