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eilten sehnsüchtigen, angstvollen Warten. Ein Festmahl hatten sie dem Vater bereitet, zum jubelnden WtllÄmmen; doch dre Speisen verdarben, denn er kam nicht, und sre hatten kerne Lust zum Essen. Endlich legten sie sich müde nieder zum bewert: ' . t
/Morgen wird er kommen! ^ . .
Mer keiner von ihnen fand Schlaf m lener Nmpt, noch in der nächsten Nacht, denn Jline, der Schmied, kam auch am Ändern Tag nicht. Zwei, drei, vier Tage vergingen, und aus hem angstvollen Sorgen wrrrde eisrge Furcht. Der wtzte Funke von Hoffnung war erloschen.
/Ich gehe zu Puschkin!" sagte Stepan plötzlich.
Da fielen sich die beiden Frauen wernend m dre Arme, denn jetzt wußten sie, daß auch', Stepan daran verzwerferte, fdttett Vater jemals wiederzusehen. . „ _ ,
Mh, Stepan Jwanowitsch, du brst es? Hast du von deinem Vater gehört?" knurrte Paschskin, als Stepan endlwp vorgelassen worden war. .
/Nein, Exzellenz. Wir beginnen, in-schwerer Sorge um
ihn zu sein. Wir fürchten-."
//Was fürchtet Ihr?"
„Wir wissen es selbst nicht, Exzellenz. Aber er hatte schon längst zurück seinmüssem" c „
/Allerdings. Aber die Straße rst ich recht und stellenweise überschwemmt, wie man mir meldet. Wir werden noch zwei Tage warten." „ ...
Mud wenn er auch dann nicht kommt, Exzellenz? Puschkin zuckte die Achseln. . ^ u „
„Ich möchte nach meinem Vater suchen, Exzellenz. „Wo?"
", Zwischen hier und Wersinsk." , . . ,,, ,
,I,Hm. Das ist ein weiter Weg nnd eine schwierige Aufgabe. Aber du verstehst es ja, rasch zu reisert, Stepan Jwanowitsch. Ich gebe dir die Erlaubnis." , , .
„Und Eure Exzellenz gestatten nur, offiziell im Namen von Exzellenz zu reisen?"
„Ja. Melde dich bei mir m zwei Tagen," brummte Paschkiu, und Stepan ging versorgt iiach Hause, um dre Vorbereitungen für die Reife zu treffen. ,
,',Mußt du denn gehen?" fragte Katta totenblaß, als
er es ihr sagte. _ . ö
ZWas bleibt uns sonst übrig, Katmka?" sagte er, sie zärtlich streichelnd/ während sie sich an ihn anklammerte, ach könne sie ihn nicht lassen. „Ich muß nach ihm suchen. Er mag krank in Wersinsk liegen oder irgendwo an der großen Straße. Irgend etwas ist ihm zugestoßen, sonst würde er hier sein. Ich muß gehen. Lieber das Schlimmste wissen als dieses
Hangen und Bangen." . . cm u
„Ja, du kannst nicht anders," sagte sern Wech m verzweifelter Ruhe. Meine Mutter zermartert sm) das Herz vor Angst. Aber du wirst so vorsichtig fein, wie du es nur sein kannst, Stepan? Wenn du nicht zurückkommen wurdest
zu mir, Stepan-" ^ m ,,
„Ich werde mein Bestes tun. Und du wirst gut zu Mutter sein, Kleine, und sie aufheitern, während ich tücht da b'm?
„Ack, ich werde ja selber keine ruhige Stunden haben, bis du wieder da hist," rief sie schluchzend. Fast wäre er schw'ach- gewsdrden. Aber der Weg lag ja so klar vor ihm, es war offenbar seine Pflicht, zu reisen!
Als die beiden Tage vergangen waren und Stepan von Pgschkin die Pässe erhalten hatte, die ihn ermächtigten, Pferde und Hilfe in Anspruch zu nehmen, wo immer es ihm gut dünkte, trat er die Reise an, mit Feodor Sabine, einem der .Gesellen aus der Schmiede,/,als Begleiter. Zwar raubte dies der Schmiede eine Arbeitskraft, die eigentlich, dringend gebraucht wurde- aber Katia hatte ihn so lange gebettelt, doch nicht allein zu-reisen/-daß er schließlich nachgegeben hatte. Der Abschied wurde ihm so schwer wie den Frauen, die ihn immer und immer wieder umarmten und küßten und endlich weinend niederknieten vor dem Heiligenbild im Wohnzimmer, während in der Ferne das Geläute seiner Tarantaßglocken verklang ...
Sieben Taae lang waren Stepan und sein Begleiter imstande, die Spuren von Iwan Jline von Station zu Station und Hans zu Hans zu verchlgen. Ueberall, wo der Schmied Pferde gewechselt hatte, erinnerte man sich wohl an den alten Mann, der in so haftender Erle für Paschkiu reiste.
