Der Flammentöter.
Roman von Horst Bodemer.
(Nachdruck verboten.)
Herr Klausner, Besitzer einer ch.emischen Fabrik in einer größeren Stadt Mitteldeutschlands, lehnte sich weit in den Sessel zurück. Dann fu.hr er ^ sich mit der Hand über sein bartloses Gesicht, über die gra-'en, aufwärtsgebürsteten Haare. Ihm gegenüber au de _ ....a>tigen Schreibtische seines Privatkontors 'faß Hein erster Buchhalter, Borchardt, ein altes Männchen mit kahlem Schädel, grauem Spitzbart, eine goldumränderte Brille ans der Nase.
Tief holte!der Fabrikant Atem.
„Ungefähr so hoch habe ich mir die Verluste dieses Mahres vorgestellt. — glatte hunderttausend Mark!"
„Ganz allein dem Zahnwasser „Klausners Wohl" haben wir den Nackenschlag Pt verdanken, unsere übrigen Artikel weisen steigende Gewanne ans!" meinte der Buchhalter in bescheidenem Tone.
Mit flacher Hand schlug der Fabrikant durch die Lust. „Also Schluß damit, die Reklame hat und ungeheure Summe-« gekostet, es' war du Fehlschlag, mit dem wir uns vbfiudeu müssen! Wir haben doch auch recht gute Zeiten erlebt, alter Borchardt, das wissen wir doch ans unserer dreißigjährigen Zusammenarbeit!" Klausner wandte den Kopf dem Fenster zu. Die roten Gebäude, oie im Rechteck unr den großen Hof standen, hatte er alle nach und nach ausgeführt. In der chemischen Industrie werden leicht Vermögen erworben und — verloren. Es kommen so unheimlich viel Neuigkeiten ans den Markt, Sache der Reklame war es, diese einznführen, und die kosteten eben unheimlich!? Summen.
Der Buchhalter schwieg. Damals, als „Klausners Wohl" heraus gebracht wurde, hatte er- gleich Bedenken geäußert. Es gab so viele Zahnwasser, und wenn dieses neue auch ganz vorzüglich war, um es durchzusetzen, mußten andere Marken verdrängt werden, die mit einer Reklame eingeführt worden waren, welche Millionen gekostet hatte.
' Herr Klausner erhob sich.
„Also wahrhaftig. Schluß mit der Geschichte, sonst geh' ich dran kaput! Gleich werde ich unserem Reklamechef dre nötigen. Airweisungen geben nnd mit Herrn Doktor Dezins, Unserem Chemiker, sprechen! . . . Wir haben schlimmeren Stunden schon ruhig ins Auge gesehen! Guten Morgen, Borchardt!"
Der hatte sich auch erhoben, ruckte an ferner Brrlle und sah hinter dem Chef her. Mit dem zu arbeiten, war eine Freude. Ging einmal etwas schief, so blieb er ganz ruhig nitb behandelte seine Leute mit doppelter Freundlichkeit. So einer zwang widrige Umstände aus dre Knie. Mrt dem Zahnwasser hatte freilich sein klarer Mick versagt — aber er hatte sich so stark gefühlt, den Großmächten in der chemischen Industrie den Fehdehandschuh'^oi' die Füße
zu werfen. Jedenfalls War er in diesem Kampfe geschlagen worden
Die Treppen schritt Klausner hinauf zum Reklaineches. Er begrüßte den noch jugendlichen Herrn mit einenr Händedruck .An den Wänden hingen zeichnerische Entwürfe,^ paar Reißbretter standen in der Ecke. Der große Tisch, an dem der Reklamechef saß, war mit Briesschafteu und Zeitungsausschnitten bedeckt. Zwei große Aktenschränke bargen die Korrespondenz nnd die Belege.
„Herr Roht, wir kommen mit „Klausners Wohl" au.1 keinen grünen Zweig, neue Abschlüsse wollen wir nichl mehr mit den Zeitschriften und Zeitungen machen!/
„Gott sei Dank, Herr Klausner!"
Der Fabrikant sah erstaunt fetwm Reklamechef an Der hielt den Blick ruhig aus. Auf seirvenr Gesicht spielte sich die Freude über den Entschluß seines Chefs ab.
„W macht doch keinen Spaß, wenn man hier sitzt, Tag für Dag, sich abquält und dann erfahren muß, daß die Bestellungen den Erwartungen durchaus nicht entsprechen!" _ ^ t _ .
Da drückte ihm Klausner zum zweiter Male die Hand.
„Ich danke Ihnen! Ihre Worte haben mir wohlgetan! Hossentlich> finden wir bald etwas Neues, das' den Verlust aus der Welt schafft!"
Der Reklamechef wiegte den Kopf hin nnd her; ferne blauen Augen starrten aus die Diele, aus der aufgerissene Briefumschläge umherlagen.
„Was haben Sie denn? . . . Raus mit der Sprache!
„Herr Klausner, Gott, es fällt mir schwer, ich brn- keiner, der anderen ohne NU an die Karre fährt, aber seit Jahr und Dag versagt doch Doktor Dezins vollkommen, er kostet Ihnen' eine schwere Menge Geld! Was wird nicht allein an Versuchen verpulvert!... Kämen Sie nicht besser weg, sie warteten, bis sich Gelegenheit findet, eine neue Sache zu kaufen?.... Wenn wir durch Chiffreanuonce probierten, mit einigen Erfindern in Verbindung zu treten, es laufen genug in der Welt herum, und das wenigste wird etwas taugen, aber mitunter hat man Glück!... Die vertvaw lichen Verhandlungen zu führen, wenn irgendwo erne grerf- bare Aussicht ist, bin ich von Herzen gern erbötrg!'
Der Fabrikant nickte freundlich.
„Danke! Ich weiß, was ich an Ihnen habe!.^. ES kömite sein!... Und für den Fall werde.ich^mrch Ihres Angebots erinnern. Guten Morgen, Herr Roht!"...
Doktor Dezins stand in einem langem Lernennttel m seinem Laboratorium, als sein Chef dncrat. Beißerrder Qualm zog gerade zum geöffneten Fenster hmaus. Ern langer, schwarzer Bart umrahmte das blerche Gesucht de^ Chemikers ein. Er begrüßte Herrn Klausner mrt erner
förmlichen Verbeugung. ,. „ , . . ,
Der Fabrikant drückte auch ihm dre yand und sagte
mit „Klausners Wohl" har es ein Ende, Herr
Doktor!"


