Ausgabe 
26.6.1918
 
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Ter JelbQmac Gutsherr »roWe kehrt und, tvähvend er lang- ftnn im Lxbritt zu seinem Hause zn rückkehrte, besann er sich, wie sich doch die Welt verändert habe.

Er kam durchs Tors. Von weitem hörte er lautes Trara. Er kannte die Lwrnzeichen der Feuerwehr. Ern Unglück? Er sprengte heran! Nun rasch das alte Kommarido übernommen, Herr Felrerwehrhauptmaun! Schon war er aus dem Markt. Ta sah er, daß es gottlob keine Not hatte. Tie Feuerwehr hielt ein« Hebung ab. Urcd was noch sah er? UnglcmLlich . . . wirklich un­glaublich! In den Hosen und Röcken der Wehrmänner sinken junge Mädels. Estrige Graubärte unter ihrren. An ihrer Stütz« aber kommandierte mit Heller Fttdwebelstimme sein liebes Schws- sterlein. Won ihrem blonden Haar, mtter dem Häm gebrüllt, sielen rechts und links ein Mar Strähnchen über das erhitzte junge Gesicht.

Brüderchen," rief sie,troff dich! Ich mag nttch nicht prvdnj- zieren, ich rvchm' eS ernster!"

Umvcllkürlich fuhr er mit der Hand zur Kappe und salutierte. Tann ritt er heim.

Nein, du Liebstes," sagte er zu seiner über das große Rech­nungsbuch gebückten Frau,was ich jetzt erlebt Habs! Die Mutter .... die Schwester. . . mrd du... "

Sie blickte auf und- lächelte. Er führ fort:

Aber hör' mal, Liebstes, da bin rch eigerrtlich ganz Über­flüssig?"

Strahlend blickte sie ihn an.,

In diesem Augenblick ließ sich ein leises wimmerndes Zirpen aus dem Nebenzimmer vernehmen.

Unser Kerlchen!" rief die junge Mutter.Gleich, gleich, Kerlchen! . . . Ach, Werner^ wie schön, daß du da bist! 'Sv Kann ich rasch noch die setzte Eintragung machen. . . Geh, Lieber, geh hinein zu dem Kernen, leg ihn trocken!"

Zchmetterling.

V on K. H.

Es war einmal ein kleiner, bunter Schmetterling mit leuch­enden Flügeln. Der war im dunklen Dämmern des Waldes zum Aeben erwacht.

Und er saH sich schlaftrunken um nach allen Seiten. Er sah das dunkle Moos ans bent Boden, er sah das hohe Gras, er sah die wrsten, riesigen Bämne, die dumpf und unheimlich einander zu­flüsterten in feierlicher, rau säender Rede.

Und er verstand alle diese großen Dinge und ihre Sprache nicht und fürchtete sich sehr vor ihnen. Er wäre am liebsten gleich wieder hinübergegaukelt in das bunte Land der Träume, ans dem er gekommen war.

Da sah er einen zitternden, goldenen Sonnenstrahl zwischen den Bäumen flimmern. und sogleich ging ein Beben durch sein kleines Herz. Es erwachte etwas in ihm, ein leiser Klang, ein dumpfes Verlangen, eine Sehnsucht. . . Und er breitete die Flügel aus und flog dem LMe W.

Ob er den Weg geftmden hat, hinaus aus dem Dunkel ins Land der Sonne, ivv tausend duftende Blumerr ein reiches Leben spenden. ich kann es nicht sagen. Ob er den Strahl Vrrlvreck hat und hernmgeirrt ist, hilflos und sehnsuchtsvoll und endlich gestorben gst im Moder der Waldesnacht, ich weiß es nicht.

Büchertisch.

Gin neueSHeftderim Austragedes General­stabes des Feldheeres herausaegebenen Schlach- tendarstellungen ist soeben -erschienen: Heft 26: Die

Kümpfe der Bnaarmee. Mil einer Reliefkarte des gesamten KampfgelärrdeS und 8 Mösteren Kartenskizzen. Einzelpreis 1,20 Mk. (Verlag von Gerhard Stalling, Oldenburg i. Gr.) Die Geraus! schwierigen Kämpfe, deren Ziele in Ausnutzung des Durchbruches^ von GorliceTornow sehr weit gesteckt ivaren, werden auf immer ein Ruhmesblatt der deutschen Geschichte bilden. Trotz Sumpf und wieder Sumpf, Wege- und Bahne ulosigHüt erfüllte die tapfere deutsche Armee ihre Aufgabe voll und gmrzi: innerhalb zweier Monate wurde die Buslinie bezwungen, das wichtige Brest-Litolvs? erobert, die ganze Sumpf-Gegend bis zur Linie StochMflust- MnskOginskikanal vom Feinde gesäubert. Schon im Hinblick ans die Verhältnisse Pr der Ukraine und ihre Grenzgebiete wird das Jitteresse des deutschen Publikums für dies« erste nach den amt­lichen Kriegsakten ausgegebone Darstellung der so überaus nächtigeu Bug-Kämpfe ein besonders hohes sein. Zunc ersten Male lüftet sich der Schleier, der bisher noch immer auf diesen Ereignissen gv-- legen hatte. Trotzdem jedes Heft vollständig in sich abgeschlossen ist, lvird sich die Heftreche doch nach und nach zusarnmenschließen, Ku einem Ganzen, das sich gestalten muß zu erneut wahrhaft monu­mentalen Mld des Weltkrieges. Auch die Generationen, die nach uns kommen, ioerden vor allem! aus dieser im Aufträge des General-» stades -des Feldheeres herausgegebeuen Darstellung der Großtaten ; 191418 schöpfen. Wie wir hören, wird demnächst ein weiteres, irr ! der jetzigen Zeit der großen Wjestkämpfe sicherlich besonders be- L gehrtes Heft erscheinen: Die Schlacht au der Bftr und ber Apern. jj

