Ausgabe 
31.7.1918
 
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das Mut NoDe hart gegen die Schläfen, Vas .Herz lag schwer wie ein Stein m der Brust.

Weißt du. was geschehen soll, Fittje?" fragte der Rohrmeister.

Wir wollen die Blockade dnrchhrechjen. weiter nichts !" ent-^i Segnete Klaus.

Weiter nichts!?" Tier Mohrmeister lachte.Weiter nichts?! Etwas Ungeheures ist.das, wenn's gelingt, mein Jiujng! Ta draußen liegt Schiss neuen Schiff hundert Kanonen warten auf uns wollen sehen, ob wir durchschjlüpfen! Da sieh mal! her!"

Er zeigte zum vorderen Turm. Klaus schaute hin. Da stand der Kommandant auf der Brücke; weit über des nasse Geländer gebeugt, spähte er in das breiige Dunkel.

Was mag hinter dieser Stirn Vorgehen?" fragte Klaus.

Nichts anderes als hinter deiner Stirn und hinter meiner." lachte der Rohrmeister. IN seinein flackernden Bart Zauste der Wind.So einer, der hat natürlich mehr Gedan'Nen, als unser-! einer; der rechnet und kalkuliert und bestimmt. ,A>ber in allem! andern, weißt du, in dem einen großer Gedanken, da find wir allej gleich, wir Rohrmeister an den .DochedogeschjützAr, ihr Maate und Atatroseu, die ihr mit fiebrgen iAjugen durch die Nacht späht, oie nackten Heizer vor ihren brüllenden Feuerlöchern, die Maschi­nisten an den Hebeln da sind alle einer Meiimlug: Drauf Und dran! Alles gewagt! Keine Furcht! Ran an den Feind ! Und mit Hurra hinunter ins Wasser, wenn's schief geht!"

Das Flottenlied aus den Lippen, beugte er sich zum Lanzier- mqcha.NiSmus seines G-eschnpes und griff in Rädchen und Hebel werk.

Darf ich Ihnen helfen?" fragte Klaus.

Nee, Jung. Das mach' ich allein. Nachher wenn's losgeht, dann ist dein Platz hier!"

. Wie zähe Tropfen sanken die Minuten.

Unaufhaltsam [türmte das schwarze Boot durch die Nacht, die sich langsam vom Nebel befreite.

Ganz vorn, im spitzen Winkel des Bugs, stand Klans, Fittje. Wie schwarze Blöcke lag die Finsternis vor ihm, unheimlich, un­durchdringlich. Jeden Angeriblick konnte ein Blitz die Dunkelheit zerreißen, ein Donner die Luft erschüttern; dann konnte es ge-t ichehen, daß man mit blutendem Fleisch und zerschmetterten Kno­chen in die Tiefe sank zu Ende das jwnge, blühende Leben keine Möglichkeit mehr, die Herrlichkeiten der Welt jauchzend cm! die Brust zu reißen, die Arme in fröhlicher Arbeit zu rühren- ein gesargt alle kühnen Träume ...

Ta riß eine scharfe Wendung des Bootes den jungen Ober­matrosen aus feilten schweren Gedanken ans.

Klaus sah den Köumiandauten auf denr vorderen Turnr, der sich weit, das Nachtglas vorn: Auge, über's Geländer beugte. mn Steuerrad stand der Bootsmannsmaat, wie Eisenklammern lagen seine Finger am Rad. Tie Augen der Männer brannten glühendi rn die sichtig gewordene Ferne.

Stanoen Lichter im Dunkel? Drei Lichter nebeneinander wie drei bleiche, zuckende Sterne!

Ter Rohrmeister lief ait Klaus Fittje vorbei zum vorderen

^/Trei ^orpedobootszerstörer Backbord voraus!" rief er schal­lend.Aber wir kounmen durch!"

