Ausgabe 
3.8.1918
 
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Telephonisten angeschrienrMeMung au Wtelluug .und Regi- vreirt; feindlich: Infanterie.schreitet auf Höhe 304 in Richtung Wargemvulin. Stärke bis jetzt gegen drei Kontpänien." Ter Tele­phonist hatte angerufen, Ae Zeichen aller Stativuen durchgegeben, xeine Antwort war gekommen. Also die Leitung zerschossen! Und imu:er neue Trupps von .Franzosen laufen über den Abhang! -^Versuchen 'Sie eZ noch einmal, zum Teufel, ein ganzes .Regiments vielleicht eine Brigade gar, wird dort vorgeholt. Schreien Sie in den Apparat: WicÄige Meldung!" Keine Antwort. Ich muß hinaus, .denkt der Leutnant. Menu die an Unerwarteter Stelle Vorstößen, rollen si-e unsere ganze Linie auf. Aper jetzt hinaus? Zweckloses Opfer ich komme keine zehn Schritte weit! Also warten. Mer Mein erstes muß diese .Meldung sein, wenn ich diese Hölle hier überlebe. Jawohl!

Ein neuer Volltreffer bricht das Gestein und Gebälk über Men, wirst sie durcheinander wie.söleisoÜmten. Muer bleibt lie­gen, rührt sich mH.' Ter Offizier will nach der ersten Betäubung zu fassen, helfen, spürt aus einmal, daß er mit der Linken nicht greifen kann. .Tie sieht aus wie zerrissen, Blut springt heraus, der Taumen im verschmierten Handschuh hängt au einem Hcurt- fetzen herunter.Schnell Verbinden," sagt er hertzer zu den. Leuten,^ die sich gefaßt haben und bis auf 'kleine Schrammen an Kopf und Armen unverletzt sfird,schnell, ich verblute sonst." Drei, vier Verbandpäckchen aus dem Tascheuvorrat sind im Augenblick durch blutet, em Rock muß herhalten.Hölle," knirscht einer durch die Zähne.Wenn's nur zu Ende ginge," denkt der Leutnant müde. Mer dann strafst er sich ans feinem engen Kauersitz unter den Schienen: ,Äem, wir müssen.leben! Die Meldung, die Meldung!"

Drei Ltunden später ist doch der Abend gekommen. Im Dämmerlicht kriechen sie, alle leicht verwundet, unter Zurück- Fassung des Toten, aus dem Grdl-Sch unter den Eiseirschieuen hervor. Das Artilleriefeuer hat nachgelassen oder ist verlegt worden. Sie lausen gebückt, kommen durch.

Nein, .Toktor, erst muß ich zum Kvrmnandeur, ein paar Minuten noch!" Ter Major fährt von seinen:! Sitz am Telephon auf, als in der Unterstandstür einer steht iM verschmutzten Mantel, phide Mütze, Gesicht und .Kleider bllltbeschmiert, den .Arm un­förmig umwulstet :md verbunden, einer, den er erst an der Ssimme erkennt.Ich habe Herrn Major zu milden, daß der Feind starke Kräfte in Richtung nach dem Kluckgraben vorgeschickt hat, vor drei Stunden schon .sing es an. Tie Stelle ist gefährdet. Bitte ge- Hrsamst um gefällige Weitergabe an die Infanterie und an. die Division." Und während der Major schon nach allen Seiten telephoniert, berichtet er weiter: warum er nichit früher gemeldet, warn;:: er nicht in die Anrückeuden hinerngesch>ossen, wieviele es gewesen. Tann, ein paar Minuten später, im Nachbarunterstand: Sv, nun verarzten Sie mich, Toktor, aber mad^m Sie's gnädig! Und wenn Sie einen Kognak bereitstellen wollten, ich hätte nichts dagegen."

Vom Westen.nach.Galizien. Drei Jahre später. Da fechten türkische Truppen, Und HA ihnen steht ein einzelner deutscher Offizier, der Verbindung halten, den vvrgeseßten deutsch:: Stellen berichten, da und dort die Türken für den Ltellungskrieg ^anleiteü soll. An einem Maiabend wird er s-chfw«erverwundet aus der Stellung getragen. Zwischen ihm und einem Generalstabsoffizier bei. dem Übergeordneten deutschen Armeeoberkommando kommt es an diesem Abend zu folgendem Telephongespräch:

Hier Leutnant N . . . Ich melde Herrn Oberstleutnant ge- hvrsamst, daß ich heute dem Tivisiouskonnnai^deur in der neue:: vorgeschobenen Stellung aus dem Maschiueugewehrbevg und in dem südlich anschließenden Tal war. Wir haben alle Gräben angesehen. Ter Divisionär war sehr zufrieden mit der geleisteten Arbeit."

