Ausgabe 
17.8.1918
 
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Papier hasten. Ajuf der Brücke dieses Blickes glitt die Idee in des Mädchens Zluge, daß ihm plötzlich Tränen hervorstürzten.

,Mas hast du," erstaMte eine tiefe Stimme neben ihr. Tpch ßäs Mädchen schüttelte nur den Kopf und wies mit der Land nach dem Kronleuchter. Der Dichter, denn dieser hast« gefragt, stch nach oben.

Das Megenpapier?" fragte er kopfschüttelnd. Das Mädchen b den Kopf und sah das verständnislose Gesicht ihres Freundes, a mußte sie lächeln.

Laß nur," sagst sie mast Md tupfte sich Hst Wimpern mit 8em Tüchlein, das mild nach.S&ifdm roch.

Ter Dichter .starrte noch immer nach dem Fliegenpäptzp. Wuf einmal war ihm, als .flöge etwas an ihm vorüber. Er haMe Ast der Hand danach, wie stach einem, Schmetterling. Tann schlag er mit der geballten Hand aus den TM.

Fitscherl!" schrie er,das ist .ja eine Idee!"

Za, ich weiß nicht, was es ist," sagte das Mädchen. . Der Dichter aber zog -eine spitze Bleifchjer Md ein Notizbuch hervor Und spießte die Idee aus einer weiße»! 'Seste auf. Ta war sie wieder gefangen, wenn auch diesmal in einem Papterhestchien in der BrusttLsche eines Dichters.

Es war sehr mg imb dunkel in der Tasche, zudem roch es stark krach Tabak aus einer Mutzpfeife, die einträchtig neben dein Notizbuch sich, an die Tichterbrnst schmiegte. Der .Idee wurde es ans die Tauer unbehaglich an so finsterm Ort. Sie rumorte und zappelte, daß es dem Dichter Qm% warm in der Hertzgegend wurde,,

Was hast du dir denn da ausgeschrieben?" fragte Fitscherl.

Tie Idee, mein Schatz," sagte der Dichter warn! Md nahm des Fitscherls weiches, weiches 'Samtpfötchen in seine hageren Finger.Siehst du, das, was dir da eben in die Augen geraten ist, Fitschierl!"

Fitscherl Mußte liachen.Was du auch für Ideen hast, Schorschl, nrir ist ja gar nichts in die Augen geraten."

Doch, doch," lächelte der Dichter spitzbübisch.Und jetzt, siehst du, steckt es in meinem Büchiel sein drin und entwischt mir nimmer. Und wenn's gut .geht, wird's ein Feuilleton, kommt in eine Zeitung, wird gelesen und bezahlt, und mein Fitschprl bekommt das sSanrtjackett, das sie sich schon so lange getnünscht hat."

Geh mit deiner! Ideen, Schorschl, das Samtjackett möcht' ich sehen." I Wessen war dem Dichter so brührvarm am Herzen ge­worden. Tie Wärme stieo : . u '? bis zum Kopfe. Herrgott, lvar das eine Idee daß die ih,.. zu schaffen machst, das war- eine von den siebenmal genähten.

Geh'n wir!" sagte der Dichter plötzlich und brach auf. W war ihn: unbehaglich, solch eine ausge'wachfens Jdds mst ftch herukn-, fchteppeu Mk müssen, die einen! keine Ruhe ließ. Fitscherl .schmolltet Aber er sah es gar nicht. Und als sie schieden, sagte er nun; Vielleicht wird's ein Roman, Fstscherl!"

Tann saß er plötzlich in seiner kahlen Stube am Tisch. Vor ihm weißes Papier und ein Fläschchen Tinte.

Findessen hockte die Idee ans dern Notizblock wie eine aller-, liebste Liliptttnymphe und sah mit blanken Augen dem Tinten-, gekritzel zu.

Was nrachst du da?" fragte sie endlich den Stöhnenden.

Ich ?" Er sah auf.Dummes Ding. Ich erlöse dich, oder magst du ewig in diesem Notizbuch eingeklemmt sein?"

Tie Idee lächelte vielsagend:

Also los sein willst du mich, Tichterlein, he?--

Feigling!"

Ter Dichter brummte nur:Nicht deinetwegen, dn Grasaff, Fitscherl braucht ein Samtjackctt, daß du's weißt."