Hamburg und die deutsche Wirtschaft,

-^ t der von der Zentralstelle des Hanrbnrgischen Kolrmtzck-

instituts herausaegebMn WocheuschriKWirtsthastsdienst". Was dieser Veröfftrttlrchnng ihr besonderes Gepräge gibt und ihr Wer den Anlaß ihrer Erttsiehung hinaus (Anwesenheit der Reichstagsabsr»- drduetM in Hamburg) dauernden Wert verleihen dürfte, ist die Tatsache, daß die 37 Beiträge, aus derrerr sich das Heft zusLMmerrv- setzt und die Harnburgs Wirtschaftsbeziehung gen zu den llebersee- ländern und den Hauptstapelarttftln des Weltmarktes behandeln, fast durchrveg aus der Feder vor: fnhveudeir Persönlichkeiten deS Hamburger Wirtschaftslebens, darunter . Wvermaun, Strandes, O'Swald, Vorwerck, Jllies tzc. a.m., stammen. Es ist auf diese Weift ein Bild von der Bedeutung Harnburgs und des deutschen UelMeehandels, soweit er sich pn diesem Platz kanWntriert, zustanLe gekommen, wie es in gleicher Lebendigkeit und Reickchalng- keit für keinen anderen .Welthandelsplatz gefunden werden dürfte.

Lothar Brieger: Das Knnftsammeln. (Mit Abbil­dungen.) D e l p h i n - Verlag, München. Eine kurze Ein­führung in Theorie und Praxis nennt der Verfasser sein Buch. Aber es erscheint mehr. Für den Kunstkenner ist es ein Nach- schmgelverk, wie er es kürzer, inhaltsreicher und haridlicher kaum finden dürfte; für der: Laien ist es eure Einführung, oder noch besser, ernVcwemecum" wie er es besser gar nicht haben käirnte. Zur rechten Zeit erscheint dieses Buch. Heute, im 4. Kriegsjahr, wo die

wrttft ffti' /Viwt _*

'gen die höchsten Preise zahlt, ist d:rs Werk geradezu eine Fund- cruBe für jeden, der für den Kunstmarkt irgendlvelchcs Interesse hat. In faßlicher, übersichtlicher Weise enttvickelt der Verfasser einen Lehrgang des Kunsthandels und gibt dem Sammler treffende Anleitungen. Gemälde, Plastik, Graphik, Möbel, Keramik, Metall- arbtttcm, Textilien usw. werden in Wert, Preis, Ankauf und Verkauf eirrer eingeheirden Besprechung unterzogen. Jedem Knust- Interessierten kann das schön ausgestattete Buch nur empfohlen werden. m.

' Ter SK edler, Zeitschrift zur Pflege deutschen Geiste- nnd grtten Geschmacks im Siedlerwerk, ist der Ditel einer neuen Monatsschrift, die ab 1. Juli im Verlag von Oscar Laiche in Dresden erscheint mrd von Harrns Horst Kreisel herausgegeben mch geleitet wird. Zur EinMrmrg ist ein Vorheft erschienen, das außer! einem einleitenden Aussatz von Prof. K. Groß, dem Direktor dep Dresdner Kunstgewerbeschille, Beiträgen von Dr.-Jng. Kruschwitz usw., seine besondere Bedeutung hat, well es geschmackvolle Ent­würfe voll zivecknr ästigen und billigen Kftinmöbeln für Krieger^

Wulle^Lst^'ckwMt^^' * lmmt *** KÄrMr, Architekt Otto

Deut s che Malerei seit 1870. Von Pvoftssor Tr W. Waetzsld. 94 Setten und 53 Abbildungen auf Tafeln. (Wissen­schaft mrd Bildung, M>. 144.) Geb. 1,50 ML Verlag von Quelle L Meyer in Leipzig. Mt Hilft einer großen Anzahl sorgfältig mrsgewählier Wblldungeu stellt der Verfasser die Entwicklung der neuererr deutschen Malerei in den Frftdeusjah-ren von 1879 bis zum gegenwärtigen Kriege dar. Abweichend von dein üblichevs chronologischen Schema lverdeu die künstlerischen Strönumgen vev ftlgt an Hand der sich wandelnden Lösungen der wichtigsten male­rischen Ausgaben.

schrrzcharadr.

Die junge Frau, sie seuizte schwer:

Ich 1 jetzt lueinern Mann nicht mehr.

2 3 mir heut den Morgengruß,

Doch kühl war sein gewohnter Kuß.

Er war im Jagdkostüm, die Hand Hielt schon der Büchse 4 umspannt.

Statt daß er, wie in früherer Zeit,

Blich hätt' umarmt voll Zärtlichkeit.

Ich sprach: Du weißt doch, die Mama Konnnt heut und bleibt acbt Wochen da.

Er aber, bleich, verstörten Blicks

Sprach dumps vor sich:Fluch des Geschicks-

Tie 1 bis 4, die ich gehört,

Hat meinen Trauin des Glücks zerstört.

t ch inuß zur Jagd, wird's etwas lang, o werde Dir deshalb nicht bang.

Wirst mich vermissen kaum, da ja Dann hier die liebe Schwiegermama!"

Fort war er. Dunkel bleibt es mir,

Was meint er wohl mit 1 bis 4.

(Auflösung in nächster Nummer.)

-li.

Auflösung des Fütträtsels in voriger Nummer:

Schriftleillurg: W. Blcyer. Zwillingsrunddruck der Brüh l'sehen Un v.-Buch- und Steindruckerei.

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