Ausgabe 
15.6.1918
 
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RS $» tagen. Wie wundervoll. Wir sftch-verr irr den jmmen Day hinein. Der graue Klecks du rechts, das ist die Küste von Holland. Wenn uns also jetzt etwas Menschliches zustoßen sollte, dann haben wir immer noch unsere Schwimmwesten und rönnen auf den grauen Klecks zuyalten. Schauen S:e rückwärts! England rst in der Nacht verschwunden. Wir aber fliegen den: Tag entgegen. Ist das nicht herrlich?"

Me nickte.

Jetzt brauche ich die Papiere des Eaptain Lyngford nicht mehr." Er hatte aus seiner Brieftasche einige Schrift stücke zusammengesucht.Sie haben mir lange genug g::te Dienste getan. Jetzt bin ich vor aller Welt wieder dev deut­sche Hauptmann Paul "Kersten."

Befreit hatte er die kalte Morgenluft eingeatmet.

Da vorne, wo der Küstenstreifen lichter wird, da liegen die ftiesischen Inseln. Da werden, wir rechts ab biegen. Dann sind wir innerhalb der deutschen Gewässer. Wrr tpüssen , bald den Vorposten der deutschen Flotte begegne::. Lugen .Sie scharf ans, Baroneß."

Marianne hatte das Fernglas an die 'Augen gesetzt.

Ja, ja, mich dünkt, ganz da vorne ist so etwas wie ein Schiff."

Wollen Sie mir einen Augenblick d-ß Fernglas herüoerreichen? Danke. . . Ja, das ist ein kleiner Kreuzer oder wohl eher ein Hochseetorpedoboot. Es scheint still zu ftegen."

Er gah ihr das Glas zurück.

Können Sie die Flagge nicht erkennen?"

Marianne schüttelte das Haupt. '

Gs hat anscheinend keine Flagge aufgesetzt."

Es wird wohl ein deutsches oder neutrales Schiff kein. Die Briten wagen sich nicht so weit an die deutsche Bucht heran. Wir wollen drauszu halten."

. . . Umb plötzlich hatte er da unten ein kleines werßes Wölkchen gesehen.

Sie beschießen uns!" schrie er auf.Schrrell, schnell, Baroneß, ein weißes Ducht Jia, nehmen Sie Ihr Taschew- ttdchl Winken Sie! Hier ist ins in Notizbuch ! Zerreiße n! Sie die weißen Blätter und lassen Sie sie daponslatteLn! Schon wieder ein Schuß! Schrvell! Um Gottes willen! Der nächste Schuß ist ein Doffer!"

Und dann hatten sie einen furchtbaren Stoß verspürt. Der Motor hatte ausgesetzt.

Marianne!" ries er . . . Es war das erste Mul, in dieser Angst lum ihr Leben, daß er sie beim Namen nannte. Marianne, sind Sie verletzt?"

Und von zitternden Lippen kam es zjnrück:

Nein, ich, bin unversehrt. Und Sie?"

Er hatte keine Zeit zu ^antworten. Der Schuß hatte in den Motor eürgeschlagen.

Werfen Sie den Ueberrock ab, Marianne, und springen Sie ins Meer! In längstens eir:er Minute brennt das Flug­zeug lichterloh. Wenn sie Menschen sind und Erbarmen

hakwn, werden sie uns auffischen. Sonst-Drüben

ist Holland."

Mechanisch hatte sie gehorcht, und auch er hatte den Ueberrock abgestveift. Als er die Wellen über ihr zus-cm:me:r- schlagen sah, ivar er ihr nachgesprungen. Dann . . . ja, dann mußte er die Besinnung verloren haben.

Und wo war er nun? Gr konnte gwade durch die runde Luke der Kammer einen Blick hinarlslverfen. >Gr sah ein Stückchen grauen Himmel und das Meer und er hörte, wie die Wellen an die Schiffswand klatschten. Ob er gelähmt war? Gr fühlte jedenfalls am ganzen Körper eine wanne Näffe. Mein Gott! Und solch einen Berg von -""Ten und Decken hatte man aus ihn getürmt. Er mußte

gelang ihm, den Kopf etwas zu heben, und da sah er mit Reißzwecken an die Tür geheftet aus einer illustrier­ten Zeitung das Bild des Deutschen Kaisers' und dmwben einen Lichtdruck vom Grafen Zeppelin und dm: Marschällen Htnideriburg und Mackensen.

Da wußte er, daß er auf einem deutschen Schiff und daß er geborgt war.

Und Marimrne?

Zähes Eirtsetzen stieg in ihm auf.

Hatte:: sie ihn allein aufgeftscht und war Atariamre in den Wogen versunken?

Er wollte ausspringen. Mit aller Kraft stemmte er qmm die Kissenlast -auf seiner Brust. Gs gelang ih!m, Kopf nach links zu drehen. Da sah er an der anderen

Wand der kleinen Kammer ein zioeites Bett stehe::. Und Unter einem Berg von Kissen u:rd Decken schauten zwei treue, liebe Augen Kn ihm herübler.

Ties ineinander tauchite ihr Mick.

Dann flüsterte er zag und leise:

Marianne!"

Wie Andacht klang es.

Und noch einmal:Marianne!"

Und dann lauter:

Marianne, wir sind gerettet, wir sind aus einem deut­schen Schiff, aus deutschem Boden. Und hier auf deutschem' Boden iivollte ich erst du: Frage an Sie richten . . ."

