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Die Schlemmer von Tiefurt.
Non Karl Esch er.
(Nachdruck verboten.)
Zu Weimar waren wir unserer drei: Herr Nickelschmidt ans Hamburg, seine junge Fvau und ich. Im „Elefanten" harten wir uns gesehen, in Schillers „guter Stube" kennen gelernt, jetzt gingen wir die Kastanien-Allee entlang nach Tiefurt. Kamen mr Wildenbruchs Schlößchen vvrriber und an der Marie-Seebach-Stif- tung, allwo ergraute Schauspieler geruhsam ihre Treißig-Pieunig- Zigarren tu die klassische Luft paffen. Tann folgte ein Feld, weit, groß, majestätisch, mit blauem Himmel und den. notwendigen Silberwolren darüber, auch sehr geruhsam und friedlich, nur wurde die Friedlichkeit durch lautes Knallen ettrms verwischt. !Tas war von einer Kompanie Soldaten, die sich im Handgranatemwerfen übte.
„Schöne Gegend," sagte Herr Nickelsch-midt. Ta waren wir beim Diefurter Park angelangt. Ein paar :wch lebende Gänsebraten, und Mehrere vergessene Suppenhühner scharrten int Sand, die nahen! .Wipfel rauschte:: und ebenfalls aitch die Ilm.
„Schöne Gegend," sagte .Herr Nickelschmidt noch einnral.
Im Park redeten wir, wie es der Führer von Weimar und Umgegend vorschreibt, von Corona Schröter, von Anna Amalia lMtd von der Göchhausen. Das heißt, die Frau Nickelschmidt redete, ich hörte zu und Herr .Nickelschmidt rauchte Zigaretten. Hier also wurde die „Fischerin" aufgeführt mit bengalischer Beleuchtung Und so. Was man auf Reisen nicht für Neuigkeiten erfährt.
Herr Nickelschmidt meinte, baß Hagenbecks Tierpark in Stellingen mindestens ebenso lohnend sei. Löwen und Hyänen wie tu Freiheit. Jawoll!
Und dann gingen wir die Alm entlang. Tie Frau Nickelschmidt begann etwas in Versen zu reden, und zwar von heilsamen Nyrn- phen. Wir wunderten uns. /Herr Nickelschmidt behauptete, daß einem Mann, der täglich zweimal mit dem Motorboot von Uhlenhorst Mr Lombavdsbrücke fährt, so ein bißchen Wasser nicht imponieren könne.
Und dann gab es Streit.
Die unersättliche Frau Nickelschmidt wollte durchaus nichts jauslassen, sie drängte, das Tiefurter Schlößchen zu besehen. Wir protestierten. Mit Recht sagte Herr Nickelschmidt, er habe das Goethehaus und das Schillerhaus besichtigt, sein Bedarf sei reichlich gedeckt, und von Komfort könne in solch hinein alten Kasten. d!uch nicht die Rede sein. Frau Nickelschmidt ließ nicht lower. Wir gingen erst einmal um den „alten Kasten" her nur. Da war ßu ebener Erde eine Tür offen gelassen, offenbar von dem Trupp junger Schwärmer, der sich gerade von dem Kastellan verabschiedete, und wir sahen .durch die Tür, waren sprachlos, sahen uns an, sahen wieder durch die Tür und bekamen allesamt das Schlucken.
Es war die Küche der Anna Amalia.
Und Ums für eine Küche!
Eine Küche! Quatsch, ein Paradies!
Tie Tränen kamen rms in die Augen, wahr und wahrhaftig.
Ta war ein riesengroßer Herd, da war ein riesengroßer Anrichtetisch, da wäre,: Rieserlgestelle, und alles, alles, alles, bedeckt, überladen, gerammelt voll mit den herrlichsten Dingen der Welt. S£>o. lagen goldbraune Fische, gebratene Hühner, geräucherte -Schinken (kolossale Bengels), ein unmenschlich großer Kalbsbraten, weiße Brote, Zuckerhüte, Ananas, Erdbeeren, Pasteten und hundert, ja jausend Tinge, die es überhaupt nicht mehr gibt.
Frau Nickelschmidt jappste nur, ich unterdrückte einen leisen Klageruf und Herr Nickelschmidt - sagte: „Donnerwetter!"
Und dann rannten wir in diese Küche aller Küchen; hinter Uns ruhig und gemessen der Kastellan. Wir sahen ihn an, jeder hon uns hatte statt.der Augen zwei Fragezeichen, im. Kopf.
„Tja," Hub der Weise an, „als Goethe noch jung war, hat er sich mit dem hochseligen Herzog zusammen einen Spaß gevnacht. Für eine Abendgesellschaft ließ er das ganze Gastinahl aii§ Pappe machen, es schön auftischen, und dann ging ein Vorhang hoch da stjand erst das richtige Essen. Tie Herrschaften hatten keinen kleinen Schreck gekriegt. Tja."
„Aus P—p—pappe," sagte Herr Nickelschmidt und klopfte Mit dem Knöchel seines rechten Zeigefingers auf einen Burgunder Schinken, „aus Pappe! Du kriegst die Motten! Und ich dachte schon, lvir hätten den städtischen Hamsterkeller entdeckt. Das ist Nicht reell! Komm, Mathilde!"
,,Hast du den großen Zuckerhut gesehen?" fragte Frau Nickel- fchmiot. Bei seinem Anblick waren alle klassischen Erinnerungen in ihrem Busen gestorben.
„Tie Leute lebten!" nnrrmelte. ich.
Trübselig gingen wir nach Weimar zurück und zählten unterwegs unsere Reisebrottnarken zusammen.
gängK von eitmn dieser polarsten GegensWe kn den ÄyArr? iE einst die Gabe eirves E. Th. A. Hosstnamr, des alten „Geistes-; hojfmanu", und sie wird heutzutage nur durch wenige Verfasser ganz selten einmal vertreten.
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— Die heulende Wölfin. Römische Tenien von Hans Barth. Verlag von Julius H o f f m a n n, Stuttgart. Preis 1 Mk.
AhftrichrStsel.
Zwerg, Neger, Senta, Netz, Tandem,
Fistel, Eichel, Traum, Frage, Spiegel, Tod. '
Von jedem Wort sind zwei Buchstaben au beliebiger Stelle abzifftreichen derart, daß die steheublelbenden Worttelle' im sinngemäßen Zusammenhang ein Sprichwort ergeben.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Quadraträtsels in voriger Nummer. KOPF OPER P E R A FRAU
Büchertisch.
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Schristleitnna: W. Meyer. — Zwillingsrunddruck der Brüh l'scheu Nn'v.-Bnch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießern


