Ausgabe 
26.6.1918
 
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Mm hat ihn. niM tviedergekamtt seit dem Tage. Keine BaLomille, die er nicht freiwilÜg geht, kein Angriff, den er. itkfift in erster Linie mckmrachen möchte. D-er Ooerst hat ihn rufen lassen und ihm das Eiserne Krem erster Klasse augehestet. Man W«G nicht, ob er sich gefreut hat.

Einige sagen, daß er den Tod sucht.

Ich habe ihn seit den: Tage nnr flüchttg gesehen. Er war m «twent anderen Batarllou Versetzt tvorden. Hin. und tmeder hörte ich Berichte von Kameraden über ihn. Wer das Bild, das sie vvn ihm entwarfen, wollte nicht recht zu dem hassen, das rch in her Grckmerung hatte.

Tann kam der Kerbst. ^ , _ *

TaS Regiment bezog befesttgre Stellungen. Der Steltungs- kanchz sollte tvieder beginnen. , . . .

Eines Tages hörte ich, daß der Helmut wreder zu unserem Bataillm! gekommen sei - - als. KompAnieführer. Am anderen Tage sahen wir uns. .Es siel mir auf, daß ferne haare graul geworden waren, .Im übrigen begrüßte er mrch mit derselben Herzlichkeit wie immer. , , . .

Wir hatten Nachbarkompanten zu führen und losten ernander im Borpostendienste ab. ^ ^ ,

Tie langen Nachte draußen auf Posten. Nächte m rreselndem Regen, im kurzen Mantel auf nackter 'Erde. Das Wetters urachte einen geradezu trübsinnig. Kin und wieder nml ein Schuß rm

t ebel. Verflucht anspassen, mußte rnan bei alledem. Demi die rrle drüben planten neuerdings einen Durchbruch, den sre bald hier, bald da ansetzten, jedesmal ohne Erfolg.

JÄZ glaube, das Wetter war schuld daran, sonderbar genug bleibt bas Folgende allerdings, und ich wenigstens verrnagihm kerne Deutung zu geben. Das war der Tag, an dem ich die Vvrposten- bompkmie hatte. Ein Teil der Leute mußte immer ausgeWvürmt am Raub»' des kleinerr ^Teiches liegen. Wenn der Russe kam, dann versuchte er sicher, hier durchzubrechen. Ter Abend tvar schon hereingebrochen. Ich ging noch einmal die schützenlune entlang. Es lvar so neblig, daß man keine zehn schrrtt wert sah. Auf einnral steht der Helmut vor mir.

Ich wunderte mich, daß er diese Nacht herausgekommen tvar, denn man hatte eine gute halbe stunde, vom Quartier ans zu laufen. Ich konnte sein.Gesicht in der Dunkelheit nicht erkennen. An derri Ton seiner Stimme erkannte ich, daß ihrr ettoas Wichtiges heransgetricben hatte, sie zitterte wie mcker dem Drucke einer verhaltenen Aufregung. Er holte oft und schwer Atem, wie einer, der schnell gelaufen ist. Tann sagte er:Ich l-abe dir ettvas mckzu- teileu. Wenn es dir recht ist, bleiben wir gleich hier draußen." Er legte sich in eins der leeren Schützenlöcher, die unsere .Leute aus­gehoben und dann mit Stroh ausgelegt hatten. J,rh streckte mich neben ihn. Nach einer kleinen Pause begann er: .

Tu besinnst dich aus jenen Abend, an denn rch die Nachrrch vom Tode meiner Frau erhielt?"

Ich nickte stumm.

