Ausgabe 
14.9.1918
 
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L-v

etnfctM, vb es Vepgauf, bergab geU, ob Sternbodeü oder SB Im Gegensatz zu diesem unruhvoll hastenden Wagenverkehr dre Knierenbe, sich zeigmde Menschemmmge. Rassische, polnische, kau- Wische Uniformen pvMen neben dem einfachen deutschen ,Aeld- grau". Tie russischen Offiziere tragen großenteils Meder Orden und Achselstücke. Ihr Benehmen ist oft reichlich anspruchsvoll und herausfordernd; man muß unwillkürlich daran denken, daß sie doch alles, was sie so scheulos -eigen, deutscher Waffenarbett danken

s,en in leuchtenden oft sehr

Graziöse, elegante Frauen Md . ... .. . . .

Ö len Kleidern huschen vorder. Dre Ukrainerin kleidet srch gut.

e Funkelcmgen sürd hchrfig. Die Kunst des Kvkettierens versfeht sie ansgezei!chnet und raffiniert. Tis neuerrungene Freiheit der Revolution dockt mau'che Abenteuer in lachender Lelbstv erstand- lichlkeit. Vorschiedeiiartigste Parfüms durchschlagen mehr und wenr-, ger aufdringlich die unarraerrehm bedrückende Lust der Großstadt--! straße. Auffallend im Straßenleberr sind die ernsten lanMarrgen .Pilgergestaltm, deren Weg hmstveot -um heiligen Laivralloster; auch die Geistlichkeit fehlt nicht. Der Pope in fernem violetten Kaftan leuchtet weithin durch die Menge. Jetzt biegt unter leb- Hafter Beteiligung der Straßenjugerid eine Abteilung mrauufckM Miliz um die Ecke, vorneweg eine russische Kwpelle mit einem Fausarenbläfei an der Spitze, dem man gern zuhört. Für emen Augenblick ist der Straßenverkehr gebannt; sie marschieren gut. Etwas theatralisch und selbstbervußt. Ihre Ausrüstung ist zu- sammengestückelt, nur das Loderwerk, Patrorwntaichm Mid Degens gchänge ist tadellos' mrd neu. Die Leute sind jung. Merkwürdig gleichgültig bleiben die Gesichter in Reih und Glied. Es srnd wohl alles frühere russische Offiziere. Man bleibt stehen. Etwas wl« ukvainischLS Rationalgefühl regt sich in diesem, :n jeirem. Doch da- mit muß murr vorsichtig sem. Vielleicht ist> es nur Neugierde oder Sensationslust. VaterfendsgefüW in unserem Sinn sucht man ver­gebens. Ter Patriotismus ist erttweder Sache des Kopfes dann saugt er schwere atzende Gedanken, Gift und Haß in srch auf. Tre Patrioten sind Fairatiker. Oder aber der Patriotismus bleckt ber den Russen ein Kindliches Aeußerliches, das an, Fakmsr und buntem Getue sein Genügen findet. Kaum rst dre rrkrarnrsche Abteilung vorbei, dröhnt errre halbe deutsche Kourparrre rm Gleiche schritt vorüber dmrkel und ernst mit Stahlhelm undTornister. Es sind Männer, deren Gesichter der Krieg gemeißelt hat. Wieder bleibt man flehen. Ter Kontrast ist stark zu dem vielen uillw tärrschen, oder besser gesagt, urrisormrerten Firlefanz der sich auf den Straßen breit macht. Tie Auslagen der Laden srnd schön, t T kostbar, doch befriedigt Warschau in dieser Hinsicht mehr. Alle Restaurants, Kaffees, Konditoreien sind mn Vormittag beretts besucht. Man möchte eine Formel finden, ein Lchlagwort für diese Stadt doch vergeblich. In Warschau ist alles ernstlicher. War- chau hat seinen Stll Kiew nicht. Märchenhafte Preise, er- 'taunen bereits nicht mehr in eirmnLarch, rvo^das Geld fernen Wert so gänzlich eirrgebüßL hat. Ern Paar Lchuhe für 300 Rubel, ein Zrvil-cmMg für 1200 Rubel. 1 Mich Tee für 60 Rubel, eine Zeitung sirr 1 Rubel. Man zuckt die Achel und kaust. Wittere Armut und Eleiid zeigen sich nicht so ans den Ltraßen wie m Warschau, lleberall istlsi das Essen gut aber

