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ttuiifi in deinen Schatz vergucke! . . . Tn—u, das war' eine yesahrliche Geschichte!"
Krohlow lachte ihn aus. ,
, Da Hab' ich gar keine Angst! . . . Aber mern Jungchen, die Frude hat eine Schwester, die schwarze Lene, die paßte $u deinem losen Mundwerk!" ^ .. f
Der Flammentöter fuhr auf von der Chaiselongue.
„Du, wahrhaftig?"
„Wirst ja sehen, —' heute mittag! . . . Aber ick glaube Nicht, daß du der mit deinen Künstlerlocken und dem ab-> geknabberten Bart gefällst!" . .
, Bitte, das sind PrivaLangelegenberten! Merne Mahne opfere ich nicht, und wenn ich zu der den Schnurrbart verschneiden ließ, dann säh' ich doch total verrückt aus! ... Es wird übrigens höchste Eisenbahn! Pünktlich ist die Höflichkeit der Kirsten — und des Flammentöters, wenn's ihm gerade paßt! Und weißt du, auf Fräulein Klausner Nummer zwei hast du mich neugierig gemacht! Wenn sie ein lustiger Spatz ist, also dann steh' ich für mein Junggesellenherz nicht gerade! Wien!"
„Adieu, aber wasch dir erst die Pfoten, Flammentöter, mir scheint's, sie haben es nötig!" .
„Herr Wellerkamp! . . . Meine Frau! . . . Meme Töchter!"
Der Fabrikant hatte es förmlich gesagt, geschäftsmäßig. Er kam mit vielen Menschen zusammen, manche Unterhand- lung führte nicht zum Ziele, war man zu herzlich gleich! von Anfang an gewesen, hieß es gleich: der Klausner hat mich einwickeln wollen, aber natürlich kroch ich Nicht auf den Leim. „ H t ^ ,
Wellerkamp reichte der Hausfrau. die 'Hand. „Freut mich sehr, Frau Klausner!" Und dann wandte er sich zu den Töchtern des Hauses. Er wollte irgend etwas Freundliches sagen, aber die Kehle war ihm wie zugeschnürt. Steif war seine Verbeugung. Mit großen Augen starrte er die Trude an. Sein Herzschlag stockte. Gott im Himmel, was war die für ein Mädel! Ein bißchen blaß, in den großen Augen lag eine Dumme Frage, die Flügel der schmalen Nase bebten leise, und nun stieg auch noch eine seine Röte in ihr zartes Gesicht. Eick Zucken lief über die weiße Stirn, und dann öffneten sich die feingeschwungenen, vollen Lippen.
„Wir haben Ihnen zu danken, daß Sie gekommen sind, Herr Wellerkamp!" .
Festigkeit lag in der Stimme, einer Mtstimme, dre ttt keinem Ohre nachschwang. Eine Stimme, die so einem wüsten Gesell, wie ihm, Wohltat. Noch eine eckige Verbeugung macht« er. Halb wider Willen kamen ihm die Worte vom Munde:
Krohlow hat mir Empfehlungen an die Herrschaften
vufgetragen!" . ^ t ,. . 1>J0 ,
„Danke!" Die Monde hielt An die Hand hin, druckte sie fest. Er verstand. Mach! nicht viele Worte um ihn, zu dir Hab' ich Vertrauen. „ ,
Die Kinderstube hatte ihm ja gefehlt, aber auf den Hopf war er doch nicht gefallen. Woher kam mit einem Male die Leere da oben? . . . Und dem jüngeren Fräulein Klausner, das neben der Schwester stand, und nm deren Mundwinkel der Schalk zuckte, mußte er doch! auch irgend etwas sagen! . . . IN seiner Verlegenheit lachte er, rieb sich die Hände.
„Nun geyt's hier an die Arbeit, ich werd' schon was erfinden! Donnerchen ja, ich bin doch der Flammentöter!"
Bei der Lene kam ein Rückfall aus der Backfischzeit. Sie drehte sich! aus einem Absatz im Kreise herum und schüttelte sich vor Lachen.
„Der Flammentöter! O — so — so! Hören Sie mal, das klingt aber sehr selbstbewußt!"
„Nicht wahr? . . . Nun gilt's, den Beweis zu liefern, daß man auch noch mehr sein kann, als der' Flammentöter! Und das wird geschehen!" . . .
