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Der endlose Weg.
Roman aus Sibirien. Von I. O x e n h a m- . Autorisiert — Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
4 .
Wie aus Stepans Kindvrtrcrum Wirklichkeit wird. . .
Der Name des Gefürchteten räumte alle Schwierigkeiten ttns Stepans Wetz. War das Dorf groß genug, sich eines- Polizeibureaus zu rühmen, so fuhr er nur dort vor, und überließ es den Gendarmen, die Dinge für ihn zu ordnen. Doch auch ohne Polizei und im kleinsten Dörfchen wirkte der Name Paschkin, von dem man in einsamen Hütten sogar schon tvußte, daß sein gewaltiger Träger der leibhaftige Teufel sei. Kein Mensch verspürte Lust, gehenkt zu werden, und Stepan bekam Pferde, soviel« er nur haben wollte. Auch die Straße war so gut, tvie sie nur bei schönstem Wetter sein konnte, und am Abend des fünften Tages kam Stepan glücklich in Selemsinsk au.
„Zwei Rappen? Tieffchwarze Rappen?" fragte der Polizeichef. „Jawohl. Sie gehören Fedor Urussow. Die Rappen also will Puschkin haben? Wh — er hat sie auf der Durchfahrt gesehen? Hoh, Fedor Fedorowitsch ist sehr stolz auf seine Rappen, aber wenn er das hätte ahnftst können, so würde er sie damals Weit draußen in der Steppe versteckt haben!!"
,Mird er sie hergeben?"
Der Polizeichef machte ein erstauntes Gesicht.
freilich," lächelte er dann. „Meinst du, wir hätten noch nichts von Paschkin gehört in Selemsinsk?"
Und nach dem Abendessen ging der Chef der Polizei mit dem Abgesandten Paschkins nach- dem Hause von Fedor Urussow, der ein schiefes Gesicht zog, als er hörte, daß Stepan Jline aus Irkutsk im Aufträge des Gouverneurs Paschkin mit ihm zu verhandeln wünsche.
,Mrinken wir zuerst einen Wutki," brummte er.
Sie tranken.
,Waschkin also, Teufel nochmal . . . Und was will Paschkin von mir?"
,Ms Paschkin in hastiger Fahrt auf dem Wege nach Irkutsk hier durchreiste, sah er auf der Steppe zwei tieffchwarze Rappen, die ihm gefielen. Ich soll sie holen."
,Weüfel nochmal!" brummte Fedor Fedorowitsch, ließ vor Schreck das Schnapsglas sinken und sah den Abgesandten Paschkins mit nicht gerade freundlichen Blicken von oben bis unten an. ,M-eufel nochmal — die Rappen will er, heh?"
^Jawohl. Mein Wille war es nicht, der mich mit diesem .Auftrag nach Selemsinsk führte/ doch man schlägt Paschkin nichts ab, wie du vielleicht wissen wirst, Bruder. Er kam in unsere Schmiede, ernannte meinen Vater zum Gouverne- Mentsrat, und befahl mir, deine Rappen aus Selemsinsk zu
holen — alles in fünf Minuten. Am folgenden Morgen nach Sonnenaufgang mußte ich aufbrechen."
„Teufel nochmal," sagte Urussow.
,Msy_"
,/Aber — bosse-moi — meine Rappen!"
„Er gibt dir fünfhundert Rubel für die Rappen!"
Urussows Gesicht hellte sich auf. Das war wenigstens etwas; es hätte Paschkin ja ebensogut in den Sinn kommen können, die Rappen umsonst haben zu wollen!!
„Ah, fünfhundert Rubel ist wenig," brummte er aber doch. „Noch für tausend Rubel wären sie billig."
„Ich zweifle nicht daran," sagte Stepan. „Paschkin kaust jedoch nach seinen eigenen Preisen und soweit ich es beurteilen kann, dürste es nicht klug sein/ mit Paschkin handelst zu wollen."
Der Polizeichef lächelte.
„Kind du Haft das .Geld mitgebracht?" brumtnte Urussow.
,^Ja."
^Paschkin scheint dir Vertrauen zu schenken," murmelte er mit einem bösen Blick.
, Anscheinend "
^Fünfhundert Rubel! Und für tausend wären sie billig!" Er tröstete sich durch einen Schluck Wutki. ,Wann mußt du die Rappen haben? Sie sind draußen auf der Steppe."
„Paschkin gab mir sechzehn Tage Zeit; die Rappen müssen in guter Verfassung ankommen."
,Mnd wo wirst du wohnen?"
,tDas hat die- Polizei zu bestimmen. Ich reise für Paschkin."
,Mr wird bei Wassili Totsin wohnen," siel der Polizeichef ein.
So wurde denn ausgemacht, daß Fedor Urussow seine Rappen, nein, Paschkins Rappen, binnen sechsunddreißig Stunden vor dem Hause von Wassili Totsin abliefern solle. Stepan aber machte sich mit dem Polizeichef aus den Weg zu seinem unfreiwilligen Gastfreund. Der Polizeigewaltige klopfte an die Türe, als sie an das Haus kamen- und ein Mädchen öffnew sofort.
„Ah, Katia!" sagte der Polizeichef. „Sag' deinem Vater, er möge dem Herrn hier, der für Paschkin reist, Nahrung und Unterkunft geben!"
Damit schüttelte er Stepan die Hand, eine Entschuldigung murmelnd, daß der Dienst ihn rufe, und verschwand in der Dunkelheit. In Stepan Jline, dem Träumer, hatte der Name Katia ein wundersames Erinnern ausgelöst; etwas so Weiches, Sehnsückftiges, Weltfernes, daß er, ungeschickt wie ein Junge, verlegen dastand und das Mädchen in der Türe schweigend anstarrte. Ihr Gesicht sah er in schattenhaften Umrissen, denn der Lichtschein blendete ihn und das junge Menschenkind da auf der Schwelle zwischen Nachtdunkelheit und gelbem Stubenlicht war seinen Augen eine Silhouette von schlanken Gliederst, ein verschwommenes Bild. Nur durch die Massen hellbraunen Haares stahl sich


