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im* ja auch ein höflicher Mann und toußLs. was sich schickt. Nach jeder Sendung sagte er schön Tank.
Tie Anna Schulze hatte „ihren" Feldgrauen noch ms leib-, hastig Var sich« gehabt. Wer sie wußte, wie er aussah. Ungefähr wie der Lohengrm im Wniglichm Opernhaus. Nur daß er nicht eine so höhe Desaorstinuu.e hatte — Jünglinge mit Hellen Tönen lassen sich zu leicht von Schwänen, entführen! — sondern einen ifejien, reifen, möinnlÄM Bariton, auf dem sich schon eAre Hütte bauen ließ . . . I«, das wußte sie Lanz genau! In vielen stillen Nachtstunden hat sie ihn deutlich gesehen und gehört, „ihven" Feldgrauen.
Wie schön, für einen anderen sorgen zu dürfen — mütterlich, schwesterlich, als. . . als . . . Hübsch war sie nicht, das wuKe sie. Aber wenn er zufvieden war? Er schrieb so freundlich, so zärt-- lich! Und sie hatte ihm ihr Bild geschickt (es war freilich kein ganz neues).
Was den Erich Schramm betrifft, Landwehrmann, so ließ er sich die reizenden Pakete sehr gerne gefallen, und auch die Briefchen, die in kalten Nächten eine angenehme Blutsivärme ausströmten. Es kann auch nicht geleugnet werden, daß sich hie und da seine und Annas Gedanken halbwegs auf ihren, Reisen ^ begegneten. Er ivar freilich bis in sein vierzigstes Lebensjahr eheschm geblieben. Aber wenn ein Mann lange keiue Frauenstimme gehört hat. . . Erich Schramm ernmerte sich, ernncal gelesen zu haben, daß der indische Gott einem wchklagondM Pantoffelhelden dix tiefsinnige Antwort gab: „Du kannst: nicht mit ihr leben, du kannst nicht ohne sie leben." Jetzt schien es ihm beinahe, als ob nutz des Satzes zweiter Teil in Betracht käme. Dachte er an Anna, so zeigte sich ihm ein blortdes Mädel in weiß-roter Jugend mit glän- tzerchen Äugen.
Annas Paketchen wurden spärlicher — man schrieb 1917, der Proviant war knapper.geworden. Sie blieben endlich aus. Alma Nagte darüber in ihren Briefen, die immer reichlicher und sehnsüchtiger wurden. Ob „ihr" Feldgrauer denn nicht endlich Urlaub erhielte? Nameitlos würde es sie beglücken.
Und er bekam seinen Urlaub.
Anna Schulze kannte die Llnkunft des nie gesehenen Geliebten! Kaum erwarten. Als der gesegnete Tag kam, brannte sie sich eine
S ite Wunde.in die Stint. So hatte ihre arme Hand, die das, renneisen führte, gezittert.
Sie saßen nun in Annas Stube, sie und „ihr" Feldgrauer. Das tveiß-vote Mädel ... Der Lohe'ugrin ....
Sie sprachen freundlich zueinander. Toch was die Lippen rücksichtsvoll verschwiegen, gestanden die .Angen: Enttäuschung.
Einige Tage später nahm Erich Schramm wieder Abschied. Er kam ins besetzte Gebiet, nicht mehr in den Schützengraben. Das jßfcirt, woraus das alternde Mädchen geharrt hatte, wurde nicht gesprochen. Auf dem Bahnhof aber, als der brave Junge noch einmal seine treue Pflegerin anscch, schnürte jhm das Mitleid die Brust. Er wußte, wie eiufcmt xr die Arme zurückließ! lind streß die Worte heraus: „Amur, bleiben Sie mir gut . . . und schreiben Sie bitte! . . . Ich werde immer an Sie denken."
Eine Reihe von Tagen verging. Tie AbsMedsworte hatten neue Hoffnungen in Anna aufgewühlt. Endlich kanr seit: erster Brief und ein Pcckct. Anna habe Jahr und Tag für ihn gesorgte Sie möge gestatten, daß er ihr ein wenig Butter schicke. ,
Einige Tage später staut wieder ein Feldpostpaket. Ttesmal war's Bohnenkaffee. Und gleich darauf eilt drittes: Zucker.