Gr hielt inne und sah sie fest an:

Marianne, wollen wir jetzt immer zusamnrenbleiben, Wollen Sie . . . willst du mein sein, Marianne?"

Sie öffnete die Lippen zum Sprecher:, ganz wenig nur, er sah die Zähne kaum dahinter blitzen. Gm Laut nur war's, unhörbar fast, und doch ahnte, fühlte, wußte er­daß dieser Laut sie ihm zu eigen machte für Zeit und Gvigkeit. Ein Jubelruf entrang sich seiner Kehle.

Marianne! Marianne! Du, Liebe, Liebste, du!"

Und zwei selig leuchtende Augenpaare trafen sich in einer:: Strahle reinsten Glückes.

Dar Telephon in der Eisenbahn.

Won Artur Für st. (Nachdruck verboten.)

Meine Ruh' ist hin!" seufzte der dicke Bankier Müller, indem er sich mühsam aus seinen: bequemen Fenstersitz in der erste!: Klasse erhob. In der Dür des Abteils stand der Laufjunge des D-Zuges, der ihm ebe:r zugerusen hatte:Sie werden am Telephon verlangt r

Ach", dachte iber Bankier, während er sich zu der Fernsprech?- zelle in dem Bureauwagen begab, der gleich hinter dem Speise wagen lief.Ach, wie gut war's doch früher! Da hatte man wenig- steiis während der Fahrt seine Ruhe. Und jetzt ttüijj man ans Telephon sogar bei 120 Kilometer Stundengesäpoindigkeit!"

Das eben geschilderte Kleine Begebnis ist für Europa noch ein Zukunftsbild-, doch schon (wird angekündigt, daß wir bald nach dem Krieg mit einer solchen Einrichtung gesegnet werden sollen. Armes zwanzigstes Jahrhundert! Du bist wirklich daraus aus, all unsere Nervenkraft zu vernichten. Dieses Mußerste, dieses Letzte hat uns noch gefehlt! >

Das Problem der Eisenbähntrlephonie war nur auf drahtlosem Wege lösbar. .Denn etwa mit Kontaktbügeln, die auf Drähte» schleifen, eine ständige elektrische Verbindung des fahrenden Zuges mit der Außenwelt herzustellen, ist nicht gut möglich. Die Draht- leituugen wären für die Geringfügigkeit ihrer Ausnutzung viel zu teuer geworden. Der Aether aber stellt sich überall umsonst und gern zur Verfügung.

Schon seit mehreren Jahren hat sich zur Aether-Telegraphie auch die Aether-Telephonie gesellt. Don großen. Stationen aus über den Ozean zu telephonieren ist heute kein Kunstück mehr. Es fanrb nach den: Kriege sicher oft geübt werden.. Und hierbei sei -cm* gemerkt, daß Fernsprechen durch lange Kabel bis zum heutigen Tag unmöglich ist, infolge der eigentümlichen Ladungserscheinun gen, die in den Unterwasserdrähten austreten. Die forsche, jüngere Art dev Fernübermittlung hat also die ältere schon geschlagen. Daß man bisher Gott sei Dank! aus dem fahrenden Zuge noch nicht telephonieren konnte, kan: nur daher, daß für das drahtlose Fern-, sprechen bisher sehr umfangreiche Maschineimnlagen notwendig, waren. Heute geht es nun mit den höchst eigentünllichen and ge­heimnisvollen neuen Vorrichtungen sehr viel leichter und einfachere Und wie geschwind- ist eine solche Anlage hergerichtet! Da braucht man nicht erst große Pläne zu zeichnen, mit Bodenbesitzern, zu ver­handeln, schwierige Gestänge zu errichten, man hat nur nötig, am Zug und ar: den verschiedenen Empfangsstellen die Apparattir auf­zubauen, und schon kam: es los gehen.

Welch ein außerordentliches (Wunder aber ist die drahtloi« Uebermittlung der menschlichen Sprache! Derselbe freie Raum, in dem unser Wort in wenigen Metern Entfernung spurlos verhallt, dieser selbe Raum trägt nun die Sprache über Hunderte von Kilo­meter:: mit voller Klarheit himveg, Mit größerer Deutlichkeit wgar, als sie in der: Telephvndr ächten geführt rvird. Dem: in der draht­loser: Anlage fehlen alle Nebengeräusche. Es ist eben nun nicht mehr die Luft, die de:: Schall befördert, sondern der Aether nimmt ihn! mit auf die Reise. Es werden immer gleichbleibende, fern hinans- strahlende Grund schwing ungen des Aethers erzeugt, unddiesen prägt man durch einen zu geschaltete!: Sprechapparat die äußerst seinen und disserenzierten .Schwingungen der Sprache auf. Die Aetherwellen nehmen diese gewissermaßen aus starkem Rucken mtt sich und lassen sie durch nichts verlvischen. ^

Hier Müller!", ruft indessen der Bankier m der ^ripprech- zelle des Zuges, und klar und deutlich vernimmt er die strnime seines Prokuristen, der ihm euren höchst unangenehmen Geschäfts­verlust nicht bis zu seiner Ankunft an: Wohnort verheimlichen zu können meinte. Dem Sprechenden wird es heiß in der kleinen Zelle. NacGem er den: Telephon entrönne:», geht er dr:rch die Tift