Solche Umstände waren noch niemals UM ihn gemacht worden. Er mußte heimlich! in sich hinein lachen. Wenn er vorgestern irr seinen „Lumpen" vor Klausner getreten wäre, wre wäre da der Empfang ausgefallen? . . . Ja, Kleider machen Leute! . . . In solchen Kreisen war er nicht heimisch. Eine Unruhe schüttelte ihn. Lag das nun an dem ganzen „Klimbim", 'wie er's in seiner drastischen Art im Stillen nannte, oder an dem schönen, blonden Mädchen mit seiner Altstimme? . . . Merkwürdig — merkwürdig! . . . Sein Gefühl sagte ihm: Komme hier nicht zu oft her, denn sonst . , . Llich wias, das war ja Unsinn. Krohlow! war sein guter Freund, und die Blonde sah gar nicht so aus, als ob
sie wetterwendisch wie der» Aplll Wäre. Da unterhielt etz sichj lieber mit dem Wildsang', der Lene. . . Wellerkamp wlar froh, als endlich die Dafel aufgehoben würde, er wandte sich an den Fabrikanten:
„Herr Klausner, verzeihen Sie, aber ich! bin nun einmal ein krabbeliger Mensch,! Uno Hab' ein paar Tage nicht mehr in einem Laboratorium herumhantiert; mich zuckt es in den
„_..t! Gehen wir! Uebrigens Hab' ich! vorhin mit Herrn Doktor Dezius einen kleinen Tanz gehabt! ... . Ich bat ihn, auf Urlaub zu gehen — vier Wochen, er warf mir die Kündigung vor die Füße!"
Ein stummes Achselzucken war Wellerkamps ganze Antwort.
Die Herren enrpsahlen sich . . . ,
Als sie gegangen waren, warf sich die Lene, in nächsten Stuhl und sachte hell auf.
„Nein, das ist ein Kerl — der Mammentöter! ... Und wie er dich irmner angesehen hat, Drude! . . . -Dry das würd' ich mir aber verbitten, wenigstens so lange, ms er sich! seine Mähne hat abnehrnen lassen! Und mit dem Fischbesteck weiß er auch nicht umzugeheul"
Frau Klausner sah die Lene mißbilligend an. , „Daraus kommt's nicht an, mein Kind! . . . Ob emev im Leben etwas leistet, das allein ist der springende Punit! Und da hält Herr Wellerkamp wohl jeden. Vergleich aus! Ich bitt dich also ernstlich, ihn zu behandeln, wie er's verdient!"- „O, Mamachen, das werd' ich! Denn, wenn er Millionen aus seinen ungepflegten Fingern hervorzaubert, ist's doch unser aller Vorteil . . . Aber in die Drude ist er verschossen, das Hab' ich gemerkt — jawohl!"
„Unsinn," warf die ein.
Lene winkte lachend mit der Hand ab.
„Reg dich, nicht auf, Trudchen! Aber es ist doch so! .
Na, da gratuliere ich Krohlow schön! . . . Auf wen ich reinsiele, wenn es einer der beiden durchaus fein ruüAte, ich! wüßte es!" Da hllyg sie schon an der Schwester Hals. „Nicht böse sein! Nimm oich aber in acht! Der Wammen- Löter ist etu ganz gerissener Junge!"
Trude machte sich ärgerlich, frei. ,
„Du bleibst doch wirNich das Kleinchen^ trotz derner achtzehn Jahre!" c * ,
Und dann verließ die heimliche Braut das Zrmmer . . * Lene sah ihre Mutter au!" ^ )
„Hast du denn nicht auch WcB Aeurerlt?"
„Nein," sagte die und sah zum Fenster hinaus.
Da nickte die Lene und WviLg.
Nach! einiger Zeit suchte sie die Schwester o::tf. „Trudchen, fet nicht böse! Ich fang auch ganz sicher nicht wieder von den: Flammentöter an!"
„Dafür wäre ich dir wirTich von Herzsu dankbar! . . . Kemust dir doch denken, daß meine Nerven jetzt ziernlich empfindlich sind. Und wenn Man daun solche Reoereren mir anhören mach . . ." ^
„Na ja! . . . Aber nun leg die Hmrdarbeit weg! Komm, ich spiel, und du singst ein paar Weder. Solche, die dein Schatz gern hört!"
Trude rrvckte und schlug das Klavier auf.
„Guten Abend!"
Wellerkamp b>etrat Krohlvws Arbeits^imnrer, drückte dem Freund die Hand urrd tv,arf sich aus dre Chaiselongue, „Rann?" sagte der junge Offizier und pflanzte sich vor der Chaiselongue auf.
„Verzeih schon! Aber ich bin so schwere Wenvo nicht gewöhnt, mir ist ganz dumm im Kopfe. Mer Albernheiten Hab' ich nicht geredet!"
Krohlow kniff die Lippe:: zusammen und sah den Freund an, der mit geschlossenen Ml gen dalag.
„Du, worum zucken oir denn die Nerven so auf der Stirn?"
„Weil inir's tatsächlich blümerant ist! . . . Ruhe muß ich, jetzt haben! Hast ou mir ein Zimmer besorgt?"
„Ueber mir, bei der Witwe Uhlemanu! . . . Und hier die hundert Mark, nm die du mich batest!"
Wellerkamp öffnete die Augen, machte eine ab wehrende Handbewegung.
„Danke drr, nicht nötig! Der Klausner hat mir die drei Hunderter schon begeben!"
„Wem: du nrch,t laugst . . ."
„Goldsohn, ich werde! Meine Ansprüche sino ininimaV — vorläufig^


