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„Sehr, Herr Wellerkamp," h«richte dre.
Da nahm die Lene die Schwester beim Arm. -
„Nicht so trübelämplich, Trudchen! Laß doch! . . . Herr Wcnmnentpter, tragen Sie sich mit weltstürzenden Gedanken gerade jetzt?"
„Nein!"
„> ,nn begleiten Sie uns! Nach Hause nämlich! Da setzen -w.r drei uns zusammen, und Sie verraten uns Ihre Geheimnisse!"
Ein kurzes Zögern, dann nickte er stumm. Sie gingen zusammen. Viel sprachen sie unterwegs nicht . . .
„Endlich bekommt man Sie einmal wieder zu sehen," sagte Frau Klausner.
„Die Arbeit! Die Arbeit!" entschuldigte sich Wellerkamp.
Er mußte zum Abend bleiben. Immer mehr taute er ans. Klausner rieb sich die Hände, denn nach einigen guten Flaschen hatte er aus seiner neuen Kraft so ziemlich herausbekommen, was er wissen wollte. Mit einem listigen Uugen- zwinkern hatte der Flammentöter gesagt:
„Anders arbeite ich nicht, als hinter verschlossenen Türen! Es geht sonst nicht! Es steckt auch einmal ein Falscher die Nase herein! Aber nun ist die Sache fix und fertig — bis auf eine winzige Kleinigkeit! Wie ich die aus der Welt schaffe, werd' ich schon rauskriegen . . . Massenartikel! Billig! . . . Ja, der Flammentöter! . . . Prosit, meine Herrschaften, prosit! Es ist ein feines Weinchen!"
Mit der Trude stieß er sogar an. Der Leichtsinn ging wieder einmal mit ihm durch — die Sorglosigkeit! Heute war heut! Und die Feste mußten gefeiert werden, wie sie fielen. . . Gestohlen konnte ihm der Krohlow bleiben — vorläufig! Jetzt ging's hier ums Ganze, um die blonde Drude! — Der müßte er den Kopf heiß machen, zeigen, was er für ein Kerl war! Ein freier, talentvoller Bursch. Jeder war sich selbst der Nächste — jawoll! . . . Nach seiner neuen Erfindung sang er nicht wieder: Behüt Euch Gott, alle miteinander, firlt Eure Taschen, ich steig wieder in
Lumpen durch dieses Jammertal! . . . Die stille Trude, mir
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jem, tue war dre Ergänzung für [innen leichten Gegensätze machen es im Leben!
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Da ?aß er schon am Klavier. Einen Gassenhauer spielte er.Bah brach er ab. Das war Unfug. Wagner! Wagner!
-Ä^ doch einer kam — sieh, der Lenz lacht in den «am! Dre Walküre! Sregmnnd und Siegkinde! Er saug halblaut. Der Leichtsinn wich von seinein Gesicht. Andacht legte Uw daraus . . . Herrgott und nun Turmhäuser. Das Liebeslieds Das Liebeslied! Er sang's laut. Ein Werben lag rn ferner Stimme. Uno dann sprang er ans.
„Adieu! jAdieu! . . . Und vielen Dank! . fta ich komme wieder, gern!" '
^ Raus war er. Rannte rrach Hause. Warf sich aufs Bett. Im Mantel! . . . War's der Wein? .... War's die Liebe?
. . . jMar's die Ueberreiznng, die sich nach seinen letzten. Berglchen rm Laboratorium heute früh eingestellt hatte? . Gr lachte. Es klang böse. ;
„Du, da unten," zischte er. „Du, da unten!" Ein Drohen schwang durch ferne Worte ...
* "Hm," sagte Herr Klausner, „hm," rrachdem' Welter-
^awp davonge stürzt war. Mit dem Zeigefinger ftlhr 'er sich Müschen Hals und Kragen. Frau und Töchter schwiegen. Er mußte , etwas sagen, sonst rissen ihm die Nerven. Ihm, der sich immer so in der Gewalt hatte. . . „Zügellos der Mann — zügellos!"
SfeÄfte" äderte die Lene und tippte auf eine
„Gefährlich,", warf Frau Klausuer ein.
Die Lene Lachte.
„Der pah! Endlich mal ein vernünftiger Kerl der «uch was leistet! Wenn er duz nächste Mal «nt. ichneideu wrr chm dre Mahne ab, Trude!"