Ta wußte die Beschenkte, daß „ihr" Feldgrauer sein Gewissen .erleichtern wolle. . . Uttd sie schrieb ihm. lieb und gut, daß sie keinen Mangel leide. Und daß sie nur getan habe, ivas. alle Frauen für alle Soldaten im Felde täten. Und daß sie glücklich sei, weil sie habe helfeit können. Und daß fte ihn bitte, ernstlich bitte, ihr nichts mehr zu schicken.
In der „B. Z. am Mittag" finden wir folgenden Rauch- kräuter-Merkspruch: '
Rauch Laub von Linden, Birken, Buchen —
Toch E i ch- e n b l ä t t e r sollst Tu, nie versuchen.
Bedenke wie ein weißes Sprüchlein klingt:
Eichenloob stinkt! .
Vüchertisch.
— Knut Hamsun, Gesammelte Werke. Erster Band (Die. Romane „Hunger" und „Mysterien"). Titel-, Umschlag- und Einbandzeichmmg vmr Pwf. F. H. Ehrncke. Preis geheftet 6 Mk., gebunden 7 Mt. Verlag von Llkbert Langen in München. Hamsuns Geschöpfe sntd durchaus Geschöpfe dieser Zeit, Menschen von heute, die sich nicht mehr darnit begnügen, jeder eist Einziger zu sein, rmr schwaaz oder rmr rveiß, nur Kopftnenfch oder nur Herzruensch, win naiv oder rein serttimentalisch, sondern sie sind alles zusammen: himmlisch gut und teuflisch böse, ganz klug oder ganz dumm, httzig chrd kalt, demüttg und herrisch. Und diese längst erkannte Eigenschaft seiner Kunst, deren schvevem Gehalt unerhört sichere äußere Fonngebmrg entspricht, gibt Hanlsun seinen Platz. Der soeben erschienene, vorzüglich ausgestattete erste
Batch der Gesammelten Werke enthält die beiden frühen RsmtaM „Hunger" und „Mysterien", Bekentitnisbücher von hinreißendem Witcht, noch von dert Düsternissen Dostojewskis umfangen, und dennoch in jelter Zeile ganz der punge, um Leben itne Kunst gleich leidenschchtlich rmgertde Knut Hamsun.
— Erlebte Naturgeschichte. (Schüler als TietLevb«« achter.) !Bvn Cornel Schmitt, Schuworfleher in Lohr am Main. MÄ 30 Abbilsmrgen. Geb. 4 Mk. DntermtgszuWäge 30 °/o. Verlag B. G. Teubtter, Leipzig und Berlin 1918. — Daß Buch bringt eine große Zahl von Niederschriften 13—ITjähriger Schüler über ihre hn Ti^en aus allen Ktsssert -des Tierreichs, lote an Pflattzert anso-, stellten Be-otzachtitngen und Versuche. Es zeigt, wie auch ohrre teuere Apparate und laltgiSÄLige .Borö-sretttingen viele interessante und wsrtttolle NtLttrbeobc«Wuztgen gemacht werden können, auch auf einsamsten Spazieckvegst, wenn matt ttur Mchsn hat zu sehen und Ohren zu hören. Die SchAderungen^ werden. besonders das Interesse der Jugend gezoimmr, weil in ihnen der Schüler zll dem Kameraden spricht, sie tverden um so Kesser zu seiner Belehrung dienen, seinem
Unterricht bietet, wird seine Freude an den ungeschminkten, lebensvollen Schülerarbeiten haben. !
— Die Weltbühne. der Schaubühne(XIV. Jahr, Wochenschrift für Politik, Kunst, Wirtschaft, herausgegeben dort Siegfried Jaeobsohn, enthält in der Nummer 26: Tie kalte Recht ung, von Germaniciks. Feststellungen, von Lucian. Georg Graf von Hertling, von Johannes Fischart. Sezession, von Willi Wolsradt. Wrian Brouwers Hochzeit, votr Alfred Polgar. Witze, von Peter Panter. Scheidemantel, von Alfons Goldschuridt. Kleitw Anfragen, von Theobald Tiger. Antworten.
Gießener Hausfrauen-Vereirr. Kochanwkisnngen.
