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Korden, seine HLnftgen Besuche da draußen in der Billa Hatten doch verraten, wie es am chn stano, abgew!intt war Gm auch nicht worden — und rmn dieses energische Nein! .... Was anders war doch die Vertröstung auf drei Jahre nicht . . . Den Hausherrn hatte er allerdings wenig M Lehen bekornnwn, der war wohl auch 'des GlaubenS gewesen, so schlirmn würden die Verluste nicht sein, sich wieder aus- Llerchen drssen! . . . Im Kasino hatte man noch neulich, mit einern vielsagenden Seitenblick auf ihn, darüber geredet, Kos an so einer Flasche Jahn was, er verdient wurde! . . 4 Uub nun doch der riesige Verlust.! Daß der nicht von heute vuf morgen zu tilgen war, lag auf der Hand! Wer mit Klausners wurde sich schon noch reden lassen! . . . !Jm iGynrnasium hatte er mit Heinrrch Wellerkamp in eirrer Klasse gesessen, der wollte doch damals Chemie studieren! Ein heller Kops! Was mochte aus dem geworden sein? . . . Die Wege hatten sich getrennt. Bor Jahren war ihm einmal M Ohren Aeo-rmigen, daß Wellerkanrp aus der Universität ein rechter Raufbold geworden war . . .'Der mußte doch zu erwischen sein! Unter seinen Bekannten war vielleicht einer oder der andere, der etwas erfunden hatte. . . Einen Schimmer hatte er ja auch, -nie es in der chemischen Industrie zugeht, denn Lei den häufigen Besuchen iviar natürlich öfters das Gespräch auf dieses oder jenes gekommen, an dem Hunderttausende, Millionen im Handumdrehen verdient worden waren. Irgend etwas, das man dann in die Ecke geworfen, als es nicht mehr „zeitgemäß" war, an das heute niemand mehr dachte . . . Also gleich hingesetzt und an einen Freund geschrieben, der in der Stabt geblieben war, in der man gemeinsam das Gymnasium besucht hatte, er solle ihn: Wellerkanrps Adresse besorgen.
Der junge Offizier ging die nächsten Tage wie. im Traume Herum. Sein Batteriechef las ihm. die Leviten.
„Ja, zu in Teufel auch Herr Leutnant Krohlow, was ist denn in Sie gefahren?"
Und bald wußte er es. Man tuschelte es sich heimlich!
zü. .
Der arme Kerl hat sich bei Klausners einen Korb geholt! Wer das gedacht hatte!" . . .
(Fortsetzung folgt.)
Ser Ange-lÄUck im Paradiese.
Skizze von E l Cor re i.
„Entschuldigen Herr Leutnant .... Erkennen mich Herr Leutnant pich?"
In der gelben Sommer sonne stand da ein. Mann wie eine schwarze Silhouette, eine Krücke unter dem linken Arm, ein Umriß von preußischem! Landsturm.
Der angeredete junge Offizier, der auf der Bankern Park des Kurorts saß, schiittelte den Kopf. — .„Woher soll ich Sie kennen ?"
Der aufrecht an seiner Krücke Stehende j achte — lachte leise, behaglich und etwas verhalten glucksend, so wie dicke, satte Leute mit Vollbärten lachen, wenn von gewissen Düngen gesprochen wird.. Dem jungen Artillerieoffizier siel das.jedoch nicht auf Mit Müdem! Antlitz schaute er ans den Wegkies. Cr dachte: „Singt da ein Vogel oder eine Grasmücke?"
„Ja, Herr Leutnant," das kleine, anzügliche Lachen begann wieder, „Kurios war's damals!. Un noch kurioser is, daß ich den Herrn Leutnant hier treffe, rund nach einem Jahr! Schon seit ein paar Tagen beobachte ick/ den Herrn Leutnant un frag:« mich in einem zu: is Hr's wohl oder is er's nicht. . . Ich, bin — mit Verlaub — 'der Unteroffizier Horn — Sturm bei Berdnhn mitjemacht — Oberschenkelschuß — lauge im Lazarett jelegen — seit drei Wochen ihir am Ort zur Kur!"
