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sagte Stepan mit gleichgültiger!
„Nach Jenisseis?,"
,,/So ist's recht. Das ist besser als Jakutst „Es ist ganz gleichgültig, wohrn ich gehe. >
Min i Jenisseis? ist besser als Jakutsk. Jakutsk r,t die Hülle" Nun Gott beschütze dich! Sie werden dich schon erwarten in Jenisseis?, weißt du?"
Wer?" > n
"Eh, die Polizei. Paschtin wird sie benachrichtigt haben." Uchd da starb in Stepan die schattenhafte Hoffnung/ wr die er sich noch Mgeklammert hatte — den Paß webzuwerfen, den Namen zu wechseln, und als em anderer ern neues Leben zu beginnen. Ah, und auch an drese Möglichkeit hatte Paschtin gedacht und dafür gesorgt, daß ^r unwr steter Kontrolle von Ort zu Ort weiterpassiert wurde. Paschnn war
eW ^Er^iufte^ichNahoung sür mehrere Tage und einen ftar> kerr Wanderstab und trat zu Fuß dre Werse an, dre nre em Ende nehmen sollte.
Es war ja so gleichgültig, ob er zu Fuß grng,oder suhr. Später ja konnte er sich, so sagte sich- Stepan rn ^"^er gleichgültigen Hoffnungslosigkeit, eine Delega und em Pferd kau fen, wenn es ihm der Mühe wert schien und er drese -mge
i-qendwo billig auftveiben konnte. _
Er besaß nur noch wenig Geld und mutzte sehr )org-. fältig umgehen mit den Rubelscheinen bis ja, ör^ wann? Es mochte ja nröglichi sein, daß Katra chm von Selemsm^k aus Geld schickte. Vielleicht konnte er sich auch etwas verdienen auf dem Mg, obgleich das nicht sehr wahrscheinlich war. Wie sollte denn ein Mann arbeiten und Geld verdienen, wenn er sich nirgends länger als zehn Tage lang auchalten durste! Er biß die Zähne zusammen. Auch ferner Arbeit ?anr Teufel Paschtin in die Quere und überall wurde iifvm trr die Quere kommen fern Leben lang.
Vorläufig wollte er laufen. Es war besser, sich! totmüde ■ m marschieren jeden Tag, als in einem ^L^Ntzenun^ senken zu müssen. Immer denken. Das hatte ihn wahm finnig gemacht. Und dann überlegte er sich, daß das wirre Wersins? nicht der richtige Platz fei, um sich dort Pferd und Wagen zu kaufen — ein Beroeis, daß er doch noch imstande war einen vernünftigen Gedanken zu fassen. • • 'SCiiTUii- getdbe nach Westen inmitten der Hügel marschierte er und ?mrd es ganz vorteilhaft, nicht an eine Dtraye gebunden,zu sein. Den ganzen Tag lang arbeitete er sich stetig vorwärts, aß jwenü er hungrig war, trank aus den Vergstrchmew Lin ihn dürstete. Kein Hügel war ihm zu steinig oder zu Ml denn es tat ihm ja wohl, daß die Steine unter st, neu KULen fnirickiten und er sie m,t eenem Fusttritt den ^.erg . S Än flit« Ah. nur auf etwas «entnrttanH Un können! Nur einem Ding weh tun und sei es auch nur ein Stein! Wären es nur Puschkins gewesen statt Stemen, dann hätte seine Seele gejubett und Mit Freuden wäre er dann gewandert auf endlosem Weg all sem Lebm lang.
Es war schon Frühsommer, aber die Jahreszeit noch weit zurück in der Entwicklung und überall überschwemmten die Bergströme noch die Gegend. Hier lagen stille^<um- vel. Dort stürmten wütende Wasser, em Bergtal hinab. Dm Wetter jedoch war mild und sonnig und in den Wäldern
riZ sMte er Schutz unter den Fichten und Föhren,
zündete sich ein Feuer an, weil der warme Schein etwas freundliches hatte, und sah still, in Gedanken versunken, daneben, bis die Glut erstarb. Wenn er so saß, verfluchte er manchmal Paschkin, bis es überall im Wald widerhallte von seinem Brüllen; manchmal waren Katra und Katinta sein einziger Gedanke und stundenlang oft murmelte er, Mit dem Gesicht nach, unten auf dem Waldboden liegend, iu emer Agonie von Sehnsilcht ihre Namen. Manchnral svüh, manchmal spät machte er sich- dann auf dem weichen Nadelboden vieler Jahre ein Lager aus junggrünen Zwergen und Mief tu seiner Müdigkeit so gut, wie Gouverneur Paschkin rne-
m Ed am dritten Tag — er war keinem Menschen begegnet, feit er Wersinsk verlassen hatte — begann stm Lebensmut sich wieder aufzurichten, denn die Hoffnung stirbt nicht leicht in einem Mann und auch rn Stepanv Herzen regte sich wieder ein ganz kleines Hvffnungstriebvein und
Cr E Mög«keit zu sth«n. daßM sich
vMeM vielleicht — Katia und Katinka doch noch aus
dem Wrack erretten konnte Sehnte er sich doch nach chnen in dieser ungeheuren Einsamkeit, inmitten dieses endloses Schweigens allein mit Mutt« Natur und «em*
uissen bis das Herz ihm brechen wollte und er ihre Namen laut hinausschrie, sich den 'Schmerz, zu stillen, denn wenn er nur ihre Nanckn widerhallen hörte, kam tev fÄ schon nicht mehr st einsam vor. Katia und Katinka! Nuhts sonst
war von Wichtigkeit. Handwerk, Hennach Geld, Zukunst
diese Dinge wurden von Stunde, zu stunde würziger m seinen Augen, so schwer ihr Verlust ihr: zuerst gevrossen hatte. Eine Zeitlang war es ihm unerträglich Siefen, dem grauen Elend der Zukunft ins Auge zu schauen. Als er ab er Kraft und Lebensmut widerfand, da fchren ^mdrev alles so l N verglichen mit dem einen Großen: Weib und Krnd. ^eyr wußte er, die Dinge ihrer Wichtigkeit nachemzuschatzen. Konnten nur Katia und Katinka uiid er beisammen fern, sio war es leicht genug, auf die anderen Sehenswerte LU ver-
zichtem^r zri ihrem Vater nach Selemfinsk begangen,
wie er es ihr geboten hatte, so hatte er guteri Grund zu hoffen^ wie es ihm schien. Zwar lag chlemsius? n der Pwvmz kutsk und diese Provinz war chm ver,chlosfen. Aber es lag immerhin fünfhundert Meilen von der Stadt ^rkutst ent- sernt weit genug weg von Paschkin, und von der Provinz grenze nach Selemfinsk waren es nur fünfzig Meilen. Dieser Güeltze entlang wollte er reisen, bis er zu denijeuigen Punkt
kam der Selenisinsk am nächsten lag, lind bann-
iain, un ^ (Fortsetzung folgt.) ■ v
Russische Karriere.