Auf der ersten Station fanden sie die beiden Braunen, die der Schmied dort gelassen hatte, und fuhren mit ihnen bis
J ur nächsten Station. Sie waren nur langsam vorwärts ge- ommen im großen und ganzen, denn oftmals an jedem Tag
müßten sie Stellen passieren, so voller Löcher, so gefährlich, daß ein unachtsamer Fahrer oder einer, der über schnellem Borwärtskommenwollen die Vorsicht vergaß, ein Dutzendmal im Tag in sein Verderben hätte rennen können. Derartige Stellen suchten sie jedesmal voller Angst sorgfältig ab, um zu ibrer unbeschreiblichen Erleichterung immer am nächsten Halteplatz zu hören, daß Iwan Jline, der Schmieds dort vor- beipassiert sei und frische Pferde requiriert habe rm Nanien Paschkins. .
Als sie Wersinsk immer näher kamen, wurde Slepans Herz leichter) und er begann, zu hoffen, daß sie ihn dort m den Minen finden würden,» krank, oder ausgehalten durch irgend einen unberechenbaren Zufall; denn zurückpassrert aus
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Der achte Tag jedoch machte allen Hoffnungen ein Ende. Ans der siebzehnten Station hatte Iwan Jline die Pferde gewechselt (man erinnerte sich dort genau an tfm),— auf oer achtzehnten Station war er nie angekommen! Keinen Reisenden hatte man dort gesehen, seit der Konvoi von den Stlber- minen durchgekommen war! Zwischen der siebzehnten und achtzehiiten Station der Straße nach Wersinsk war >zwan Jline, der Schmied, verschwunden.
Der Stationsleiter der achtzehnten Station war em guter Mensch und hatte obendrein eine furchtbare Angst vor Paschkiu. Er hals ihnen, wo er nur konnte.
„Die Straße gerade hier ist selbst in der besten Zeit er- bärmlich schlecht/' erklärte er ihnen. „Jetzt, wo hoher schnee liegt, geht es noch. Bor einem Monatjedoch, als alles überschwemmt war, konnte man auf dem direkten Weg überhaupt lischt passieren, sondern mußte von der sechzehnten bis zur neunzehnten Station die Schleife oben in den Hügeln fahren. Der Mann, den ihr sucht, ist tot. Nahm er diesen Weg, wie ihr sagt, so ist er meilenweit in Wasser gefahren, das den Pferden bis an die Bäuche reichte, und von der Straße av- gekouimen in den Fluß, da er den Weg nicht genau kannte. Mein Gott — sein Leichnam mag jetzt schon hinausgetrie- beu sein ins Meer!" , ; J
Stepan und der junge Schmiedegeselle lauschten entsetzt.
Am andern Morgen suchten sie mit dem Stationsleiter viele Meilen weit abwärts die Flußbänke ab. An den Ufern jedoch waren die Wasser des Flusses zu harten, eisigen Massen erstarrt, unb nur in der Mitte rollten träge die grauschwar- zeu Fluten dahin wie eine unheimliche, nimmer endende Prozession. Regungslos sahen die Wasser aus, und doch krochen sie vorwärts, unerbittlich, und da und dort zeigten kaum bemerkbare Strömungswirbel nnd Kreise, wie gefährlich dieser Fluß war trotz seines stillen Aussehens. Die Suche war von vornherein aussichtslos; unter den Uferbänken ewigen Eises und in den grauschwarzen Wassern konnten tausend Leichen verborgen liegen in alle Ewigkeit.
Moi," sagte endlich der Stationsleiter. „Wir suchen umsonst. Der Fluß hat ihn verschluckt. Du wirst ihn nie Wiedersehen."
Stepan starrte auf die Wasser.
„Ich gehe vorwärts nach Wersinsk," entschied er end- lich. „Zwar werde ich. dort meinen Vater nicht finden, aber ich will ganz sicher sein/ daß er Wersinsk wirklich nicht erreicht hat."
(Fortsetzung folgt.)
Der Dichter und die Idee.
Skizze von Paul Alexander Schettler.
(Nachdruck verboten.)
Es war einmal eine Idee. Tie schaukelte sich an einem schmutzigem, fleckigen Kronleuchter eines noch schmutzigeren, fleckigeren! Kaffeehauses. Richtiger gesagt, sie schaukelte sich an den: Fliegenleimband, das von diesem Kronleuchter korkzieherhaft Herabbaum elte^ Weiß Gott, wie die kleine Idee hier in dieses Kaffeehaus geraten uüd ihre Freiheit an diesem Fliegenband eingebüßt hatte, das doch nichts anderes, als eben kleine, lästige Fliegen sestpappen sollte. Tort saß nun die Idee, und, all i«hr Zappeln half ihr nichts. Ter Fliegenleim war cm bestechlich.
Mer die Idee hatte einen guten Freund, den Zufall. Ter verlieh sie auch nicht in ihrer Not. Unter dem Kronleuchter in der Kaffestnbe stand ein Marmortisch An diesen! Marmortisch aber..saß eine Tame oder ein Mädchen — was galt?s. sie sah blaß aus, obwohl sie kokett und bunt bekleidet war, und ihre AugM starrten stumpf in das Getränk, das por ihr aus dem Tische stand, und in weMm sie mechanisch mit dem Löffel rsthrto.
Ter Zufall, seines Zeichens Schwerenöter, trat Mst von rücklings an das bleiche Mädchen heran, .faßte es unters Kenn und hob seinen Kopf. Tie . Augen blieben wie von selber an dein Fliegend