Ter Offizier nickte nur. Was! ging! ihn das an? Ihn interessierte etwas anderes mehr. Er fragte ohne aufzublicken: „Singt da ein Vogel oder eine Grasmücke?" , 1
Unteroffizier Horn wich verblüfft um zwei halbe Schritte zurück. So stimmte es also doch: der junge Leutnant hatte es „mit den Nerven". Mit seiner Batterie hatte er einem' solchen Vernichtungsfeuer stand-gehalten, daß zuletzt nur er übrig blieb, zwischen Leichen und glühendem Eisen lebendig begraben, verschüttet, tagelang mit dem Tode ringend.
„Ein Vogel ist,'s!" sagte der .Uüterofsizier endlich „Aber, ich hätte Herrn Leutnant was zu berichten — von damals —- von Sommerweiler!"
Ter junge Offizier hob jäh den Kopf und starrte den Sprechenden ^an — starrte ihn an.mit seinen großen, tiefbrauuen, leiden-, schaftglühenden Augen . . . Und nun ivar der Unteroffizier serneü Sache ganz gewiß! Das 'tvar wirklich der kleine Artillerieoffizier, von damals. „Sie sind's!" rief er froh aus. „Gratuliere znmj Eisernen, Herr Leutnant! Und an Sommerweiler werden Sie sich doch erinnern! An die Nacht, wo die Nachtigallen aeschrien habeir wie nsch gescheid . ... Und wir zweie — sch meine, der Herr
Leutunnr mi sch — mrk die elektrische Taschenlatern« — von 6'ckm m Mla . , nn das Hans mit denk vertracktien Namen gesucht
Ej gefunden ! Un keine.Menschensseele, die ma hätte fragen rönnen! Nur die Nachtigallens ... Sv fast hie ganze Nacht durch, bis her Herr Leutnant plötzlich stehen.blieb un sagte-
Unteroffizier Horn hielt inne. Ter junge Offizier hatte sch erhooen, entsärbteu Gesichts.
. das träumte ich doch nur!" stammelte er und griff
m dre Luft, als tage er nach einer Spukgestalt seiner Einbildung.
„'Er, woher denn!" In Väterlichem Tone sagte es der Mann. „Tav geht allens mit rechten Dingen.zu! Die Welt ist lleene un man trifft^ sch! Un nun kann ich doch die Grüße ausrichten, die nur das Frölen hat aufgetragen für den Herrn Leutnant!"
Unger, der junge Offizier, wurde jäh purpurrot im Eestcht. -Er rang nach, Atem, -er känipfte sich d-urch die Ueber- MckMlg pmdnrch und stieß endlich hervor: .„Erzählen L-ie! Setzen ^ IW! Doch nein! Lassen Sie mich erst Nachdenken! . . . Wie war's doch damals ?"
t Er schloß, sich in hie Bank -zurücklehnend, seine Augen .
™ uan lahmer alles wieder vor sich: den Etappenplatz, das, tleme fremde Ltädtchen im Brande der Mittagssonne, die'holpe- M.eir Pilastergafsen, die gähnende Oede eines Marktplatzes mit platschernoem Brunnen. Geruch nach Staub und .Pferden. Auf oer Landstraße draußen in Staub und.Glut der Zug abrückender Kav-allene, der er beim Morgengrauen des andern Tages mit ferner Abteilung zu folgen hatte — fort an die Front, in Feuer nnd avd . Aber irgendwie war -er gebannt. Er mußte allein lern, irgendwie Abschied nehmen. Oder beten. Sich, finden zu emenl Begriff, p einem, Gefühl, das ihm half, ihm helfen würde, stnm br der Hilfe bedurfte ... Er hatte keine Eltern mehr, kerne Geschwrster, keinen aufrichtigen Freund. Nur Geld. Er war eir„ „reicher Junge" — in dieser Stunde aber fühlte er, !vie a rm er. war. Nur seine, geliebte Uniform, hatte er. Damit stand er Gott, die war sein Schicksal, die führte ihn zu Ehre und .Tod. — Mit dreien Gedanken war er durch die öden, unbekannten, sonneglühenden Gassen des Grenzstädtchens geschritten —; bis plötzlich rate Erscheinung vor.ihm auftauchtet Ein weißes Kiew, etn Paar stiller Augen, die ihn ansahen, als sei ihnen jede Regung fernes Herzens offenbar. . . Und cm diese Augen hing ttch plötzlich seine einsame Seele. Da war ein Halt, ein Verstehen, rat Zusammenklcmg seines Wesens mit einem anderen' Wesen.