Lllso, wenn ich das gewußt hält'," schrie die Idee,daß ich Hst so ein Handelsartikel bin, du du^ Seeleitverkäufer, dann wäre ich dir weit vom Schuß geblieben, daß du's weißt !"

Also bitte, unterbrich mich nicht in meiner Arbeit," schnauzte der Dichter.Es uniß dir übrigems eine große Ehre sein, von einen! Dichter

Pah," machte die Idee, drehte dem Dichter eine Nase und schwupp war sie verschwunden. Der Dichter riß die Angen auf,

r izte die.Finger. Wie denn was war denn mir der Idee? blätterte durch die Bogen, führ sich! durch die Haare, sprang auf. Fang mich!" piepste es ans einer Zimmerecke. Ter Dichter stürzte dem Schall nach.Fang mich!" klang es unter dem Tisch hervor. Auch dort suchte er sie. Bald von! Schrank, bald aus dem Ofeneimer, bald von'. Fenstersims. Ter Dichter tobte.

Mit einem Fluch sank er endlich aufs Sofa zurück, suchte mechanisch die Mützpseife hervor und begann die erregten Nerven durch Rauchen zu beruhigen. Wahrend er.paffte, streckte die Idee ihr kapriziöses Köpfchen durch! den Rauch dein Dichter entgegen Md luchste:Aber hier bin ich ja. Was suchen denn Euer Gnaden?! Gefesselt an Euer Gnaden garstiges Notizbuch harr' ich Eures Winkes!"

Seltsam, dachte der Dichter, ivahreud er nun wieder schrieb. Genau 'trne Fitscherl. Und er schirieb nud schrieb und schrieb. Die Nacht verging, und der Tag graust.

Weißt du," sagte dst Zdee eines Tages zu ihm,ihr Dichter seid doch Käuze. Warum plagst du dich mit mrr kleinen Zdee wie ein Hvlzhacker ab? W ar nur dieses Hokuspokus mit Bannen" undErlösen"? Wäre ich doch! einem Bänkdirektör!

m

«uf das Scheckbuch gezogen oder einem Minister in die Aktenmappe

däs wäre amüsanter gewesen, <als dst Fetzt Modell sitzen zu Müssen."

Viellstcht," nickte der Dichter,vielleicht aber Hätte der BanMrektor aus dst eine neue Anleihe und der Minister einen! Neuen Gesetzentwurf gemacht."

Und was machst du aus mst wenn ich Fragen darf?" fragst dst Idee und blinzelte dem Dichter über die Schulter.

Einen Menfchheitsroman!" knurrte der Dichter, während s<iM Feder mst so flog.

Emm MensichtzeitsromM?" erstaunte die Idee,und dazu hätte ich dich begeistert?"

st," brummte der Dichter.

Wer jetzt sei so grtt und Mr' ffttg nicht mehr fertig!" tichterlein!" lispelst sie.Wann

mich Nicht, sonst werde ich

Ntur nach eine.Frage, mein wirst du mich endlich! befreien?"

Wann?" machst d«r Dichter.Bestenfalls in einigen Mo­naten, wenn ich mit meinen! Buche fertig bin.!"

Das ist ja zum Wahnsinnigwerden!" stöhnte die Idee.Wäre ich doch an: Fliegenpapier sitzen geblleben!"

Der Dichter lächelte.

Plötzlich begann die Weine Idee zu bitten und giu; schmeicheln. Wenn du deine kleine Idee lieb hast!, .Dichter, gib sie frei," dÄtelst sie,wirs das dumme Malrnsknpt fort. Es ist zu nichts Nütze."

