Ausgabe 
6.7.1918
 
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Ja, ganz getviß. Wer was sollivtr wir tun? Dis deutschen' Soldaten in Sibirien>when den Osten, sagt der Englänoev, Vne militärische Operation Japans m Rußland entlastet di^ Westfront, sagt der Franzose. Beide sind unsere Bundesgenossen, so gut wie Amerika. Sollen wir helfen, gebrauchen wir den Schiffs«« ramrr."

Das wünscht England?" fragte der Amerikaner wütend.

O nein, die britische Regierung ist viel zu bescheiden, um einen solchen Wunsch offen auszusprechen. Doch es hieße für uns den Geist des Bündnisses arg verkennen, wollten wir daraus war­ten. Indessen, das impulsive Frankreich hat die Bitte in der Tat an uns gerichtet."

Das muß ich meiner Regierung berichten."

Jawohl, Herr Botschafter. Aber ich bitte, nicht ohne weiteres unsere Absichten, die sich sicherlich so sehr mit Ihren WünsHent decken, als Tatsache zn melden. Wie wir hören, soll Indien sehy unruhig sein, und es wäre möglich, daß das englische Interesse eine Besetzung indischer Provinzen durch unsere Truppen erfordert. Das ginge natürlich vor. Tenn, Sie verstehen, das Bündnis mit Eng­land ist das älteste." (

Ter Amerikaner trat noch einmal in den vernichteten Spuck­napf, murnrelte ein Abschiedswort und entfernte sich.

In der Tür stieß er auf den Gesairdten der französischen Re­publik, desscu verbindlichen Gruß er ziemlich kalt erwiderte. Schnell ging er durchs Vorzimmer, in das soeben der britische Botschaften eintrat.

Auch an ihm wollte der Amerikaner vorüber; doch er besann sich Blitzschnell kam ihm die Tatsache ins Gedächtnis, daß Indien weiter von Frisko und den Philippinen entfernt ist als China und Sibirien.

Ach, Exzellenz ... ich >var soeben bei Traudumi. Denken Sie, die wackeren Japaner sind geneigt. Ihnen in Ihren indischen Nöten beizustehen. Und wahrhaftig. Sie sollten nicht aus Bescheiden­heit ablehnen. Unser Bundesgenosse ist, sehr tatendurstig; er will uns unbedingt inr Osten militärisch helfen."

Ter Engländer verfärbte sich leicht: aber er hatte Nerven,

Wir sind keine Egoisten, Exzellenz, tvegen Indien wollen wir die Japaner nicht bemühen. Hier handelt sich's um große, allge­meine Gesichtspunkte, und da Traudumi so fest entschlossen ist, uns zu helfen, so mag er in Gottes Narren die deutschen Gefangenen; m Sibirien bekämpfen, und die amerikanischen Munitionslag er> sichern." ,

Ter Amerikaner rieb sich sein langes Kinn:Der Gelbe rüstet enornr. Einen: von uns beiden hilft er auf jeden Fall, nur nicht in Europa." !

Ter Engländer kaute an einein Fingernagel. Schließlich sagte er flüsternd:

Das wird doch denke ich eins sein, denn deshalb haben unsere beiden Regierungen das Bündnis gegen Deutschland ge­schlossen. Und ein Bündnis ist etrvas Heiliges."

Der Amerikaner dachte daran, oaß Traudumi kurz vorher dieselben Worte gebraucht hatte:

Jörn, ja, wenn nur nicht dieser Franzose wäre. Ter Deutsche sitzt ihm ja allerdings böse im Genick; aber ich sinde es von ihm sehr unmoralisch, daß er so gar nicht an die Jitteressen seinert Bundesgenossen denkt," entrüstete sich der Bankee.

Der Engländer dachte nach

Wissen Sie was? In Jndochina sind Unruhen nehme ich an die altchinesische Bewegung wird zn einer drohenden Gefahr. Unmöglich kann Frankreich eine solche Bewegung, wenn sie ans­bricht, allein meistern. Hier vorzubeugen, ist Japans Aufgabe. Ich werbe sogleich Traudnrni darauf aufmerksam machen."