namenlos terrer. llnr anstänölg leben zu können, brauht man bei mittleren Ansprüchen zum nnndesteri 50 Rubel für den Tag. Aus diesen praktischen Be- track-tungen, die sich mir beklemmend aufdrangten, erlöst der herrlicheBlick oben von den Hügeln auf Fluß und Ltadt. Durch parkarttge Anlagen führen schöne Wege hinaus. In steilem Bogen werfen sich die Hügel hinab zumFluß, breite Geröllflachenwie (offene Wunden frei zeigend. (Trüge, mit, oicken glerchlmaßigen Wellen fließt der Tnchr seine Bahn; wett ins Larck» emgefchoben jffch seine Arme. Das Auge hastet an der endlosen Eiseiibahnbrucke Und verfolgt die Kreisbahn 'in ihrer großartigen Anlage bis nach Darnizza hin. Warm und stchwer liegt das SLimeillicht im Wasser und aus dem langgestreckten Hellen Strand. Dampfs chiffe verkehren Unausgesetzt auf den Hauptarmen des Flusses uitt siohen, winken­den Menschen erfMt. Kleine, (flinke Motorboote huschen von Ufer zu Ufer. Am jenseitigen (Ufer herrscht reges SttaMebeu. Bw^ platz reiht sich an >Badeplatz alles ist offen überall sind Eafös eingerichtet. Frohe Musik 'klingt arrs Tiefe her, nnter^ mischt mit dem Lachjen und Jauchzen der badenden Kticker und Grw-achsenen. Soweit das Auge reicht, tanzen kleine, tvuße Segel dem Wasser '{nie unbekümmerte Sorrnenfalter. km schimmern- ben Körper der Badenden esil>öhen den Reiz der farbenfreudigen' Bilder. Der Anblick ergreift, »bannt, schreit inr Herzen kriegsferne Bergangcichett wach. Gesundes Leben, Hrausende Jugend, schone Kraft wid eine Sorglosigkeit, um die man die Menschen oeneidet, die sie so 'hinausleben, als fei das bei ihrren, das Natürlich und Gegeberre. Wan könnte glauben, die Revolution der bestialisch wütende Bolschermsmus urtt seinerr ungezählten Groneltctten, der Kanonendonner über dieser Stadt, seien überspannte Phantaswn geträumte Unwirklichfetten, angesichts dieser^vmmerfreude. Dsrarst ßutete der geheirmttsvvlle Zauber dieser Ltadt rn du schauende Seel« ein. Unmittelbar unter mir, links, auf vorgeschobener Felsenj- vmsfe. mündet der Stadtgarten in weißer, gepflegter Terrasse Mit ' lern vornehmen Restaurant. Ständig kommt um geht ine schau- ne Meng«, die das bunte Gewimmel in der Tiefe antzM Me Falter das Licht. Mt Gläsern und Teleskopen, M imd einzeln, in GruWen, beobacht MZ das BadÄich«^ Dar­

über hinaus Vach links sucht sich dev Mick W jenem Teil dsr LtadE, n dem gualmende Schornsteine und graue, griesgrämige FabriL- arllagen die Wohnung der Arbeit erkennen lassen. Dort sieg? das Industrieviertel des modernen Kiew, aus dem, auch hier nsichev die goldenen Zwiebeltürme vieler Kirchen beruHgeud und feier­lich (herüberleuchten. Brette, gerade Straßen verjüngen srch rn dfe Ferne hin, und Menschen bevölkern sie, die aussehen dunkel und grau wie die Häuser. Ter Blick wendet sich nach rechts und nrht in dem dichtm Grün der Hügelkette. Aus einer Bucht Zwilchen! ^wei Hügeln, die eine mächtige Brücke übersMmt, schimmern Straßen und Häuser, ein anderer Teil der Stadt^Besprengt ragen die Hauptbrücken über den Dnepr. Den Abschluß inr Bilde bringt der scharf vorspringende Hang, aus dessen dicht bewaldeter Kuppe die mächtigerr Gebäude ' des berühmten L-awratlosters heraus- wachsen. Wie eine östliche Gralsburg ruhen die goldenen Kuppeln und Dächer im blau!en Himmel als die Krone des heiligen Kiew, dem Wallfahrtsort für viele Gläubige, die von dem goldenen Herzen der Mutter Gottes berichten werden, und der rätselhaften trefften Glocke Lawras. Jck> stehe und genieße den Rundblick. So rerch, so eigenartig vermag ihn kaum eine z'tvette Stadt in Europia, zu meten. Ans einer Bank in einer schatttgerr Ecke sitzt ein Paar in estriger Unterhaltung. Sie ist groß, dunkel, eine höhe Stirn beherrscht über träumerischen Augerr das Gesicht, -er ist ein echter Russe, lang­haarig, etwas Verbissenes, Wildes im Ausdruck. Kirre Lederrnappe liegt auf seinen Knien, beirrah feierlich uird langsam redet er auf die Gesährtttr -ein. Wovon sie wohl reden mögen? Ob von Mentzch- lichkeit mrd Liebe? Ich glaube das nicht. Etwas Fanatisches, Une^ löstes liegt zwischen diesen Menschen; dann ist es sicher Polttck und Revolutron, wovon, sie reden. Das fchüvere Geschick eurer, nahen Vergangenheit lauert brütend im Hinterhalte. Tie verwirrende Fülle vor, sinnensälligen, einzelnen Eindrücken, die srch dem Auge bieten, führte irgendwo an den Punkt, 'wo das Grauen der Revo­lution glimmend auf frischenden Wind Mrtet. Unselige Bluttatest schreien rmch Ausgleich, den die Gegenwart mtt chrer lauten, sonnigen. Freude rricht zu geben vermag. Ist drefem 3-rsrmmen- harrg berührt es Ägeirartig, arrf den schjmren HÄlen Banken der Prot- menade elegante Damen sich von schmierigen Zigeunerinnen mtt Raubtteraugeu Karten legen lassen zu se'hen. Aber .es paßt m dv- Atmosfchäre. Mitten auf dem Krefchtsch'ratrk liegt ein armer Mrl, offenbar vom Blitzschlag getiWfferr, und Mstdet srch m Krämpfen, Er ist fast nackt. Tie ellgaitte Menge geht Mr ihm vorbei lackend, den Taliegenden kaum mtt einem flüchtigen Bück (treisend. Was stehen bleibt, sind fast nnr Frauen. Wenn Nicht durch Anfall ernM das Mitleid herumreißt, und er sorgt, daß dieser arme Mensch forb- geschafft wird, dann bleibt er eberr liegen in fernen, Krämpfen! Lo D. Kietv. Es kann plötzlich irgendwoher schreßm oder em Stadtteil irr die Lust spriligen --- der Bolschewismus ist unsicht-. bar, aber mächtig in der Stadt -- sie werden bald darauf wie­der lachm, essen und trinken, kokettieren und.locken, polrtrsierenj und das Feuer schüren. Tie Revolution hat das Ehaottsck-e dieser Stadt ausgeprägt. Das Grauen schreitet mtt der Sorglofrgkett Hland in Hand durch die Straßen. Man lebt siedende.Gegenwart* über der Zukunft dieser Stadt liegt unergründliches GehermnrS^

Zsmmernachtrmärchen.

Bon I. K r e i s.

Aus der jüngsten Gegenwart,

In der Sommernacht war es geschehen. Tie alten, liebett Märchen gestalten hatten sich zusammengesunden, um sich ihre vcat

m fr ^Sri es so weiter geht, sagte der gestiefelte Kater, danst müssen wir unseren garizen Mävchenzauber während des Krieges

Sehen Sie nur, Verehrteste, sagte er zum T>ornrös.chm, meine Stieselsohlen sind durchMlaufen, und glauben Sie, ich kriegte einen Bezugsschein? lleberall sagt man mir, ein geiiiefelter Kater fei nicht in die Liste eingettagen, und MlsMispaprere du lieber Gott die Bruder Grimm sind tot, und sonst kennt nnch niemand. Einige Wochen kann ich mir ja mit Ersatzsohlen Hellen,' ich habe sie aus Baumrinde:: zurechtgemacht, aber stellen Lw sich vor: Ich soll zu Hof mit Ersatzsohlen gehen! Eme Lttnaiwu von märchenhafter Scheußlichkett! Wer wenn n:an bald hundert ^ahre gestiefelter Kater ist. Sie begreifen, das ist ungefähr so viel m: Rang wie Geheimer Rat, dann will man nicht auf emmal ein ganz gewöhnlicher Käfer sein. Dornröschen seufzte, m«! haben sie meinest Prttrzen genommen. Er war nattffUch nant der Reserve urrd mußte gleich lmt. Brs jetzt rst s rEsi sinmer noch gut gegange::. Wer nmn hat so L^ehnsuckL uud hundert taahre wieder zu schlasen, wissen Sie, das .möchte, ich doch mcht gern, ^ch habe petzt fo ein entzückerndes Glockerrrockkostüm, nnd^ h^nn üh da aufwachte, und es wäre .nicht' m>chtr nrodern ... LchneÄmttchen zog das iöräulchen säsief und saM: Da soll mmt.nun die >^ouW rm ganzen Land bleiben und Tag für Tag ist. tellerchen nichts als GrsaMarnfelade. Von den \vten fw*> »g «umHilfsdienst' eingezogen und kommen jchertzaupt nicht n:ch(r

Die böse Königin saß abseits und war Olb vor Aerger. I ganzen Land trieb fie lernen Apfel auf, um chtr für Lchneeivtttch vergiften fw könnm; denn das Obst war beWagnaMst,