Ausgabe 
17.7.1918
 
Einzelbild herunterladen

Meine KerE, wir Lckbsn Uer mW$ Belt! A!r^k U rufen, der

tzen Ausglmg Ullrich Hebbingh!aüst!t:s feststellt."

Broncke widerschach

Wir müssen die nächste halbe Stande bis halb zehn abivarten. Dem: auch einerseits nach den Naturgesetzen die Andeütnngenj des Toten nichts sind als letzte Herwirrrmgen des sterbenden Hk.isjxs so sind diese Aicherchmgen doch Gefühl und Schicklichkeit, sich demselben nicht zu elttziehen."

Man beschtz'ß zu warten.

Tie Uhr tickte eine Minute nach der anderen in vergangene Ewigkeit.

Ter Körper des Toten erschlaffte.

Man sprach nicht und wünschte die Peinlichkeit dieser halb lächerlich, halb ehrwürdig drückenden Stunde vorbei.

Ta, als die Uhr um ein halb zehn Uhr zum Schlage ans­holte, hob sich der Oberkörper Ullrich Hebbinghausens wie von einer Spiralfeder getrieben, empor. Es zuckte gespenstisch iit dein Gesicht, in dem die Lippen geschlossen blieben. Tie drei Ge­lehrten sprangen in fahlem Entsetzen zurück.

Tie Lippen des Toten öffneten sich. Er sprach. Der Philologe Broncke hatte wie immer die Geistesgegenwart, sein Merkbuch ZN Ziehen und krampfhaft lauschend zu schreiben, was er vernahm.

Und so klang ihm, was der wiedergekehrte Ullrich Hebbing­hansen äußerte.

Mit einem stolzen Lächeln:balu kaniwin gora." Mit auf- steigender, jäh wachsender Angst:Amo beischfk ur! notta belamo!" Tann griff seine Hand befehlend und flehend in die Luft:hoick, hoick, hoick!" Und nun sank er mit einem hoffnungs­losen Murmeln, das wieMalaboto" 'klang, zurück.

Danach war er tot und blieb tot. Und ließ den Philologen Professor Broncke für sein Leben in der hoffnungslosen, quälenden Gewißheit, daß die letzten Worte Ullrich Hebbinghausens offenbar keiner toten oder lebenden Sprache «mgehörterr.

Litauische Rätsel.

Wohl »irgend? hoben sich aus alter Zeit so viele Rätsel im Volksmund erhalten wie in Litauen. Wenn die Baueur des Abends zusammensitzen, so erzählen sie sich uralte Geschichten, sie singen Balladen oder geben, sich Rätsel aus. Eine außerordentliche Anschan- uugskrnst spiegelt sich in diesen Rätseln wider, wie Meta Escherich au einer Reihe von Beispielen inUeber Lau- und Meer" (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart) nachweist. Wir geben einige davon wieder:

Ich ging bei Nacht, verlor eine Spange, der Mond sand sie und gab sie der Sonne. Was ist das? Der Tan.

Ich verlor einen Ring unter einer ehernen Brücke Der Mond s fand ihn, die Sonne vernichtete ihn. Was ist das? Ter Tau.

Ich gehe den Tag über, ich gehe die Nacht über, bt§ ans Ende l des Dorfes komme ich nicht. Was ist das? Der Weg.

Ich flog wie ein Engel. Ich siel wie ein Teufel. Was ist das?

Der Schnee.

Ein grauer Ochse leckt den Himmel. Was ist das?

Der Rauch

Ein schwarzer Hecht tauchte, einen grünen Wald hob er in die Höhe. Die Sense.

Eis durchschlug ich und fand Silber. Silber durchschlug ich und fand Gold. Das Ei.

Eiir schwarzer Rabe krächzt, der ganze Wald beugt sich.

Pwrrer und Geiueiude.

Wer ist's, der klug geboren mit einem Gänslein pflügt?

Ter Schreiber mit der Feder.