Und er folgte der Frau. Er starrte sie unverwandt an, wartend. Denn sie war nicht -allein. Ein alter Herr und eine alte Tante waren bei ihr, vermutlich ihre Ettern. Sie gingen endlich un ein Hotel am Markt Md setzten sich in der kühlen. Allen Gaststube zu TrichEr blieb int Nebe.nl aal und durch hie offene Tür iichaut ax , zu ihr hin, bis «sie — wie hypnotisiert — aufstand und hau üb er in. den La-äl kam . . . Sie fragte leise, wie im Vorbei- gehen: „Warum sehen Sie mich.so -an?" ,
Seine Hand faßte nach der ihren. „Ich muß Sie sprechen," bat ev „Wo?"
„Sommeriveiler — Villa Beau Sejour!" flüsterte sie.
„Ich kann nur abends kommen!" flog's von s-eiuen Lippen. „Erwarten, Sie mich!"
Sie nickte, entzog nach kurzem Truck ihre Hand der seinen und ging an ihm vorbei.
, Und abendsf als Jer Dienst ihn freigab. machte er sich nach dein nahen VMenort Souimerweiler aus den Weg. Schwer dufteten! aus den fremden Gärten die Rosen. Tie Akazien Ließen ihre! BlüLentranben leuchten und strömten ihren Wohlgeruch in weichen' Wellen aus. Tie Nachtigallen flöteten -ohne Unterlast Die ganze Welt atmete in einem geheimnisvollen, feierlichen Glück des -Leuts ...
Und ^dieses feierliche und womteschwere Glück fühlte er Llich in sich. Seine, Hand empfand noch wohlig den Druck einer anderen Hand; seine Lippen glühten gleichsam noch vom Anhauch eines anderen Mundes. Tabei über allem -ein Staunen, dem er keine Begriffe leihen wollte... Es war wie im Paradiese, Wo sich die Seelen faitden ohne Worte,-ohne die gemeinen Gesten des Alltags. In ganzer erfüllender Seligkeit erschloß sich ihm das Wunderbare. Er hatte Gnade gefunden vor dem Allgeist der Liebe und durfte noch einmal leben — -leben, bevor er hcugiug, um zu sterben. Tenn das wußte er in dieser Rosennacht, Aus ihn wartete,der baldige, schwarze Tod, der heilige Opfertod ß'irS Vaterland. Lerne Stunden waren gezählt. Sein Name stand bereits im Bml'e der Ewigkeit. . ;
, Später dachte er freilich anders über diese Stunde und ihre Stimmung. Später maß er alles .mit Hein Maße der Sucht nach einem letzten^Abenteiuer iml Zeichjen des -Kriegs, der alle Schranken lockert. Später glaubte er, von einer Leichtfertigen nur genarrt zu sein, denn er fand die genannte Villa nicht. An jeder! Gartentüre starrd er still und wurde von tausend schwülen Düften, tausend Geräuschen, Schatten und Sinnestäuschungen trunken. Und die Zeit verstrich, die köstliche Zeit seines bemessenen Eigertlebens. Als er zwei abseits liegenden Lcmdhäuseru, die init erhellten Balkou.eu lockten, zuhastete, gesellte sich ein Mann zu ihm, wie er im feldgrauen Mck, eine kleine Pfeife rauchend. Der half ihm flijchcht rmd beleuchtete mit seiner Taschenlat-erlte die Namensschilder^ an den Villen. Vergebens:, weit irnib breit keine Billa Bearl Lejour. — Ter Tramrr vom' Paradies war ans. Ein Leid.


