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cherr. Erst mären drei Mä-dils gekommen, die hätten selbstverständlich Me wieder in die grüne Farbe lfinein- Wbeiratet, a!ls „Nesthäkchen" war ein Junge endlich er- Menen, der diente setzt in Goslar bei hon Jägern und sollte DMr ma^ oeU WtetzA MÄts siWiHmen, . ^ « -
„Wissen Sie, der Wald macht zufrieden, und wenn man Noch mal schimpft, daß de Fensterscheiben zittern, es is Nur äußerlich !"
Urw dann war er in ein Bett gekommen, in das er geradezu versank, lieberreich war's gestopft mit Gänse- oannenfedern.
Am nächsten Mivrgen hatte ihn der Förster auf einem „Richtweg", quer durchs den Wald gebracht urw von seinem Revier geschwärmt.
. „Es gibt ja überhanpt nischt Schöneres!! Jetzt geht bald das Verhören der Mterhähine lost Raus aus hier Mappe «um z!w>eie! Ja, das war eiw Lnst, da sollten Sie e mal Mitrnachen! Vor Jahren hat e mal e Maler bei mir gewohnt, der hat egal gebrüllt über die „Motive", das Wort ha' ich mir gemerkt!" . . .
Urw nun stand er am Hie ns tag mittag wieder vor dein Försterhaus nnd bat um Ausnahtne auf längere Zeit, er wolle auch anständig bezahlen! Ein bißchen Gepäck müsse noch unten von der Bahnstation geholt werden.
„Fein Mutter!" jagte der Förster. „Machen wir, versteht sich, und ehrliche werden wir in der Rechnung auch sein!"
In dunkler Nacht ging er mit dem Förster zum Verhören der Auerhähne. Wenn dann das „Kappen" begann, der iLiebiesgesang des rührigjm Gesellen anhob, während das erste Frührot aufzuckte, der Wald seinen würzigen ,Duft ausatmete, dann wurden oem Flammentöter dre Augeir blank. Ja, es war eine Lust zu leben hier oben. Und wenn abends mit der Dämmerung sein Herz zuckte vor Liebes- qUal, daun gab es im Försterhaus ein gutes Mittel. Die MNl'pfenden Grogglstser! Sie wurden nicht nur nachdenklich zwischen den Fingern herumgedreht. Daun brach der Galgenhumor des FlammenMers durch. Die Fensterscheiben zitterten wahrhaftig vor dem Lachen.
Dag um Tag verging. Woche aus Woche. Ein Meininz- scher Winz schoß ein paar Auerhähne, die der Förster hatte, im Tale läuteten die Glocken Ostern, — Aufer- stehirrrg auch der Natur, — ein Mühen und Gtzünen setzte ein, das Raubzeug mußte zu Dutzenden sein Leben lassen, tnr Walde knirschte die Säge, krachten die Waldriesen zusammen, auf der sprießenden Saat ästen die Rehe. Die Kiefern trieben ihre Hellen Kerzen, die Sonne brannte nun schon recht warm aus den Buckel . . .Da lag der Flammen- töter ost tut Gras und starrte in die Himmelsbläue, find bei dent Starren wurden die Falten tiefer ans seiner Stirn, und die Mundwinkel fingen wieder an zu zucken. Dann sprang er aus, lief talauf, talab, kletterte die steilen Hänge hinaus und Himmler. Wie war das Vergessen .schwer . . . (Schluß folgt.)
Der Tod der Ullrich hebbinghause».
Von Karl-Ernst Kn atz.
(Nachdruck verboten.)
Der Privatdozent der Heilkunde Ullrich .HebbingHansen war Kn der nrazäwnischien Grenze unter seltsamen Umständen vertvMdet worden. Ein schwerer BrnstschNß. Man schasste ihn schleunigst aus dem Zonenlazarett in die Heimat.
„Der Mensch is immer wie dösig tz» den Kugelregen jejangen," erklärte sein Kamerad, ehr Milichisahrer Nickel aus Berlin N W.
Me daß er nich janz bei sich war. So mit stiere Augen. Und wat so los war um ihn rums, det merkte der jar rfichj. Aber NU meeut ihr ivoll, det er nich richtig irr Köpft war. Nee, ihr Brieder, ha saßt ihr eklig vorbei im Skat. Der Kamerad) d er Ma chte det selber, daß er so dösig war. Det Lonnte der, so ost er wollte."
' Kamerad Nickel vermochte sich sonst über den Fall „nich weiter auszudrickcn".
Ullrich Hebbinghansen wurde acht Tage in der Klinik beobachtet. Dann waren die Aerzte über ihn im reine»»: Lnngenschuß Und bereits fortgeschrittene böse Gutzntldning. Ter Kranke sah wohl das Licht kaum noch lärrger als wenige Tage. Man konpte mit gutem Gewissen seine immer dringendere Bitte erfüllen: chn in seinen vier Wänden sterben zu lassen. Tort lag er still im Bett, lächelte die langen Reihen seiner Bücher an nnd machte de-nr Wärter sein Amt leicht. Obgleich sein Körper fast stündlich an Kraft verlor und in Falten sairk rftre eine HMe, der der Inhalt entweicht, schrieb er mehrere Mnndjen am Tage nutz in der Nacht tntf seiner abgezehrten Hand weiter an seinem letzten Werk, ans Hessen erstem Blatt die WfMM stand: „Ter MWe Und sein
Verhältnis, tzum Bettmßtsem." Der Wärter und die wenigen Freunde Ullrichs widersprachen dieser Kraftanstrengung nicht mehr. Cr litt es nicht, urw an dem Ausgang! vermochte auch dies kaum nach viel zu ändern.
.Solcher Gestalt aber waren die Grübeleien Ullrich Hebbing- hausens: . . . .. _ .
„Ich muH eine lange VersnchjsWhe auslassen. Dieser Hrieg! plötzlich, dieses Soldatwerden, dieses Schießen nnd dann Süd Wer-' schossenwerdön — es verpfuscht mir die ganhe .Arbeit. Freilich, daß ich mitten im Trommelfeuer mein Sem ms Nichts zwingen konnte, mir befehlen konnte s wenn der Lärms schweigt —■ auf! >—->Ms dem Graben! Lausen! Hinwersen! Lausen — Lausen wrd Aufwachen fünf Meter vor Hem ersten Hindernis körperlicher Art, es sei, was es auch sei, daß dias gelang, nicht einmal — netzt zweimal, dreimal und mehr, das war schon etwas. Aber nun muß ich vieles ungeprüft lassen. ZNM Beispiel: ob es möglich ist, das Bewußtsein, das Leben, schlechthin ans diesem Körper zu schicken, wenn er sich euren. Katarrhe der Trachea geholt hat, und erst zurückzukehren, nachdem der Hüsten irr der leerlaufenden Maschinerie von selbst geheilt ist. Jetzt heißt es, forsch den Trumps ans das Ganze setzen ntw die letzte Probe machen."
Ullrich blätterte in den beschriebenen .Seiten zurück, bohrte die Augen, die tief wie aus dunklet» Trichtert» brannten, aus die Zeilen »md las: (
. . . Damit ist, als reine Vorstellung wenigstens, auch dre Möglichkeit gegeben, das Leben hinter den» Tode wieder abzufarlgen., Ter Wille, über die bisher gekannte Grenze verstärkt, preßt dürr Stofs Befehle ein, die er — denn auch der Tod kaut» Nur mit Veränderung in einen» irgendwie geartete»», nie erkennbaren. Beharrlichen sein — Mseits M alten Lebens in dem neuen ünbö- Karucke»» Zustande ausführen prnß. Er muß, wie ein störrischer Schüler, die Ausgabe noch einmal wiederholen, die er ans Faulheit eit» für alle Mal erledigt glaubte. ..."
Ter Kranke sann weiter, ohne der» Wärter zn sehe»», der m»t den» FieberMesser kam. Metz» .Hirn hat nicht gelitten. Gestern bei der Probe blieb ich genau drei Stunden aus, ohne'daß der Wärter überhaupt gemerkt hat, daß ich ohne Bewußtsein aß, tra»»k, antwortete und alles tat, was sch sollte ....
- „Na, Franz" —der Wärter sprang, der Liebe voll für diesen staa'los Sterbenden, an's Wett — „der Doktor gibt Mir also- noch _ **
,,J, wie wird'er denn! Nö, Herr Doktor, so schnell schießen die Preußen nicht amal im Weltkrieg. Nö, Sie könrtejn. -
, Franz, Du bist eine Seele. Aber mein Amtsbruder von der iausWenden Pfuscherei hat einen Flüsterton an sich, mit dem lungen- schwächere Menscher» sich bequem durch zwei Wänden hindurch verständlich »»lachen. Anßerden» hat er recht. Ich verstehe schlntztich auch etwas von diesem Leichnam. Corpus geheißen. — Dr» wirst mir Wüte pbe»»d> ein paar Bjfiese besorgen. Sie sind eilig
daMM, . .i-m .-v—.— - - 7 v - v . ... ...
Broncke drei fast gleichlautende Schreiben, durch dre sie anmesordevt würden, „der Sterbestunde des Privatdvzenten Ullmch HÄbrng^ Hansen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit am folgenden Tage gegen Aberrd eintrete»» werde, bcizuwvhnen. Todesursache: pleurrtis pttrn- lenta. Exitus wird ruhig verlaufen."
' Als die zu so seltsamer..Feier Geladenen sich an» nächsten Tage, Besrerndung Und Erschütterung, unsicher verbergend, in llurrch Hebbinghausens Wohnung einsanden, lag der Kranke »eyr krafttos. wie es schien, aber ruhig!tmd fast heiter in de»» Kissen. Dre Äugen waren geschlossen. Er hatte sie, berichtete der Wärter lerse. schon seit einer Stunde nicht mehr geöffnet. Doch begrüßte er dre Ern- tvetenden und beantwortete die schonenden und nbsichm Fragen detttlich Nnd klar.
„Ich fürchte, die Auflösimg hat bereits begomren. Fällt Ihnen nicht ans, wie schleppend er spricht. Fast wie ei»r Uhrwerk." Ge- hnmrat Nonnendarnm tastete nach dem Puls. In drefenr Auge»rollck erhob Hebbinghansen die gespenstisch schmelzlöse Stimnre, wehrte den Wärter, der erschrocken mit dem MnNdtuch herbetnlte, ab und
^g^Jch fühle, daß das Ende sehr »mhe ist. Wollen Sie> m»t» bitte, Ntleine .Herren, nicht erschrecken uwd gut beobachten. Ich werde, hoffe ich, genau dreißig Minuten, nachdem der Herzschlag erloschen ist, wieder leben. Was dam» geschieht ..."
Die Lippe»» des Kranken bewegten sich, Worte waren nicht mehr zn verstehen.
Geheirnrat Nonnendamm untersuchte den mm Schtoeigetldm. Plötzlich richtete er sich erschrocken auf. _ r . r
„So »cnmöglich es scheint, aber .ich muß anmhmen, baß Hebbsirghausen bereits seit über -einer Stunde in Trans siegt. Wenigstens ist der Zustand kaum anders zn bezeichnen.
D« Philosoph M ahler, der, geschützt durch ein bedcntMd ans- sehen-des, schönes Gveisenhanyt, seit Jahrzehnten dm herwmmttchen Tinge über Sittlichkeit, Gott und Schem und WrrArchteck vor- tvug, erwiderte in unbehaglichster Bestü,pz!nng: „Tann hätte er au ch, was er mit uns sprach, in diesem Zikstand . . . ?
„Wahrscheinlich. Ter Atem ist jetzt fingeschlafen. Das Merz schlägt nicht mehr." Der MMtzcNer hob die Angcnrlldcw auf. „T'ie PMllen starr üM gläsrnn Cortrea M-empfmdlM Er ist tot.


