Ausgabe 
3.7.1918
 
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WellerVamp sab sich mn mch mußte tuchen. Würde der Mal Augen rnochen! Der Rbtzgel fu.hr zurück.

Ich gpatiriiere, Zerr Mlusner- unb guten Morgen Wkich!" Trercherzrg hielt ihm der Wammentöter die Hand hin.Sehen Sie mich hur nicht so au i Ich Hab die Waschfrau gespart! Da hörigen Kragen und Manschetten, Taschentuch! Und Strünrpfe! Mn Lboß froh, daß ich mich nicht so zu Men brauche, Spiegel fehlt Gott sei Dank in dieser heiligen Haltet (Fortsetzung folgt.)

Der Gepäckträger.

Ein heileres Begebnis. Bon Hedwig von Puttkamer. (dchchjdrucß verboten.)

Auf einem der Berliner Fernbahnhöfe herrschte das bekannte überfüllte Leben und! Treiben. Einer der Apend-T-Züge aus den Ostscebädern umr soeben eingelaufen und die Reisenden drängten in gmgeduldiger Haß der Sperre und den: Ausgang Zn. Einige Optimisten, braungebramrt, und die Augen noch wie getränkt von: lachenden Blau der See UiH Uer sonnigen Sommerlage am Strande, die hinter ihnen lagern wagten den Ruf Mach dem Gepäckträger"! Doch die wenigen Grünbejackten, die sich mühsayl in dem Gewühl Plast schassten, hatten mit dein Ausladen dev massenhaften großen Koffer und Körbe reichlich Zn tu!n und zeig­ten. den Ruferndie kalte Schulter", wie die Diplomaten das aus- Ludrücken pflegen, wenn eine Nachricht laut verbreitet wird, die ihnen unbequem ist. Es half also nichts, man mußte schon selber zufassen.

Die zierliche kleine Same, die ans einem Abteil erster Klasse gestiegen war, sah sich ratlos und verzweifelt um. In jeder Hand Hielt sie einen kleinen Koffer, der eine enthielt augenscheinlich ihr Doilettennezessaire, das andere war ein Teekorb, irr dem es leise von Silber und Porzellan klirrte. Ein Herr reichte ihr eben aus dem hohen Wagen noch eine Hutschachtel nach, dann noch eine leichte Seidendecke, ein Kissen, die Schirme, einen Rosen-, stjranß, ein Buch. . . mein Gott, alles, lvas eine elegante Frau unterwegs braucht und nur sich zu haben liebt und beim besten Willen, nein wirklich, beim besten Willen zur Einschränkung nicht gut entbehren kann. Tie kleine Frau Schloßdorf ioar ganz über­zeugt davon, daß sie nur dasAllernotwendigste" mitgenommen hatte! Ein sehr nnbestimurbarer Begriff! Dem einen bedeutet es den Rucksack mit dem Hemd und der Bluse, und dem anderen den Schrankkosfer mit einigen Tritteldntzend Blusen und sonstigen, lustigen und luftigen Bekleidungsgegenständen,, wie sie eine hübsche junge Witwe nun doch einmal für nnabweislich nötig hält, wenn sie ins Bad, reist.

Frau Muchjen, wie sie von ihren Intimen genannt wurde, seufzte tief und sah an ihrem .eleganten grauen Seidenmantel herunter.Wie soll ich bloß nach Hanse kommen?"

Ta sich niemand um sie kümmerte und auch der galante Herr in die Arme seiner harrenden Gattin gefunken war und mit ccm Augenblick alle Galanterien vergessen zu haben schien, die ihm im Badeort al-si sidelem Strohwitwer das Selbstverständ­liche gewesen waren, raffte sie ihre Habe ans, so gut es gehen wollte, itnb trippelte als eine der letzten dem Ansgange ju. Nach­dem sie zweimal dcis Kissen verloren, den gelben Rerseroman, der ihr immer wieder entglitt, mittend vor die gemütlich schnau­fende Riesenlokomotwe geworfen.hatte, nachdem sie an der Sperre erst eine Weile halb verzweifelt nach ihrer Fahrkarte gesucht und sie endlich brav im Handschuh gefunden hatte, stand fte zuletzt unten aus der Straße und hielt nach einer Fahrgelegenheit Ausschau.

Fanny >.nuß nrein Telegramm nicht bekommen haben," stöhnte Fraic Machen,wie konime ich nur nach Hause!"

Ter Vorplatz war gänzlich wagenleer, und eben Hub zu allem übrigen ein Tröpfeln uub Rauschen an, das sich in un­heimlicher Geschwindigkeit zu einem prasselnden Regen verdich­tete, der in zwei Minuten Pfützen und Seen schuf und Mnchens Seelenzustand zu einem derartigen Grad der Verzweiflung stei­gerte, daß sie mit Selbstmordgedanken in die trostlose .Nässe hinansstarrtc. Dicke Tränen Ir übten ihre .schönen Angen,, wie die Regentropfen die blanken Scheiben der überfüllten Elektrischen, die unbarmherzig glatt an der Haltestelle vorüberfuhren. Die müden Arme der kleinen..Frau vermochten das Gepäck, das sie trugen, nicht mehr zu halten. Achtlos ließ sie alles hinunter--, gleiten, in den Schnfutz, ihr war alles gleich. Sic öffnete mühsanr den Schirm, um wenigstens noch den teueren Hut zu retten. Resig­niert dachte sie:Ich setze mich hier aus meine Handtasche. Tie ganze Nacht durch. Tann können sie mich einsperren. So bekomme ich wenigstens ein Obdach. Oder ich sterbe, und dann . . ja, dann wüßte sie.nicht so recht, wem sie die entsetzliche Schuld am Ende ihres jungen Lebens aufbürden sollte, und wen es in dein schreck­lichen Berlin, in dem sie erst seit dem Tode ihres Mannes ohne großen Verkehr still und zurückgezogen lebte, so besonders erschüttern würde. Um so einsamer tmb verlassener fühlte sie sich.

Tie Straßenbeleuchtung.war so mangelhaft, daß man kaum die Schilder der elektrischen Bahnen erkennen konnte. Einige Male ver-i suchte sie einen Vorstoß, aber ehe sie mit ihrem Handgepäck heran war, zog die Schaffnerin schon an der Leine, und weg war die Bahn. Ta packte sie die Wut der Kerzipeiftuna. Sie stampfte mit

den: zierlichen Fuß ainf, gerade in eine Wasserlache hinein, aber r^r wor's egal, ob es spritzte.oder nicht.Na, dann sterbe ich eben wer auf dem Fleck!" sagte sie trotzig, und .wirklich zitterte sie vor. Nässe und nervöser UeberreiMNg wie im Fieber.

Neben ihr stand schon eilte ganze Weile ein Mann und be­obachtete sie. Bei ihren .Worten horchte er ans, und ein Lächeln huschte über das scharfgeschnittene, braune Gesicht, das fast ganz unter der tiefgezogenen Mütze und dem hochgeschlagene!: .Kragen sesnes grauen Regenrockes verschwand. Er war Soldat, wie «s schien, und in naivem Zutrauen sah Frau Machen zu ihm aus, als er sie mit tiefer Stimme ansprach:Da könnte ich mir wohl fünfzig Pfennige verdienen, wenn ich Ihnen tragen helfe?"

Ach Gott, viel mehr! Es soll mir gar nicht darauf ankommen, wenn Sie mir nur ein bißchen helfen wollen."

Er nickte gutmütig und bewaffnete sich ohne.-mite-res mit ihren Sachen, sie nahm voll neuer Hoffnung den Rest, und im Schutz seines breiten Rückens gelangten sie glücklich in die richtige Bahn, die bis dicht zu ihrer Wohnung fuhr. Ter hilfreiche Begleiter stand draußen. Machen quetschte sich drinnen im Wagen herum. .Ab und zu' schoß es ihr durch den Sinn: Mein Gott, wenn er jetzt mit meiner Handtasche absteigt! Tann sah sie sich auf­geregt nach ihm um, und er mochte wohl ihre Befürchtungen ans ihrem lebhaften Gesichjtchen ablesen, .denn er nickte beruhigend pnd ans hellen, ehrlichen Augen zu. ihr hinüber. Sie zerbrach sich den Kopf, was er wohl sein könnte. Sein feldgrauer Mantel zeigte kein militärisches Abzeichen, auf dessen Bedeutung sie sich übrigens doch schwerlich verstanden hätte, das Gesicht blieb nach wie vor HM .verdeckt, aber was man davon sah, war durchaus sympathisch und angenehm. Machen seufzte, ach!, es war doch schrecklich, so allein zu sein! Wenn der da draußen nun ihr Mamr gewesen wäre, brauchte sie sich um nichts zu kümmern!

Leibnizstraße!" rief die Schaffnerin, und die kleine Frau eilte zur Türe.

Wir müssen aussteigen!" Ihr Gepäckträger folgte ihr.Es sind nur noch etwa fünf Minuten," sagte sie fast schüchtern.

Oh, das macht nichts. Ich habe Zeit. Ich bringe Sie nach Hanse."

,/S-ie sind.wirklich rührend nett." Machen wußte nicht, sollte sie eme Unterhaltung ansangen oder lieber schweigend wachsen, daß sie ihn los wurde. Seine Beharrlichkeit war ihr fast beun­ruhigend. Sie hastete voraus und schloß die Haustüre auf.So, bitte setzen Sie alles hier herein, ich werde gleich das M'Ädchcht herunterschicken." Sorgsam schloß sie wieder ab. TaMit er mir nicht noch zuletzt durchbrennt, dachte sie Vorsichtig.

Aber darf ich Ihnen die Sachen nicht noch nach oben brin­gen?" fragte er höflich. Er war neugierig, ob sie einen Mann hätte oder nicht.

In . . . nein .... ach .. . na ja, wenn Sie wollen," Ihr Zögern verstummte plötzlich vor dem ehrlichen geraden Mick seiner Augen, die seltsam forschend aus ihr ruhten. Sie errötete and eilte die Treppe hinauf. Er folgte getreulich

Ich bin ganz harmlos, gnädige Frau, ich gehe gleich wieder weg, das heißt, so bald sie mich wegschicken."

Wie das klang! Sie wunderte sich. Ganz keck, dachte sie, und doch, die Stimme war so beruhigend und anständig ... sie wogte es eben, es half nichts! ft

IN ihrer reizenden kleinen Wohnung flammte das elektrische Licht auf. Fanny erschien schlaftrunken Und Verblüfft, das Tele­gramm war natürlich (nicht eingetroffen. Sie nahm dem Gepäckträger die Sachen ab. Machen kam mit einem Zehn-Mark-Schem in der Hand aus ihrem Schlafzimmer, wo sie eilig dis einassen Sachen abgeworfen und das Naschen ein wenig gepudert hatte, in den Korridor zurück.So, hier! sind noch sehr herzlichen Tank für Ihre Mühe!"

Doch die Hand sank ihr wie gelähmt herab und geradezu ent­geistert starrte sie den Träger an. Er hatte die Mütze abgenommen 'und den Mantel geöffnet. Ein vornehmes, flottes Märmerantlitz blickte sie ans übermütigen Augen lachend an und auf der Brust des feldgrauen Rockes schimmerte eine lange Reihe bunter Ordens- xanszeichnnngen.

Er rückte den Ledergnrt zuracht, der seine .noch juNge, ge­schmeidige Figur umschloß, und in dem der kurze Dolch steckte, und nahm die Hacken zusammen.Meine Gnädigste, es war mir eine besondere Freude, Ihnen helfen zu dürfen. Sie gestatten, Major Herrsberg. Ich verspätete mich bei einem dienstlichen Gange, daher meine Kriegsbemalung," er wies lachend aus die Ordens­reihe,die mir aber jetzt bei Ihnen als Legitimation dienen muß."

Und das Ende vom Liede? In Mnchens Schmollwinkel gab es eine sehr behagliche Teestunde, zu der der Teekorb, den er. so treulich geschleppt, den leckeren Inhalt lieferte. Und dieser einen, Teestunde folgte noch manche andere, bis der Major wieder ins Feld hinauszog und es sich vor dem Scheiden als ganz besondere Gunst! des Schicksals ansbat, in Zukunft stets die kleinen Lasten von Frau Milchen und am liebsten sie selbst mit starken Armen tragen zu dürfen. Sie hatte gerade genug von der einen bitteren Erfahrung hilfloser, weiblicher Einsamkeit, und gestand ihm er­rötend das erbetene Recht zu.

Meine Trinkgelder werde ich mir schon .ausgiebig einßas- sieren," meinte er glücklich und nahm die Keine Frau fest! in die Arme, während er zärtlich ihre Lippen küßte.