Eine BeaMtengeschichte aus der Zarenzeit.
Von Julius Knopf.
QM] Loginoff, der gefürchtete Bureanches in der Kaiserlich Russischen Eisenbahndirtttion zu St. Petersburg, iah nnt^g^ röteteun Antlitz vor seinem Wult und unterfchrleb einen, Ltoß von wiMgen Schriftstücken, südlich war er mit dieser schmer^M Arbeit fertig, die mehr seine Hand, denn fern Hirn anshr.engte. Und! uSwu gut !°; beim feine Wl« kräftig entwickelt. M0 mifiit von seinem Hirn durchaus ninch sagen konnte.
Er erhob sich!, wischt mit dem Taschentuch, das die achtbaren dn^ Winbcl aufwies, .die -Sttm. gmg cm M eisernen Geldschrank, entnahm ihm dreitausend Rubel und sckMllW^
^ Andreas Schingajew eilte herber, sein V^tranelismenn. Resp^ voll blieb Sckugajew an der Tür stehen. Em gnädiger Wmk deH bohen Vorgesetzten; der Gehilfe trat näher.,
Lieber Schingajew," sagte der Chef m Mialein Tone, „ich muß'iJhnen Mitteilen, daß ich heute iwch verreise. Mome Bruders toicklter in Warschiau feiert übermorgen Hochzeit und ich habe mich entschlossen, der Feierlichkeit beizuwohnen, da ich augenblicklich
<l)[n Loginofs^Mir'zwar stets entbehrlich, da er nichts zu tun hatte, als zwei Stunden täglich in seinem 'komfortablen Bnrean zusttzen, aber wie alle Vorgesetzten, bildete er, sich ern,. daß ^öiie ihn dfrj Räder des ihm unterstehenden Getrieoes stillstehen müßten. ^ Lieber Schngajew," fuhr der Chef gnädig fort, „ich fotrauri Sie mit meiner Vertvetimg, denn ich« glaube, mich auf Sie verlassen.
^ Der Untergebene verbeugte sich zu stimmend, in höchster De^
„Also machen Sie Ihre Sache gut, in vier, bis^siws Tagen birr ich wieder hier. Ich werde Ihnen noch meine ^nstrurtionen neben Doch ehe ich's vergesse" — unterbrach er such, „hier,such dreitausend Rubel, die morgen als Restzahlung an die Etzew, gießerei von Borowski zu entrirchten sind. Ich! nharse Ihnen eut> es nicht zu vergessen, denn es ist der Lchlnßtermin der Zahlung!, und Sie wissen, daß Borowski, der Stzviegersohn, Seiner ^ Am. unseres Herrn Ministers, ist. Machni Sie alio Ihre
Schugajetv versicherte, daß er getreu den Befehlen des Dhrfs handeln würde, hörte.scheinbar ehrfurchtsvoll, aber lehr zerstreut die weiteren Anweisungen des hohen Herrn mit an und, Wendel untertänigst, als ihm Loginoss zunl dlbsch'ed die .tzaud reichte. Ein ganz ungewöhnliches Zeichen seiner Huld. ~ . f
Noch als der Chef verschwunden war, verblieb -ckMEietv lmme Zeit im Zimmer, einen heftigen Widerstreit der Gefühl« dnpchß
lainpseild.^ oesüvchtete Loginoff gerade jetzt verreiste -- sollte LV es als einen wohlivyl'lenderi Wiii? des Zufalls aussassen?, Als eme von den wenigen guten Launeii des Schicksals? Ta hatte er jüst am selben Tage eme Einladung zur Jagd bekommen zu der er eines viertägigen ttrlanbs bedlirste, den .ihnt oer Gestreng envS und ninrmer gewährt hätte; den er auch Nie gcklvagt haben w üiD e> zu erbitten. Und nun, auf einmal, war das Feld frei, ec wmrm aus die Jagd gehen, ohne -daß es Loginoff merkte, denn bex Tis^ frelton der anderen Herren Mr er ftcher. Ein reder Vv NMM SW etwas auf dem Kerbholz.