In wahnsinniger Geschwindigkeit zerschnitt das Boot die See. Weißschälunend brachen die Well eil über die Bordwand. ^Bis zum Turm Iinanf sprang der gi fehlende Reglers. Das ganze Schiss er­zitterte vom Wirbel der Schwungräder, erbebte in den Flanken vom rasenden Tanz der Kolben, vom Donnern des Feuers unter den Kesseln.

Sechshundert Umdrehungen sechshuudertzwanzig Umdre­hungen; immer weiter immer weiter durch die Finsternis.

Die drei bleichen Lichter erloschen. Die Spannung löste sich. Der Maschinentelegraph klingelte die Kolben arbeit der Ma­schinen wurde langsamer die Gefahr war vorüber die Blockade durchbrochen.

Mer was nun? Was sollte nun geschehen!?

Den Feind aufsuchen! Dem Feind an die Gurgel! Irgendeines der großen Panzerschiffe cmfspüren und ihm die glühenden Eisen­walzen in die eherne Herzkammer jagen! Was sollte anders ge^ schehen?

Klaus Fittje zog die Uhr.

Längst war Mitternacht vorbei.

Ein paar Sterne flimmerten ant hohen Himmel aus, der blasse Widerschein hüpfte über die breit mrrollenden Wogen.

Klaus Fittje, der wieder beim Rohrmeister am vorderen Tor- pedogeschntz stand, sah plötzlich, wie der Kornmandant aus der Brücke zusammenzuckte und in die Ferne zeigte.

Ein Licht? Ein Schiss? Ein Panzerkreuzer? Ein Japaner? Ein Engländer?

Herrgott wenn's ein Engländer wäre!

Vorsichtig glitt das Torpedoboot vorwärts, wie ein witternder Schweißhund aus der Fährte des Wildes. Keirr Funke, fein Wölk­chen Rauch kam aus dem Schornstein. Unten in den Feuerlöchern brauste die Lust über die prasselnd verbrennenden Kohlen.

Wahrhaftig ein Licht in der Finsternis! Ganz schwach ganz fern.

. Das Licht schwankte, als wäre es eine Laterne Md würde von eurem Menschen durch die Dunkelheit getragen.

Fiinf Minuten gingen hin fünf Ewigkeiten.

Tann wuchs es fern in dunklen Umrissen auf ein Schatten, schwärzer als die Nacht, trat lautlos aus der Finsternis; die Männer auf dem deutschen Torpedoboot erkannten einen Schorn- Item und zwei Masten.

Ein junger Leutnant trat neben den Rohrmeister. Er erspähte den Schatten durch sein Nachtglas. i

Klaus hörte ihn murmeln:

Ter ,Takachio' oder ich lasse mich hängen!"

Ta löste sich die gespannte Haltung des Kommandanten. Ein paar Worte zum Oberleutnant, der neben ihm stand, uni* ein Be­fehl rannte von Mann zu Mann, straffte die Mstskeln, befeuert«! die Augen, setzte die Seelen in Glut.

Klar zum Gefecht? Tie Torpedorohre zum Laden llar!" ^ Mit sicheren Händen arbeiteten Rohrmeister und Maate an den Torpedogeschützen. Ter Rohrmeister setzte die Pistole aus das Ge­schoß, mit einem Kameraden hob Klaus das schlanke Torpedo­geschoß irr das Rohr. Seine Hände froren auf dein falten Metall, in dem ein furchtbares Feuer schlief.

Wieder sausten die Kolben das Schiff raste.

Fahrt ans Leben und Tod ! Jede Sekunde konnte die Entdek- kung bringen jede nächste Sekunde den schrecklichen Untergang.

Ter Schatten wuchs; aus ungefügen Formen löste sich immer deutlicher die starre Gliederung der schwimmenden Festung aus Stahl; sie bot dem mit letzter Geschwindigkeit fliegenden Torpedo­boot ihre volle Breitseite.

Ter ,Takachio'! Weiß Gott, der ,Takachio'!" jubelte dev Leutnant neben dem Nohrmeister, dessen blanke Angen unheimlich funkelten.

