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spielten gewiß keine Rolle in Paschkins Entschlüssen. Stepan Jline fühlte es in den Knochen, daß seine Zeit gekommen war. Noch zögerte Pasch,kin zwar, als sei er unentschlossen, doch das tat er nur, weil es ihm Spaß machte, seine Räte zittern zu sehen. Seine Wahl hatte er schon längst getroffen.

Du, Jline!" rief der Gouverneur mitJtarker Stimme, und seine Augen bohrten sich förmlich in Stepans Gesicht. Du kennst den Weg. Du wirft sofort nach Wersinsk ab reisen) dort ausfindig machen, wer daran schuld ist, daß der Konvoi! nicht Pünktlich eintraf, und die Schuldigen in meinem Namen bestrafen. Dil erhältst umfassende Vollmachten. Begegnest du dein Konvoi auf dem Weg, so ändert das nichts an deiner Auf­gabe. Ich werde die Führer hier sesshaften, bis du zurück­kehrst."

Stepair hatte sich erhoben und stand aufrecht da. Er wußte, daß es kein Entrinnen gab. Die wenigen Worte mach­ten rhn zum Henker. Die Gefahren der Reise kümmerten ihn wenig; das war ehrliches Manneswagen. Der Auftrag je­doch äh, dieser fürchterliche Auftrag-

Doch Pasch kin war noch nicht fertig.

Dir wirft sofort aufbrechen. Zehn Tage hin, zehn Tage zurück, fünf Tage dort. In fünsundzwarrzig Tagen wirft du

zurück sein, oder-" und ein Lächeln vollendete den Satz,

nicht mißzuverstehen . . .

Stepan reckte sich arrf. Der fürchterliche Auftrag war schlimm genug, aber noch viel schlimmer dieses Vorschreiben von Zeitgrenzen, die selbst unter den günstigstem Verhälö- nissen nicht eingehalten werden konnten. Dagegen mußte er sich wehren. Paschkin sollte wenigstens wissen, daß es etwas Unmögliches war, was er von ihnr verlangte. Stepan wußte genau, daß man sein Leben riskierte, wenrr man Paschkin widersprach, und doch widersprach er; denn schließlich war es gleichgültig, ob das Unglück ihn jetzt packte oder erst irr einem Monat, wenn er zu spät zurückkam von Wersinsk.

Mit Respekt, Exzellenz," begann er, nrrd nichts hätte respektvoller sein können als sein Ton, und doch schraken die Räte zusammen und hielten den Atem an vor Errtfetzen. Dieser Mann wagte es, dem Gouverneur zu widersprechen. Mit Respekt, Exzellenz! Zehn Tage genügen nicht für die Reise zu dieser Jahreszeit. Die Straße^ ist überschwemmt. Der Schnee liegt noch nicht tief genug, daß man einen Schlit­ten benützen könnte."

Zehn Tage/sagte ich," dorrnerte Paschkin, urid in seinen Augen sprühte es vor Wut.Du wirft zwei Kosaken mitneh­men und in fünfundzwanzig Tagen zrrrück sein oder die Fol­gen tragen. Zehn Tage hin, zehn Tage her hörst du, Jline?"

Jawohl, Exzellenz. Ich werde mrt allen Kräften trach­ten, pünktlich zu sein, und mehr kann kein Mensch tun- Ex­zellenz. Denn zehr: Tage - "

Schweig!" brüllte der Gouverneur.Du reift augen­blicklich ab. Binnen einer Stunde wirft du deine Pässe und Vollmachten erhalten."

Stepan verbeugte sich schweigend und verließ den Rats­saal.

(Fortsetzung folgt.)

Jonni Mohrr Heimfahrt.

Von Kurt Küchler.

(Fortsetzung.)

Aber er sah in ein gutmütiges, lächelndes Gesicht und in tzwei verschmitzte, wasserhelle Aenglein.