Schön. Wie weit sind Sie nach Norden gekommen?"

Nach Norden bis zur Türkenschlucht. Tort baut der Russe neue Sappen vor."

Was geschieht dagegen?" . _

Wir bauen auch unsererseits einen Graben, eine Art Sturm- «ausgangsstellung. Ich habe den: Bataillonskommandeur eine Skizze gemacht, wie er ihn führen soll. Ein Mzugj davon geht morgen durch Meldereiter aus Oberkommando."

Gut. War alles ruhig vorn?"

Wir bekamen ein paarmal Feuer von Maschinengewehren, Scharfschützen. Ter Divisionär selbst hat zum Gewehr gegriffen, um zu erwidern!"

Hm. Er wird wohl nichts getroffen haben. Wie sieht der Drahtverhau aus dem Berg jetzt aus? Vor einer Wach« war er ganz zersetzt durch Artillerieseuer."

Sie arbeiten daran, wenn auch pur langsam. Er ist stellen­weise noch nicht weit genug, auch sind noch ein päar Lücken da. Für Ae Drahtverhaue hat der Türke wenig übrig. Wer ich habe Mit den Kvmpanieführern an den gefährdeten Stellen gesprochen UNd sie haben mir bestimmt zNgesagt, daß heute nacht daran weiter- gearbeitet werden soll."

Schön. Tann empfehle ich daß Sie sich durch Augenschein an einem der nächsten Tage überzeugen, ob die Leute ihr Versprechen gehalten haben."

Tas würde ich selbstverständlich jtim, Herr Oberstleutnant, aber ich liege im Lazarett?"

Im Lazarett?"

Jawohl, ich brr: soeben hierher-transportiert worden imd war im Begriff, es Herr:: Oberstleutnant zu melden. Aus dem Rückweg hatte.sch Pech ich wurde verwundet..."

Sie sind verwunde: .... und das sagen Sie jetzt erst?"

Es ist wohl nichts Ernstes, aber ich habe sehr starken Blut­verlust. Durchschuß durch den linken Oberschenkel. Ich bitte Herrn Oberstleutnant gehorsamst, mir für die nächten Monate einen Vertreter bestellen zu wollen . . ."

Die beflügelnde vremfe.

Bon Artur Fürst.

(Nachdruck verboten.)

An zahlreichen Wagen der großen preußisch-hessische,: Eisen­bahn wird jetzt eine Einrichtung angebracht, _ die in vielen Be­ziehungen recht bemerkenswert ist, Es handelt sich unk nichts weiter als eine Bremse und dennoch unt einen der wichtigsten Fortschritte, den die Eisenbahntechnik seit Jahrzehnten gemacht hat. Man versieht -die Wagen mit einer neuen Bvelmse, und die Wirkung ist, daß sie fortab schneller werden fahret: können. Trotz aller «Kriegsnöte ist der preußische Staat imstande, für diese Neuein­richtung nicht iveniger als 245 Millionen Mark auszugeben.

245 Millionen für eine Bremse! Da sieht tvohl jeder ein, daß es sich um etwas ganz Besonderes handeln Muß. Und das ist auch der Fall. Es wird nämliche nach Einführung der neuest Bremse die seit langem in den Fachkreisen bitter geimg empfundene Tatsache verschwinden, daß die langsam fahrenden Güterzüge auf vielen wichtigen Strecken der deutschen Kähnen die dringend er­forderliche .Verdichtung des Verkehrs sowohl für Personen wie für ZAüter hemmen. Tag und Nacht folgen ans den großen! Linien die Züge einander in -engstem Zwischenraum. Ueberholungs: geleise, die in imrner steig«end-er Zahl angelegt Werden, Wunen doch nur mit .Mütze ein Tiurchbringen der Schnellzüge , ermöglicheu. Tie Schien eupsäde sind an vielen und gerade den wichtigsten Stellen am Ende ihrer betriebliche Leisiiungsfähigkeit an gelangt. Darum haben allmählich die Stimme:: .derer immer mehr Bedeutung gewönnet:, hie eine grundsätzliche Dr-enNNÜg des langsamen GüWv- vom schnellen Kersoneuverkehr verlangen. Sicherlich wäre auf sehr vielen Strecken Ae Verlegung dritter fctttb vierter Geleise binnen' kurzem unabwendbar geworden, wenn nun nicht die sichere Aus- sicht bestünde, durch! eine grundsätzliche Beschleunigung des Güter­verkehrs eine d-urchgreisende EntlasAng der Strecke herbeizuführcn.