Nur noch füushmrdert Meter bis zuin Feind.

Ter Kominandant gab mit der Batteriepfeife ein Signal:

Rohre steuerbord!"

Ein kurzes Klingeln; das Boot drehte bei; die Mündungen der drei Ausstoßrohre richteten sich auf den japanischen Kreuzer. Allen siedete das Blut in den Adlern; wie eherne Bildsäulen ftcerckm die Rohrmeister neben den drei Torpedogeschützen.

Achtung!"

Tie Gestalt des Rohrmeisters neben Klaus straffte sich. Wun­dervoll anzuseheu, in eherner Entschlossenheit, stand er neben dem! Rohr. In allen Kehlen stockte der Atem.

Feuer l"

Ein Griff an die Pistole eine kleine blaue, leckende Flamme ein Sausen, wie das Zischen hochgespannten Dampfes in den Ventilen und das Geschoß brach aus dem Rohr, schlug klat­schend ins Wasser und brauste mit wirbelnder Schraube davon.

Zwei Sekunden später verließen die Geschosse der beiden an­dern Torpedo ge schütze das Rohr. Weiß sprudelnder Schaum, in dev Dunkelheit unheimlich leuchtend, kennzeichnete die pseu^eeaüe Lauf­bahn.

Tie Maschinen stoppten, rasten wieder los, und das kühne Boot jagte zurück.

Aber alle Augen schauten fiebernd zum Feind.

Tort hatte man das dreimalige Aufblitzen bemerkt; die Alarm­signale der Sirenen heulten über das Meer; aber im selben Augen­blick sprudelte unmittelbar vor dem .Takachw eine ungeheure Wassersäule zum Himmel empor. Ein furchtbarer Donner er­schütterte weithin die Luft; eine zweite, dritte Fontäne brauste vor dem japanischen Schlachtschiff wie ein schauerlich gischten der Geiser zum Himmel wie ein Gewitter aus Urweltzeit: grauenvoll, brüllend, wie der Zornschrei zu Tod getroffener Riesen, tobte dev Donner einer gewaltigen Explosion. Eine unsichtbare Titanen­hand riß den von Feuergarben umlohten Kreuzer ans Meer, zerschlug ihn in der Lust in tausend Stücke und schnng chn zer­setzt und zerhackt, aufgelöst in einen Wirbel von Schornsteinen und Masten, Geschützen, Kesseln, Panzerplatten, Dampf und Rauch ins Meer zurück; es war wie ein brüllend und feurig ausbrechender, seinen mörderischen Inhalt weithin verspritzender Vulkan, ein gigantisches Flamme uspiel, das aus der Finsternis der Nacht sekun­denlang die lohende Hölle machte. Weithin erbebte das Meer, und das deutsche Torpedoboot tanzte wie eine Nußschale aus den auf­geschlenderten Wogen.

Mitten in die Kessel des Schlachtschiffes mußte eines der deut­schen Geschosse hineingefahren sein.

Krachend siel ein Stück Eisen vor Klaus Fittje nieder, rund um das dahinjagende Dorpedooboot spritzte das Meer, große Sprengstücke sielen wie die Splitter zerplatzter Granaten auf das Teck, aber das schwarze Boot kam unversehrt aus dem eisernen Regen heraus.

Tie Männer aber hatten zum Jubeln keine Zeit; schon kam dielneue Gefahr.

Scheinwerfer blitzten von allen Seiten aus, die bleichen Licht­kegel zuckten und irrten über das Meer, beleuchteten einen wüsten Wirrwarr von Trümmern und hilflos treibenden Menschen und übergossen das WeÄMiell jagende deutsche Torpedoboot mit einem Äurzbad von weißem Lchckst. Von -drei großen Schlachtschiffen schossen die Flammenkegel über die See..

Und schon brach das höllische Gewitter los.

Hundert Geschütze spien Eisen und Feuer.

Das deutsche Boot raste mit voller Kraft. Unter den Kesseln