Ein schwarzer Hahn sitzt auf dem Zaun, der Schwanz reicht bis auf die Erde, die Stimme bis in den Himinel. Die Glocke.

Humoristisches.

Ein Pferd, eine Kuh und ein Esel klagen sich ihr Los. Das Pferd:Immer weniger Haser gibt man uns, doch sollen wir stets mehr arbeiten!" Die Kuh:Bon uns verl mgt inan auch wirklich zu viel Das Futter wird immer schlechter und doch sollen ivir mehr Milch abgeben I" Da lachte verstohlen der Esel und meinte: »Da geht es mir aber anders: ich arbeite beim Kommunalverband I"

Büchertisch.

Heinrich Zerkauten, Die S p i tz w e g g a ss e. e i n T a g e b n ch a u s S o m m e r und S o n n e. Einband und Buch­schmuck von Walter Thamm. Preis Mk. 2,2V geh., Mk. 3, gcbd (Die bestehenden Teuerungsaufschläge sind in diesem Preise nicht rnbegriffen.) Verlag der Jos. Kösel'schen Buchhandlung, Kempten bmd München. Gelegentlich einiger Literarischer Abende harte der Verfasser, Heinrich Zerkauten, einige Kapitel aus seinem neuert! BüchleinDie Spitziveggasse" seinen Zuhörern vorgelesen und damit so stürmischen und ehrlichen Beifall geerntet, daß viele nichts Eiligeres zu tun hatten, als znm Buchhändler zu gehen und es bestellen. Jetzt kann das Sehnen gestillt werden, das .Büchlein ist da, und es halt reichlich, was sich so viele vorher schon versprochen haben. Es ist ein buntes Skizzenbuch, in das der \

kkunsiler tttif ftafett Hünto'r und lachender Ironie M Mshe 6WI seirren Bekannten hineinzeichnet. Gleichviel, ob man selbst Bekannt» darunter zu finden glaubt oder nicht, intnter wird man von den Entzückenden, kleinen, zappelnden Figürcheu. die Zerkgnlen wie ein wandernder Spiel mann aus sechtern Säcklein zichit, gefesselt, daß InwU Zug reffen möchte. Man kann es wirklich ein Tagebuch aus Sommer und Sonne heißen, dennsonnig" ist das treffendste Wort für dieses kernige, herzhafte Buch. Und wer Sonne liebt in unsereiß trüben Zeiten, der mag nach ihm greisen. Dann wird jeder ncßch Perstehen, warum der Dichter esTie Spitzweggasse" getauft hat. Es sind tatsächlich Spitzwegbildchen in Worten.

El Schahin der Jagdfalke. Aus meinem Flieger­leben. Von Hans Joachim Buddeckef. Verlag August Scherl G. m. ö. H., Berlin. Preis 1,35 Mark. Nach JMmelm-anns Briefen und Boelckes LebensgesckKchte erscheinet: nun die Aufzeichnungen des dritten Altmeisters derchcher Flngkuust, des Oberleutnatits Hans Joachim Bnddecke, der zunächst Seite au Seite mit Boelcke und Jmmelmann den Ruhtn des FMer-KamPfftngzeuges begrütldet, uitb dann, zur Türkei abkommandiert, das Lustmeer über den Dardanellen und der kleinasiattschet: Mste siegreich beherrschte, bis ih-r in den vorbereitenden Kämpfen an der Westfront 1918 der Fliegertod ereilte.