Damals, als ich vorn. Feuer tvegstürzte, kam rch nur vor wie ein Irrsinniger-. Nur einen tz>ddanken hatte ich, jterben, ,ter- ben um jede» Preis. O diese Nacht!" Er schüttelte srch, me von inneren Grauen gepackt. . _

Aber .nachher am anderen Morgen da kam s mrr zu fchiöig vor. Ta tvollte ich wenigstens anständig zugrunde gehn. Tu weißt, tote ich mir Mühe gegeben habe. Es sollte mchch rein." Er lachte leise:Damals bekam ich das Eiferne erper Ich sah ihn mit steigender Besorgnis an. Ter Mond brach für .erneu Augenblick durch die Wolken. Ich fafy sein GestM. Es war aschfahl und verzerrte sich plötzlich so,, daß rch erschrak. Er legte mir die Hand auf die Schulter:Sei ganz ruhig, alter Junge. Ich bin bei vollkommen klarer Besinnung. Uebrrgens bin m gleich' zu Ende. Seit Donnerstag habe rch Nachricht von

Mir ^roch^ eure lähmerrde Angst über den Rücken. Anscheinend -befand er sich in einem Zustand nervöser Uel>errsizung, dre das Aeußersio besüvcUen ließ. .. . ,, .. .

Zögernd fuhr er fort:Jede Nacht oreselbe Erschernung,

g ,e Gesicht. Aber weim ich's greisen wollte, dann war v .mnden. Aber gestern" Seine, Stimme war rn ern Flüstern gangen. Es lag ein leises Trrnmpchieven darin, das mein ^sühl verstärkte.Gestern Hab' ich mit ihr gesprochen, und

Gr war ausgestanden und gab mir die Hand. Tann wandte er sich schnell ab, wie um eine Bewegung.zu unterdrücken. Ich sah ihn im dämmernden Nebel verschwinden. Es schien mir, als seien seine Bewegungen nicht so kraftvoll wird elastisch, wie ich sie bei ihm gewöhnt ftwr.

Um 11 Uhr begann der erwartete, russische Angriff. Wir Latten verflucht zu tun und ich hatte keine Zeit, mir über das seltsame Benehmen Helmuts Gedanken zu machen.

' Erst, am Mittag des folgenden Tages flaute des Gefacht ab. Ws ich totmüde ins Quartier kam, erfuhr ich, Helmut ser zur großen Bagage gegangen,' die vier Kilometer hinter der Front

40 Ich mußte an mtsevc gestrige Urtterredung denken. Mtttlerwecke war auch der lebte Rest der romantischen. Stimmung von gestern Abend verflogen. Ich nahm rnir aber vor, einmal mit dem Arzte über meinen kranken Freund zu reden.

' Um 4 Uhr nach,mittags wurde ich, durch erneu ungewohnten Lärm vor meiner Haustür geweckt. Als ich heraustrat, brachte u km Helmut ans srner Tragbahre. Er sah aus, als ob er lächelte.

Er war durch die Brust gesäwssen. '

Ter ihn begleckende Unteroffizier erzählte, zwet Kilometer hinter der Fwnt sei er plötzlich umgesunken.. Nicht das leiseste Ge­räusch habe er gehört. Mn verirrtes Geschoß hatte feinem! Leben ein Ende geutacht.

Am anderen Tage haben toir ihn beerdigt.

morgen nach-

Und da" fragte ich atemlos.

Ta sagte sie mir, daß morgen alles bereit fei

mXtt % lächelte ganz sein: ,,Ich verlange M gar , nicht, daß du alles glauben sollst, aber einen Gefallen sollst Su mrr tum, närnlich im paar Briefe besorgen, die ich dir hier gebe, wenn ich morgen

nicht mehr da bin." . . OTY . ...

Liebster Helmut," bat ich ihnderne uberverzte Phantasie dm hast geträumt überleg dir doch der Arzt

Er unterbrach mich kurz:Lieber Jiimge, was weißt du, Wieviel Wirklichkeit in den (Geschehnissen, liegt, die du huwvor Wraerr hast. Ob nicht alles ein Traum ist, was du hier erlebst es erhob seine Stimme din Tramn, den unerforscht, nesenhache Und furchtbare Gewalten. von uns träumerr. deren Zuckungen m wirken zeitlos, eivig unbegrenzt/

3m ßrauenstaat.

Bon Herm a n n K i e n z l.

(Nachdruck verboten.)

Gott sei Tank, da bist du!"

Und sie sank fchlucbizerrd urrd laä?end an ferne Brust.

