Ausgabe 
7.8.1918
 
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Der endlose Weg.

Romall aus Sibirien. Von I. O x e nh a m. Autorisiert Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Du..."

Und nie tu meinem .Leben konnte ich das Gesicht von Kleiu-Kallnka vergessen. Im Feuer der Schmiede leuchtetest du für mich, im Wald huschtest du vor mir hin, int Wasser­spiegel sah ich dich und immer irr Dräumorr. Mein ganzes Leben taug warst du es, die ich liebte und nach der ich mich sehnte, Katia!"

Du warst der Brrb?' Sie mar über und über rot ge­worden.

Ja, der schmutzige Junge. Und tru.it bin ich ein Mann, und endlich Hab' ich dich gesunden. Kallnka Kalla . . ."

Ich muß meine Eltern holen," sagte sie hastig, legte das schlafende Kind in die Wiege und schlüpfte zur Düre

f .nans. Irr wenigen Minuten kam sie zurück mit ihrem ater, ihrer Mutter und ihrer Schwester Varia, die alle sehr verwunderte G«esichter machten, so wenig Katia ihnen auch irr der Eile hatte erzähle»! können. Katia trat als letzte in die Stube und versteckte sich ein /wenig hinter den anderen.

Ich bin Stepair Jline, der Sohn vorr Iwan Jline in Irkutsk," begann Step au.

Jline der die Pflüge macht?" fragte Dotsin. Kattas Vater mochte etwa sechzig Jahre alt sein und war ein nragerer, schon etn wenig gebeugter Mann, mit einem langen, schmalen Glesichi, das wirres, graues Haar und etu struppiger grauer Bart nur rahm te. Seine kleine Augen blickten lebhaft und hatten etwas Listiges. Bob zwanzig Jahren war er als Verschickter nach Selemsinst

g lommen, weil Selemsinst Männer brauchte und es einem lizeigewalllgeu irr Dotsins kleinrussischer Heimat miß- len hatte, daß er sein Dreigespann mit Zügeln kut­schierte, statt hübsch bescheiden nebenher zu lausen. In Sibirien fuhr Dotsin jetzt sogar sechsspännig, wenn es ihm beliebte. Kein Hahn krähte danach.

Seine Frau, Marha Feodorowrra, hatte im Gegensatz zn ihrem Mann gar nichts Mageres und sah rnit ihrem rundlichen, immer lachenden Gesicht unendlich gutmütig aus. Bon ihr hatten die Töchter die wunderschönen dunkel­blauen Augen.

Irr Barias Zügen lag nicht viel Aehulichkeit mit ihrer Schwester. Sie war auch viel älter. Ihr Kind te erst, drei Monate und sie war noch schwach. Bleich und still saß sie da und sprach in Gegenwart des Fremden kaum ein Wort

Stepan nickte auf Dotsins Frage.Er ist mein Vater," antwortete er.

Hm Eure Pflüge sind gut."

Mes, was wir miacbeit, ist Mt, und gute Arbeit hat

uns vorwärts gebracht. Sagte Katia es dir schon? Ich bin der schmutzige Junge, dem sie vor zwölf Iahten ihr Brot schenkte."

Dotsin brummte irgend etwas, während Marha Fvs- dvrowna freundlich lachte.Du bist aber gewachsen seitdem," meinte sie.Und viel sauberer geworben!"

Die Straße war auch so schlammig damals," entschul­digte sich Gtepan verlegen.

Er gefiel Marha Feodorowrras mütterlichen Äugen, und allerlei Gedanken stiegen in ihr auf, Note das bei Müttern Nun einmal so ist. In Selemsinst, im ganzen Distrikt sogar, war sicherlich kein einziger junger Mann (und Marha Feo- dorowna als Mutter kannte sie natürlich alle), der rnit diesem jungen Riesen hier sich auch nur hätte vergleichen dürfen. Und der Sohn von Iwan Jlene ernte sicher einmak die Schmiede! So sehr man seine Töchter auch liebte und so schwer man sich von ihnen trennte, so mußte man doch an ihre Zukunft denken!

Du reist für Paschkin und kamst nach Selemsinsk wegen Urussows Rappen?" fragte Dotsin weiter.

Die Knude, daß der allrnächtige Paschkin der Rappen begehre, auf die ganz Selemsinsk stolz war, hätte sich Wie ein Lauffeuer über das Dorf hin verbreitet und nicht gerade angenehme Gefühle ausgelöst. Man hatte gehofft im Dorck, wert genug weg vom Teufel Paschkin zu sein, um seine Faust

nicht zjn spüren, und sah nun in. dein so energisch ausgedrun­genen Pferdehandel ein übles Ornen.

,.«J»a, ich reise für Paschkin."

Hm, hm."

,Mcht, weil ick) es gerne tue." , ...

Hm, ich weiß; Fedor Fedorvwitsch war bei Dimikri drüben und hat erzählt. Bei mir willst du. wohnen?"

Die Polizei sagte so. Und dann, wegen Katia"

Du kannst gern hier bleiben," fiel Marha Feodorowna ein und ürchelte ein wenig in mütterlichem Stolz, als ft# sah, wie seine Augen aufleuchteten.

Mache ich euch nicht zu viel Mühe?'

Nein;, du kannst Kallas Bett haben, und die Mädchen können znsammenschlasen. Darias Manu ist auf der Reise, in Jenmeisk, und sie kam zu uns nur, um nicht allein sein zu müssen. Sie kann auch nach Hause gehen."

Wenn es geht-" (Stepan war sehr rot geworden)..

Freilich geht's," lachte Marha Feodorowna. Der junge Ata tut gefiel ihr besser mit jeder Mirrnte.

Fremde waren etwas Seltenes in Selemsinsk, und so saßen sie lange beisammen und schwatzten, bis endlich der Polizeichef cm die Fensterläden trommelte und gutmnllg lachend wissen wollte, was sie denn da drinnen noch Gefähr­liches ausheckten, dazu irr einer Stunde, da alte guten Bürger schon in den Federn lügen.

Ich reise für Paschkin," lachte Stepan,und darf tuch

was ich will." , .

Der Polizeiches war e rüge treten urrd hatte sich zu errrern

Gläschen nötigen lassen.