Me kagw ES, Zusammengefunke» faß sie aus ihrem LNhEmerte ihr das Mut. Milde ftchtte fte sich, schrecklich müde — wie gelähmt. Sie wandte sich hoch.
„Gute Nacht, das war mir heute zu viel'"
„Gute Nacht, Mädels!"
. .. Lene verstand. Allein wollten die Eltern sein. Sie Mite ftch ber der Lrchwester ein. .
di- S^sn m M UN. Der Fabrikant legte
„Morgen soll er mir zeigen, wie es um seine Experimente steht!",
„Du meinst doch nicht etwa. . .?"
„Ich meine jetzt ga.r nichts... Jedenfalls ist der Wellerkamp em ganz sonderbarer Kauz! Mit solchen Leuten heißt's reinen Tisch machen so oder so!"
„Und weiin er wirklich wieder eine große Erfindung macht?"
Die Augen, kniff Klausner klein.
„Dann red' ich mit ihm deutsch! Und erkundige mich vorher eingehend über ihn! Wenn ich das bisher nicht getan habe, so liegt der Grund ans der Hand! Erfuhr er's, guig er mir womöglich aus und davon!... Rede mit den Mädels möglichst selten über ihn. Vielleicht wär's gut, wir schockten die beiden auf vier Wochen weg! . . . Aber Das wollen wir erst beschlafen!...
4 :
„Richtig und sehr verständig! Red' du mal der Nhle- manrr ins Gewissen! Vor dir hat sie einen .Heidenrespekt, ich mach immer gleich 'neu Witz, und da wer' ich sie nicht wieder los. So was von Neugierde ist mir mein Lebtag noch nicht über den Wog gekrochen!"
„Du sollst deine Ruhe haben, guter Kerl! Laß mich dir nur nochmals danken . . ."
Abwehrend hielt der Flammentöter dem jungen Offizier die gespreizten Finger entgegen.
„Du—u, dank nicht, zu früh!"... Und als er dem Schulfreunde in das Gesicht sah, bemerkte er in dem einen gespannten Ausdruck. Hatte der vielleicht Verdacht? Der mußte ihm sofort genommen werden. „Ich Hab nämlich den Mund auch Klausner gegenüber, ein bißchen reichlich voll genvmmer, die Erfindung hängt an so 'uer vertrackten Kleinigkeit, über die ich nicht hinweg komme! Ja—a, ltnb «üu-ii—luuttte - Ui-ie .ü ovi ne ißt"
dir!" m bcnUnl ' ■ ■ J^dcnsM)-
das böse Gewissen aus Krohlows chZbnung -hlnans in seine Bude. Bor den Tisch setzte er lüt e ;i 11 . EschOiUf dil^Platte. Hirumelwetter, was
>s zu eggeräumt
Erfindung!" '. , ~ / .—' v "»‘^ Erfi'lömig, diel
-.. f § n . Hause hielt er's nicht aus, er ging in ein' ©afö ircfp chten, dicke Ranch schchiaden zogen durch das
^.aß ernmr tieiuen Bleistift in den Händen,
die Nacht, denn fuchtelte er ui ll Händen'duU d e "iss
„I ch H ab's! . . . Ich Hab's!" '
w H /and kemc Ruhe. Ter Nachtwächter mußte ihm Mw, gabrrktor offnen, Licht macht er in seinem Laborw- "' : r a ltvg zu Hut und Mantel in eine Ecke, de «kocher brmmte er an, stellte ans ihn einen großen 3JL*£? ffy men Doch, rückte sich die Zentesimalmage ^^cht, nut ftebernden Händen entnahm er ans verschiede- nen Tuten tlcrne Mengen, nuo dann stampfte er in einem Locher ern paar Körnchen zu Staub, wog nach Milligramm elf Chemrkalren ab, zog den Tischkasten aus, griff nach einem Buchs chen und schüttete ans die Wage von dem bchul^cbi- werßen Inhalt eine ganz gehörige Portion ...
fi>rrr PM 1 !vff? Sen, s' öe S t Ä* * klopfte Herr Klausner sehr energisch! an dre TUr des Laboratoriums. Es' rührte sick»
KA. Da drückte er die Klinke herunter. Die Tür war ver- schlopen. ,Mrt der Faust donnerte er gegen die Füllung, ^ Nchl drrnnen. Wellerkamp rieb sich die Augen.
Wahrhastrg, er hatte geschlafen. lJIa — wer ist denn da?"
>! — Klausner!" i! jo ! Einen Augenblick. .