Heim ans den; Fell-e zmn ersten Male seit, fiebzehn Monaten. Tie zwei Menschen, ein bärttger Mann, eure zarte, schlanke Frau, hielten sich noch immer mnscUnnaest. W wurde ein langes Schweigen. Ein tiefes Auskosten der WrrrlrckMtt, ore sie in rhren zitternden Armen fühlten, an die zu glauben, dre armen Sinne sich erst geivöhuen mußten. So viel lag ^ zwnchen ihrem letzten Kuß und diesem da! So viel des schauTruch-Neuerr, der sürchterlicherr Erschütterungen, so viel herrsche,LrMde Eurfam- keit, Angst und Sehnsucht. Aber jetzt wie sie «rdlrch zu sprechen a n fingen, war das etton ein vernünftiges Reden, wre es Vater und M utter geziemt? O nein! Mn Lachen, ein törräftes Lachen kullerte Und bullerte. Kaum sagte das eine ein. Wort, preßte srch auf femen Manch ein anderer Mund. Wie in der Braickzeck war es, wie Kinder waren sie. ^ ^ ^

Nun hatten sie den Feldlveg vom Bahnhof der Kernen statuur zurückgeiegt und traten ein in ihr .Haus. Ein neuer Frühturgs- regen der Freude! Seine Mutter, seine Schwester! Herz scplug on. Herz. Dann sprang er die Treppe hinauf, und schon schwang er es in seinen Armen. Tas lvrnzige Dckmelchen empfing den ersten Vaterkuß, und eine Träne tropfte in den langen S-oldatenoart.

Vier glückliche Menschen saßen um den runden Trsch. L^as Gespcäck ging in Pansen, die Augen lvaren beredter, ,mw d« Lippen lächelten. Nur manches Mal huschte ein schatten Der das eine und andere Antlitz der Frauen. Ter Gedanke war's an das Ende der Frist, an den neuen Llbschied in vier Wochen. i Trei Tage später sagte der Mann zu seiner lreben Frau: Tu Liebes!'Wie hast du dich tapfer gehalten! Mne ?o große Wirtschaft und ein so Keines Köpfchen! Nun mH td)' mach aber Vach nützlich macheLl. und eilt wenig nachsehen in unserem .Kontor.

'Ach laß', laß' nur. Lieber!" lachte dte kleine Frau. ,Du sollst dich um nichts sorgen in diesen kurzem Tagen, um mchts! Bist auch wirklich ganz und sar überflüssig." 3

Und das Frauchen sprudelte mm etfrrg hervor, was alle» es getan und gelassen habe. Im 'Anfang, ja da fet es ihr schoer g^ worden Ter Verwalter sei bald ,pem .Hernt gefolgt,, und mW die besten Arbeiter tvarw im Krieg. Und die Pfewe. ste selbp fei doch kein geschulter Landwirt, habe mck dem Farbenkafren bpfer Bescheid gewußt, als mit der Mistgabel, von der Buchhaltung auch nicht allzuviel versfundeu. Mmählich aber. . . rnan arbecte suh ebenem, und es sei nun doch nicht wahr, daß der Herrgott Menschen 'und Frauen erschaffen habe ! ,Und kurz ob dr, es glauben Wulst, Lieber, oder nnversMmt weiter lachst st, uoch ein me: Mtfrhast, ja? und kurz : ich lyabt nichts von der Bank genommen, aber

einm.netten Posterr zugebracht . ."

Seine Augen waren groß und großer geworden, Auf - Ante schlug er sich:Donnerwetter!" _ ,. _ , ...

. Tas Pferd ließ er sich satteln. Aus dre Felder hmaus ritt er, um. wie er's früher gewohnt war, ttach dem Rechten zu sehen, pnd die Leute bei der Arbeit zu unterwerfen. Wr-e er rm srifchm Morgenwind hinter dem zweiten, Hügel traute, ^ kam ttzm, hoch zu Roß, entgegen? serne rüfttge Mutter.Gruß Gott, mem. §rnge! Ja, du wunderst, dich? Wir Frauen mußten ums m die Arbeit teilen, ich übernehme den Treust tm H-reten Du willst r-rtt. Ach, recke lieber heim zu Hedwig, dre hat fetzt eui Recht auf dich Hier ist alles in Ordnung!" lind Mütterchen zog und hopste davon.

auf Zügel