,.Ter Völkerkrieg. Eine reich illustrierte Chronik der Ereignisse seit dem 1. Juli 1914. Herausgegeben von Tr. C. H. Baer, Verlag von Julius Hosfmami, Stuttgart. Heft 171 u. 172, Preis je 40 Pfennig. Es gibt bald kein Gebiet des menschlichen Lebens mehr, das nicht in eine bedeutsame Beziehung zum Welt­krieg getreten ist. Man darf wohl sagen, daß von den literarischen Erscheinungen über den Krieg derVölkerkrieg" eine besonders aufmerksame und umfassende Rundschau über dieseRandgebiete" hält und nicht selten sehr ioertvolle Beiträge zur Geschichte des Krieges anfznbriugen loeiß, die sich der Historiker der Zukunft nicht entgehen lassen wird. Hierzu gehört ein Aussatz in dem neulich erschienenen Heft 171Ter Einfluß der Freimaurerei auf den Völkerkrieg" von Dr. Otto Philipp Neumann, worin auf Grund von Monographien das kriegshetzerische Treiben der romanischen, besonders italienischen und französischen und der mrpolitische Cha­rakter der deutschen Freimaurerei, dargetan wird. Tie historische Forschung findet in den Untersuchungen über die Entstehung der Kriege bekanntlich immer besonders lohnende Aufgaben, und wer etwa SybelsUrsprung- des französischen Kriegs (von 1870)" ge­lesen hat, versteht, mit welchen Reizen ein solcher Gegenstand be­handelt und ausgestaltet werden kann. Das, was derVölkerkrieg" in demselben Speft über die Kriegserklärung Italiens an. Deutsch­land und über die Rumäniens an Oesterreich beizubringen weiß, läßt uns ahnen, daß aus diesem Kern sich einmal etwas entwickeln wird, woran Fachmänner und Freunde der Geschichte eine rechte Freude haben rverden. Ter weitere Inhalt von Heft 171 und von 172 verarbeitet in zwei großen Gruppen den politischen, mili­tärischen und wirtschaftlichen Zusammenschluß der Mittelmächte einerseits, der Entente andererseits, je während des fünften Kriegs-, Halbjahres.

. TieWeltbüh n e, der Schaubühne XIV. Jahrh, Wochen­schrift für Politik, Kunst, Wirtschaft, herausgcgeben von Siegfried Jacobsohn, enthält in der Nummer 28: Tie Schlacht geht >oeiter, von Germanicus; Adolph Hosfmann, von Johannes Fischart: Welt­krieg, von Erich Erfried Truck; Sokrates der Jdeot, von Egon Friede!!: Der Tscheinik, von Peter Panter; Ergebnisse, von Alfred Grünewald; König Oedipus, von Alfred Polgar; Tie Tapete, von Ulrich Rauscher; An Peter Panter, pon Theobald Tiger; Ein Schulfall, von Alfons Goldschmidt; Antworten.

DerTürmer (Kriegsausgabe). Herausgeber: I. E. Frhr. v. Grotthuß. Vierteljährlich (6 Hefte) 5 Mark, Einzelheit 90 Pf. Probeheft portofrei. (Stuttgart, Greiner & Pfeiffer.) Ans dem Inhalt des zweiten Juliheftes: Politik und Völkerpsycho­logie. Von Pros. Dr. Bemw J'mendörffer. Freude. Von Fritz Müller. Frauenpflichten. Von Laura Frost. Urteilsfähigkeit über auswärtige Politik. Griechenland im Weltkrieg. Bon Dr. A. Poulimeiws. Die Wolga-Deutschen und das ahnungslose Deutschland. Die Berliner Bühnen im verflossetten Kriegswinter. Von Erich Schlaikjer. Gedenktage (Boß, Gebhardt, Burk- Hardt, Goilnod). Von Karl Stvrck Türmers Tagebuch: Ter Krieg. Auf der Warte.

Rnagramm.

Fahne, Streich, Palme, Daniel, Ornat, Seine

Vor jedem Wort ist durch Umstellung der Buchstaben ein neues Wort zu bilden. Die Anfangsbuchstaben der neuen Wörter müssen, im Zusammenhang gelesen, einen rveiblichen Vornamen ergeben.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auslösung des Vexierrätsels in voriger Nummer:

Iit: Gewölk. Ein Vogel ist das Auge, ein anderer der Mund.

Schriftleitung: W. Meyer. Zwillings runddruck der Brüh !' scheu Univ.-Bucki- und .Steindruckerei. R. Lange. Gießen-