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Samstag, den st- August
Der en6lo8E Mg.
Roman aus Sibirien. Von I. Oxenham.
Autorisiert — Nachdruck verbotet:.
(Fortsetzung.)
Die übrigen Räte aber erlebten noch eitle stürmische Stunde, und als di-Sitzung zu Ende war. dauw em iedcr on ihnen allen Deiligen, daß er nacht nr StepAr ^lnre» Schuhen steckte, und daß ihtn der eigene Kopf imch fest aut tu Schultern saß, wenn atlch Sorgen und Angst genug m
Utnruhrger zu werden, ehe er Katia gegenübertrat, gmg er Schmied auf einem großen Umweg nach Hache. In seinem >irn wirbelten und jagten sich die Gedanken. Fünf Minuten, crniseliae fünf Minutetl, hatten sein Leben zerstört und sein chück zerbwchen, und die Zukunft lag Ähwarz m Schwnz wr ihm da wie finstere Nacht. Er fand keinen Ausweg. Er oar wie betäubt. Das Unverzeihliche war ihm pa;fter„ dw »roße Sünde — er war Paschkin entgegengetreten: er, trotz Uler guten Vorsätze und Katias tausendmal wiederholten Flehens. Er selbst trug die Schuld an seinem Unglück. Narr,
>er er war! Doch nein. Waren die Folgen auch unabsehbar,
^ hatte er doch nickst anders handeln können. Es war unmöglich, die Strecke in zehn Tagen zurückzulegen, und noch unmöglicher, den Gesamtauftrag in fünfundzwanzig Tagen zu Erledigen. Eine absolute Unmöglichkeit! Aber was scherte
sich Teufel Paschkin um Unmöglichkeiten ;-.
' Nur Minuten blieben Stepan noch itbria, um emen Entschluß zu fassen, und sein Gehirn arbeitete fieberhaft. Langsam begann er, klarer und klarer zu sehen, und erkannte endlich, daß es in seiner Lage nitr einen einzigen Ausweg geben
konnte.
Neuerlich ruhig kam er nach Hause, Aber so blaß, so starr war sein Gesicht, daß Katia sofort wußte, ein kingluck
sei geschehen. ,
‘ „O, Stepan — was hat es gegeben? *
„Der Konvoi ist wieder überfällig -- ich erzählte es dir schon, glaube ich - und Paschkin hat nnr befohlen, ntich fo- strt uns den Weg zu machen und ihn aufzu,uchen.
In fast gleichgültigem Ton sagte er es, denn er wollte e schonend auf das Furchtbare vorbereiten, aber es gelang jm nicht, Katia zu täuschen, ^ie begriff sofork-
„Stepan!" schrw sie. „Du,mußt nach Wers ivk ie en >ie dein Vater, und du warst me zuruckkehren! Mem Gott,
^ Da gab Stepaii alles Beschönigeil auf und erklärte sei- :em Weib mit raschen Worten - denn sie hatten um noch Ziertelstunden, die ihnen gehörten "'w^e das Unglück ge-- ommen war, und was er sich ausgeklügelt hatte, um Mi Zaschkins eisernen Fäusten zu entwinden.
„Meine Lage ist sehr schlimm, liebe Katta PaWrn hat whl schon fange im Sinne gehabt. Mich M vernichten, utw i
der Auftrag zu dieser Reise tu fünfundzwanzig Tagen bedeutet das Ende aller Dinge für uns, wenn wir Nicht sehr klug sind. Das wollen wir sein. Höre zu, Katta. Die Zeft drangtt In weniger als einer Stunde muß ich reifen, und ich werde wohl nie wieder nach Irkutsk zurückkommen können. Lv ist bitter, daß wir fast all unser Hab und Gut aufgeben mu len — doch tue ich das nicht, so bin ich verloren und konnte mr ebensogut den Hals abschneiden, um semer Exzellenz,alle wew tere Mühe zu sparen. Wir müssen dre Schmrede im StM laffen und fliehen. Wohin, weiß ich iwch Nicht. Nun ho re zu, Katia, was du zu tun hast. Du wirst alle ausstehenden Gelder einziehen, soweit dies möglich ist; sehr langsam, «ehr vor- sichtig, damit niemand Verdacht schöpft. Einen großen Teil tlnserer Forderungen werden wir nicht bekoimnen konnem doch das läßt sich llicht ändern. Sage ;edem Schuldner, ich hätte in Paschkins Auftrag eine lange Reste antreten musM uird keine Zeit gehabt, meine Angelegenheiten zu ordnen. Du brauchtest das Geld. Bin ich am fünftmdzwanzigften Tag nicht zurück, so wirst du die Schmiede und all unser Hab und Gut lmter der Hand verkaufen — um stden Pretv. SiMvn Rapin, der Jude, wird alles kaufen, wenn er sicher ist, em gut Stück Geld daran zti verdienen. Biel wird er Nicht geben, aber er ist ein ehrlicher Mann und wird dich eyrlich bezahlen. Ist das erledigt, so sendest du alles Geld, mit Ausnahme einer Summe, die für dich und Kattnta für einige Monate genügt, an deinen Vater nach Selemftnsk. Simon wird das für dich besorgen. Du darfft ihm trauen. Du wirft nicht in Irkutsk auf mich warten, denn ich habe kenne Hoff- irung, zurückzukommen, sondern nach -Selem.msk zu deinem Vater gehen, sobald hier alles geregelt ist. Hast du das alles verstanden, Katia?"
„Ich weiß es noch nicht, was ick) tun werbe; kann nicht wissen. Fliehen, irgendwohin. Dtl wirst Nachricht von mir erhalten und zu mir kommen, wenn ich tu Sicherheit bin, außerhalb Paschkins Machtbereich."
Katia hatte mit weit aufgerissenen Augen zugehört und vom erstell Augenblick an verstanden, das; dies nicht die Zeck war, sich in fruchtlosem Klagen zu zermürben Sw itnd ^te- pan standen vor einer großen Krise ihres Lebens: vor dem Ende aller Dinge vielleicht. Jeder Nerv, jede Fiber tu m waren angespannt. Sie mußte verstehen. Sie ntußle bandeln können. Sie durfte lischt zusammenbrechen unter der Last des Unglücks; tvenn sie sich auch am liebsten hingeworfen hätte auf den Boden itüd laut aufgeschrlcn vor Schmerz. Aber die tapfere Katia wußte, daß sie fetzt stark sem mußte, stark wie ein Mann, wenn auch ihr Frauenherz beinahe brechen wollte -„Ich darf nicht schwach werden, ich darf nicht . . flüsterte sie vor sich hin.
Ab und es war doch so schwer, stark zu sein.^ah, furchtbar, wie ein vernichtetlder Blitzschlag, war das Unglück über sie heveitljgebrochen. So glücklich waren sie gewesen in Schmiede; in engen Grenzen freilich uno rn steter hem^ sicher .Antzst vor einer Katasycophe—n wie Menschen, dse am