Tie Fahrgeschwindigkeit, d ie An Zug. haben darf, ist nämlich nicht nur von der LeistÜNg der Lokomotive, sonderst auch von der Bremse abhäirgig. Jeder kemrt ja das Bild der auf dem fahrenden Güterzug hockende:: Bremser. Sie haben Ae Ausgabe, auf den durch die Tampfpfeise geg-eben-en Befehl des Lokomotiv«- füherers -die Bremsen anzuzi-ehm. Tas geschieht aber höchst un­regelmäßig, da durchaus nicht alle Bremser gleichmäßig arbeiten., Tie Folge ist ein starkes Stoßen im Zug Und! Reißen, an den Kupplungen, da die loser gebremsten Wagen auf Ae bereits mehr verlangsamten auflaufen und d-ann von den Pufferfedern wieder zurückgeworsen w-erden. Einen schnell fahretldeu Zug aus Aese Weise zun: Halten zu bringen, ist nicht möglich!, ohne fortwährend. Ae dringende Gefahr einer Zugz-erveißinNg heranszNbeschswölvsn.. Nur ans diesem Grund kriechen bis jetzt die Güterzüge so langsam über die Strecken. Tlaß sie nicht schneller fahren, liegt seltsamer­weise nicht an der Zugkraft, sonder:: an der Bremse.

Tie ausgezeichnet wirkende Trncklnstbvemfe, die bei Personen-, und Schnellzügen ganz allgemein im Gebrauchs ist, konnte bisher füv Güterzüge nicht verwendet >v«erden. Es hat dies seinen Grund in der sehr viel größeren Längenausdehnnng der Lastzüge. Tie Appa­ratur der Trnckluftbremse braucht vom ersten Anstellen des Führer- Bremsventils bis zum Eintreten der vollen Wirkitng ejne getvissa Zeit. Und diese Zeit wächst sehr stark mit der Entfernung d«er einzelnen Wagen von der Lokomotive. Bei einfacher U-ebertragnugi der Schnellzngbremse auf den Güterzng würde der vordere Zugteil schon vollständig sestg!ebremst sein, während Ae h-iuteven Wagen noch ihre volle Geschwindigkeit beibehalten haben. Das würde wiederum zu Zngzerreißungen führen. Jetzt aber ist- durch eine neue Erfindung, um die man sich zwar schon seit :nehr als zwölf Jahren bemüht, die aber doch in der Hauptsache während des Krieges in: Schjoß der preußischen Staatsbahuverwaltung gereist ist, die Möglichkeit der mechanischen Güterzugbremsnng geschaffen. Nach einer Reihe, von Jahren werden sämtliche Güterzüge, bei uns mit Personenzuggjeschwindigkeit gefahren werden, !vas eine ganz außerordentlich wichtige Betriebsverbesserung darstellen wird.

Tie vielen Millionen, welche für Ae neue Bren'.se^ansgegeben- werdeu müssen, lassen sich also durch Ersparnis der außerordentlich hohen Ausgaben für die Anlegung von Erweiterungsgeleisen und den Aükaus der hierzu erforderlich:: Geländestreisen wwder ein- bringen. Tenn es ist klar, daß ein mit 60 Kilometern SticndeU- aefchwindig^keit dahst:fahrender Güterzug das Gleis nur halb sc lange in Anspruch nimmt, wie ein solcher, der nur 30 Kilometer StundengeschiwMdigkeit HM. Mit der neuen Vorrichtung, die nach ihrem Erfinder, dem Geheimen Oberbaurat Kunze und der an ihrer Entwicklung lebhaft beteiligte:: Knorr-Bremse-A.-G. Kunze-Knorr« Bremse heißt, ist ein mechanisches Kunstwerk allererster Ordnung entstanden und zugleich der iun-ere Widerspruch einer besch-lkNuiglön- den Bremsvorrichtung in Stahl und Eisen greifbare Wirklichkeit geivordei: .