Der endlose Mg.
Roman aus Sibirien. Bon I. O x e n h a nt,
Autorisiert — Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Ein andermal wurde Wolnoff, der Krämer, ein wohlgenährter Mann von rundlichem Aussehen, vor den Gouverneur zitiert, weil er schimpfend geklagt Halle, ev würde nicht lange dauern, so müßten die Männer- von Jrrutvk von Brot und Wasser leben, ginge es so weiter mit den Steuern! Das war Zu Paschkins Ohren gekommen.
„Du fürchtest also, von Wasser und Brot leben zu müssen, du dickbauchiger Lump!" knurrte Paschkin. „Du fürchtest zu leicht und zu viel, mein Freund. Du lebst »« gut, mein Sohn, und bist allzu verwohnt! Du furchtest Wasser und Brot, eh? Nun, einen Monat lang foiXit du eingesperrt werden bei Wasser und Brot, und sollte das nicht genügen, um dich schlank zu machen und dir das überflüssige Furchten abzugewöhnen, so legen wir noch ernen Monat zu, mem
der arme fette Wvlnoff kam wirklich hinter Schloß imd Riegel, und man ließ ihn so hungern, daß er in eurem eimtqctt Monat schlank wurde wie em Gardeleutnant. Sie Kur war erfolgreich. Allerdings starb Wolnost sechs Monate
^b^Durch solche kleine Teufeleien lichteten sich fortwährend die Reihen der Räte des Gouverneurs. Paschkin pstsf auf seine Räte. Am liebsten hätte er sie alle davongejagt, wenn nicht die Gesetze des Landes einen Gouvernementsrat gefordert hätten. Räte also mußte er zwar haben, doch nach seiner Pftife sollten sie tanzen. Wer ncht parierte, der — nun, dem passierte etwas-Unangenehmes! So waren immer Ratsstellen frei, und die Männer von Irkutsk fürchteten dieses Ehrenamt wie die Pest und klügelten sich alte möglichen Kniffe und Manöver ans, um ja mcht so hoch geehrt zu werden. Pfiff Paschkin ans seine Rate, so pfiffen andererseits die Männer von Irkutsk auf fwUtrsche Ehren
Das war nun nicht gerade heroisch und sah aus wie bedauerliche politische Indolenz. Doch die Männer von Irkutsk waren nur ganz gewöhnliche Männer, deren >znwr- essen sich darauf konzentrierten, für Weib und llamille zu sorgen, so gut es ging; höchst, einfache Männer ohne besondere Intelligenz, deren politisches Glaubenbewnntniv oar- auf hinauslief, daß sie möglichst in Ruhe gelapen >ein wollten. Ihren Frieden wollten sie haben. So wurden sw Zu Puppell Paschkins, diese einfachen Männer . . . .
Lange Zeit lebte Stepan Jline lir Frieden, bis em bos Hafter Zufall den Frieden störte. ,
Nach längen: Suchen hatte Paschnn einen dritten, fehlerlosen Rappen gesunden, so daß sein Rappendreigespann nuir vollständig rvar, und es war seine Wonne, Mit der Troika wie ein Sturmwind durch Irkutsk zu wirbeln; sausend, jagend, in wildem Galopp; mit einem Kosaken als Kut
scher, der fuhr wie ein Wahnsinniger und sich vor Tod und Teufe! nicht fürchtete — mit Vollblutrappen, deren Nüsterst flammten und deren Augen glühten rn der Aufregung dm; tollen Fahrt. Paschkin selbst saß immer regungslos ml Schlitten, still, grilnmig, scharf beobachtend. Alt und jung machten sich aus dem Staube, wenn die Troika herangejagt kam, und andere Fahrzeuge suchten schleunigst einen schützenden Ne-
Auf solch einer Fahrt verlor eines Tages das linke Handpferd der Troika ein Hufeisen, und Paschkins scharfe OyEst hörten, lischt weit weg, klingende Schmiedehämmer. Er fahl dem Kosaken, nach jener Achtung hin zu fahren, und nach wenigen Minuten hielt die Troika des GouvernEs vor der Jlineschen Schmiede. So geräuschlos trat PascmM ein, daß Stepan ihn nicht kommen hörte. Er war eben dabei, einen seiner Gesellen abzukanzeln:
„Solche Arbeit können wir hier ncht gebrauchet Michael Alexandrowitsch!" schalt er. „Wir liefern untzm Kunden nur allerbeste Schmiedearbeit, licht mehr und Nicht weniger. Jedes Stück muß tadellos fein. Das merke di^ , Michael. Du bist noch nicht lange in meiner Schmiede, es ist nun an der Zeit, daß du dch an merne Art gewö Tust du es nicht, mein Freund, fo fliegst du! Mit Schn arbeit kann ch nchts anfangen. Ein zweitesmal verchwE ich keine Worte an dch! Wirf dies wieder ms Feuer urch. schmiede es noch einmal — so, wie es sich gehört! ^
„Ein Mann nach meinem Herzen!" dachte Paschkin bet
sich und trat näher. , r , ,
Sobald Stepan ihn bemerkte, verschanzte er sch hinter der Maske eines blöden Lächelns. Aber es war zu spät . . .
Ein Hufeisen für den linken Hinterfuß des Handpferdes!"" befahl Paschkin. „Mach du es selbst!" ,
Da ahnte Stepan, daß die Zellen geruhigen Friedens
für ihn vorüber waren. ,. , 0 ..
Und )vo hast du dch während all die,er Zeit versteckt gehalten, Jline?" fragte Paschkin, der dem jungen Schmied
bei der Arbeit zusah. ^ -
„Ich bin immer hier in der Schmiede gewesen. Bei meiner Arbeit, Exzellenz," antwortete Stepan und schwang den Hammer, daß gewaltige Funkengarben hervorspruhten. „Erinnerst dir dich an den Rappen,hwr? „
Es ist einer der beiden von 'L-elemsmsk, Exzellenz. "Ganz richtig. War ein famoses Geschäft! Und es geyt
dir gut, Stepan Jwanowitsch?" f
„Ich arbeite schwer, Exzellenz, und habe mein Aus-
^OTTtlttCTt ^
‘ „Hm. Auf einen Teil von deiner Zeit muß ich voir nun ari Beschlag legen, Jlme. Nteine Räte taugen nchts. Lund lauter Dummköpse. Ich braiche frisches Blut rm Rat mm Zeit zu Zeit, mtb es scheint mir, als wärest du der rechte Mann für mich, Stepan Jwanowitsch. Ich ernenne dich zum Mitglied meines Rates. Du wirst morgen schon an der Sitzung teilnehmen." v A
Stepan Jlrne verbeugte sch.


