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Der zuckte unwillig die Achseln.
„Liegt am Namen, ich Hab's Ih nen damals glerch gesagt!" .
„Möglich! . . . Das ist gewesen! Jetzt heißt es: rn die Zukunft geblickt! Einen Massenartikel gebrauche ich! Sonst muß ich einen Teil meiner Arbeiterschaft entlassen! Uris was das für euren Eindruck macht, brauche ich Ihnen ja nicht erst zu sagen! . . . Aber ich bin dein Kröchls!"
„Ich habe meine Pläne, Herr Klausner, Sie Wissen doch: Probieren geht über studieren!"
„Ob ich das weiß! Also Massenartikel, Herr Doktor! Erw-as Billiges, tuaZ jeder braucht! . . . Na, tsch will Sie nicht stören! Guten Morgen!" ...
Nach! der Fabrik ging Klausner. Den! Doktor hatte er ein paar gute Sachen zu verdanken. Der bekam von hem Verkauf seine Tantiemen, aber ein angenehmer Mitarbeiter
war er nicht.
Dezius brununte ärgerlich vor sich hin, nachdem sein Chef gegangen war. -Er hielt viel von seinem Zahnwasser, hatte sich von ihm' goldene Berge versprochen, und nuuj der grandiose Reinsall.... Natür'l'z'i war da nur der Klausner mit der verrückten Benennung schuld! . . . Massenartikel! Billig! . . . Als ob man solche Neuigkeit aus den Äermeln schütteln könnte! In der Welt zerbrachen sich hunderttausend Männer mindestens täglich die Köpfe, wie man so etwas zustande brachte! . . - Nun, er hatte hier sein Auskommen, und an Fleiß ließ er es muh nicht fehlen! Aber wenn er wieder etwas Gutes erfand, denn diktierte er den' Namen, sonst schnürte er sein Bündel, ihn nahmen andere Fabriken mit Handkuß aus! . . .
Der Fabrikant schritt von Arbeitsranm $u Arbeitsraum. Blieb hier stehen, da, nickte seinen Leuten freundlich zu und nahm die Berichte der Werkmeister entgegen . . . Noch wurde das schlimme Wort nicht laut: Arbeitsmattgel, aber seine alten Vertrauensleute, die das Heranwachsen der Fabrik miterlebt hatten, fragten in den verschiedenen Sälen doch schon,' wie der Chef für die nächste Woche disponiert habe. Hier wagte er noch! nichts zu sagen, das; die Fäbrrkation von „Klausners Wohl" — vorläufig — eingestellt werde. Es umßte erst ein neuer Verteilungsplan ausgearbeitet werden, denn Arbeiterentlaffungen wollte er vermeiden, so tauge es irgend ging. Kündigte einer und der andere — und das kam ja immer vor —, so stellte er keinen neuen für sie ein... , .
Dann ging er wieder in sein Kontor mrd arbeitete, bis die Dampspseise der Fabrik verkündete, daß es Mittagszeit gewordenwar ....
Durch den Garten, dem mau -ansah, daß er noch nicht lange angelegt war, schritt Klausner seiner Villa, ans gelbem Sandstein erbaut, zu, langsam, die Hände aus dem Rücken. Hinter ihm lag die Fabrik, eine von Schnee bedeckte Dannenhecke bildete die Grenze. Wenn er die kleine Pforte öffnete, lieh er fast immer die Geschäftssorgen in den roten, großen Häusern zurück. Er war vorwärtsge- kvmmen, Aerger warf ihn nicht mehr um, so hatte er gedacht, als er sich hier seine Billa gebaut und den großen?
Garten angelegt_ Und nun waren doch wieder böse
Zeiten gekommen!... Also ehrlich seiner Frau und den beiden Töchtern gesagt, wie die Dinge standen — und sich ein wenig eingeschränkt. Das Blättchen wendete sich! auch schon wieder einmal. Nur klaren Kopf behalten!... Der Schnee knirschte unter seinen Füßen, bitterkalt war's heute, da beschleunigte er seine Schritte —
Als er mit dem Drücker die Haustür öffnete, kaue ihm sie blonde Trude, feine älteste, zweiundzwanzigjährige Toch?- ter entgegengestürzt, hing an seinein Halse.
„Papa, lieber Papa, soeben ist der Leutnant Krohlow gekommen, Mama ist im Salon bei ihm!... Bapa, lieber Papa!"
Er kam gar nicht zu Mort, so küßte ihn sein Mädel
ab_ Und die Lene, die ein paar Jahre jünger war,
steckte den dunklen Kops zu einer Tiire heraus, kicherte und schlug sie wieder zu.
Endlich hatte Klausner den Mantel ausgezogen. Ein Zucken lief über sein Volles Gesicht, dann war er wieder der ruhige, selbstbewußte Mann. Er hatte verstanden.
„Kind, Kind, das ist ja sehr plötzlich gegangen, wenn ich aus deinem Gestammel klug geworden bin!... Hals über Kopf geb ich eud) aber nicht meinen Segen, kann's einfach nicht!... Na, komm mit rein, ich deinem Leutnant zu sagen habe, mußt du mit anhören! Uitb ich! bitte mir aus:
keine Szenen und kein unnützes Gerede. Peinlichkeiten brichi nran nrit Anstand den Hals!"
