Ausgabe 
10.8.1918
 
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Roman aus Sibirien. Von I. O xe n h a m. Autorisiert Nachdruck verboten. (Fortsetzung.)

P e t.e r K r o p m a ch t u i ch t s o gute G e s ch a sie, w i e er er!v ar tete. Die H \o chzeitsglo cken ! ä ute tt und St epa n I l i ne kehr t heim m it einer Fran und ^ den Rappen.

Marya Feodorolvna, so glücklich und so stolz sie auch tvar als Mutter, wußte wirklich nicht mehr, wo ihr der Kopf stand vor lauter Sorge und Nachdenken über das gewaltige Problem, eine Tochter. Binnen zweiundsiebzig Stunden zu verheiraten! Man denßk binnen ziveinud siebzig Stunden!! Eine Heirat binnen drei Tagen in einem Dörfchen, das nur einen einzigen Kramladen besaß, in dem aber auch gar nichts Kn kaufen war von all den Dingen, die eine Dochter von Mvrya Feodorowna nritbringen m!!te in die Che, sollte ihre Mutter sich nicht schämen! So pendelte Marya Feodovowua hin und her Wischen mütterlicher Glückseligkeit und haus­fraulicher Berzioeislrrng.

Doch ein lustiger Zufall (Marya Feodorowna schwor zwar darauf, daß dies kein Zufall sei, sondern der Himmel selbst ein Einsehen gehabt habe!) sandte früh am Morgen oen guten alten jüdischen Händler ins Dörfchen, den jedes Kind in Selemsinsk kannte, und den dis Frauen liebten und haßten zugleich, war er doch ein lieber Freund, weil er so seine schöne Dinge mitbrachte aus seiner». Karren, aber auch ein böser Feind, mit dern man sich bis aufs Blut abzankeu mußte um jede Kopeke' Zweimal im Jahr kam der alte Hausierer regelmäßig nach Selemsinsk, und jedesmal war sein Kommen ein großes Ereignis gewesen in Kallas Leben, denn wenn man auch nicht alles kaufen konnte. was man Aar Ml gerne gehabt hätte, so konnte man doch schauen und stau­nen über all die tzoerrlichleiten und Schätze, und noch wochenlang nachher schwatzen darüber. Und nun kam der alte Jude gerade, wenn man ihn am notwendigsten brauchte.

- Sein Karren hielt vor der Türe der Totsind. In zwei Miauten hatte er die Situation vollkornmen erfaßt? Ein« einzige weitereMinute genügte ihm, um zu beschließen, seine Preise für diese besondere Gelegenheit gehörig in die Höhe zu schrauben! Die Zeit drängte ja, und Mart-a Feodorowna sah so glücklich und so weich aus, und diesmal wertigste ns würde sie ganz bestimmt nicht sich um Kopeken herumstreiten mit ihr«, wenn sie auch sonst die große Kunst des Handelns und Schachernd so meisterhaft beherrschte wie er selbst.

Aber er hätte Frau Dotsin wirklich besser kennen müssen rwch so vielen Jahren! Zwar drängte die Zeit wirklich. Katias Stunden im Vaterhaus waren gezählt. Um alles in der Welt jedoch hatte Frau Dotsins janckM^rde Seele sich

das Vergnügen nicht rauben lassen, nach Herzenslust Mr handeln und zu mäkeln, nun, da sie zum erstenmal seit langen Jahren dem armen Dotsin eine ganze. Faust voll Rubelscheinen abgepreßt hatte (einen schweren Karnpf hatte es zwar gekostet), und alles kaufen konnte, wonach ihr Sinn stand. Glückselig, als sei sie selbst die Braut, durchwühlte sie des JUden Packe. Sonst hatte sie ja nur das Allerno twen- digfte kaufen dürfen und seufzend die schönsten, preiswerten Einkäufe sich versagen müssen. Ah, diesmal war es anders! 5tatia sollte eine prachtvolle Aussteuer haben! Totsin schimpfte zwar, aber was verstehen, denn Männer von solchen Dingen, und was kümmern sich kluge Frauen über brummende Ehemänner!

Die Schlacht begann. Me eine Heldin kämpfte Ntarya Feodorowna um Stück für Stück. Lockend hielt sie dem alten Inden ihre Rrrbelscheine unter die Nase uird setzte ihm aus­führlich und beredt auseinander, daß doch sie nicht darunter zu leiden gedenke, wenn er es nicht verstehe, billig einzzr- kaufen. Seine Waren im all genreinen nannte sie Schund; seine prächtigsten Stücke im besonderen wertlosen Dand. Zw Rürnpfen ihrer Nase lag unsägliche Geringschätzung. SLv schrie lauter als der Jude und fuhr noch mehr mit den Händen in der Luft herum als er. In jubelndem Bewußtsein^ eine wichtige Einkäuferin im großen zu sein, bot sie Preise an, über die der Jude entsetzt zusammenschauerte, uitb die ihn so erregten, daß er schwitzte vor Angst und Entrüstung. Es dauerte nicht lange, so versammelte sich eine Schar von Nachbarn um die berden, um lachend und schwatzend den Kampf der beiden Titanen mitzUgenießen. Peter Krop, der Jude, schwitzte immer mehr und schleppte endlich all seine Packe ins Hans. Nur hinter verschlossenen Türen wollte er mit Frau Totsin verhandeln und nur nach einem feierlichen Schwur, daß kein Mensch je etwas darüber erfahren dürfte, gestand er ihr endlich Preise zu, über deren Niedrigkeit Marya Feodorownas Herz vor Freuden hüpfte. So froh war sie, daß sie Peter Krop sogar zum Essen entlud, zunr Ent­setzen von Wgffili Wassiliewitsch, der sich von allen Seiten gewalttätig ausgeplündert vorkam. Die Tochter nahm man ihm weg, die schönen Rubelscheine, und nun auch noch das Essen. Maßlose Verschwendung schien es ihm. So, roie er Juden kannte (und er kannte sie gut), zweifelte er keinen? Augenblick daran, daß Peter Krop einen Prosit von noch mindestens fünfzig Prozent an all den Sachen machte, so sehr er auch jMNmerte imd so viel er auch schwur und be­teuerte !

Und lvahrhaftia! Trotz des Scha adernd nrrd des Schwitzens schrttnrizelte Peter Krop vergnügt, als er seiner Wege zog, und so waren sie alle sehr zufrieden, nur Wassili nicht.

Das touren wichtige Tage! Die Frauen der Nachbar­schaft verrichteten nur die allerrwtwendigster i Arbeiten da­heim und ließen alles andere liegen und stehen, um Marya Feodowwna zu Helsen. Gearbeitet wurde in diesen Stunden bei derc Dotsins tvie in einem Menenbaus und geschnattert