Der Flemmeiiföter.
Roman von Hör st Bodemer.
. - (Fortsetzung.)
Aergerlich lachte der Fabrikant. Wellerkamp wurde ihm unheimlich.
„Erklären. Sie mir doch, — was soll denn das heißen?"
Da trumpfte der Flammentöter auf.
„Vorläufig wird rllchts verraten!"
„Herr Wellerkamp, ich möchte doch dringend bitten!"
„Ich bitte jetzt dringend! Nämlich, daß Sie jemand zu meiner Wirtin, der Uhlemann, schicken und mir einige Kleidungsstücke holen lassen. Ergänzung der dort aus der Leine baumelnden . . . Um zwölf Uhr möchte ich doch Ihren Damen meine neueste Erfindung in Freiheit dressiert vorführe'.r Und drei bis fünf Frauen, swme ein paar Waschtröge und recht schmutzige Wäsche brauche ich auch!"
Klausner verstand, sein Gesicht verfärbte sich.
„Um Gotteswillen! Doch nicht noch ein Waschpulver!"
„lind güb' es zehntausend! Das macht das Rennen! Also wenn ich bitten dürfte, Herr Klausner, — mich sängt nämlich an zu frieren — Strümpfe, Kragen, Taschentuch und Manschetten. Ich schreib's auf einen Zettel!"
Ganz geknickt begab sich der Fabrikant nach feinem Privatbureau. Stöhnend ließ er sicb in seinen Schreibtischsessel fallen. Da war wieder einmal eine Hoffnung zusammengebrochen! Ein Phantast war der Wellerkamp, der eiw nral in seinem Leben einen guten Gedanken gehabt hatte und nun mit dem krebsen ging . . . Waschpulver! . . . Der reine Hohn! . . . Man brauchte nur die Zeitungen aufzuschlagen, in jeder Nummer standen mindestens zehn Annoncen. . . Na ja, die Firmen bestanden! Ob aber mit Glanz bei Konkurrenz, das war die Frage! .... Wenn er noch, einmal tief in den Geldbeutel griff, — denu unheimliche Reklame mußte doch gemacht werden, — und es gab einen Fehlschlag, dann, konnte das Ende bitterböse aussehen! . . . Ach so, der Zettel und die Frauen! . . . Den Willen sollte Wellerkamp noch, haben, und znsehen mochten seine Damen auch. Eirr- schürstn wollte er ihnen aber, daß sie ja nicht in Ruse des Entzückens ausbracheu! . . .
Fünf Frauen standen vor der Tür des Laboratoriums, blecherne Waschgefäße in den Händen, zuckten mit den Schultern und lachten sich an. Welterkamp war bereits irr der Fabrik als „en närrischer Kerl" verschrien. Und nun war er nicht einmal da. Selbst Herr Klausner mußte mit seinen Damen warten. Der fuhr "sich immer wieder mit der Hand über sein in die Höhe gebürstetes, graues Haar. Die Lene aber fand die Situation ungeheuer ulkig.
„Paß mal ans, nun geht es los, — nämlich die Aktien- gesellschaftsgründerei, in Deutschland, Oesterreich, Frankreich, Italien, überhaupt in allen Kulturstaaten."
Ihr Vater schüttelte mißbilligend der: Kopf.
Da kam der Flarnmentöter. Sein Gesicht war gerötet, die Augen verqrwllen, der Schlips hing ihm schief Um den Kragen, hinten war er hochgerutscht, eine Flasche. Rotwein trug er in der Hand.
„Verzeihen die Herrschaften, aber ich hatte noch einiges zu besorgen! . . . Ist schmutzige Wäsche da?"
Lene stieß mit einem Fuß an einer: Haufen Servietten Nrrd Handtücher und zeigte ans die Flasche.
„Sollerr wir 'Uns stärken? Wird die Geschichte so anstrengend ?"
Da lachte der Flarnmentöter.
„Nein! Italienische, ganz, gemeine Sorte! Passen Sie nur ans, es gibt eine grandiose lleberraschuna!"
Er schloß die Tür auf, vermied, die Trude anznsehen. Auf Lerer: Wangen branrllen die roten Flecke. Hände und Kopf glühten, sie hatte Fieber.
Auf den drei Gaskochern brodelte kochendes Wasser. Die schmutzige Wäsche wurde h-ereingebracht, die Blechwaw- nen auf Stühle gesetzt. Aus der Tasche nahm Wellerkamp die verschiedenster: Waschpulver, die im Handel waren.
„Frau Klausner, gewiß haben Sie sich schon sehr häufig über Rotweinflecke in den Tischtüchern geärgert?"
„O ja!"
„Nun passen Sie mal ans!" Er korkte die Flasche auf und schüttere auf die ältesten Serviette:: und Handtücher Rotwein, wischte dann mit ihnen den Boden aus, er hatte es dringend rrötig. „So, nun sind sie schmutzig genug! Also jetzt geht die Wascherei los!"
Die Frauen wurden angestellt und mußten mit den eingekauften Pulvern ihr Heil probieren.
' Der Fabrikant trat von einem Bein aufs andere. Starrte ans die schmutzigste, am stärksten mit Rotwein getränkte Serviette, die noch ans den: Blöden lag. Weller- kamp sah es, hob sie auf.
„Die wasch ich — mit unserem Pulver! . . . Verzeihen die Damen, aber der: Rock muß ich anszieherr! Zwar bin ich nicht geübt, Schornsteinfeger und Waschfrau brauchte ich bis heute noch nicht zu werden, aber trotzdem!"
Klausners standen nur ihn herum. Die Lerre stieß die Trude an und unterdrückte mit Mühe das Lacherr.
„Hu," sagte sie, „wie das schäumt!"
„Das soll's auch — ordentlich," entgegriete der Flarn- mentöter. „Das Schäumen allein macht's natürlich nicht, aber die Hausfrauen lieben das!" . . ,
Die Trude mußte sich setzen. Seit Wochen rebellierte ihr Magen; sie fühlte sich, immer schwach und müde. Spitzer war ihr Gesicht geworden, noch größer die Augen.
. . . Keinen Blick wandte sie von Wellerkamp. Der stand ihr gegenüber rnit hoch,ge streiften Hemdärmeln, eine dicke Haartolle hir:g ihm über die Stirn, bis hinab zur großen Nase . . . Frau Klausner ging von einem Waschgesäß zun: anderen. Keines der Pulver machte solchen Schaum, das war ein Vorteil — aber Air: ausschlaggebender . . . Die Leue fand ..die Vorstellung" riesig interessant, sie staub auf fest


