Der Flammentöter.
Roman von Horst B odemer.
(Fortsetzung.)
Mit Hurra begrüßte sie die ältere Schwester. Trude fuhr zusammen.
Aber die stand schon vorm Spiegel und besah sich, gipste an ihrer Kleidung herum, lachte sich an und drehte sich daun um.
„Trudchen, bin ich nicht ein ganz hübscher Racker? . . . Ja — a, heute heißt's, einem Manne den Herzschlag beschleunigen, wir bekommen nämlich zum Mittagessen Besuch. Millionär ist der mindestens!"
„Lene! Sei nicht unausstehlich und sprich vor allen Dingen etwas deutlicher!"
„Soll geschehen! Aus der Stelle! . . . Also, ich werde mich heute mittag aufopfern — Deinetwegen! . . . Ja, nun machst du Augen! . . . Hast du lvas von „Flammentod" gehört?"
Das war zuviel für Trudes Nerven. Das Wasser schoß ihr in die Augen, die Mundwinkel zuckten.
„Ich bitte dich, red nicht in Rätseln! Die sind jetzt nichts für meinen Kopf!"
Da kam auch schon die Mutter, ein Lächeln um die
Hand in die ihre, erzählte, was Krohlow getan, und lver heute ruittag kommen würde.
Die Lene tanzte im Zimmer herum.
„Was Hab' ich gesagt? Der Krohlow ist ein Teufelskerl! Weißt du noch- Trudchen? Und daß von drei Jahren Wartezeit keine Rede fein kann! . . . Ach was, Mamachen! Der Jugend gehört die Zukunft! Nun fahren wir bloß noch Automobil lind gründen Aktiengesellschaften in Oesterreich-
Ungaru, Italien. . . überhaupt in allen Kulturstaaten!'
„Woher weißt du denn. . ."
„Hab' ich geträumt, Mamachen! Im Stehen! Am Schlüsselloch! . . . Herrgott, es ist zwölf, und um eins kommt der Gentleman! Hoch, Trudchen! Wir machen uns sein! So'n paar blitzblanke Mädel, wie wir sind!"
„Lene," warnte die Mutter, „du wirst deine Zunge im Zaum halten!"
„Werd ich! Verlaß dich darauf! . . . Ihr sollt mal sehen, wie tüchtig ich für's Geschäft bin! Den legen wir an die Kette!"
*
Der Flammentöter hatte sich ans Krohlows Chaiselongue hingestreckt, er war in eiiter ganz ausgezeichneten Laune. Satt essen konnte er sich in der reichsten Zeit, seine Erfindung den letzten Schliff geben — es war eine tadellose ^ache —, gebunden hatte er sich auch nicht und der Goldsohn lvUte zu seiner Dulcinea kommen. Die Theaterspielerei,
die um die ganze Geschichte gemacht werden mußte, war natürlich das Auerschönste! . . .
Krohlow stürmte ins Zimmer.
„Na?" *
Wellerkamp hielt ihm wie eine Königin die Hand dum Kuß in Gnaden hin.
„Ich bitte mir Respekt aus, Junge! . . . Hier liegt deine Hoffnung! Die du ganz sicher nicht begraben lassen brauchst!"
„Himmel, so erzähl' doch!"
Der Säbel des jungen Offiziers flog in eine Ecke, zu Mantel und Mütze.
„Aetsch! Ich esse heute mittag bei deiner Herzallerliebsten! Hast du etwas an sie-aufzutragen? . . . Du schüttelst dein Denkerhaupt, freut mich ! ... Es ist irmner von Bor> teil, man läßt das schwächere Geschlecht ein bißchen zappeln. Woll ja! . . . Und der Klausner hat vor mir mit beiß Federhalter präsentiert! . . . Ich arbeite ein paar MonaA bei ihm für ein Butterbrot, ich wollte es nicht cnrders deinetwegen! . . . Das heißt, ganz stimmt es nicht, frei soll der Bursch sein! Und er wiro's bleiben! Der s ' toter ist sehr überzogen von seinem Wert! . . . man kann sich im Leben gar nicht hoch genug e wenn auch dabei mitunter der Magen knurrt Kapital allein macht's noch lange nicht! Ein Genie Lrnn nur in Freiheit schassen! . . . Sela, mein hoh^s Lied U zu Ende!"
Krohlow wollte noch mehr wissen. Aber Wellerkamtz zuckte die Achseln.
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Schwalben wiederkommen, die werden schauen! . . . Wer von was anderm müssen wir reden! Ich muß mir ein
kümmerst dr
lammen-
Zungchen,
Zimmer suchen, in deiner Nähe, vielleicht kümi drum. Bloß 'ne Kabache zum Schlafen, meiner geringe«
m dich
Garderobe angemessen. Denn, was ich in Iserlohn liegen habe, Junge, das ist überhaupt nicht die Reise hierher wert! . . . Nach und hach werde ich schon an Ergänzung denken, dreihundert Mark zahlt mir monatlich der Klausner!^
Krohlow hatte nur mit halbem Ohr hingehört. Er rannte im Zimmer herum, eine Zigarre im Mundwinkel, und rieb sich immer wieder die Stirn. Und dann stürzte er sich aus den Flammentöter.
„Du brauchst doch noch Sachen! Natürlich pump ich dir, was du brauchst!"
„Na, also! Und ich danke dir schön! Die Aussichten meine Schulden zu tilgen, sind augenblicklich wunderschön! Da ist's wohl keine Schande, ich schieß dich gleich um hundert Mark an, denn in dem einen Anzug kann ich doch nicht aufs Laboratorium steigen, er wär' bald von Säuren ganz zerfressen! ... Leg mir ihn heute abend unter'A Kopfkissen, den blauen Lappen, das bringt Glück . . . Jc^ nun Hab' ich nur noch eine Sorge! Daß rch mich nämlich