Ehe die Trude ein Wort erwidern konnte, hatte er schon die Tür geöffnet.
„Guten Dag, Herr Leutnant!" Gin Händedruck folgte. „Guten Dag, liebe Tine," er küßte seine Frau auf die Stirn.
Der große, blonde Feldartilterist stand mit rotem Gesicht stramm da, den Helm in der Hand, im Waffenrock, mit Epauletts, um seine Werbung anzubringen, aber Klausner ließ ihn gar nicht erst zu Worte kommen.
„Herr Leutnant, Sie waren mir immer ein sehr lieber Gast! Und es tut mir herzlich? leid, daß ich Sie bitten MUß, Ihre Besuche einzuschränken! Selbstredend- bin ich genötigt, Ihnen die Gründe darzulegen, die Sie als Ehrenmann gelten lassen und für sich behalten müssen!... Ich habe dieses Jahr mit einem glatten Verlust von hunderttausend Mark gearbeitet, meine Töchter sind verwöhnt, ich Weiß, Sie haben selbst ein kleines Vermögen, trotzdem wüßte ich jetzt Gelder flüssig machen, und das darf ich nicht, denn meine Existenz steht auf dein Spiele... Sie sind noch jung, beide, also gewartet, vielleicht läßt sich über etwaige Projekte in drei Jahren sprechen, früher kaum!"... Klausner hielt dem Offizier die Hand hin. „Wie gesagt, ich habe nicht'das Geringste gegen Ihre Person einzu- wendeu, sonst wäre ich sicher nicht so offen gewiesen! Adieu, mein lieber Herr Leutnant, und hoffentlich auf Wiedersehen !"
„Herr Klausner, wenn wir uns einschränkten . .
Der schüttelte den Kopf.
„Ich bin Geschäftsmann! Hat man einmal einen Nackew schlag bekommen., muß mau's möglichst merken lassen, bas ist nicht hübsch, aber es läßt sich nicht ändern!"
Der junge Offizier verbeugte sich sichtlich verwirrt und verließ das Zimmer.
Trude Klausner weinte in einer Ecke still vor sich hin. Auch sie hatte mit der Möglichkeit nicht im entferntesten gerechnet. Aber die Liebe läßt sich nicht so leicht werfen, Papa hatte gerade jetzt den unerfreulichen Jahresabschluß gemacht, waren erst ein paar Wochen ins Land gegangen, würde sich manches in erfreulicherem Lichte zeigen. Aber sie wußte: mit Hartnäckigkeit verdarb sie alles! Also sich vorläufig damit abgefnnden und ihrem Schatze geschrieben, auf eine lange Probe würde ihre Geduld sicher nicht gestellt zu werden brauchen; daß ihr Vater ein beträchtliches Privatvermögen auf der Bank liegen hatte, war ihr bekannt. Merkte er nur erst, daß es'wieder vorwärts ging, dann wiirde er schon nrit sich reden lassen! . . . Nur jetzt vernünftig geblieben. Sie war doch ihres Vaters Tochter, der mit Ruhe und Zähigkeit sich emporgearbeitet hätte!. . .
Frau Klausner hatte mit ihrem Manne manche schtvere Zeiten durchgemacht, sie war eine große, schlanke Frau mit leicht ergrautem .Haar. Ihre Hände legte sie auf seine Schultern.
„Fritz, es ist nicht das erste Mal, daß wir einen Strich unter die unerfreuliche Rechnung ziehen mußten."
„Er ist schon gezogen! . . . Ein Hohn! Klausners Wohl!"
Spöttisch lachte er aus. Seine Frau nickte nur. Er aber nahm sie bei der einen, die Trude bei der andern Haub.
„So! Und nun den Kopf hoch! Pleite gehen wir noch lange nicht, aber die Ohren müssen wir steif halten! . . ... Und nun geht ihr beide zu Lene und schenkt der reinen Wein ein! In einer halben Stunde sitzt die Familie beim Mittagessen und macht keine langen Gesichter! Denn Unannehmlichkeiten zwingt man, indem man ihnen ruhig ins Auge sieht und sich nicht die Nerven kaput zerrest läßt!"
Als Frau und Tochter gegangen waren, fuhr er sich mit dem Taschentuche über die Stirn, atmete rief auf. . . Für heute war's genug! Uno uun gezeigt, daß Friedrich, Klausner ein ganzer Kerl war, über den die Konkurrenz nicht höhnisch die Mundwinkel verziehen durfte, er fuhr ihr schon wieder an die Karre, — aber tüchtig!
Die Hände in die Manteltaschen vergraben., mit vorgeneigtem Kops und schleppendem Säbel ging der Leutnant Krohlow nach, Hause . . Aus allen Wolken war er gefallen! Gar nicht auf den Gedanken war er gekommen, daß er sich! erneu Körb hätte holen können. Die Drudiö hatte ihn lieb, Klausners zählten zu den reichsten Leuten der Stadt, er war bei ihnen immer sehr freundlich aufgenommein