Was wollen Sie von mir? Weshalb fragen Sie?" rief der Deutsche erregt und stand unruhig auf.

Ruhe, junger Mann!" sagte der Wirt sanft und lächelnd

e b drückte ihn ans die Bank zurück,Bleiben Sie ruhig sitzen. Ich im es sehr jMt mit Ihnen . Zig spr echen so ein schönes Englisch . . .Sie.sehen ans wie der Sohn des Lordkanzlers selber. . ."

Ter freundliche Wirt machte eine kleine Pause, dann fuhr er eindringlich fort:

Aber Sie könnten doch .vielleicht in Verlegenheit kommen ...... wenn Sie vielleicht ein paar Papiercheu brauchen könnten?^

Jonni Mohr blickte den Wirt erstaunt an.

Nun," sagte der,es ist nicht angenehm, vielleicht als Spion in den Tower > geschickt zu werden. . . wer Weiß, was ge­schieht ! Jeder Deutsche ist ein Spion, sagt die Regierung. Wenn Sie in Zukunft . . . sagen wir mal . . . John Fox heißen wol- Im,. . . ich mach's billig , . . ich mach's für drei Pfund . . , sechzig Schilling, junger Mann!"

Ter alte Gauner lächelte und stand aus, ohne eine Antwort seines Gastes abznroarten. Aus den Tiefen eines Kastens hinter der Toonbank hob er ein Paket Papiere, kramte eine Weile darin'

herum und tarn endlich mit drei Schriftstücken zurück, die er vor denr jungen Deutschen ansbreitete.

Tas paßt wundervoll, nicht wahr, my boy? Gr ist tot, der arme John Fox aus Birmingham. Er war ein anständiger Kerl in ihrem hoffnungsvollen Alter. Er ist eines Tages unter ei-neini Omnibus .gekommen und bei mir oben im Zimmer gestjorbeu. Ich konnte noch eben diese Papierchen in Sicherheit bringen, da kanr der Leichenrichter schon. Was gehen den Leichenrichter diese hübschen Papiercheu an, dachte ich. Papierchen sind wertvoll, Ustdi einem Toten nützen sie nichts. Na . . . wollen Sie, junger Mann? Drei Psündchen!"

Ter Handel war zustande gekommen, und der Kaufmann Jonni Mohr ans Hamburg war von da ab der Metallarbeiter John Henry Fox aus Birmingham mit dem guten Leumundszeugnis der Polizei­behörde von Manchester. Es war besser, unter dem Namen Fox irgendwo zu arbeiten, und sei es ans den Tvcks, wo man Arbeiter! brauchte wie das tägliche Brot, als unter denr Namen Jonny Mohr aus Hamburg iit irgendeinem Konzentrationslager wie eist Verbrecher behandelt zu werden. Tenn die Engländer nähmest alle deutschen Reservisten unweigerlich fest. Jonni Mohr war jetzt zehn Jahre in England, mit Ausnahme der beiden Tienstjahre; er sprach ein gutes Englisch; wer sollte ihn entdecken?

Alles ging gut, bis der herrliche Zeppelinkreuzer im Brausest des Gewitters wie ein wunderbarer Gruß aus dem Vaterlande hojch über bm Docks von London erschienen tvar. Da hatte die erglühende, deutsche Seele den zum Schweigen verurteilten Mund geöffnet . . . da chatte ihnr sein dreifaches, jauchzendes Hurra die Fäuste des roten Dick an die Brust geholt. Mit ungestümer Krastanstrengung hatte er sich aus der Gewalt des langen Burschen befreit, und im lärmenden Durcheinander, das pnn folgte, >var er glücklich entwischt.

Und nun brannte nur noch! ein. einziger Wunsch in seiner Seele:.

Weg ans London! Weg aus England! Nach Tentschland . . . nach Tentschland!!

Aber wie sollte das geschehen?

