Der Flammentöter.
Roman von Horst Bo dem« r.
(Fortsetzung.) _
Wellerkamp lag, die Arme unter dem Kopse verschränkt, Mlgezogeu auf seinem Bett. Die Erregung zitierte noch tu ihrn nach, schlafen konnte er doch wohl nicht! . . - Also überlegt, was nun kommen ntußde, er wußte ganz genau, was seine Erfindung wert war. Richsig angepackt, und die Millionenuinsätze klapperten ein paar Jahre, — bis einer etwas noch Besseres erfand. Die Zeit mußte genutzt werden, besonders in der chemischen Industrie ... Er lachte auf. Na, da erfand er etwas anderes! Er war doch keiner, der! die Hände in den Schoß legte! . . Und durch Schaden war er klug geworden! Das Pulverchen mußte, ihn zum reichen Manne machen! .... Möglichkeiten eröffneteu sich ihm — Möglichkeiten —, mit der Hand fuhr er sich iiber die heiße Stirn. . . Pah, zuerst an sich selbst gedacht — nnd die Fäden fein und hübsch vorsichtig gesponnen! Er kam in die Jahre, er wollte ivisjen, wo er hingehörte, eine geordnete Häuslichkeit mit einer stillen, vernünftigen Hrau haben, denn Spektakel machte er allein für drei! . . . Krohlvw! . . . Da warf er sich aus oem Bett herum, nach der Wandseitel Wenn ihn nicht gerade der hierher geholt hätte! . . . Aus die Füße sprang er, riß sich die Sachen von: Leibe, goß sich kaltes Wasser über Kops und Rücken, die halbe Stube stand unter Wasser, nnd dann lachte er übermütig. . ; Geduld, Geduld, die Zeit heilt manchen Schaden, nnd ins Haus siel er Klausner mit seiner Werbung rächt. . . Bon heilte ans morgen, ließ sich das Pulverchen nicht vertreiben! Die nötigen Vorräte mußten hergestellt werden, das Patent erst herauskommen, die Reklame ihre Wirkung ansüben. Darüber ging minoestens ein halbes Jahr ins Land. . . Und welchem Weibe hätten Riesenerfolge nicht imponiert? . . . Gott ja, er war ein ungehobelter Kerl, aber für die Menschheit doch ein bißchen viel mehr wert, als ein geschniegelter und gebügelter Dutzendleutnant! . . . Nur durste die Trude nicht gar so schnell dem Krohlow in die Mme taumeln. Und dafür würde der Klausner auch nicht zu haben sein! Der war ein vorsichtiger Mitteleuropäer! Der winkte ab und sagte von ganz allein: Kinder haltet mir jetzt Ruh und Frieden! Blüht unser Wiegen, dann wollen wir weiter sehen! . . . Und er riß natürllch Von Zeit zU Zeit die Augenbrauen hoch und bremste harmlos: Herr Klausner, Herr Klausner, es macht sich ja, — aber ich meine, den Gewinn stecken wir vorläufig wieder in die Reklame und lassen noch ein Dutzend Reisende los . . .
Er ging Mittag essen und stellte sich bereits um vier Uhr in der Klausnerschen Billa ein.
„Ich habe nämlich Leinen Grund mehr, und trocken werden die Sachen Wohl nun sein!"
Und sie waren es. Der Fabrikant stand mit offenem Munde vor einem Wunder. Er sagte zu den Seinen:
„Kinder, wahrhaftig, die Erfindung schlägt alle anderen Mittel! . . . Wenn sie nämlich preiswert Und chemisch harrw los ist, Herr Wellerkamp !"
„Das zu beweisen rvürde jetzt unter vier Augen meine Aufgabe fern! . . . Es ist eine Bertrauenssacho, Herr Klausner!"
Der hielt ihm die Hand hin.
„Wofür ich Ihnen zu danken habe, Herr Wellerkamp!"
Die Damen gingen. Ruhig, sachlich sagte der Flammentöter, ans welchen Bestandteilen das Waschpulver bestand, ein kleiner unschädlicher Zusatz — die Hauptsache.— entfernte die Flecken so schnell und gab der Wische noch dazu das weiße Aussehen, als ob sie gebmut sei.
Der Fabrikant rechnete, sein Kopf schnellte in den Nacken, hochrot war sein Gesicht.
„So billig kann die Konkurrenz' überhaupt ihre Waschpulver nichjt herstell>en!"
„Das isst ja der HauptwG dabei," meinte Wellerkamp mit größter Gemütsruhe.
Klausner schob den Stuhl zurück, ging, die Hände laus dem Rücken, erregt im Laboratorium auf und ab. Der Flammentöter blieb ruhig sitzen, rieb! sich immer seine große Nase Und sah zum Fenster hinaus' . . . Wenn er jetzt dem Fabrikanten die Pistole auf die Brust fetzte? . . , Günstig war die Gelegenheit — aber hundsgemein. . . Nein, das brachte er doch nicht fertig; . . . Versuchungen widersteht man am besten, wenn man v!or ihnen ausveißtt
Da stand er schon auf den Beinen.
„So, Herr Klausner! Ueberlegen Sie sich die Geschichte acht Tage! ... Da haben Sie noch Pulver, probieren Sie weiter!"
„Aber da gibt's doch gar nichts zu überlegen!"
„Doch! . . . Und jetzt ist's schön in den Thüringer Wäldern, dort draußen die Frühjahrsstürme,. raus muß ich, ich klapp sonst zusammen! . . . Haben Sie einen Hunderter zufällig bei sich, wäre ich für den dankbar. Mir wackelt der Kopf ein wenig Ms den Schultern! Kein Wunder! . . . Also ich meld' mich wieder. Montag in acht Tagen, bis dahin stellen Sie Ihren Kriegsplan auf!"
Den Schein in der Hand, stürmte der Flammentötev die Treppen hinab, als säße ihm der Teufel im. Genick.
Klausner stellte noch am selben Tage neue Waschversuche in seiner Villa au. Der alte, getreue Borchard wurde ins' Vertrauen gezogen, Feuer und Flamme w!ar er, als er den Er folg sah .
Die Lene wusch mit, ihr gab es einen Heidenspaß, vor den: Buchhalter brauchte sie kein Blatt vor den Mund m nehmen, der war immer ihr guter Freund geioefen. Eine große Schürze hatte sie umgebunden, eine alte Bluse mit Halbärmeln an, das Gesicht 'war von der Wäscherei gerötet, vas Haar zersaUst, so tanzte sie im Zimmer umher.
„Hurra! Hurra! Der Flammentöter soll leben! Hoch! Hoch! Hoch!"