Hvl's der Teufel. Llber da Japan sich nicht mehr von einer Unterstützung abbringen läßt, so ists schon am besten, es befreit Franweich von Atchinesen. Tun Sie, wie Sie dachten, Exzellenz, ich werde derweil zu Herrn Lumpek, dem bolschewistischen Gesandten! gehen. Er soll verbuchen, Traudumi zu überzeugen, daß die deutschen Gefangenen nicht so sehr gefährlich sind."

Das wird Sie ein schönes Stück Geld kosten: nun, daran! fehlt s Ihnen ja gottlob nicht. Ueberzengen aber wird Lumpek den Japaner nur, wenn er weiß, daß Sie und ich die atchinesische Ge­fahr für dringend halten."

Hiermit trennten sich die beiden Gesandten.

Sibirien tverden wir uns im Frieden retten; den Amerika­ner wollen wir schon dumm machen. Wir pmnpen einfach miedest Morgan an, dann muß Ohm Jonathan uns helfen," so dachte der Engländer.-

Jetzt kommt der Dümmste unter meirren vollkommen einigen Alliierten. Er glaubt ehrlich, daß nur ihm in Sibirien oder sonstwo nützen können oder wollen; er hat immer sehr viel geglaubt/* sprach Traudumi zu sich selbst. Hierauf empfing er mit Wärme den französischen Gesandten und drückte ihm sein herzliches Beileid! über die Unruhen in Annam aus. '

Ter Franzose war verblüfft:Wer nein, Graf, die Einge­borenen sind friedlich." ,

Nein, Herr Botschafter, meine Informationen sind durchaus

sicher, absolut, es ist mn Zweifel möglich-aber war's in

Jndochina? Aber seien Sie beruhigt, wir helfen Ihnen."

Ter Botschafter lächelte zuversichtlich. Er war ahnungslos und sehr dankbar. -

Ihre Freundschaft entzückt mich. Darf ich fragm, Pb Sie M wegen Sibirien entschlossen habe::?"

Gewiß, wir helfen; überall helfen wir. Wir werden die Deutschen überrennen, wenn nicht nähere Interessen unserer Ber- vündetnr unsere Unterstützung nach anderer Richtung verlangen^ In andren gährt es, auf den Philippinen, in Kochinchina. WtrA- llch, ohne Selbstlob, wie müssen sich Frankreich, England und! Amerika öeruhrgtsühlen, daß sie bei ihrer militärischen Gebundene hett ihre Interessen so rückhaltslos und vertrauensvoll in imserck Hände lege;: können."

Ter Franzose lächelte wieder. Er merkte nichts. Er merkte nie etwas.

Ich will Ihnen etwas sagen," fuhr der Minister fort,wir werde:: vorläufig Wladiwostok besetzen und dort den deutschen Mn- flntz vernichten. Das wird Ihnen im Westen Lust schaffen."

Der Botschafter sah nun doch recht enttäuscht aus.

Nur Wladiwostok? Wer Sie haben doch so gewaltige militä­rische Vorbereitungen getroffen: ich dachte . . ."

Selbstverständlich alles sin- unsere Alliierten! Sie müssen aber begreifen, daß wir für alle gleichmäßig sorgen müssen. (&» wägen Sie doch nur: was sollte Amerika von uns denken, wenich w:r für Ihre Interessen alle Kraft einsetztcn und wir hätten für Amerika nichts übrig, falls es unserer aus den Philippinen bedarf?"

Damit mußte sich der Franzose zufrieden geben.

Als er fort war, erschien der Engländer. Der wußte dem Mi­nister zu berichten, daß eigentlich der ganze Osten unruhig sei, mit alleiniger Ausnahme der englischen Besitzungen.

Ter Japaner stimmte zn, äußerte aber tvegen Indiens lebhafte Zweifel.