Er schaute versonnen über .das krause Durcheinander der Tächer von Whitechapel, aus denen der erste, dunstige Schein der Morgenfon ne lag; er sah buf endlosen Reihe der kurzen, rundest Schornsteine ans den Firsten. Müdigkeit kam in seine Seele, der Kops sank aus die Brust; er fiel auf den Stuhl, den er sich zum Fenster geschoben.hatte, und schlief ein.

Er hatte unter dm sanften, heuchlerischen An gen des siebenten! Eduard einen seltsamen Traum.

Er stand hoch auf einem Turm der mächtigen Towerbrücke, sah die Schiffe aus denr breiten Rücken der gelbgrauen Themse ans und nieder gleiten und die endlosen Tvcks mjrt ihren hohen Lagersperchern im Tunst verschitvimmen. Dahinter lag unter der rauchigen Luft die mächtige Stadt wie ein im Wellengang zu Stein erstarrtes Meer. Wie ein riesenhaftes Ungetüm hob sich die runde Kuppel der St. Pauls-Kathedrale aus dem ftchtlosm Nebel.. Eine unendliche Stille herrschte . . . London schien begraben ustkje» einer schweren Trostlosigkeit nrrd bedrückenden Bangigkeit.... wie ein wehrloses Tier, das dumpf und ermattet ein tragisches Schicksal erwartet.

Ta kanr ein Domrern ans der Ferna, erst verhalten.grollend, dann'gewaltig wie stürzende Felsblöche. Ein Riesenvogel zog unterm Himmel her, schöner als alle Pracht Londons. Ans seinen Flügeln tropfte Feuer und Eisen. Ta pnrchte London auf. Das' Geschrei der bis zum Wahnsinn erschreckten Menschen tobte bis hinaus zum Turm der Towerbrücke, die in ihren Grundpfeilern erbebte, und schwoll über den leuchtenden Riesenvogel hin, der nnn aussah wie ein. deutscher Lirftkreuzer. Unbeirrt zog der strahlende Riese seine verderbenbringenden Kreise Und suchte wie ein zürnender und rächender Gott seine Opfer. Explosionen tönten hevstuf lvie die schrillen Sck/reie zu Tode getroffener Tiere, Feuersbrünste brachen zUm Himmel, nnn nicht mehr aus beu Tolverdocks, und den Tilburydocks, sondern weit über das Stadtmeer hin. Ticke Rastchj- massen, zu unheimlichen Gestalten geballt, schwankteiir über Loirdon, vls wollten sie die ungeheure Stadt unter ihrem dunklen Mantel erbarmungslos ersticken . . .

Als der Zeppelinkreuzer sein Werk erfüllt hatte, rauschte er dem Turm der Towerbrücke entgegen, aus dem der Mann ans Tentschland stand. Schön imb ruhig glitt er ganz dicht heran. Und die Türen seiner Gondeln öffneten sich. Jonni Mohr trat ein, von seltsamen Schiauern ergriffen. Ter Lirftkreuzer hob sich in wundervoller Wendung und nahm die Richtung aus Deutsch- land. Der Wind prasselte jubelnd die Flanken des .eilenden Schliffes entlang. In der hinteren Gondel stand Jonni Mohr und sah das dampfende und per flammende London im Wesenlosen versinken^

Kindergeschrer kam aus dem Hof hinter der Treckbnrn-Streot in Whitechapel, und der träumende Schläfer erwachte.

*

In einer kleinen Kneipe in Grimsby saß gegen Weird dev alte, grimmig aussehende, norwegische Kapitän Nils Kjärre, dem der weiße Bart .struppig unterm ausrasierten Kinn hing, mit ein paar Hafenbeamten und Dockanfsehern anr runden Tisch.

Er hatte eine halbvolle Flasche schottischen Whisky vor sich stehen, aus der er sich tapfer einschenkte. Alle fünf -Minuten stürzte er ein Glas durch die Kehle und goß einen Schluck Wasser hinter­her. Er fluchte und schrnrpfte auf die.traurigen Zustände in den