Ausgabe 
26.6.1918
 
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Mittwoch, den 26 . Juni

Der Flammentöter.

Roman von Horst Bodemer.

(Fortsetzung.)

Dum, jetzt wirst du ganz vernünftig sein, ver­standen-"

Göttchen, Goldsohn, als ob ich das nicht immer wäre!

g 'X sitzt doch in Lumpen gehüllt ein Wohltäter der Mensch- t, der für ein paar Dreier das Feuer gezähmt hat. gab ja schon so ivas, aber das Nichtige war es nicht! Es war noch zu teuer und zu umständlich. Jetzt wird jedes Kind von fünf Jahren mitFlammentod" fertig!" , Jungchen, du wirst jetzt bei Klausner Chemiker wer­den, mir zuliebe'?'

Nee!"

Bitte, Weller kamp!"

,^Jemine, mir geht ein Seifensieder auf, ich verstehe! Da ist tvohl eine heiratsfähige Tochter? Und der Klausner schwimmt anscheinend nicht, gerade tm Golde!"

Krohlow wandte den Kopf zur Seite, Wellerkamp lachte. Ich kann mir den Kerl ja mal anrsehen! . . . Morgen!" Krohlow drehte sich wieder um.

Uevermorgen! Deirn morgen muß G dich erst raus- n! Und nun komm, ich Hab dir ein Bad' fertiMnacheu lassen, du wirkst dir den Reisestaub abspülen wollen!"

Versteht sich, und ich dank auch schön! - Weißt du, der vierter Güte hat eine besondere Eigenschaft, er klebt rrämlich wie Pech und Schwefel, vielleicht läßt sich der noch einmal nutzbringend verwerten!"

Am übernächsten Morgen bummelte Wellerkamp durch die Stadt hinaus nach Klausners Fabrik. Stillvergnügt lachte er öfters vor sich hin. Alle Augenblicke blieb er vor einem Schaufenster stehen, in dem ein Spiegel angebracht war, und besah sich. So nobel hatte er sein Lebtag noch nicht ausgesehen! Einen schwarzen Mantel trug er, einen nagel­neuen, weichen, grauen Filzhut, Stiefel mit Lackkappen und unter dem Mantel einen picken, binnen vierundzwanzig Stun­den tadellos gebauten Anzug. Die Wäsche hatte ihm leihweise Krohlow überlassen. War der mal ein verliebter Spatz! Sein übervolles Herz hatte er ausgeschüttet. Na ja! Heinrich Wellerkamp war kein Unmensch, ganz im Gegenteil! Dem Freunde wollte er schon zu der von ihm heißbegehrten Selig- wit verhelfen! Freilich, ein bißchen vorsichtig mußte er zu Werke gehen und auch an sich denken! Die nächste Erfini- hung wrch die war so gut wie fix uup fertig, sollte ihm zeitlebens aus dem argen Dalles helfen!.,. . Nur gut, daß er ein so fröhliches Gemüt hatte. Wenn sich einer sagte: ich pfeif mir eins zu trvcknem Brot und Wasser und bilde mir dabei ein, ich knappere an 'ner schönen Kalbskeule und trinke mein Pullchen Rheinwein dazu, so war das ja eine grandiose Selbsttäuschung . . . Seine braunrote:: .Handschuhe besah er sich. Fein! Nur eins begriff er nicht, warum Krohlow sich fo große Mühe gegeben hatte, ihm beizubringen, daß er sich

Blart und Haare schneiden ließ. Aber das hatte er doch nicht durchgesetzt: Donnerchen, ja, er war doch der Flammentöter 7- ein Künstler! Ein Kerl, der sich getrost vor aller Welt m seiner Eigenart sehen lassen konnte! . . . Und nun zwb»- fcrte »er listig mit den Augen. Min, der Krohlow! Ein bißchen verrückt war der zwar immer gewesen, schon auf dem Gyrw° nasium hatte sich sein schmachtendes Herz gezeigt. (Beim. Mutter den Vater hatte er früh verloren wohnte in der Nähe eines Mädchenpensionats. Was hatte der Junge rwrdern Fensterpromenade gemacht! Und daoei keine Traube, eine günstige Gelegenheit zu benutzen, um sich der heimlich Ge­liebten vorzustellen. So'n hübscher Jung? . . . Göttchen ja, ettvas Schwäche hatte mindestens jeder! . . . Richtig, da war die Gernerstraße, die hinauf bis zur Halleschen, dann rechts­um, dreihundert Schritt, und er stand vor der Klausnerschen Fabrik, so hatte ihm her Freund gesagt! . . .

Herr Klausner saß in seimm Kontor und las die ein- gegangene Post. Seine Stirn legte sich in immer tiefere Fal­ten. Die Bestellungen aufKlausners Wohl" lieftn von Tag zu ^ag erbärmlicher ein, und er hatte einen Vorrat liegen, er mochte gar nicht im Lagerbuch Nachsehen, wie groß er war. Und wenn nicht mehr die Annoncen in die Welt hinaus flad- j^nt, würde das schöne Zahnwasser bald ganz vergessen sein. Seme Hand erfaßte einen Privatbrief. Er riß den UmschlaK auf, sah noch seiner Angewohnheit zuerst nach der Untep- schrift: Krohlow! Eine unwillige Bewegung mit dem Köpft, machte er, dann las er. Seine Augenbrauen rutschen hoch.

Borchardt!"

Der erste Buchhalter kam aus dem Nebenzimmer herbei­gelaufen.

Flammentod ist doch eine vorzügliche Sache, nicht wahr?"

Das kleine, alte Männchen hob beide Hände hoch.

Ganz vorzüglich! Neulich las ich, daß Aktiengesell­schaften , für Oesterreich-Ungarn. Belgien, England und Frankreich gegründet worden sind, die sich ausschließlich mit der Herstellung und dem Vertrieb dieser Erfindung befassen!"

Hm!" Einen Augenblick schloß Klausner die Augen.

. . . Da eröffneten sich Aussichten! Fragte sich's nur, ob sein Geldbeutel langte, um den Erfinder an sein Unternehmen zu fesseln!! . . . Ach was, das war ja Dummheit! So einer saß warm gebettet. Um der: rissen sich die Fabriken. Und die Aktiengesellschaften hatten sich natürlich die weitere Mitarbeit dieses Herrn Wellerkamp für ungeheure Summen gesichert!

Borchardt, der Erfinder vonFlammentod", wird nachher kommen, führen Sie ihn persönlich zu mir!"

Herr Klausner, da möcht ich gratulieren!"

Nicht zu früh! Ich weiß doch noch.gar nicht, was er will!" ....

Nachdem der Buchhalter gegangen, schob Klausner die Briefschaften beiseite und ging aufgeregt im Zimmer auf und ab . . . Der Krohlow war doch ein famoser Kerl! Und dieser Wellerkamp war sein Freund! Wahrscheinlich wußte der Be­scheid, wie die Aktien standen. Das wäre ganz gut. Denn dann