Gleichwohl, Herr Botschafter, bitte ich Sie, ohne Sorge zu sein, zur richtigen Zeit tvird Ihnen Japan helfen/'

In diesem Augenblick erschien Lumpek, der Bolschewiki. Der nickte zr: den trüben Bildern, die der Engländer von Jndochina! malte, obgleich er, der Russe, keine Ahnung hatte, wo das lag.

Mit Sicherheit wußte er aber, daß in Wladiwostok nichts los sei, worauf ihm Traudumi autworiete, daß leider noch vorgestern! ein japanischer Untertan durch euren bestimmt verbrecherisch auf-i gehetzten Knaben beleidigt sei und daß die Würde Japans eine,, im Augei'.blick übrigens schon vollzogene, Landung zur Wieder-^ Herstellung der Ordnung heische. Ein ganz ähnlicher Fall habe sich Mich in der: Erzbecken des oberen Amur zngetragen rrm> auch dort i

Eine Stunde später kamen die Botschafter Amerikas, Eng­lands, Frankreichs zusammen. Auch Herr Lumpek lvar zugegen.

Abeine Herren," so sprach der Engländer er war der! Klügstefür Japan ist's nur eine geringe Truppenmoscht, die es nach Ostsibirien schickte; es hat rwch sehr viele Soldaten aktions­bereit. Wir müssen uns unbedingt darüber einigen, wer das! Opfer seiner weiteren Hilfe bis zum sicheren Siege über dicj Mittelmächte auf sich nin:mt. Diesen entschädigen die anderen und garantieren ihm-"

Es war viel, sehr viel, was der Engländer garantieren wollte; kein Opfer lvar ihm einerseits zu groß, aber bringen sollte es dev Franzose.

Der fühlte sich durch das Vertrauen sehr geehrt.

Als Traudumi von dieser Unterredung durch seinen Spitzel Kenntnis erhielt, sagte er entrüstet zum Sekretär:

Dieses Mißtrauen unter Verbündeten finde ich sehr häßlich. Warum zog man uns nicht zu? Jetzt müssen tvir nach eigenstem objektiven Ermessen entscheiden, wen: wir helfen."

Eßn klein wenig kniff er das linke Auge zu und sah den Se­kretär an, der das rechte Auge etwas stärker zukniff. >

zcldpoftpakte.

Nöovelle von Hermann Kienzl.

(Nachdruck verboten.)

Anna Schulze Chatteihren" Feldgrauen.

Fast jede von den Klontordamen bei: großen Schweißmaschirren.» sabril hatte einen. ,Tie Mädchen es war in der erster: Zeit des Krieges, als noch die Kühe reichlich Milch und Butter gaben, die Henne:: zahlreich Eier legten, die Ochsen mtb Schweine sich mästeten und andere famose Sacher: für die Feldipostpakete wuchsen! die Mädchen des Geschäftes verpflegten i-r verteilten Rollen einj Schock Landwehrmänner. Jede hatte .ihren". Einmal in dev Woche gir:g die kleine Pappschachtel ins Feld. Mit der Zeit steigerte sich die postalische Tätigkeit. Sie sparten es sich an den seidenen Spinnwebstrümpschen ab, die guten Dinger!

Nicht an Menschen- oder Gotteslohn dachten die mildtätigen Herzchen. An die Larwwehrmänner dachten sie, die so hartes Unge­mach bestanden. Nur auf der Liste waren die Namen dev unverheirateten Landwehmnänner mit einem Krenzchen gekannt zeichnet. Sehr zweckmäßig war das! Tie Verheirateten hatten ja Frauen und Kinder, die für sie sorgten.

Nun wanderten die kleinen .Pakete der Anna Schulze schon ins dritte Jahr. Nach Rußland, nach Flandern, nach Serbien! und wieder nach dem Westen. Zwischen den curhrhafter: Liebesgaben! schmuggelt sich ab und m eine rein-seelische ein. Ein Briefchen. Es war so natürlich, daß:nün tzvm Schenken ins Schreiben kam! Der Mich Schrcmyn, von friMichev MstzMMung Mipatbeamtex,