Der Dichter schüttelte nur den Kopf., Am nächsten Tage, als er wieder über sein Manuskript gebeugt' saß, begann die Un­holdin wieder zu bitten Md Art betteln. Mst allen Liste»! umgarnst sie.den Fleißigen, malst ihm ans, wie draußen das Leben lockst Md iOlitf ihn warst, während er seine Zeit an ein dummes Ma­nuskript versOvmde, riet ihm, ans das Fitscherl besser acht zu geben, wenn er nicht wolle, daß es por lauter Vernachlässigung' seinerseits einenFreund ohne Ideen" ihm, dem Dichter, vor- ziehe. So toll trieb «S die kstvst Verführerin, daß sich! der Dichter tauf ein Haar überreden hieß, das fast ferttge Manuffript zu ver­nichten unb HinauKzneilen.in den blühenden Sommertag, da kam Fitscherl. Oher vielmehr ein Brief mst ihrer kindlich! störrtgen HaUdschrist. Er habe sie zwei Monate lang sitzen lassen, sie glaube Nicht mehr an das Saintjackett, er solle mst seiner .Idee glücklich werden, überhaupt ein Dichter, so einen nähme sie nicht uneder, M .jetziger seiKonfektionär", was schon ganz anders klinge, und Überhaupt sei er Kavalier vom Übrigens tadellos-, zogenen Scheitel bis zur Lackschiuhspitze.

Fitscherl!" rief der Dickster aus.

Siehst du?" zirpte die Idee.

Nun ist schou alles eins !" sagst er .und zerriß statt feines Werkes den Absagebrief. Tauchte die Feder tief in die Tinte Md schrieb und schrieb ohne AuMven bis zum Schluß. Und Äs er fertig war und das WortEnde" MtÄ das Manuskript gesetzt hatte, stand er auf, \vk nach einem langen Traum. Er fuhr sich über die Stirn und nahm einen Schluck Wässer.

So, meine kleine Idee, jetzt sino wir miteinander fertig und du brst frei" wollte er sägen, indessen, soviel er sich auch km Zimnwr umsah, er «rttdeckst uicksts mehr von ihr. Am Ende war sie ihn! schon längst entwischt, und er Hatte es nicht bemerkt.

Es war schnml im Zimmer. Er riß das Fenster auf. Ter kühle NacUwind strich Wie eine weichfellige Katze an ihm vorüber, die Nacht stand still imd ernst Wer der Stadt, die ihren Licht­kreis gegen. Pas dumpfe Schwarz -warf. Die Sterne blinzelten wie neugierig fragende Muigen in den dunklen WeMrjWlmd hrnatz.. Ta war es dein Dichter, als sei der ganze Himmel eine dnrchtlöcherst Zeltleinwand, hinter deren Mchhasten Ritzen Engelsangen in die Welt lugten. Und das eine zwinkernde Aeuglein, das ihn grüßte, erschien rhm so vertraut. War Pas nicht das verstohlene Blinken, das ihm nächtelang Kopf und Herz warm geinnckst? War's möglich? Tort oben am Himmel hing seine kleine Idee und lachte ihn, den Dichter, aus . . .

Da nahm er sein Taschentuch und winkte hinaus in die Nacht, dern ferne lächelnden Sern zu ....

UWulim mh Lisch ereiwesen Im Baltenlande.

Aus Livland wird uns geschrieben: '

Unter den vielen Wirtschaftszweigen im Baltenlande, die als noch sehr ansbansähig zu gelten haben, nehnchn Fischzucht und -fang nicht die letzte Stelle ein. Zwar sind aus diesem Gebiet ist den letzten Jahrzehnten dank der rührigen Tätigkeit des über die Grenzen der baltischen Ostmark hinaus bekannten Ichthyologen! M. v. z. Mühlen und einiger Speziälvereine manche erfolgreiche Maßnahmen durchgeführt worden. Andererseits standen aber und stehen noch den! Bestreben, die baltische Fischknltnr und das'Fische­reiwesen auf die Hohe zu bringen, manche elementaren Hindernisse im Wege. Hierzu gehört vor allem die Mehrherrigkeit vieler Ge­wässer. Die ^Ansätze von Fische r e ige s c tzge b un g, Fischereipolize>, Brut­schonung usw. versagten in solchen mehrherrigen Gewässern völlig, infolgedessen dort in der Mehrzahl der Fälle, ganz besonders aus denk Peipnssee, eine stärk verwüstend wirkende Raub fisch er ei betrieben wurde. Unter.'der Voraussetzung der befriedigenden Klä­rung dieser wichtigen Rechtsfragen, geeigneter Maßnahmen gegen die Versumpfung vieler Seen usw. bieten die baltischen Provinzen, besonders Liv- und Kurland, ein ungemein fruchtbares Gebiet für die Fischereikultur großen Sttls.