Der endlose Weg,
Mo man aus Sibirien. Kon I. O x e n h a nt.
Autorisiert — Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
' ■ Weiter ging es- und auf allen Stationen zogen sie Erkundigungen ein, aber nirgends war der alte Jline vorbep- yrkommen, noch hatte man irgend etwas von ihm gehört. In Wersinsk gi'ng Stepan sofort zum dortigen Gouverneur und dann zum Chef der Polizei und wurde von beiden kühl aufgenommen. Auch diese beiden bestätigten ihn:, daß Iwan Wersinsk nicht erreicht habe. Die Leiter der Silbermine konnten ihm gleichfalls keine Auskunft geben, mochten ihm gcgen- über auch kann: den Mund auf, denn in Wersinsk fürchtete und haßte man Paschkill und eilten jeden, der von ihm kam. Mur mit. großer Mühe gelang es Stepan, sie davon zil überzeugen, daß er kein Träger von Unheil war. Von Iwan Jline wußten sie nichts. Sie hatten nur gehört, daß Paschkill einen seiner Räte nach Wersinsk abgesandt habe, um sie für ihre Unpünktlichkeit im Absenden des Tributs zu bestrafen, und Hatten seitdem tu Furcht und Angst gelebt. Doch- niemand war gekommen. Dann- als Stepan kam, hatten sie ihn.für den Abgesandten deß Mannes mit der eisernen Faust gehalten. —
/Ich fürchtete zuerst, Puschkin würde mir einen derartigen Auftrag mit ruf den Weg geben/' sagte Stepan, „und Aufträge Puschkins lehllt man nicht ab. Er tat es liicht — ich Habe weder Vollmachten noch Aufträge. Aber wenn ich euch einen Rat geben darf,' so ist es der, in Zukunft den Konvoi v früh abzusenden/daß er pünktlich eintreffen, muß wie chlecht auch die Wege sein mögen. Trlt ihr das,l so habt ihr Ruhe vor Paschkin. Tut ihr es nicht, so schwebt stets der Strick des Henkers über ellch!"
Da setzteil sie ihm mit vielen Worteil auseinander, mit welchen Schwierigkeiten sie zil kämpfen hätten, wie unsicher der Ertrag der Minen nnd wie unberechenbar die Zilfälle der langen Reise des Konvois seien.
/Puh!" sagte Stepan. „Paschkin hängt euch zuerst auf nnd nimmt dann vielleicht von euren Nachfolgern Entschuldigungen entgegen. Merkt euch das!"
Und sie merkten es sich.
Daiin fragte er sie die Kreuz uub die Quer aus, denn der Gedanke war in ihm aufgetaucht, daß diese Leute von den Minen, die seinen Vater als Sendboten Puschkins fürchten Mußten, ihn vielleicht abgefangen und unschädlich gemacht hatten, aber er entdeckte Nichts, das ihn in diesem Verdacht bestärkte. So blieb ihm nichts übrig, als Endgültig anzuneh- Men, daß sein armer Vater zwischen der siebzehnten und der achtzehnten Station durch irgend einen Unglücksfall den Tod gefunden hatte: Iwan Jline, der Schmied von Irkutsk, war ftn Dienste des Gouverneurs Paschkin zugrunde gegangen. v
Auf der Rückkehr entschädigte Stepan den Stationslei- ßer der siebzehnten Station für den Verlust der 'Pferde, die
sein Vater dort requiriert hatte, und die mit ihm verschwunden waren, und in der Nacht des achtundzwanzigsten Tages erreichten er und Feodor Sabine Irkutsk. Fünfundzwanzig Tage hatten sie zu der Her- und Hinreise und ihren Nachforschungen gebraucht,' und drei Tage hatte ihr Aufenthalt in Wersinsk gedauert.
7 .
Ein neuer Schatten. Stepan Jline wird der Nachfolger seines toten Vaters in Puschkins
Rat.
Marya Petrowna und Katia Wassiliewna wußten sich kaum zu fassen vor Freude über Stepans Rückkehr und begrüßten ihn, wie man einen lieben Menschen begrüßt, der durch ein Wunder dem Tode entronnen ist. Traurige Gewißheit brachte er, aber ihn hatten sie doch wieder!
Viele Stunden lang saßen sie zusanrnlen um den warmen Ofen itt der ersten Nacht,' und Stepan erzählte, wie sie den Weg von Station zu Station abgesucht hatten, und daß der Vater Wersinsk nicht erreicht habe und zwischen der siebzehnten und achtzehnten Station verschwunden sei.
Still hörte Martza Petrowna zu.
/Gott möge Paschkin strafen," sagte sie, als ihr Sohn schwieg, „denn meinen Mann hat er in feinem bösen Zorn auf unschuldige Menschen in den Tod gesandt."
Früh am Morgen ließ Stepan sich beim Gouverneur melden, um ihn: das traurige Resultat feiner Nachforschuiv- gen mitzuteilen. Paschkin saß an seinem Schreibtisch uub arbeitete an einem riesigen Aktenstoß.
/Ich bin von Wersinsk zurückgekehrt, Exzellenz."
JÄ der junge Jline. Null - und dein Buber? Er Ist mit dir zurückgekounnen, tutb pme unpünktliche Gesellschaft in den Minen ist bestraft worden, wie ich es anvrdnete?"
Stepan schüttelte den Kopf.
„Mein Vater hat Wersinsk nicht erreicht, Exzellenz."
/Was? Wo ist er dann hin? Wo steckt er?"
/Er ist tot, Exzellenz. Alls der siebzehnten Station wechselte er zuletzt die Pferde, und auf der achtzehnten Station ist er niemals angekvmrmm. Der Fluß hat ihn verschlungen mitsamt Wagen uub Pferden. Nicht einmal seine Leiche konn- ten wir finden."
„Hm. Und daun kehrtest du zurück?"
„Nein, Exzellenz. Ich reiste weiter nach Wersmsk, um mich auch dort zu erkundigen und so nichts unversucht, zu lassen — —"
/Ah!" unterbrach ihn Paschkin, uiid feine Augen leuchteten auf. „Du warst in Wersinsk! Du hast also dafür gesorgt daß die Schuldigen dort gehenkt wurden!" .
„Exzellenz gab mir keine dahmlautenden Befehle. glaubte, nur die Aufgabe zu haben, nreinen Vater zu suchen.
Da wurde Paschkin kirschrot im Gesicht vor Wut.
/Dummkopf!" stürmte er. „Narr!! In Wersmsk warst