Suppe von g r ü n e n Bohnen oder Erbsen. Grüns. Bohnen werden fern geschnitten, rnit ettoas angerö sieter Zwiebel, Bohnenkräiitchett und Salz mft wenig Wasser iveich gedämpft; dantt so viel Wasser, Knochen- oder Würfelbrühe aufgefiillt, als man Suppe benöttgt rmü lvenn dies Locht, ein Teig von Mehl und Milch hineinlauftn gelasfett. .Die Suppe ututz dann^toch tüchtig durclWchen. Zu grünen Erbsen nimmt tnan die Schalenbrühe und Petersilie statt Ziviebel und Bohnenkraut.
Kräuterkrapfen zu Geniüse. In V« Liter k-cherrdes, gesalzenes Wasser, denk man ein Stückchen Butter zugefügt hat, schüttet matt l /2 Pfund.Mehl und rührt dies glatt, bis sich der Teig vom Topf löst. AusgMhlt, fügt inan rra-ch imd nach 3 Dotter den Schnee von 3 Eflveiß, 1 Teelöffel Backpulver und recht viel feingehackte grüne Kräuter, wne Petersilie, Schs.iittlauch oder Kerbel hinzu, setzt davon kleme Häufchm arrf ein gut gefettetes Blech uttd bäckt sie bei mäßiger Hitze im Rohr. Sie passett besonders grtt zu Blumenkohl und grünen Erbsen.
Haferplätzchen. 2 Eier werden mit x /i Pfund Zucker und 1 Päckchen Vanillezucker schaumig .gerührt, etwas zerlaffen« Butter, Haselnußmehl und V 2 Pffmd Hafermehl dazu gerührt, Häufchen auf ein gefettetes Bleck), gesetzt und diese langsam gebacken.
Herstellung von Kartoffelmehl. 20 große Star- doffeln werden geschält, dtcrch die Reibnmschine getrieben wid reichlich mit Wasser bedeckt. Rach einiger Zeit schüttet man sie auf ein Sieb, nachdem sie gilt durchgerührt worden sind, und gießt das abgelaufene Wasser von dem sich daraus abscheidenden Bodensatz ab. Tie Kartoffeln bedeckt rnan abermals mit Wasser, rührt öfter durch und sckMet sie nach einiger Zeit ioieder ans das Sieb. Tiefen Vorgang wiederholt man 4—5 nral, bis sich kein Mehl mehr ausscheidet: tnan stutn die Kartoffeln dann ttur noch hn Sluppe verwettden. Tas ausgerührte ltziehl läßt tuatl nuu durch e-.n feines Sieb laufen und.ernetrert das Wasser darauf so bürge, bis es klar und farblos bleibt. Tas Niehl nruß langsarn und vor> sichtig getrvckttet werden, datttit es nicht glasig ivird, an: besten geschieht dies in der Sonne. Zur Herstellung eines PuddingK genügt eilt Eßlöffel Kartoffeltnehl auf 1 Schoppen Milch, der man Zucker, Vanillezucker, Ei oder .Kakao znsügte. Ter Eidotter ivird mitge^kocht, das Weiße zu Schtkee geschlagen. Zu .eurer falschen Vauillesoße kocht man Hagebuttenkerne rdht lange in Milch und verdickt diese dann rn.it Kartoffelmehl und jüjjt sie. — AuH 20 gwßen Kartoffeln gewinnt man ungefähr Vs Pfund Niehl.
Tauschratsel.
Ziege, Fall. Stein. Kelle, Rang, Beil, Leier, Haut, Küfer, Hase, Schrank, Wolle, Hohn, Bairk, Witz, Spiel, Harrd, Alm, Eifer, Kohle, Blei, Weib, Rom. Harz, Kante.
Vorr jedem Wort ist durch Unrtansch eines Buchstabens an beliebiger Stelle ein neues bekarurtes Hauptwort zu bilden, jedoch derart, daß die neu eiugesügteu Brrchstaben im Zrrsamurenhang ein Sprichwort ergeben.
(Auflösung in rtächster Nuurnrer.)
Auflösung des Abstrichrätsels in voriger Ruuriuer. Wer gern tanzt, dem ist leicht ausgespcelt.
Schristleüung: W. Meyer. — Zwillingsruuddruck der Bräh l'jchen Uuw.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange. Gießen.


